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        <title>Die deutsche Ölmüllerei</title>
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            <forname>Hermann</forname>
            <surname>Klaue</surname>
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            <idno>1023363054</idno>
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      <div>34 I. DieLage derÖlmüllerei in Preußen vorEinführung deröewerbefreiheit. 
wie vier Paar Stampfen gewöhnlicher Dimension, während er 
nur der Kraft von drei Paar Stampfen bedarf 10 * ). 
Neben diesem Vorteil der Ölgänge muß man noch die 
höheren Reparaturkosten der Stampfwerke in Betracht ziehen 
und außerdem auch die Schäden berücksichtigen, welche die 
Stampfwerke wegen des mit ihrem Betriebe verbundenen un 
erträglichen Lärmes auf die Gesundheit der in solchen Ölmühlen 
arbeitenden Leute haben mußten. Nach einem Praktiker der 
damaligen Zeit 11 ) soll nämlich ein Stampfer, um wirksam zu 
sein, ein Gewicht von 115—120 Pfund haben und in der Minute 
56—60 Schläge machen. Nehmen wir nun ein Stampfwerk mit 
der Durchschnittszahl von 6 Paar Stampfen an, so fallen in 
jeder Minute ca. 700 Schläge. Es bedarf wohl keiner näheren 
Ausführungen, um zu beweisen, einerseits wie schädlich der 
hierdurch verursachte Lärm auf Nerven und Gesundheit der Öl 
müller einwirken mußte, andererseits wie durch die 700 Schläge 
in der Minute die Umgebung des Stampfwerkes sowie dieses 
selbst in beständige Erschütterung versetzt und dadurch sowohl 
die Getriebe wie auch die ganzen Gebäude geschwächt wurden. 
Trotz all dieser unverkennbaren Vorzüge der Ölgänge hatten 
sich diese bisher in Deutschland nicht allgemein einbürgern und 
die Stampfwerke verdrängen können. Worin lag die Ursache 
für diese Erscheinung? 
In erster Linie dürfte hier der Konservatismus der Ölmüller 
selbst zu nennen sein. Nichts drängte diese zu technischen Fort 
schritten, war doch infolge der veralteten Wirtschaftsgesetz 
gebung Konkurrenz so gut wie gar nicht zu befürchten. Wozu 
sich also in größere Unkosten stürzen, wo sie sogar wohl 
häufig die Neuerung nur vom Hörensagen kannten, da die Fach 
literatur in jener Zeit äußerst spärlich war. Hierzu kommt noch, 
und das dürfte gleichzeitig eine weitere Ursache für die geringe 
Verbreitung der Ölgänge sein, daß die Landleute die meist als 
Viehfutter dienenden Ölkuchen aus der in Stampfwerken zer 
kleinerten Saat denjenigen vorzogen, bei denen die Saat auf Öl 
gängen zerkleinert wurde, weil erstere leichter in Flüssigkeiten 
aufzuweichen waren. Der Grund für diese bessere Löslichkeit 
10 ) Schreiber, „Praktisches Hilfsbuch für die Besitzer von Ölmühlen“. 
Königsberg 1837. S. 39. 
”) Schreiber, „Praktisches Hilfsbuch“ S. 32.</div>
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