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        <title>Die deutsche Ölmüllerei</title>
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            <surname>Klaue</surname>
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      <div>36 I. Die Lage der Ölmüllerei in Preußen vor Einführung der Gewerbefreiheit. 
den Schleim auszutrocknen. Während dieser Erwärmung mußte 
das Samenmehl auf dem Wärmeofen beständig umgerührt wer 
den, damit die Erwärmung eine gleichmäßige sei und das Samen 
mehl nicht an einzelnen Stellen anbrenne; in den Ölschlägereien 
und Roßölmühlen wurde dies durch Menschen besorgt, während 
man in den Wind- und Wasserölmühlen dazu ein Rührwerk 
hatte, das von der Hauptwelle aus in Bewegung gesetzt wurde, 
und das natürlich billiger und obendrein noch zuverlässiger war 
als Menschenkraft. 
Bei dem Erwärmen, häufig auch bereits während des Stamp 
fens, wurde dem Samenmehl etwas warmes Wasser zugesetzt, 
weil die zerkleinerten Samen ohne diesen Wasserzusatz vielfach 
ein trockenes Pulver bildeten, welches beim Pressen nur wenig 
Öl hergab und auch dieses wenige nur beschwerlich. Das ge 
hörige Maß des Wasserzusatzes und der richtige Grad der Er 
wärmung der Saat waren zwei Verrichtungen, bei welchen es 
sich zeigte, ob der Ölmüller etwas von seinem Berufe verstand, 
war beides doch bei jeder Saat verschieden und lediglich Sache 
der Geschicklichkeit und Erfahrung des Ölmüllers 15 ). Gerade 
über diese Verrichtungen hören wir denn auch in den Veröffent 
lichungen der damaligen Zeit vielfach Klagen, ob mit Recht oder 
Unrecht kann natürlich heute, da der Ölgehalt der Samen der 
einzelnen Ernten sehr stark schwankt, nicht mehr festgestellt 
werden. Von welcher Wichtigkeit aber eben diese Verrichtungen 
waren, geht zur Genüge aus einer Bemerkung bei Krünitz 16 ) her 
vor, welche besagt, „daß die Ölsamen bei richtiger Behandlung 
das Drei- ja Vierfache an öl geben als bei unzweckmäßiger“. 
Zum Auspressen des Samenmehles bediente man sich in den 
Wind- und Wassermühlen entweder der Schlägel- oder der Ramm 
presse. Erstere waren hauptsächlich im Norden verbreitet, wäh 
rend man im Westen schon vor 1800 zum großen Teil Ramm 
pressen benutzte. 
Bevor ich mich über die Zweckmäßigkeit dieser beiden 
16 ) „Den richtigen Grad der Erwärmung der Öisaat erkennen die 
Ölmüller daran, daß das Mehl, zwischen den Händen gedrückt, das Öl 
leicht fahren läßt, und in der Form, welche es durch den Druck der Hand 
erhielt, stehen bleibt, also fähig ist, einen Kuchen zu bilden.“ Jede weiter 
getriebene Erwärmung wirkte nicht nur nachteilig auf die Größe der Öl 
ausbeutung, sondern auch auf die Qualität des Öles selbst. Scholl, 1. c. S. 83. 
i«) Krünitz, 1. c. Teil 104, S. 493.</div>
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