82 H- Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870. einen zweiten, welcher die Samenpakete in die Presse einlegte, die Presse in Gang setzte und später wieder leerte, und endlich einen dritten, welcher die Beutel bzw. Tücher von den Öl kuchen abzog und letztere verpackte. Sollte die Arbeit ohne Aufenthalt von statten gehen, d. h. in diesem Falle die Leistungs fähigkeit der Presse nach Möglichkeit ausgenutzt werden, so konnte man keinen dieser drei Leute entbehren, da z. B. die Zeit der Pressung, während welcher der an der Presse beschäftigte Arbeiter nichts zu tun hatte, nicht lange genug dauerte, daß dieser Arbeiter inzwischen die Verrichtungen eines der beiden anderen vollbringen könnte. Andererseits wurde aber bei Be trieb einer Presse die Arbeitskraft keines der drei Arbeiter voll ausgenutzt. Diese reichte vielmehr zum Betrieb von zwei ja sogar drei Personen aus. Auch die vorhandene Betriebskraft wurde beim Betriebe nur einer Presse nicht ununterbrochen ver wendet, da sie ja während der Zeit des Füllens und Leerens der Presse nicht benötigt wurde. Zu einer wirtschaftlichen Gestal tung des Betriebes waren demnach mindestens zwei Pressen nötig. Bei diesen gestaltete sich die Arbeitsweise dann so, daß die zweite Presse, während die Pumpen auf die erste einwirk ten, mit Samenbeuteln gefüllt wurde, dann die erste Presse ab gestellt wurde, und die Pumpen auf die zweite Presse gerichtet wurden; auf diese wirkten sie dann so lange ein, bis die erste Presse entleert und wieder gefüllt war, worauf sich die Arbeit in umgekehrter Reihenfolge wiederholte. Auf diese Weise ge lang es ohne Erhöhung der Betriebsunkosten, die Leistungs fähigkeit der Mühle zu verdoppeln. Immerhin war auch hiermit noch nicht der höchste Grad der Wirtschaftlichkeit erreicht. Ich habe im vorigen Kapitel be reits darauf hingewiesen, daß man in manchen Ölmühlen mit eigenen Vor- und Nachpressen arbeitete. Dies brachte mehrere Vorteile mit sich, bedeutete aber eine weitere Vergrößerung des Betriebes. Da das Samenmehl bei der ersten Pressung noch alles Öl enthält, geht hier die Ölabgabe beim Pressen viel leichter und unter geringerem Drucke vor sich, als bei der zweiten Pressung. Man kann daher hier die Kuchen bedeutend stärker machen als beim Nachschlag, d. h. die jedesmalige Charge der Presse kann eine größere sein. Diese Erkenntnis setzte man dadurch in die Praxis um, daß man für die erste Pressung eigene Pressen baute, welche zwar nur einen geringeren Druck als die Nachschlag-