3. Der Einfluß der fortschreitenden Technik. 87 lieh auch trotz der erhöhten Ölausbeute der Verbrauch an Roh material zu. Wie bedeutend diese Zunahme war, ersehen wir bei einem Vergleiche des Rohmaterialbedarfs der einzelnen Öl mühlen früherer und jetziger Zeit. Wir haben im vorigen Ab schnitte gesehen, daß die Roßölmühlen durchschnittlich ca. 200 kg Saat täglich (in 12—18 Stunden) verarbeiteten, und daß der Be darf großer Wassermühlen mit 8—10 Stampferpaaren sich auf ca. 300—350 kg bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 bis 16 Stunden belief. Aus der uns hier interessierenden Zeit wird uns dagegen berichtet 6 ), daß die in Ölmühlen mit 2 hydrau lischen Pressen in 12 Stunden verarbeitete Saatmenge un gefähr 700—1000 kg betrug und in den großen Ölmühlen mit 5—7 Pressen auf 3500—6000 kg anwuchs. Auch arbeiteten diese Fabriken in der Kampagnezeit meistens Tag und Nacht, so daß sich also der tägliche Bedarf noch verdoppelte. Bei einer derartigen Leistungsfähigkeit der einzelnen Mühlen konnte na türlich der Absatz nicht mehr auf den lokalen Markt beschränkt bleiben, sondern er mußte sich weiter ausdehnen. Voraus setzung hierfür, sowie für die Beschaffung der Rohmaterialien waren aber neben einer günstigen Lage vor allem gute Trans portmittel und -wege. So haben wir also, um es noch einmal zusammenzufassen, drei Vorbedingungen 7 ), welche erst erfüllt sein müssen, ehe sich die hydraulische Presse und mit ihr der Fabrikbetrieb all gemein durchsetzen können, nämlich die Kapitalkraft der Öl müller muß bedeutend gestiegen sein, bzw. das Anlage suchende Kapital muß für unser Gewerbe interessiert werden, die Dampf maschine muß so verbessert und verbilligt sein, daß sie für die Ölmühle rentabel wird, und endlich muß der Verkehr so vervoll kommnet sein, daß die Ölfabriken sich bequem mit genügendem Rohmaterial versorgen können und ihre mit modernen Maschinen hergestellten billigeren und besseren Erzeugnisse auch auf größere Entfernungen noch konkurrenzfähig bleiben. 6 ) Vgl. Scholl, I. c. und Rühlmann, „Allgemeine Maschinenlehre“. Braunschweig 1865 und 1876. Bd. II, 1. und 2. Auflage. 7 ) Eine weitere Vorbedingung bildete natürlich das Vorhandensein genügender Absatzmöglichkeiten. Diese waren aber, wie ich ja im ersten Kapitel dieses Abschnittes ausgeführt habe, bereits vorhanden, auch Ge legenheit zum Massenabsatz bot sich namentlich in den Industriegegenden in genügendem Maße.