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        <title>Die deutsche Ölmüllerei</title>
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            <surname>Klaue</surname>
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      <div>3. Der Einfluß der fortschreitenden Technik. 
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Untüchtigkeit und Unredlichkeit der Lohnmüller ihre Ursache 
hatten. Mit dem Übergang zur Handelsmüllerei fielen diese 
Nachteile natürlich fort, da nunmehr der Ölmüller im eigensten 
Interesse auf die Erzeugung möglichst guter Qualitäten be 
dacht war. 
Der Übergang zur Handelsmüllerei war eine notwendige 
Konsequenz der neuen Technik. Infolge des hohen stehenden 
und umlaufenden Kapitals war nämlich regelmäßige und voll 
ständige Verwertung der Maschinen und der Betriebskraft, so 
wie Ausnützung jeder günstigen Konjunktur eine Vorbedingung 
für ein gutes Gedeihen des Unternehmens. Durch die Nachteile, 
welche die Lohnmüllerei sowohl für die Ölmüller wie auch die 
Kunden mit sich brachte, wurde nun dieser Übergang wesentlich 
erleichtert. Trotzdem würde er sich wohl nicht so schnell haben 
vollziehen können, wenn der Ölmüllerei nicht durch den großen 
Aufschwung der Industrie und die schnelle Ausbreitung der 
Eisenbahnen ein neues Absatzgebiet entstanden wäre, von wel 
chem die Lohnmüllerei aus natürlichen Gründen ausgeschlossen 
war. 
Von der bedeutenden Steigerung des Bedarfs der Öl ver 
arbeitenden Industrien (besonders der Seifenindustrie) habe ich 
bereits im I. Kapitel dieses Abschnittes gesprochen und damals 
auch die ganz außerordentliche Verbreitung des Rüböles als 
Brennmaterial behandelt, welche eine Folge der verbesserten 
Reinigungsmethoden des Rüböles sowohl, wie auch der Vervoll 
kommnung der Lampen war. Als Beleuchtungsmaterial diente das 
Rüböl aber nicht nur in den Wohnungen auf dem Lande und in 
der Stadt, sondern es war bis über die Mitte des 19. Jahrhun 
derts hinaus schlankweg das Leuchtmittel und wurde dement 
sprechend in großen Mengen auch im Gewerbebetrieb und auf 
den neu entstehenden Eisenbahnen als Lichtquelle benötigt. 
Mit der Einführung der Dampfmaschine und dem allge 
meinen Aufkommen der Maschinentechnik kam zu diesen beiden 
für den Absatz in großen Mengen geeigneten Gebieten noch ein 
drittes mit der Verwendung des Rüböles als Schmiermittel. Wie 
bedeutend diese neue Verwendungsart des Rüböles für die Ver 
mehrung des Absatzes war, braucht wohl nicht eingehender er 
örtert zu werden, da wir, die wir im Zeitalter der Maschine 
leben, ja täglich Gelegenheit haben, uns von dem Werte des 
Schmiermittels zur Verminderung der Reibung zwischen sich 
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