98 H. Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870. Grund der statistischen Aufnahmen aus den Jahren 1810—1813 einen Begriff machen. Im Jahre 1810 gab es in den östlichen Provinzen neben 251 Wasser- und 4 Windölmühlen 209 Roßölmühlen und 3462 Hand und Fußölstampfen. Diese 3462 Ölstampfen dürften wohl ausschließlich Lohnwerk betrieben haben, ebenso die Roßöl mühlen, so weit letztere nicht zur Eigenproduktion benutzt wur den. Auch der größte Teil der Wasser- und Windölmühlen hat ohne Zweifel, wenn auch nicht hauptsächlich, so doch neben der Handelsmüllerei Lohnmüllerei betrieben, wie ich im ersten Abschnitt ja näher ausgeführt habe. Für den Ölmüller brachte die Lohnmüllerei mancherlei Nach teile mit sich. Von günstigen Konjunkturen konnte er weder beim Saateinkauf noch beim Ölverkauf Nutzen ziehen, wohl aber konnte sein Schlaglohn, wenn er „in natura“ bezahlt war (was damals meistens geschah), durch sinkende Ölpreise an Geldwert verlieren. Der ganze Betrieb konzentrierte sich auf wenige Monate nach der Ernte, in denen dann meist ununter brochen Tag und Nacht gearbeitet werden mußte; während der übrigen Zeit des Jahres stand die Ölstampfe meist unbenutzt, und der Ölmüller mußte seinen Unterhalt auf irgendeine andere Weise verdienen. Trotz des großen Andranges in der Kampa gnezeit konnte der Ölmüller häufig seinen Betrieb nicht voll aus nutzen, da er ja jeden Bauer einzeln bedienen mußte, d. h. die Ölsaat desselben erst vollständig verarbeiten mußte, ehe er den Posten eines anderen Kunden in Angriff nehmen konnte. Dieser letztere Nachteil hatte in den Wasser- und Windölmühlen zu einer anderen Art der Lohnmüllerei geführt, nämlich der Tausch müllerei 28 ). Diese ermöglichte eine vollkommenere Ausnutzung der Betriebskraft sowohl wie auch der Maschinen, brachte aber wieder neue Schwierigkeiten mit sich, da sie häufig zu Streitig keiten zwischen Ölmüller und Kunden über den Wert der ein gelieferten Ölsaaten sowohl, wie des als Entgelt gelieferten Öles führten. Überhaupt hatte die Lohnmüllerei auch für den Kunden manche Unannehmlichkeiten. Diese lagen, wie ich im vorigen Abschnitt ja mehrfach erläutert habe, besonders in der minder wertigen Beschaffenheit der gegen Schlaglohn hergestellten Öle, welche zum Teil in den schlechten Maschinen, zum Teil in der 28 ) Diese Tauschmüllerei ist beschrieben S. 37.