3. Der Einfluß der fortschreitenden Technik. 85 pressen einschließlich Pumpen mit ca. 31 000 Frs. so niedrig an genommen, daß man sie in Deutschland — wenigstens in den zwanziger und dreißiger Jahren — zu diesem Preise wohl schwerlich bekommen konnte 4 ). Die mit modernen Maschinen ausgerüsteten Ölmühlen be nötigten jedoch nicht nur ein größeres stehendes Kapital als die alten Ölmühlen, auch das umlaufende Kapital stieg natürlich mit der Vergrößerung der Leistungsfähigkeit der Betriebe, weil be deutend größere Saatvorräte als früher gehalten werden mußten. Standen in einem Betriebe größere flüssige Kapitalien zur Ver fügung, so konnte derselbe daraus unter Umständen große Vorteile ziehen. Ich habe bereits im vorigen Abschnitte darauf hinge wiesen, daß die häufigen Schwankungen in den Rohmaterial preisen infolge des hohen Anteils der Rohmaterialkosten an den gesamten Betriebskosten auch große Schwankungen in der Höhe der Ölpreise verursachten. Wie wir des weiteren bei unseren Untersuchungen über die Gestaltung der Produktionskosten nach Einführung der neuen Technik gesehen haben, hatte sich die Hoff nung der Ölmüller auf eine Herabminderung dieses Einflusses der Rohmaterialpreise auf die Ölpreise durch die Erhöhung der Ölausbeute nicht erfüllt, es war sogar dieser Einfluß noch ge stiegen. Für den kapitalkräftigen Ölmüller entstand aus dieser Tatsache seinem kapitalschwächeren Konkurrenten gegenüber der Vorteil, daß er durch geschicktes Anpassen an die jeweilige Konjunktur (vergl. S. 44) häufig größere Spekulationsgewinne erzielen konnte, während dies den kleinen kapitalschwachen Öl müllern, auch wenn sie die Geschäftslage richtig erkannten, meistens wegen ihres Mangels an flüssigen Kapitalien nicht möglich war. Nicht genug mit dieser Inanspruchnahme ihrer Kapitalkraft traten bald weitere Forderungen an die Ölmühlenbesitzer heran. In vielen Fällen stellte es sich nämlich heraus, daß die Einfüh rung der Dampfkraft in den Betrieb unumgänglich nötig war, da die vorhandenen Naturkräfte den gesteigerten Kraftansprüchen, wie sie eine Folge der bedeutenden Vergrößerungen der Be triebe waren, nicht mehr genügen konnten. Aber auch wo dies 4 ) Scholl, einer der besten Kenner der Ölmüllerei seiner Zeit, gibt in seinem bekannten Werke 1844 die Kosten einer Pressenanlage von einer vertikalen Vor- und vier horizontalen Nachpressen einschl. Pumpen auf ca. 7500 Tlr. an.