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        <title>Die Entwicklung der deutschen Stahlindustrie mit besonderer Berücksichtigung der Martinstahlerzeugung und der Bedeutung des Schrottes für dieselbe</title>
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            <forname>Emil</forname>
            <surname>Künzer</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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          <msIdentifier>
            <idno>1023991519</idno>
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        Die  Entwicklung
der  deutschen  Stahlindustrie
mit  besonderer  Berücksichtigung  der
Martinstahlerzeugung

und  der  Bedeutung  des  Schrottes  für  dieselbe.
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        Die  Entwicklung
der  deutschen  Stahlindustrie
mit  besonderer  Berücksichtigung  der
Martinstahlerzeugung
und  der  Bedeutung  des  Schrottes  für  dieselbe.

Inaugural  -  Diss  ertation
zur
Erlangung  der  Würde  eines  Doktor  Philosophiae
der
Grossherzoglich  Badischen  Universität  in  Heidelberg
vorgelegt  von
Emil^Künzer.
o—

Neunkirchen  (Saar)
Buchdruckerei  Otto  H.  Bauer
1013.
        <pb n="3" />
        Literatur.
Simmersbach,  die  Eisenindustrie,
Wüst,  die  Entwicklung  der  deutschen  Eisenindustrie  in  den  letzen
Jahren.
Schumacher,  die  westdeutsche  Eisenindustrie  und  die  Moselkanalisierung, ­

Tille,  südwestdeutsche  Wirtschaftsfragen.
Sehmer,  die  Erzversorgung  von  Europa,
Verein  deutscher  Eisenhüttenleute,  gemeinfaßliche  Darstellung  der
Eisenhüttenkunde.
Stahl  und  Eisen,  Zeitschrift  des  Vereins  deutscher  Eisenhüttenleute.
Zeitschrift  des  Vereins  deutscher  Ingenieure.
        <pb n="4" />
        Die  Entwicklung  der  deutschen  Stahlindustrie  mit  besonderer ­
  Berücksichtigung  der  Martinstahlerzeugung
und  der  Bedeutung  des  Schrottes  für  dieselbe.

Inhalt.
I.  Vergleichende  Darstellung  der  Wirtschaftslage  der  deutschen  und
ausländischen  Eisenindustrie,
II.  Technische  Vorbemerkung.
III.  Die  Entwicklung  der  verschiedenen  Stahlbereitungsarten.
a)  Das  Bessemerverfahren,
b)  Das  Thomasverfahren,
c)  Das  Martinverfahren.
IV.  Die  Entstehung  des  Martinverfahrens  in  den  einzelnen  deutschen
Industriezentren.
a)  Oberschlesien,
b)  Lothringen  —  Luxemburg  —  Saarrevier,
c)  Niederrheinland  und  Westfalen.
V.  Die  deutschen  Martinöfen  und  ihre  Gesamt-Erzeugung.
VI.  Die  verschiedenen  für  das  Martinverfahren  in  Frage  kommenden
Schrottarten.
VII,  Die  Schrottentstehung.
VIII.  Die  Bedeutung  des  Schrottes.
IX.  Der  Bedarf  der  preussischen  Eisenbahnverwaltung  an  neuem
Eisenbahnbaumaterial  und  der  Verkauf  von  Altmaterial.
X.  Schrottpreise.
XI.  Der  Schrotthandel  und  Versuche  zu  dessen  Organisierung.
XII.  Das  Martinverfahren  mit  flüssigem  Roheiseneinsatz,
        <pb n="5" />
        Unter  den  an  der  Stahl-  und  Eisenerzeugung  beteiligten ­
  Ländern  steht  Deutschland  seit  mehreren  Jahren
sowohl  für  die  Stahl-  wie  für  die  Eisenerzeugung  an
zweiter  Stelle;  dagegen  ist  England,  das  vor  nicht  allzulanger ­
  Zeit  die  Führung  hatte,  an  den  dritten  und  vierten
Platz  zurückgedrängt  worden.  Den  ersten  Platz  behauptet
jetzt  mit  einem  anscheinend  unerreichbaren  Vorsprung  die
nordamerikanische  Union.  Jedoch  ist  in  den  Vereinigten
Staaten  die  Erzeugungsentwiklung  in  den  letzen  Jahren
nicht  gleichmäßig  gewesen.  In  der  Eisenerzeugung  war  der
Ertrag  des  Jahres  1911  —  die  Gewichtsmenge  betrug  23,6
Millionen  Tonnen  —  um  2,2  Millionen  geringer  als  im
Jahre  1910,  Auch  in  der  Stahlindustrie  ist  das  Jahr  1911
mit  einer  Erzeugung  von  22,5  Millionen  Tonnen  hinter  der
Erzeugung  der  beiden  Vorjahre,  die  nahezu  24  Millionen
in  1909  und  über  26  in  1910  betragen  hatte,  beträchtlich
zurückgeblieben.
Deutschland  hat  dagegen  seine  Eisenerzeugung  fortgesetzt ­
  gesteigert:  von  12,9  in  1909  auf  14,8  Millionen  in
1910  und  15,5  Millionen  in  1911,  Auch  die  Stahlherstellung ­
  zeigt  steigenden  Verlauf  mit  12  Millionen  im  Jahre
1909  und  13,7  Millionen  in  1910.  England  erfreut  sich
zwar  einer  fortgesetzten  Zunahme  seiner  Eisen-  und  Stahlerzeugung, ­
  die  aber  so  wenig  beträchtlich  ist,  daß  der
Vorsprung,,  den  Deutschland  gegenüber  England  besitzt,
immer  größer  wird.  Während  im  Jahre  1909  der  Ueberschuß
  der  deutschen  Eisenerzeugung  über  die  englische
erst  3,4  Millionen  Tonnen  betrug,  belief  er  sich  im  Jahre
1910  bereits  auf  nahezu  4,8  Millionen  und  hat  im  Jahre
        <pb n="6" />
        6

1911  die  Größe  von  5,5  Millionen  erreicht.  Ebenso  hat
sich  in  der  Stahlherstellung  der  Vorsprung  Deutschlands
gegenüber  Englands  erhöht,  von  6,2  Millionen  im  Jahre
1909  auf  7,7  Millionen  im  Jahre  1910.
Frankreich  befindet  sich  ungefähr  in  gleicher  Lage
wie  England,  seine  Stahl-  und  Eisenerzeugung  macht  Fortschritte, ­
  kann  aber  in  der  Steigerung  den  Wettbewerb
mit  den  Vereinigten  Staaten  und  Deutschland  nicht  mehr
aufnehmen,  Frankreich  steht  mit  einer  Eisenerzeugungsmenge ­
  von  4,4  Millionen  Tonnen  im  Jahre  1911  und  mit
einer  Stahlerzeugungsmenge  von  3,7  Millionen  Tonnen  in
der  Reihe  der  vier  Länder  an  letzter  Stelle,  Die  gewaltige ­
  Ueberlegenheit  der  Vereinigten  Staaten  tritt  besonders
deutlich  in  Erscheinung,  wenn  man  sich  vergegenwärtigt,
daß  im  Jahre  1910  die  Eisenerzeugung  der  Vereinigten
Staaten  nur  um  1V 3  Million  geringer  war  als  die  Eisenerzeugung ­
  Deutschlands,  Englands  und  Frankreichs  zusammengenommen, ­
  und  wenn  man  sich  ferner  vergegenwärtigt, ­
  daß  die  Stahlerzeugung  der  Vereinigten  Staaten  von
Amerika  in  dem  gleichen  Jahre  um  über  3  Millionen  Tonnen
größer  war  als  die  in  Deutschland,  England  und  Frankreich ­
  erzielte  Menge,
Die  deutsche  Eisenindustrie  verdient  insofern  ein
Interesse,  als  ihre  Entwicklung  kennzeichnend  für  unsere
Großindustrie  ist.  Noch  mehr  —  sie  schreitet  an  der
Spitze  und  hat  die  wirtschaftliche  Führung  aller  Industrien
übernommen,  die  mit  dem  Berg-  und  Hüttenwesen  in
irgend  einem  Zusammenhänge  stehen.
Warum  das  so  ist,  kann  man  nicht  so  ohne  weiteres
sagen.  Die  Statistik  wird  kaum  die  Handhabe  geben.
Man  kann  aber  leicht  die  Erklärung  finden,  wenn  man  die
Versammlungen  der  Eisenhüttenleute  verfolgt.  Wenn
man  sieht  wie  dort  wissenschaftlich  und  wirtschaftlich  gearbeitet ­
  wird,  wie  Kohle  und  Eisen  ihre  Zusammengehörig ­
        <pb n="7" />
        7

keit  ausdrücken,  wie  die  Maschinenindustrie  und  die  chemische ­
  Industrie  ihre  Mitarbeiter  entsenden,  und  wie  auch
die  Staatsbehörden  vertreten  sind,  um  Fühlung  mit  allen
Erscheinungen  zu  haben,  welche  die  schnelle  Entwickelung
eines  Industriestaates  auf  die  Tagesordnung  stellt.
Im  Jahre  1880  herrschte  England  noch  unumschränkt,
wie  es  als  erste  Industriemacht  gewohnt  war.  Es  erzeugte
in  diesem  Jahre  8000000  t  Roheisen,  Deutschland  nur
3000000  t  und  die  Vereinigten  Staaten  4000000  t.  In
der  Folgezeit  wuchsen  die  Erzeugnisse  aller  drei  Länder,
aber  die  Englands  sehr  langsam.  So  kam  es,  daß  es  bereits ­
  im  Jahre  1889  von  den  Vereinigten  Staaten  und
1900  von  Deutschland  eingeholt  wurde.  Gegenwärtig  beträgt ­
  die  Jahreserzeugung  der  Vereinigten  Staaten  26  Millionen ­
  Tonnen,  Deutschlands  13  Millionen  Tonnen,  Großbritanniens ­
  10  Millionen  Tonnen.  Die  anderen  Länder
zusammen  erzeugten  nur  etwa  20  °/o  der  Welterzeugung.
Die  Roheisenstatistik  ist  für  das  gesamte  Eisenhüttenwesen ­
  kennzeichnend.  Stahlwerks-  und  Walzwerkserzeugnisse ­
  schließen  sich  den  Zahlen  an.
Untersucht  man  die  Grundlagen  der  Eisenindustrie
der  drei  Länder,  so  muß  man  sie  vom  technischen  und
wirtschaftlichen  Standpunkte  gleichzeitig  betrachten.
Die  Vereinigten  Staaten  sind  am  besten  ausgestattet.
Eine  vorzügliche  billige  Kokskohle  in  den  Alleghanies  und
sehr  reiche,  gutartige  und  große  Eisenerzvorkommen  an
den  westlichen  Ufern  des  Oberen  Sees  bilden  den  Grundstock. ­
  Dazu  werden  diese  Erze  auf  den  billigen  Wasserstraßen ­
  der  großen  Seen  mit  den  vollkommensten  Transport- ­
  und  Verlademitteln  befördert.
Wirtschaftlich  liegt  es  so,  daß  die  Vereinigten  Staaten
erst  l /a  ihres  Landes  mit  einer  Bevölkerungsdichte,  die  an
europäische  Verhältnisse  erinnert,  besiedelt  haben.  s / 8
harren  noch  größtenteils  der  wirtschaftlichen  Erschließung.
        <pb n="8" />
        8

Diese  geschieht  durch  den  Bau  von  Eisenbahnen;  Landstraßen ­
  und  Kanäle  kommen  kaum  in  Betracht,  Alle
Schienen,  Brücken,  Lokomotiven,  Eisenbahnwagen  werden
in  dem  Lande  der  hohen  Schutzzölle  ausschließlich  von
amerikanischen  Werken  geliefert.
Noch  mehr,  auch  für  die  Eisenbahnen,  die  in  Kanada
und  Mexiko  gebaut  werden,  gilt  dasselbe.  Es  ist  dies  ein
Beweis  für  die  weit  ausholende,  rücksichtslose  Politik  der
großen  Trusts,  deren  Einfluß  auch  da  nicht  halt  macht,
wo  die  Gebietsteile  anderer  Staaten  beginnen,
Ueberall,  wo  die  Eisenbahn  ihre  Trace  zieht,  folgen
die  Pioniere  der  Kultur,  die  Farmer,  die  Bergleute  und
die  Industriearbeiter,  überall  neue  Absatzgebiete  für  Eisen
und  Maschinen  eröffnend.
Großbritanien  hat  als  große  Kolonialmacht  sehr  günstige ­
  wirtschaftliche  Verhältnisse.  Den  Kolonialregierungen
und  den  in  den  Kolonien  ansässigen  Engländern  gelingt  es
meist,  fremde  Wettbewerber  bei  Eisenbahn-  und  anderen
großen  Lieferungen  fernzuhalten.  Sie  sorgen  auch  im
Interesse  des  Mutterlandes  dafür,  daß  in  Indien,  Kapland
und  Australien  und  anderen  Kolonien  keine  Eisenindustrie
von  nennenswerter  Bedeutung  entsteht.
Der  Schiffbau  hat  in  doppelter  Beziehung  Einfluß.
Einmal  ist  die  große  britische  Handelsflotte,  welche  in
runder  Zahl  4mal  so  groß  ist  wie  die  deutsche  und  ständischer ­
  Ergänzung  und  Erneuerung  bedarf,  ein  guter  Eisenabnehmer; ­
  anderseits  begünstigen  die  englischen  Reedereien ­
  den  Außenhandel  ihres  Reichs  und  den  Absatz  einheimischer ­
  Erzeugnisse.  Dazu  kommt  die  günstige  Lage
der  Eisenwerke  an  der  Küste  und  die  Nachbarschaft  von
Kohle  und  Eisenerz,  wie  sie  vielfach  besteht.  Allerdings
beruht  die  Hälfte  der  Roheisenerzeugung  auf  ausländischen
Erzen  (in  Deutschland  sind  es  etwa  40  u / y )  die  aber  frachtgünstiger ­
  für  englische  als  für  deutsche  Werke  liegen.
        <pb n="9" />
        In  Deutscland  ist  dies  alles  ganz  anders.  Die  wirtschaftliche ­
  Lage  ist  viel  schwieriger.
Um  die  gegenwärtige  Erzeugungsmenge  aufrecht  zu
erhalten,  müssen  wir  ungefähr  1 / 3  dem  Gewicht  nach  gerechnet, ­
  in  das  Ausland  führen.  Legt  man  Geldwert  zugrunde, ­
  so  erhöht  sich  die  Zahl  auf  nahezu  50  %,  auch
wenn  man  die  Einfuhr  von  vornherein  in  Abzug  bringt.
Dieses  Ausfuhrgut  stößt  im  Auslande  auf  Wettbewerb,  oft
von  mehreren  Seiten  und  meist  auch  auf  Einfuhrzölle.
Um  diese  Schwierigkeiten  zu  bekämpfen  mußte  die  deutsche ­
  Eisenindustrie  von  Jahr  zu  Jahr  mehr  dazu  übergehen ­
  verfeinerte  Erzeugnisse  auszuführen,  die  allerdings
zum  Teil  außerhalb  der  Eisenhüttenwerke  hergestellt  werden, ­
  So  arbeitet  der  deutsche  Großmaschinenbau,  der
große  Mengen  von  Eisen  und  Stahl  verbraucht,  zu  etwa
50  %  auf  Ausfuhr.
Geht  man  in  das  Gebiet  der  Kleinindustrie  z.  B,  in
das  bergische  Land,  so  erfährt  man  vielfach  noch  höhere
Ziffern.
In  Gestalt  von  unzähligen  Warengattungen  muß  die
deutsche  Eisenindustrie  ihren  Absatz  im  Auslande  suchen
und  findet  ihn,  dank  der  Tüchtigkeit,  der  Sprachkenntnisse
und  des  Anpassungsvermögens  seiner  Kaufleute.
Das  natürliche  Absatzgebiet  Deutschlands  für  Eisenbahnmaterial ­
  ist  bei  dem  Fehlen  bedeutender  Kolonien
lediglich  das  Inland,  Das  Eisenbahnnetz  Deutschlands  ist
aber  ausgebaut;  es  handelt  sich  also  nur  um  kleinere  Anschlußstrecken ­
  und  um  Ergänzungen,  Letztere  haben  in
dem  letzten  Jahrzehnt  infolge  des  allgemeinen  industriellen
Aufschwungs  allerdings  verhältnismäßig  große  Erzeugungsmengen ­
  aufgenommen,  aber  diese  Werte  sind  sehr  klein
im  Vergleich  mit  den  Absatzbeträgen,  welche  die  zahlreichen ­
  neuen  Strecken  der  englischen  Kolonien  und  des
amerikanischen  Festlandes  verschlingen.
        <pb n="10" />
        10

In  technischer  Beziehung  liegen  die  Verhältnisse  in
Deutschland  derart,  daß  nirgends  Kohle  und  Eisenerze
zusammen  Vorkommen,  wenn  man  die  oberschlesischen
Erze  als  abgebaut  betrachtet,  was  beinahe  zutrifft.  Da,
wo  Kohlen  Vorkommen,  müssen  die  Erze  zum  größten
Teil  aus  dem  Auslande  über  See  eingeführt  werden,  und
da,  wo  Erze  gewonnen  werden,  muß  Koks  meist  auf  weite
Eisenbahnfrachtstrecken  herangeschafft  werden.
Etwa  44  %  des  Roheisens  wird  aus  der  Minette  erzeugt, ­
  einem  armen,  aber  billig  zu  fördernden,  phosphorreichen ­
  Eisenerz,  das  in  Lothringen  und  Luxemburg,  hart
an  der  französischen  Grenze,  in  mächtigen  Flözen  vorkommt, ­
  die  auch  nach  Frankreich  hinüberstreichen  ;  16  °/o
des  Roheisens  werden  aus  anderen  einheimischen  Erzen,
vorwiegend  Siegerländer,  nassauischen  und  Ilseder  Erzen,
erblasen  und  40  °/ 0  aus  ausländischen  Erzen,  an  denen  die
Länder  aller  Weltteile,  aber  Spanien  und  Schweden  besonders ­
  großen  Anteil  haben.
Die  Roheisenerzeugung  aus  ausländischen  Erzen  gegeschieht
  am  Niederrhein  und  in  Westfalen  unter  Benutzung ­
  der  Wasserstraßen  des  Rheins  und  der  Ems  und  zum
Teil  in  Oberschlesien  unter  Benutzung  der  Oder.
Die  auf  dem  Ruhrkohlenbecken  aufgebaute  Eisenindustrie ­
  erzeugt  40  °/ 0 ,  der  Lothringer-Luxemburger  Bezirk, ­
  einschließlich  des  auch  auf  die  Minette  angewiesenen
Saarbezirks,  ebenfalls  40  °/o  des  Roheisens,  Die  übrigen
20  %  verteilen  sich  auf  das  Siegerland  und  Nassau  mit
7  %,  Oberschlesien  mit  8  u /„,  Ilsede  mit  3  °/o  und  einige
andere  Gegenden.
In  der  Zukunft  —  man  rechnet  mit  30  Jahren  —
wird  man  auf  die  Siegerländer  und  einige  andere  Erzvorkommen ­
  verzichten  müssen.  Es  wird  dann  die  Minette
das  einzige  große,  für  ein  bis  zwei  Jahrhunderte  ausreichende ­
  deutsche  Erzvorkommen  darstellen.  Trotzdem
        <pb n="11" />
        11

wird  die  Eisenindustrie  anderer  Gegenden  nicht  verschwinden, ­
  weil  in  Lothringen  ein  geeigneter  Arbeiterstamm ­
  fehlt  und  schwer  zu  beschaffen  ist.  Viele  Betriebe
müssen  mit  einer  Belegschaft  geführt  werden,  die  bis  zu
90  %  aus  Italienern  besteht,  Dieser  Umstand  gleicht  die
höheren  Erzeugungskosten  im  Rheinlande,  Westfalen  und
Oberschlesien  zum  Teil  aus.  Hier  besteht  auch  die  Möglichkeit ­
  einer  Verfeinerungs-  und  Veredelungsindustrie,
welche  große  Umsatzwerte  schafft  und  die  Zollschranken
bei  der  Ausfuhr  meist  leichter  überwindet.
Die  geschilderten  wirtschaftlichen  und  technischen
Verhältnisse  lassen  erkennen,  daß  der  Kampf  auf  dem
Weltmärkte  mit  sehr  ungleichen  Waffen  geführt  wird.
Amerika  und  England  sind  Deutschland  weit  voraus,  so
daß  unter  gleichartiger  Geschäfts-  und  Betriebsführung
Deutschland  bald  vom  Weltmärkte  zurückgedrängt  sein
würde.  Bisher  ist  es  aber  gelungen,  die  Stellung  dadurch
zu  behaupten,  daß  die  Oekonomie  des  Betriebes  ersetzen
mußte,  was  durch  die  Ungunst  der  Verhältnisse  entgeht.
Seine  jetzige  Machtstellung  auch  auf  technischem
Gebiete  verdankt  unser  modernes  Eisenhüttenwesen  den
großen  Verbänden  und  Syndikaten,  in  deren  Zeichen  es
voll  und  ganz  steht.  Die  Tätigkeit  der  Syndikate  hat  sich
darin  als  segensreich  erwiesen,  daß  eine  Stetigkeit  der
Erzeugungsmengen  und  Preise  eingetreten  ist.  Diese  Stetigkeit ­
  erlaubt  technische  Verbesserungen  auf  Grund  zuverlässiger ­
  Kalkulationen  einzuführen.  Man  hat  zuerst
befürchtet,  daß  durch  das  Ausschalten  des  Wettbewerbes
—  die  Verkaufspreise  sind  für  alle  Werke  die  gleichen  —
auch  der  Wettbewerb  in  technischer  Beziehung  aufhören
würde;  gerade  das  Gegenteil  ist  eingetreten.  Es  kommt
darauf  an,  welches  Werk  die  besten  Einrichtungen  und
die  sparsamste  Betriebsführung  und  infolgedessen  die  geringsten ­
  Selbkosten  hat.  Abgesehen  davon  muß  jedes
        <pb n="12" />
        12

Werk  im  Ausblick  auf  den  neuen  Vertragsschluß  dahin
streben,  eine  große  Erzeugungsmenge  leisten  zu  können
und  auf  den  guten  Ruf  der  eigenen  Erzeugnisse  zu  halten,
um  bei  Festsetzung  der  neuen  Anteilziffern  nicht  zu  kurz
zu  kommen.
Die  Syndikate  setzen  die  Preise  im  Verein  mit  anderen ­
  Syndikaten,  z,  B,  dem  Kohlensyndikat,  fest,  halten
sie  aber  absichtlich  so  niedrig,  daß  nur  Werke  mit  guten
und  zeitgemäßen  Einrichtungen  eine  dem  Begriff  des  Industriekapitals ­
  angemessene  Verzinsung  herausbringen
können,  und  im  weiteren  Sinne  auch  nur  die  Werke,
welche  alle  erforderlichen  Rohstoffe  in  eigenen  Betrieben
herstellen,
So  sind  in  dieser  Erwägung  die  Werke  entstanden,
die  Kohlen  und  Erzgruben  ihr  eigen  nennen  und  meist
auch  umfangreiche  Werkstätten  angegliedert  haben,  um
ihre  Erzeugnisse  möglichst  handelsfertig  abzuliefern.  Wirtschaftliche ­
  und  technische  Erwägungen  haben  dazu  geführt
den  Umfang  der  Werke  zu  vergrößern.  Vor  zehn  Jahren
galt  eine  tägliche  Erzeugungsmenge  von  1000  t  als  die
übliche,  inzwischen  sind  aber  viele  Werke  entstanden,  die
3000  t  täglich  erzeugen,  in  einigen  Fällen  auf  ein  und  demselben ­
  Grundstück.
        <pb n="13" />
        Technische  Vorbemerkung.
Das  in  dem  Gewerbe  unter  dem  Namen  Eisen  verwandte ­
  Metall  ist  kein  Element,  sondern  eine  Legierung;
denn  chemisch  reines  Eisen  wird  technisch  nicht  verwertet,
da  seine  Herstellung  einerseits  viel  zu  kostspielig  ist,
während  andererseits  das  reine  Metall  sehr  weich  und
dabei  äußerst  schwer  schmelzbar  ist.  In  den  Eisenlegierungen ­
  finden  wir  fast  ausnahmslos  Mangan,  Silizium,
Phosphor  und  stets  Kohlenstoff,  deren  Einfluß  auf  die
chemischen  und  physikalischen  Eigenschaften  des  Eisens
ein  so  tief  greifender  ist,  daß  die  durch  ihn  bedingten
Unterschiede  seit  Jahrhunderten  die  Grundlage  bilden  für
die  Einteilung  des  Eisens  in  mehrere  Sorten.
Unter  Zugrundelegung  der  Menge  und  der  Art  des
in  dem  Eisen  enthaltenen  Kohlenstoffs  erhalten  wir  folgende ­
  Einteilung:
I.  Roheisen,  mit  mehr  als  2°/ 0  Kohlenstoff,  geht  beim
Schmelzen  aus  dem  festen  unmittelbar  in  den  flüssigen, ­
  gießbaren  Zustand  über;  es  läßt  sich  nicht
schmieden.
a)  Weisses  Roheisen,  der  Kohlenstoff  ist  an  das
Eisen  chemisch  gebunden.  Die  Legierung  ist  sehr
hart,  spröde,  von  silberweißer  Farbe  und  wird  in
erster  Linie  zum  Zwecke  der  Umwandlung  in
schmiedbares  Eisen  dargestellt;  der  Schmelzpunkt
liegt  bei  etwa  1100 0  C.
b)  Graues  Roheisen,  ein  mehr  oder  minder  großer
Teil  des  Kohlenstoffs  ist  als  Graphit  oder  Temper
Kohle  zugegen.  Es  ist  weicher,  zäher,  von  hellgrauer ­
  bis  tiefgrauer  Farbe  und  dient  zum  Teil
ebenfalls  zur  Umwandlung  in  schmiedbares  Eisen,
        <pb n="14" />
        14

zum  Teil  zur  Erzeugung  von  Gußwaren.  Der
Schmelzpunkt  liegt  bei  etwa  1200°  C,
II.  Schmiedbares  Eisen,  mit  weniger  als  2  °/ 0
Kohlenstoff,  ist  schmiedbar,  strengflüssig  und  geht
beim  Schmelzen  erst  allmählich  aus  dem  festen
über  den  teigförmigen  in  den  flüssigen  Zustand  über.
Bei  der  Einstellung  des  schmiedbaren  Eisens  ist  man
von  zwei  verschiedenen  Gesichtspunkten  ausgegangen:
entweder  von  der  Herstellungsart  oder  von  den  chemischen ­
  bezw.  mechanischen  Eigenschaften  des  Materials.
Im  ersteren  Falle  unterscheidet  man  zwischen  Schweißeisen ­
  und  Flußeisen,  im  letzteren  zwischen  Schmiedeeisen
und  Stahl;  jedoch  sind  die  beiden  letztgenannten  Begriffe
nicht  feststehend.  Die  Grenze  zwischen  ihnen  bildete
früher  der  höhere,  die  Härtbarkeit  des  Stahles  bedingende
Kohlenstoffgehalt;  heute  aber,  wo  so  viele  Uebergangsarten
  hergestellt  werden  und  es  ferner  keine  scharfen
Grenzen  für  die  Härtbarkeit  gibt,  ist  die  alte  Einteilungsweise ­
  nicht  mehr  scharf  aufrecht  zu  erhalten.  Auch  die
Versuche  den  Kohlenstoffgehalt  als  Kennzeichen  für  die
Grenze  von  Eisen  und  Stahl  zu  bestimmen,  haben  nicht
ihren  Zweck  erreicht,  weil  dem  Eisen  durch  Zusatz  von
gewissen  anderen  Metallen,  z.  B.  Nickel,  Chrom,  Mangan,
Wolfram,  auch  bei  geringerem  Kohlenstoffgehalt  eine
größere  Härte  erteilt  wird.  Als  weiteres  Unterscheidungsmerkmal ­
  hat  man  dann  an  einigen  Stellen  die  Zugfestigkeit ­
  eingeführt  und  nach  den  Bestimmungen  der  Preußischen ­
  Eisenbahnverwaltung  vom  Jahre  1889  sowie  nach
den  Vorschlägen  des  Deutschen  Verbandes  für  die  Materialprüfungen ­
  der  Technik  alles  Material,  das  mehr  als
50  kg  Festigkeit  für  1  qmm  Querschnitt  besitzt,  als  Stahl
bezeichnet;  aber  auch  diese  Unterscheidungsgrenze  ist
nicht  ganz  eindeutig,  da  das  Ergebnis  der  Festigkeitsprüfung ­
  je  nach  der  thermischen  Vorbehandlung  und  nach
        <pb n="15" />
        15

der  Größe  des  Probestückes  verschieden  ausfällt.  Trotz
dieser  mannigfachen  Bestrebungen  nach  Vereinheitlichung
der  Namengebung  ist  auch  heute  der  Begriff  Stahl  in  der
Praxis  noch  schwankend,  und  die  Wahl  der  Bezeichnung
ist  mehr  oder  weniger  der  Willkür  anheimgegeben.  Ganz
allgemein  spricht  man  bei  uns  von  „Stahlwerken“  —  und
nie  von  „Flußeisenwerke“  —,  selbst  dann  wenn  die  betreffenden ­
  Werke  ausschließlich  Flußeisen  mit  einer  unter
50  kg/qmm  Festigkeit  darstellen  und  im  Betriebe  spricht
man  von  „Stahlblöcken"  unbekümmert  darum,  ob  das
Material  wirklich  50  kg/qmm  Festigkeit  besitzt  oder  nicht,
gerade  so  gut  wie  die  Engländer  und  Franzosen  auch
heute  noch  einfach  steel  bezw.  acier  sagen,  gleichviel  ob
es  sich  um  ein  weiches  oder  hartes  Erzeugnis  handelt.
Berücksichtigt  man  noch  die  Art  der  Gewinnung  und
den  Zustand  in  dem  sich  das  schmiedbare  Eisen  am  Ende
des  Herstellungsverfahrens  befindet,  so  ergeben  sich  folgende ­
  Unterabteilungen:  Schweißstahl  und  Flußstahl,  bezw,
Schweißeisen  und  Flußeisen,
I,  Roheisen

nicht  schmiedbar,  spröde,  beim  Erhitzen  plötzlich  schmelzend, ­
  Gehalt  an  Kohlenstoff  mindestens  2  °/ 0 ,

1,  Weißes  Roheisen,
Der  Kohlenstoff  ist  chemich
  gebunden.  Farbe  der
Bruchfläche  weiß.  Härter
und  spröder  als  graues
Roheisen,

2,  Graues  Roheisen,
Ein  Teil  des  Kohlenstoffs
wird  beim  Erkalten  graphitisch ­
  ausgeschieden.  Farbe
der  Bruchfläche  grau.

II.  Schmiedbares  Eisen.

Schmiedbar  und  in  gewöhnlicher  Temperatur  weniger
        <pb n="16" />
        16

spröde  als  Roheisen,  beim  Erhitzen  allmählich  bis  zum
Schmelzen  erweichend.  Gehalt  an  Kohlenstoff  weniger
als  2  %.

1.  Schweißeisen  u.  Schweißstahl ­

Im  nichtflüssigen  teigartigen
Zustand  erzeugt.  Schlackenhaltig ­
  und  aus  zahlreichen,
einzeln  entstandenen  zusammengeschweißten ­
  Eisenkörnern ­
  bestehend.
a)  Schweißstahl  b)  Schweißeisen. ­


2.  Flußeisen  und  Flußstahl, ­

Im  flüssigen  Zustand  erzeugt. ­
  Schlackenfrei,

a)  Flußstahl  b)  Flußeisen.
        <pb n="17" />
        Unser  modernes  Eisenhüttenwesen  zählt  eigentlich
erst  von  dem  Zeitpunkte  an,  als  die  Eisenerzeugung  aus
den  Händen  des  Kleinbetriebes  in  die  der  Großindustrie
überging.  Man  hatte  gelernt,  das  Schmiedeeisen  durch  entsprechende ­
  Behandlung  aus  Roheisen  darzustellen.  Doch  war
man  gezwungen  die  Eisenerzeugung  auf  viele  Punkte,  meist
abgelegene  Täler  zu  verteilen,  weil  man  die  nötige  Menge
Holzkohle  an  einem  Punkt  nicht  zusammenbringen  konnte.
Von  einer  Eisengroßindustrie  kann  man  erst  sprechen,  als
durch  die  Erfindung  des  Puddelprozesses  die  Möglichkeit
geboten  war,  den  Betrieb  an  einzelnen  günstig  gelegenen
Plätzen  zu  konzentrieren.  Mit  dieser  Konzentrierung  der
Schweißeisenfabrikation  war  aber  auch  wiederum  die
Möglichkeit  geboten,  mehr  Geld  auf  die  maschinellen  Einrichtungen ­
  der  Hüttenwerke  zu  verwenden,  und  damit
war  der  Zeitpunkt  gekommen,  die  alten  „Hämmer“  durch
„Walzwerke“  zu  ersetzen,  und  in  der  Tat  wurden  erst
nach  der  Erfindung  des  Puddelprozesses  wesentliche  Fortschritte ­
  in  der  Weiterverarbeitung  des  Eisens  erzielt.  Bei
uns  in  Deutschland  wurde  der  Puddelprozeß  in  den  Jahren
1815—20  eingeführt
Als  in  den  30er  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  sich
infolge  des  Baues  der  Eisenbahnen  ein  ungeheuerer  Bedarf ­
  an  Eisen  einstellte,  war  überall  das  Streben  vorhanden, ­
  die  damaligen  Verfahren  zur  Herstellung  schmiedbaren
Eisens  zu  verbessern  und  die  Erzeugung  der  vorhandenen
Oefen  zu  steigern.  Trotz  jahrzehntelanger  Bemühungen
ist  es  jedoch  den  Eisenhüttenleuten  nicht  gelungen  eine
gründliche  Wandlung  herbeizuführen,  da  ihr  Streben  nur
darauf  ausging,  den  bereits  vorhandenen  Puddelprozeß  abzukürzen ­
  oder  die  mühselige  Handarbeit  durch  Maschinenkraft ­
  zu  ersetzen.
        <pb n="18" />
        18

Beim  Puddelverfabren  kann  die  Umwandlung  von
Roheisen  in  schmiedbares  Eisen  nur  unter  Mitwirkung  von
atmosphärischer  Luft  erfolgen.  Henry  Bessemer  kam  nun
im  Jahre  1854  auf  den  Gedanken,  diese  Einwirkung  der
Luft  dadurch  erheblich  kräftiger  zu  gestalten,  daß  er
letztere  nicht  auf  das  geschmolzene  Eisen  sondern  durch
die  flüssige  Metallmasse  blies.  Nach  manchen  vergeblichen
Versuchen  erzielte  er  auch  aus  dem  Roheisen  ein  stahlartiges ­
  brauchbares  Produkt;  es  gelang  ihm  jedoch  erst
1862  die  öffentliche  Meinung  derart  umzustimmen,  daß  der
Bessemerprozeß  dem  Puddelprozeß  ebenbürtig  an  die  Seite
gestellt  wurde.
Der  unschätzbare  Wert  dieses  neuen  Prozesses  lag
hauptsächlich  darin,  daß  auf  einfache  Weise  und  mit
verhältnismäßig  geringen  Kosten  Eisen  und  Stahl  als  Massenprodukt ­
  hergestellt  wurde.  Während  in  einem  Puddelofen ­
  in  24  Stunden  etwa  3000  bis  4000  kg  Eisen  erzeugt
werden  können,  liefert  der  zum  Bessemern  dienende  Apparat
in  der  gleichen  Zeit  wohl  das  Zweihundertfache  an  Stahl.
Ein  weiterer  Vorteil  des  Windfrischens,  wie  man  das  Bessemerverfahren ­
  auch  nennt,  ist  der,  daß  es  kein  besonderes ­
  Brennmaterial  erfordert,  denn  die  in  das  geschmolzene ­
  Roheisen  hineingeblasene  Luft,  bezw.  deren  Sauerstoff, ­
  bewirkt  eine  so  rasche  Verbrennung  der  zu  entfernenden ­
  Bestandteile  des  Roheisens,  daß  die  dadurch  erzeugte
Wärme  groß  genug  ist,  um  das  gereinigte  Metall  längere
Zeit  flüssig  zu  erhalten.  Ein  dritter,  nicht  zu  unterschätzender ­
  Vorteil  besteht  endlich  darin,  daß  die  schwere  Handarbeit, ­
  die  einen  Hauptfaktor  des  Puddelverfahrens  bildet,
hier  ganz  wegfällt,  sodaß  man  hinsichtlich  der  Güte  des
Endproduktes  nicht  mehr  von  der  Geschicklichkeit  des  einzelnen ­
  Arbeiters  abhängig  ist.
In  Deutschland  wurde  das  erste  Bessemerwerk  im
Jahre  1862  von  der  Firma  Krupp  in  Betrieb  gesetzt.  Doch
        <pb n="19" />
        19

auch  an  anderen  Stellen  erlangte  das  neue  Verfahren
größere  Ausdehnung,  sodaß  im  Jahre  1867  schon  22  Konverter ­
  mit  einer  jährlichen  Erzeugungsmöglichkeit  von
73000  t  im  Betrieb  waren.
Nach  den  ersten  Erfolgen  Bessemers  war  man  allgemein ­
  der  Ansicht,  daß  sein  Verfahren  für  den  Puddelprozeß
  den  baldigen  Untergang  bedeute,  zumal  im  Jahre
1870  Bessemers  Patent  erlosch,  und  die  Flußeisenerzeugung
dadurch  einen  weiteren  großen  Aufschwung  nahm.  Doch
auch  hier  wurde  dafür  gesorgt,  daß  die  Bäume  nicht  in
den  Himmel  wachsen.  Vor  allem  stellte  sich  die  Ansicht
Bessemers,  aus  jedem  Roheisen  sei  guter  Stahl  zu  erzeugen, ­
  als  Irrtum  heraus,  denn  es  war  unmöglich  den
Phosphor  in  der  Bessemerbirne  aus  dem  Roheisen  zu  entfernen, ­
  und  somit  kam  die  Erfindung  nur  den  Ländern  zu
gute,  die  phosphorarme  Eizenerze  sogenannte  Bessemererze,
besitzen.  Deutschland  besitzt  keine  Bessemererze,  während ­
  England  an  der  Westküste  große  Lager  von  geeigneten ­
  Erzen  aufweist,  sodaß  die  Möglichkeit  vorhanden  war,
die  Eisenerzeugung  in  England  in  ungeahntem  Maße  auszudehnen ­
  und  eine  Zeitlang  einen  gewaltigen  Vorsprung
vor  den  anderen  Ländern  zu  erlangen.  In  Amerika  lagen
die  Verhältnisse  für  die  Ausführung  des  Bessemerprozesses
noch  günstiger  als  in  England.  Infolgedessen  die  Ausbreitung ­
  dieses  Verfahrens,  wenn  auch  später  als  in  England,
einen  immer  größeren  Umfang  annahm,  was  schließlich
dahin  führte,  daß  Amerika  im  Jahre  1886  England  in  der  ’’
Erzeugung  von  Flußstahl  überholte  und  den  ersten  Platz
in  der  Reihe  der  Eisen  und  Stahl  erzeugenden  Länder  einnahm,
  den  es  aller  Voraussicht  nach  auch  auf  die  Dauer
behalten  wird.  Deutschland  mußte  die  Bessemererze  entweder ­
  einführen  oder  es  mußte  von  England  Bessemerroheisen ­
  beziehen,  wodurch  die  englische  Roheiseneinfuhr
stark  in  die  Höhe  ging.
        <pb n="20" />
        20

Man  war  deshalb  schon  bald  in  Deutschland  bestrebt,
den  Phosphor,  dessen  Abscheidung  in  der  Birne  als  unmöglich ­
  erkannt  war,  durch  eine  Vorbehandlung  des  Roheisens ­
  in  die  Schlacke  überzuführen,  wobei  auch  gute  Erfolge ­
  erzielt  wurden.  Doch  wurden  diese  Verfahren  nicht
weiter  ausgebildet,  da  sie  durch  die  endliche  Lösung  des
Problems  überholt  wurden.
Im  Jahre  1879  gelang  es  dem  englischen  Ingenieur
Thomas,  Roheisen  in  der  Bessemerbirne  zu  entphosphoren,
indem  er  das  bis  dahin  hauptsächlich  aus  Kieselsäure  bestehende ­
  sauere  Futter  der  Birne  durch  ein  basisches  aus
Aetzkalk  bestehendes  ersetzte;  später  verwandte  er  anstelle ­
  des  Aetzkalkes  gebrannten  Dolomit.  Ferner  gab
Thomas  zu  Beginn  des  Prozesses  gebrannten  Kalk  in  die
Birne,  um  die  entstandene  Phosphorsäure  zu  binden.
In  Deutschland  erkannte  man  sofort  die  Wichtigkeit
des  Entphosphorungsverfahrens  für  die  heimischen  Verhältnisse. ­
  Denn  in  Lothringen  und  dem  in  Deutschland  zollpolitisch ­
  vereinigten  Luxemburg  waren  ungeheure  Mengen
phosphorhaltiger  Eisenerze  vorhanden,  die  bisher  wenig
Beachtung  finden  konnten,  trotzdem  der  Abbau  wenig
Schwierigkeiten  bot.  Nunmehr  trat  mit  einem  Schlage  eine
Aenderung  in  der  Sachlage  ein.  Schon  vier  Jahre  nach
der  Erfindung  waren  in  Deutschland  41  Thomasbirnen  mit
basischer  Auskleidung  im  Gebrauch.  Im  Jahre  1884  wurde
die  Bessemerstahlerzeugung  bereits  überholt  und  1887  wurden ­
  in  Deutschland  bereits  800000  t  Thomasstahl  mehr
erzeugt  als  Bessemerstahl.  Die  Gesamterzeugung  gestaltete
sich  in  den  ersten  12  Jahren  nach  der  Erfindung  von
Thomas  folgendermaßen:

Bessemerstahl

Thomasstahl

1879

465  000

1  782

1880

678  953

18180

1881

509  400

200000
        <pb n="21" />
        21

Bessemerstahl

Thomasstahl

1882

687  324

235  132

1883

396  745

328  908

1884

388  876

440  000

1885

378  814

548  212

1886

341  142

784  212

1887

345  642

1  167  702

1888

316  702

1  137  632

1889

324  392

1  305  887

1890

350  862

1  493157

Auch  die  Auwendung  des  Schweißeisens  wurde  durch
die  Ausbreitung  des  Thomasprozesses  immer  mehr  zurückgedrängt ­
  und  schon  im  Jahre  1886  hielt  sich  die  Produktion ­
  an  Flußeisen  und  Schweißeisen  die  Wage.  Das
Thomasmetall  hat  zur  Verdrängung  des  Schweißeisens  in
viel  höherem  Maße  beigetragen  als  das  Bessemermetall,
und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  es  in  dem  basischen  Konverter ­
  eher  möglich  ist,  ein  weiches  zähes,  dem  Schweißeisen ­
  in  seinen  Eigenschaften  näher  stehendes  Material
herzustellen,  als  in  dem  saueren  Bessemerkonverter,  Im
Laufe  der  Jahre  hat  man  es  verstanden  die  Qualität  des
Thomas-Flußeisens  mehr  und  mehr  derart  zu  verbessern,
daß  man  imstande  war  ein  Produkt  herzustellen,  das  dem
Bessemerflußeisen  an  Zähigkeit  überlegen  und  in  viel  höherem ­
  Maße  als  Konstruktionsmaterial  geeignet  ist.
Anfänglich  waren  die  Erzeugungskosten  des  Thomasflußeisens ­
  höher  als  diejenigen  des  Bessemerflußeisens,  weil
der  Abbrand  in  der  basischen  Birne  größer  ist,  und  die
Herstellung  des  basischen  Futters  mehr  Kosten  erfordert,
als  die  der  sauren  Auskleidung.  Ferner  kam  noch  der  Zuschlag ­
  an  Kalk  beim  basischen  Prozeß  inbetracht.  Durch
die  vielseitigen  und  weitgehenden  Erfahrungen  wurden  die
Umwandlungskosten  heruntergedrückt,  namentlich  dadurch
daß  man  in  der  phosphorsäurehaltigen  Schlacke  ein  wert ­
        <pb n="22" />
        22

volles  Nebenprodukt  erkannte,  das  durch  einfaches  Mahlen
in  ein  gesuchtes  Düngemittel  übergeführt  werden  kann.
Man  war  in  Deutschland  imstande,  das  Thomasflußeisen
wesentlich  billiger  herzustellen  als  in  England  das  Bessemerflußeisen ­
  und  nicht  nur  den  deutschen  Markt  unabhängig
von  englischem  Material  zu  machen,  sondern  auch  ganz
beträchtliche  Mengen  Flußeisen  auszuführen  und  dadurch
die  Erzeugung  derart  zu  vergrößern,  daß  Deutschland  im
Jahre  1893  an  die  zweite  Stelle  der  Flußeisen  erzeugenden
Länder  unter  Ueberflügelung  von  England  trat  und  diesen
Platz  bis  heute  behauptet  hat.
Neben  dem  Bessemer-  und  Thomasprozeß  hat  sich
ein  anderes  wichtiges  Verfahren  zur  Darstellung  von  Flußeisen ­
  ausgebildet,  bei  welchem  die  Darstellung  auf  dem
Herde  eines  Flammofens  erfolgt,  nämlich  das  Siemens-Martin-
  oder  Herdfrischverfahren.  Die  ersten  Versuche,
Flußeisen  bezw.  Flußstahl  durch  Zusammschmelzen  von
Roheisen  und  wenig  Kohlenstoff  enthaltendem  Schmiedeeisen ­
  im  Flammofen  zu  erzeugen,  wurden  schon  in  der
ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  ausgeführt.  Diese  Versuche ­
  hatten  aber  erst  ein  befriedigendes  Ergebnis  als
Friedrich  und  Wilhelm  Siemens  mit  ihrer  neuen  Ofenkonstruktion ­
  durch  Einführung  der  Gasfeuerung  und  Wiedergewinnung ­
  der  Abgashitze  in  Wärmespeichern  es  möglich
gemacht  hatten,  im  Flammofen  eine  erheblich  höhere
Temperatur  als  zuvor  zu  erreichen.  Als  dann  im  Jahre
1865  Emil  und  Pierre  Martin  sich  entschlossen,  diese  neue
Feuerungsart  bei  ihren  Versuchen  in  Sireuil  zur  Anwendung ­
  zu  bringen,  hatten  sie  einen  wirklichen  Erfolg  zu
verzeichnen.
Den  Herd  des  Martinofens  kann  man  —  in  derselben
Weise  wie  die  Birne  beim  Windfrischverfahren  —  mit
saurer  Masse  oder  auch  mit  einer  basischen  Masse  auskleiden. ­
  Wegen  der  Möglichkeit,  auf  dem  basischen  Herde
        <pb n="23" />
        23

den  Phosphor  aus  dem  Bade  abscheiden  zu  können,  wird
die  basische  Zustellung  weitaus  am  meisten  angewandt;
den  sauer  zugestellten  Ofen  benutzt  man  fast  nur  noch
zur  Formgußdarstellung.
Die  in  dem  Martinofen  sich  abspielenden  Prozesse
beruhen  auf  einem  Frischvorgang,  indem  der  in  den  Gasen
enthaltene  Sauerstoff  mit  Hilfe  der  sich  bildenden  Schlacke
auf  die  Fremdkörper  des  Eisens  oxydierend  einwirkt.  In
der  ersten  Zeit  seiner  Entstehung  wurde  das  Martinverfahren ­
  nur  dazu  benutzt,  die  bei  der  Weiterverarbeitung
des  Eisens  im  Betriebe  in  grossen  Mengen  entstehenden
Abfallstücke,  den  sogenannten  Schrott  durch  Einschmelzen
mit  Zusatz  von  Roheisen  wieder  zu  verwerten.  Bei  seiner
weiteren  Entwicklung  hat  sich  das  Verfahren  aber  allmählich ­
  zu  einem  selbständigen  Frischverfahren  ausgebildet
und  steht  heute  in  seiner  Bedeutung  für  die  Erzeugung
von  Flußeisen  dem  Windfrischverfahren  nicht  nach.
Und  da  ist  der  seltsame  Fall  eingetreten,  daß  heute
nicht  mehr  wie  einst  das  Roheisen  der  einzige  Stoff  ist,
aus  dem  man  Stahl  macht,  sondern  daß  dasselbe  einen
Mitbewerber  bekommen  hat,  welcher  an  Kraft  so  stark
wächst,  daß  er  in  wenigen  Jahren  von  gleicher  Stärke
sein  wird.  Dieser  starke  Mitbewerber  ist  der  von  Jahr
zu  Jahr  in  immer  größeren  Mengen  auf  dem  Markte  erscheinende ­
  Schrott,  der  gerade  für  das  Martinverfahren,
das  in  absehbarer  Zeit  wohl  das  wichtigere  Verfahren  zur
Massenstahlerzeugung  sein  wird,  so  ungeheuere  Bedeutung
erlangt  hat.  Zwar  hat  man  stets  in  den  Eisengießereien
Altguß  eingeschmolzen  um  neue  Gußwaren  daraus  zu  erzeugen; ­
  allerdings  hat  man  stets  Schweißeisenschrott  mit
Schweißeisendraht  zu  Packen  zusammengeschnürt  und
diese  dann  im  Schweißofen  geglüht  und  unter  dem  Wasserund
  Fausthammer  ja  selbst  unter  der  Walze  zu  neuen
Erzeugnissen  ausgearbeitet.  Doch  hat  die  Wiederumar ­
        <pb n="24" />
        24

beitung  alten  Stahles  zu  neuen  Stahlerzeugnissen  neben
der  Herstellung  von  Neustahl  aus  Roheisen  früher  nie
eine  erhebliche  Rolle  gespielt.  Dazu  ist  das  Auftreten  des
Stahles  als  eines  Massenerzeugnisses  ja  viel  zu  jung.  Erst
nachdem  überhaupt  der  Stahl  in  Deutschland  zu  stärkerer
Verwendung  gekommen  war,  konnte  die  Frage  auftauchen,
einstmals  verbrauchten  Stahl  nach  seiner  Abnutzung,  nach
seiner  Umwandlung  in  Stahlschrott,  zur  Neuverwendung
umzuschmelzen.  Solange  keine  nennenswerte  Mengen
Flußstahlschrott  vorhanden  waren,  mußte  naturgemäß  die
Ausbreitung  des  Martinverfahrens  eine  sehr  langsame  sein.
So  blieben  ihm  denn  in  Deutschland  lange  die  engsten
Grenzen  gezogen  und  sie  mußten  es  solange  bleiben,  bis
der  Lauf  der  Jahrzehnte  die  großen  Mengen  Flußstahl,
welche  der  Stahlverbrauch  der  siebziger,  achtziger  und
neunziger  Jahre  im  Lande  geschluckt  hatte,  als  verbrauchten ­
  Stahl,  als  Altstahl,  als  Altschrott  wieder  ausstieß  und
auf  den  Markt  brachte.  Dies  geschah  aber  erst  seit  dem
Jahre  1890  und  bildete  sich  erst  unter  dem  Einflüsse  des
Thomasprozesses  ins  Große  aus.
Der  Bessemerstahl  ist,  solange  er  auch  die  deutsche
Stahlerzeugung  beherrscht  hat,  in  Deutschland  nie  ein
Massenerzeugnis  im  heutigen  Sinne  gewesen.  Erst  mit
dem  Jahre  1887,  in  welchem  die  Produktion  von  Thomasstahl ­
  eine  Million  Tonnen  erreichte,  setzt  die  Massenstahlerzeugung ­
  im  deutschen  Reiche  ein;  von  da  an  beherrscht
der  Thomasstahl  das  Feld,  Er  überstieg  1892  2,  1896  3,
1904  4,  1903  5,  1905  6  und  1907  7  Millionen  Tonnen.  Durch
diese  seine  Riesenentwicklung  baute  er  sich  jedoch  selbst
einen  Damm,  der  seine  künftige  Ausdehnung  einst  aufhalten ­
  mußte.  Bei  dem  raschen  Verschleisse,  dem  z.  B.
Eisenbahnschienen  an  stark  befahrenen  Stellen  unterworfen ­
  sind,  bei  der  raschen  Folge,  in  der  Eisenkonstruktionen
durch  modernere  abgelöst  werden,  in  der  Maschinen  ver ­
        <pb n="25" />
        25

alten  und  Gebrauchseisen  zum  Trödler  wandert,  mußten
entsprechend  dem  im  Laufe  der  Jahrzehnte  zunehmenden
Eisenverbrauche  eine  gewisse  Spanne  Zeit  später  auch
ähnliche  zunehmende  Schrottmengen  auf  den  Markt  kommen. ­
  Diese  immer  mehr  anwachsenden  Schrottmengen
bilden  dann  die  Grundlage  zu  der  in  gleichem  Maße  wachsenden ­
  Martinstahlerzeugung.  Die  Eisengießereien  kauften
von  jeher  größere  Mengen  Alteisen  auf,  um  sie  im  Kupolofen ­
  mit  Roheisen  vermischt  wieder  einzuschmelzen.  Aber
der  Bedarf  der  Gießereien,  der  sich  heute  auf  etwa  5  bis
700000  t  beläuft,  ist  bei  weitem  nicht  groß  genug,  um
alles  Alteisen  aufzunehmen.  So  bauten  denn  die  Eisenwerke ­
  zu  Beginn  kleinere  Martinöfen  und  schmolzen  darin
das  in  ihren  Betrieben  fallende  Abfalleisen,  den  sogenannten ­
  Hüttenneuschrott,  selbst  wieder  um,  wenn  es  keine
Verwertung  als  Zusatz  für  zu  heiß  geblasene  Chargen  im
Konverter  finden  konnte.  So  finden  wir  im  Jahre  1880
in  Deutschland  12  Martinöfen  mit  einem  Fassungsvermögen
von  3—10  t.  Natürlich  fand  das  in  diesen  Oefen  dargestellte ­
  Metall  anfänglich  nicht  die  Berücksichtigung  eines
nach  besonderem  Verfahren  erschmolzenen  Stahles.  Erst
als  das  Angebot  von  Altschrott  dem  früheren  Eisenverbrauche ­
  entsprechend  größer  wurde  und  die  der  Stahlproduktion ­
  entsprechenden  Mengen  Hüttenneuschrott  immer
mehr  anwuchsen,  wurde  die  Anzahl  und  auch  das  Fassungsvermögen ­
  der  Martinöfen  immer  größer.  So  haben  wir
schon  im  Jahre  1885  eine  Martinstahlerzeugung  von  276000  t,
die  10  Jahre  später  die  erste  Million  Tonnen  überstieg.  Zu
Beginn  des  Jahres  1900  finden  wir  in  Deutschland  219  basische ­
  und  23  saure  Siemens-Martinöfen,  und  augenblicklich ­
  sind  auf  deutschen  Flußeisenwerken  361  Martinöfen
mit  einem  Gesamtfassungsvermögen  von  10117  t  im  Betrieb,
Mit  dieser  fortschreitenden  Menge  der  Erzeugung
mußten  natürlich  auch  die  Bauart  und  die  Einrichtungen
        <pb n="26" />
        26

der  Martinöfen  gleichen  Schritt  halten.  So  sind  jetzt  allgemein ­
  die  sogenannten  Chargierkrane  in  Anwendung,  wodurch ­
  eine  ganze  Anzahl  von  Arbeitern  erspart  wird.  Zu
Beginn  wurde  der  Schrott  in  Blechmulden  sogenannten
Chargiermulden  geladen  und  von  Hand  in  den  Martinofen
eingesetzt;  dies  wird  jetzt  alles  maschinell  besorgt.  Magnetkrane ­
  füllen  die  Chargiermulden  mit  der  erforderlichen
Menge  Schrott  und  diese  werden  dann  von  den  Chargiermaschinen ­
  in  den  Ofen  entleert.
Die  Entwicklung  des  Martinverfahrens  war  in  den
einzelnen  deutschen  Industriezentren  eine  sehr  verschiedene. ­
  Denn  die  Eisenproduktionsstätten  liegen  in  geographisch ­
  getrennten  Gebieten  und  arbeiten  unter  sehr
verschiedenen  wirtschaftlichen  Verhältnissen.
Die  Oberschlesische  Eisenindustrie  konzentriert  sich
auf  die  äußerste  Ostecke  der  Provinz  Schlesien.  Ihre
Grundlage  war  außerordentlich  günstig,  denn  inmitten  ungeheurer ­
  Kohlenfelder  fanden  sich  auch  reichliche  Erzvorkommen. ­
  Der  Kohlenreichtum  Oberschlesiens  ist  derart
groß,  daß  er  allein  ausreicht,  um  Deutschland  noch  auf
800—1000  Jahre  mit  Brennmaterial  zu  versorgen.  Auf
solcher  Basis  entwickelte  sich  dann  die  oberschlesische
Eisenindustrie  ständig  ansteigend,  allerdings  nicht  in  der
rapiden  Art  wie  in  anderen  deutschen  Industriegebieten.
Sie  nahm  auch  Teil  an  den  großen  Erfindungen  mit  ihren
Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  Eisenhüttenkunde,  zumal
bei  der  Schweißeisenbereitung.  Die  Darstellung  des
schmiedbaren  Eisens  entwickelte  sich  gerade  in  Oberschlesien ­
  zu  ziemlich  hoher  Blüte,  da  ja  die  Ausgangsprodukte ­
  Kohle  und  Erz  in  genügender  Menge  vorhanden
waren  und  ohne  große  Frachten  herbeigeschafft  werden
konnten.  Anders  wurde  es  jedoch,  als  die  Verfahren  von
Thomas  und  Bessemer  in  Deutschland  Eingang  fanden.
Wenn  auch  damals  die  in  Schlesien  geförderten  Erzmengen
        <pb n="27" />
        27

ausreichten,  um  den  Eigenverbrauch  zu  decken,  so  konnten ­
  sie  doch  für  die  neuen  Erfindungen,  nicht  nutzbar
gemacht  werden,  Denn  der  Phosphorgehalt  der  in  Oberschlesien ­
  hauptsächlich  geförderten  Brauneisensteine  ist
für  das  Bessemerverfahren  zu  hoch  und  für  das  Thomasverfahren ­
  zu  niedrig.  Heute  reichen  die  im  Industriebezirke ­
  Schlesiens  gegrabenen  Erze  bei  weitem  nicht  mehr
aus,  um  den  Selbstbedarf  zu  decken  und  machen  nur
noch  den  vierten  Teil  des  oberschlesischen  Erzverbrauches
aus.  Bei  dem  großen  Erzmangel  werden  verhältnismäßig
viele  andere  eisenhaltige  Schmelzmaterialien  im  Hochofen
verhüttet,  z.  B,  Schlacken,  Walzensinter  und  Eisenschrott,
Da  auf  diesen  Erzsurrogaten  für  Oberschlesien  hohe
Frachtsätze  liegen,  so  war  es  für  diesen  Industriebezirk
bedeutend  wirtschaftlicher,  diese  Materialien,  vor  allem
den  Eisenschrott,  nicht  erst  im  Hochofen  durch  Zusatz
von  phosphorhaltigen  Rasenerzen  zu  Thomasroheisen  umzuschmelzen, ­
  sondern  gleich  im  Martinofen  zu  Stahl  umzuarbeiten, ­
  So  fand  denn  das  Martinverfahren  in  Oberschlesien ­
  rasch  Eingang  und  wurde  für  die  dortige  Stahlerzeugung ­
  von  maßgebender  Bedeutung,  Auf  den  sämtlichen ­
  10  vorhandenen  Flußeisenwerken  geschieht  die
Stahlfabrikation  im  Martinofen;  allerdings  sind  auf  zwei
von  diesen  Werken  neben  den  Martinöfen  auch  noch
Thomaskonverter  im  Betrieb.  Im  Ganzen  sind  46  Oefen
mit  einem  Gesamtfassungsvermögen  von  1185  Tonnen  in
Oberschlesien  vorhanden.
In  Westdeutschland  gestaltete  sich  die  Entwicklung
der  Eisenindustrie  ganz  anders,  und  zwar  sind  dort  wieder
zwei  Bezirke  gesondert  zu  behandeln.  Dies  sind  der
Saar-Lothringer-Luxemburger-Bezirk  einerseits  und  der
niederrheinisch-westfälische  Bezirk  andererseits.  Da  früher
als  Brennstoff  im  wesentlichen  nur  Holzkohle  bei  der  Verhüttung ­
  von  Erzen  in  Betracht  kam,  so  war  die  Grund ­
        <pb n="28" />
        28

läge  für  die  Entwicklung  der  Eisenindustrie  in  doppelter
Weise  dort  gegeben,  wo  Erze  in  waldreichen  Gegenden
sich  fanden.  Dies  war  insbesondere  in  dem  heutigen
Westdeutschland  in  den  Gebirgsgegenden  der  Eifel,  des
Hunsrücks  und  des  bergischen  Nassau  der  Fall.  Dort  finden ­
  wir  schon  zu  Beginn  des  18.  Jahrhunderts  Namen  von
Hüttenbesitzern,  die  auch  heute  in  der  Eisenindustrie  noch
eine  namhafte  Rolle  spielen.  Auch  in  Lothringen,  wo  sich
das  größte  bekannte  Eisenerzlager  Europas  vorfindet,
lassen  sich  die  Anfänge  der  Eisenindustrie  weit  zurück
verfolgen.
Nicht  soweit  reicht  die  Entwicklung  der  Industrie  im
rheinisch-westfälischen  Kohlenrevier  zurück,  Wohl  ist  in
diesem  volkreichen  Gebiet  die  Eisenverarbeitung  seit  Jahrhunderten ­
  von  großer  Bedeutung.  Aber  das  Eisen,  das
man  hier  verarbeitete,  wurde  größtenteils  von  außerhalb,
aus  Schweden  und  aus  dem  Siegerland  bezogen.  Die
Eisenindustrie  beginnt  hier  erst  und  zwar  in  sehr  bescheidenen ­
  Anfängen  gegen  Mitte  des  18,  Jahrhunderts.  Doch
bald  reichte  das  Erz  und  vor  allem  das  Holzvorkommen
nicht  mehr  aus.  Man  mußte  also  auch  wie  in  den  anderen ­
  Industriebezirken  versuchen  die  Holzkohle  durch  aus
Steinkohle  erzeugten  Koks  zu  ersetzen.  Während  in
Schlesien  schon  1796  der  erste  Kokshochofen  erbaut  worden ­
  war,  gelang  es  in  Niederrheinland-Westfalen  den  ersten
brauchbaren  Koksofen  erst  50  Jahre  später  in  Betrieb  zu
setzen.  Damit  war  die  bisher  fehlende  Verbindung  zwischen ­
  Eisenindustrie  und  Steinkohlenindustrie  auf  deutschem ­
  Boden  in  vollem  Maße  hergestellt.  Der  Ruhrbezirk
war  nun  zum  natürlichen  Heimatboden  für  die  Eisenindustrie ­
  geworden.  Dort  setzte  die  Entwicklung  alsbald  kräftig ­
  ein  und  die  deutsche  Unternehmungslust  konnte  sich
mächtig  entfalten,  zumal  noch  viel  nachzuholen  war.  So
nahm  die  Eisenindustrie  in  Rheinland  und  Westfalen  einen
        <pb n="29" />
        29

fast  stürmischen  Aufschwung,  der  noch  gewaltiger  wurde
mit  der  Erfindung  des  Thomasverfahrens.  Da  es  sich  hierbei ­
  um  ein  Stahlbereitungsverfahren  handelt  so  wuchs  denn
auch  die  Stahlproduktion  weit  schneller  als  die  Roheisenerzeugung. ­
  Das  bis  dahin  in  hoher  Blüte  gestandene
Puddelverfahren  wurde  nur  noch  auf  ganz  wenige  Spezialitäten ­
  beschränkt,  und  das  Bessemerverfahren  wurde
auch  weiter  zurückgedrängt,  da  es  immer  schwieriger  für
die  westdeutsche  Industrie  wurde  die  hierzu  erforderlichen
Erze  zu  beschaffen,  während  für  das  Thomasverfahren  geeignete ­
  Erze  aus  Lothringen-Luxemburg  und  vor  allem
aus  Schweden  in  hinreichender  Menge  angeboten  wurden.
Seitdem  in  der  deutschen  Eisenindustrie  der  Stahl
seine  vorherrschende  Stellung  gewonnen  hat,  entwickelte
sich  in  dem  westdeutschen  Industriegebiete  ein  ziemlich
scharfer  Konkurrenzkampf  zwischen  der  nordwestlichen
Gruppe  Niederrhein-Westfalen  einerseits  und  der  südwestlichen ­
  Gruppe  Saargebiet-Lothringen-Luxemburg  andererseits. ­
  Im  Südwesten  fanden  sich  bis  zur  Mitte  der  90er
Jahre  fast  ausschließlich  reine  Hochofenwerke,  die  das
erzeugte  Roheisen  in  der  Hauptsache  versandten,  nur  ein
ganz  geringer  Teil  wurde  zu  Stahl  weiter  verarbeitet.  Im
Ruhrbezirk  standen  diesen  reinen  Hochofenwerken  gleichzeitig ­
  eine  ganze  Reihe  reiner  Stahl-  und  Walzwerke
gegenüber,  die  keine  Erze  aus  der  Ferne  bezogen,  sondern
Roheisen  ankauften.
Solange  der  Südwesten  und  Nordwesten  im  Verhältnis ­
  von  Käufer  und  Verkäufer  zueinander  standen,  bestand ­
  weniger  ein  Wettbewerb.  Dies  wurde  jedoch  anders,
als  man  in  Lothringen  anfing  die  Werke  zur  Weiterverarbeitung ­
  des  Roheisens  auszubauen.  Mit  dem  Entstehen
der  gewaltigen  Stahlwerke  im  Südwesten,  sah  sich  Niederrheinland ­
  und  Westfalen  gezwungen,  die  Werke  auch  zu
erweitern,  oder  umzubauen.  So  entstehen  in  den  90er
        <pb n="30" />
        —  30

Jahren  und  um  die  Jahrhundertwende  am  Rhein  und  der
Ruhr  die  großen  modernen  Hochofenwerke  und  die  Umbauten ­
  der  alten  Werke.  Auf  diese  Weise  machten  sich
die  nordwestlichen  Werke  unabhängig  vom  Roheisenbezug
und  der  Südwesten  trat  mit  ihnen  in  Wettbewerb,  indem
er  dieselben  Fertigprodukte  auf  den  Markt  brachte.  Damit ­
  trat  der  Absatzgesichtspunkt  dem  Gesichtspunkt  des
Rohstoffbezuges  gegenüber  beherrschend  in  den  Vordergrund. ­
  Während  nun  der  Nordwesten  die  möglichst  günstigsten ­
  Absatzverhältnisse  hat,  so  ist  die  südwestliche
Eisenindustrie  ohne  aufnahmefähigen  Markt  in  der  Nähe
und  muß  ihren  Absatz  in  der  Ferne  suchen,  was  ihr  dadurch ­
  erschwert  wird,  daß  ihr  kein  brauchbarer  Wasserweg ­
  zur  Verfügung  steht  und  im  Westen  die  französische
Zollbarriere  ihr  den  Zugang  verwehrt.
Daher  war  die  südwestliche  Industrie  schon  seit
Jahren  bestrebt,  eine  geeignete  Wasserstraße  für  den  Absatz ­
  ihrer  Erzeugnisse  nutzbar  zu  machen.  Als  solche
kamen  in  erster  Linie  die  Saar  und  Mosel  in  Betracht  und
das  Bemühen  der  Industriellen  ging  dahin,  die  Regierung
für  die  Kanalisierung  dieser  beiden  Flüsse  zu  gewinnen.
Für  die  südwestdeutsche  Industrie  ist  die  Kanalisierung ­
  von  Mosel  und  Saar  von  größter  Bedeutung.  Dieser
Erkenntnis  ist  von  maßgebender  Seite  immer  wieder  Ausdruck ­
  verliehen  worden.  Noch  im  Jahre  1902  betrug  der
Anteil  Südwestdeutschlands  an  der  gesamten  Roheisenerzeugung ­
  39,72  7 0 ,  der  Anteil  Rheinland-Westfalen  38,69  %!
im  Jahre  1911  hingegen  war  der  südwestdeutsche  auf
37,60  %  gesunken,  der  rheinisch-westfälische  Anteil  auf
43,97  %  gestiegen.  In  diesenZiffern  spiegelt  sich  deutlich
das  verhältnismässige  Zurückbleiben  der  südwestdeutschen
Eisenindustrie  wieder.  Die  Kanalisierung  der  Mosel  und
Saar  ist  freilich  nicht  nur  für  die  Industrie,  sondern  auch
für  Handel,  Schiffahrt  und  namentlich  für  die  Landwirt-
        <pb n="31" />
        31  —

schaft  der  beteiligten  Wirtschaftsgebiete  geradezu  eine
Lebensfrage.  Ueberdies  war  die  Korrektion  der  Mosel
bereits  durch  Artikel  14  des  Frankfurter  Friedens  vom
10,  Mai  1871  ausdrücklich  festgelegt  worden,  denn  es  hieß
darin  folgendermaßen:
„Jede  der  vertragschließenden  Parteien  wird  auf
„ihrem  Gebiete  die  zur  Kanalisierung  der  Mosel
„unternommenen  Arbeiten  fortführen. 1 '
Der  Provinziallandtag  der  Rheinprovinz  sprach  sich  in
gleichem  Sinne  am  12.  Dezember  1890  dahin  aus,  daß  die
Ausführung  dieser  Projekte  als  eine  der  Landwirtschaft
wie  dem  Weinbau  an  der  Mosel  und  dem  Rhein  nützliche,
dem  Handel  und  Gewerbe  dieser  Gegenden  in  hohem
Maße  fördersame  und  der  Industrie  derselben  dringend
benötigte  Verkehrsverbesserung  zu  erachten  sei.  Diese
Frage  entstammt  also  nicht  erst  der  unmittelbaren  Gegenwart, ­
  sie  hat  schon  seit  einem  halben  Jahrhundert  die
Geister  erregt.  Der  wichtigste  Grund  aber,  der  sich  für
die  Kanalisierung  beider  Flüsse  anführen  läßt,  liegt  darin,
daß  durch  Herstellung  einer  leistungsfähigen  Wasserstraße
zwischen  dem  größten  deutschen  Kohlenbecken  in  Niederrheinland-Westfalen
  und  den  wichtigsten  deutschen  Erzlagerstätten ­
  in  Lothringen  vermittels  des  größten  Nebenflusses ­
  der  bedeutendsten  Wasserverkehrsader  Europas
gleichsam  ein  natürlicher  Austausch  herbeigeführt  werden
würde.  Die  Eisenindustrie  des  Reiches  ist  schon  ohnehin
trotz  unseres  unbestreitbaren  natürlichen  Reichtums  an
Eisenerzen  in  hohem  Grade  auf  die  ausländische  Eisenerzzufuhr ­
  angewiesen;  daher  müßte  zum  mindesten  dahin
gewirkt  werden,  daß  das  gewaltige  Lothringische  Erzreservoir ­
  nach  Gebühr  ausgenutzt  werden  könnte.
Schon  aus  den  vorstehend  angeführten  Gründen  erhellt, ­
  welche  große  Bedeutung  die  Moselkanalisierung  für
die  südwestdeutsche  Eisenindustrie  im’  besonderen  und  in
        <pb n="32" />
        32

wirtschaftlicher  Hinsicht  für  das  Reich  im  allgemeinen  hat.
Es  ist  eigentlich  bedauerlich,  daß  dieses  wirtschaftspolitische ­
  Problem  im  Reichstag  nicht  das  richtige  Verständnis
fand.  Jede  Hebung  des  Verkehrs  in  einer  Gegend  mit
natürlichem  Reichtum  und  regsamer  Bevölkerung  muß  der
gesamten  Volkswirtschaft  schließlich  zugute  kommen.  Die
Gründe,  welche  wegen  Befürchtung  verminderter  Exsenbahnerträge
  vom  Ministertische  dagegen  geltend  gemacht  wurden, ­
  erscheinen  bei  näherer  Prüfung  kaum  recht  stichhaltig.
So  äußerte  sich  der  preußische  Eisenbabnminister,  Herr
von  Breitenbach,  am  7.  April  1910  im  preußischen  Abgeordnetenhause ­
  zu  dieser  Frage  folgendermaßen:
„Wenn  auch  nicht  allein  ausschlaggebend,  so  doch
„wesentlich  mitbestimmend  für  die  Entscheidung  der
„Frage  der  Kanalisierung  von  Mosel  und  Saar  sind
„die  Rückwirkuagen  auf  die  Einnahmen  der  Staats-„eisenbahnverwaltung.
  Diese  Wirkungen  haben  auf
„Grund  der  vorhandenen  Unterlagen  von  der  Staats-„regierung
  allein  ermittelt  werden  können.  Nach  dem
„Ergebnis  der  Ermittelungen  würde  die  Kanalisierung
„der  Mosel  und  Saar  so  erhebliche  Ausfälle  in  den
„Einnahmen  der  Staatseisenbahnverwaltung  nach  sich
„ziehen,  daß  sie  bei  der  jetzigen  Finanzlage  ohne  Erschütterung ­
  der  Staatsfinanzen  nicht  ertragen  werden
„können.
Selbstverständlich  wird  man  es  begreiflich  finden,  daß  sich
der  Minister  dagegen  verwahrt  hat,  die  gesteigerten  Ausgaben ­
  für  ein  verhältnismäßig  kleines  Gebiet  des  Preußischen ­
  Staates  durch  eine  die  Allgemeinheit  treffende  Steuer
zu  decken,  aber  als  werbende  Anleihe  würde  sich  ein  derartiges ­
  Unternehmen  jederzeit  verzinsen  und  amortisieren
lassen.  Die  preußische  Regierung  hat  indessen  ausschließlich ­
  den  eisenbahnfiskalischen  Gesichtspunkt  in  den  Vordergrund ­
  geschoben,  denn  wenige  Wochen  nach  jener  mini ­
        <pb n="33" />
        33

steriellen  Aeußerung  erklärte  an  gleicher  Stelle  der  stellvertretende ­
  Unterstaatssekretär:
„Durch  die  Moselkanalisierung  wird  ein  Eisenbahn-„kapital
  von  700  Millionen  brachgelegt;  das  ist  doch
„keine  Bagatelle.
Als  dann  im  vergangenen  Jahre  im  Preussischen  Abgeordnetenhause ­
  die  Frage  nochmals  angeschnitten  wurde,
führte  Herr  von  Breitenbach  wiederum  folgendes  aus:
„Nach  der  finanziellen  Seite  kann  angenommen  wer-„den,
  daß  das  Unternehmen  sich  nicht  selbst  finan-„
  ziert,  wenngleich  auch  hierbei  immer  noch  einige
„Items  sind,  vielleicht  sehr  große  Fragezeichen,  da
„noch  kein  Mensch  weiß,  ob  die  4  Millionen  Tonnen
„Koks,  die  heute  von  der  Ruhr  nach  dem  Südwesten
„gehen,  in  der  Tat  mit  Rücksicht  auf  die  ja  bekannten ­
  Schädigungen,  die  der  Koks  beim  Umladen  erfährt, ­
  den  Wasserweg  aufsuchen  können.  Diese
„Frage  ist  nicht  völlig  geklärt.
Der  Kapitalausfall  von  700  Millionen  Mark  ist  regierungsseitig ­
  dadurch  errechnet  worden,  daß  ein  jährlicher
Nettoausfall  an  Eisenbahneinnahmen  von  24  Millionen
Mark  angenommen  wurde.  Man  hat  also  eine  Verzinsung
des  preussischen  Eisenbahnkapitals  von  3,4  °/ 0  in  Ansatz  gebracht. ­
  In  Wirklichkeit  beträgt  die  Verzinsung  in  der
Gegenwart  etwa  6  %;  das  ausfallende  Kapital  würde  somit ­
  nur  auf  400  Millionen  Mark  zu  berechnen  sein,  wovon ­
  noch  überdies  100  Millionen  auf  die  Reichslande  entfallen ­
  würden.  Dabei  ist  noch  keineswegs  berücksichtigt
worden,  wieviel  die  voraussichtliche  Verkehrsvermehrung
dem  Preussischen  Staate  einbringen  würde.
Von  besonders  großer  Bedeutung  ist  die  schon  berührte ­
  Frage  der  Eisenerzgewinnung.  Das  Deutsche  Reich
bezog  im  Jahre  1902  3,9  Millionen  Tonnen  fremde  Eisenerze ­
  im  Werte  von  69,2  Millionen  Mark,  im  Jahre  1910
        <pb n="34" />
        34

9,8  Millionen  Tonnen  im  Werte  von  148,2  Millionen  Mark,
Diese  Zahlen  beweisen  auf  das  deutlichste  wie  sehr  unser
Vaterland  von  der  ausländischen  Eisenerzeinfuhr  abhängig
ist  und  wie  wir  unter  allen  Umständen  das  auszunutzen
gezwungen  sind,  was  sich  uns  an  Eisenerzen  auf  dem
deutschen  Boden  darbietet.  Man  sollte  die  Lothringische
Eisenerzgewinnung  nicht  so  gering  einschätzen,  denn  dieselbe ­
  stieg  von  8,7  Millionen  Tonnen  im  Jahre  1902  auf
16,6  Millionen  im  Jahre  1910,  Nebenbei  kommt  noch  inbetracht,
  daß  auch  in  Französisch-Lothringen  in  den  letzten ­
  Jahren  große  Erzfunde  gemacht  wurden.  Im  Jahre
1908  sollen  aus  ganz  Frankreich  schon  925  000  t  nach  dem
Deutschen  Reiche  ausgeführt  worden  sein;  für  die  letztverflossenen ­
  Jahre  liegt  leider  einstweilen  keine  amtliche
Schätzung  französischerseits  vor.  Es  sind  also  nahmhafte
weltwirtschaftliche  Gründe,  die  sich  für  die  Kanalisierung
der  Mosel  und  der  Saar  anführen  lassen.
Die  ausserordentlich  ungünstigen  Transportverhältnisse ­
  des  niederdeutschen  Eisenindustriegebietes  sind  auch
von  einschneidender  Bedeutung  auf  die  Herstellungsart
des  Stahles  gewesen.  Das  Bessemerverfahren  hat  im
Südwesten  nie  Eingang  gefunden,  da  die  dort  verhütteten
Erze  hoch  phosphorhaltig  sind  und  somit  dieses  Verfahren
nicht  zulassen.  Anders  steht  es  mit  dem  Thomasverfahren,
Die  lothringische  Minette  schien  eigens  für  diese  Herstellungsart ­
  geschaffen  und  die  Entwicklung  in  der  modernen
Stahlproduktion  nahm  einen  ausserordentlich  stürmischen
Aufschwung,  Die  meisten  Saarwerke  erbauten  meistens
direkt  im  Erzgebiete  Lothringens  neue  Hochofenwerke,
sodaß  die  Roheisenerzeugung  im  Laufe  von  10  Jahren  um
über  100  °/ 0  stieg.  Auch  im  Roheisenversand  trat  eine
Aenderung  ein.  Wenn  er  auch  noch  immer  stieg,  so  geschah ­
  dies  doch  nicht  mehr  im  gleichen  Verhältnis  zur
Produktion  wie  früher,  sondern  der  Selbstverbrauch  an
        <pb n="35" />
        35

Roheisen  in  den  Stahlwerken  nahm  in  weit  stärkerem
Maße  zu.  Während  nun  an  der  Mosel  die  Flußeisenwerke
fast  ausschließlich  ihren  Stahl  im  Konverter  herstellen,
sind  an  der  Saar  einige  Werke  mit  Martinöfen  entstanden.
Da  aber,  wie  oben  schon  erwähnt,  für  diese  Werke  sich
die  Frachtkosten  für  die  Rohstoffe  zur  Erzeugung  des
Martinstahles,  und  zwar  in  erster  Linie  für  Schrott,  äußerst
hoch  stellen,  so  sind  es  auch  nur  Werke,  die  Spezialfabrikate ­
  erzeugen,  wie  das  Dillingerwerk  mit  seinen  Panzerplatten ­
  und  die  Mannesmannwerken  mit  ihren  Röhren  und
andere  Werke,  die  neben  dem  Thomasstahl  noch  bessere
Qualitäten  von  Flußstahl  erzeugen.  So  finden  wir  in  Luxemburg, ­
  in  Lothringen  und  an  der  Saar  im  ganzen  34
Martinöfen  mit  einem  Gesamtfassungsvermögen  von  834
Tonnen,
Da  nun  in  sämtlichen  Flußeisenwerken  jährlich  eine
ziemlich  große  Menge  Schrott  entsteht,  —  man  rechnet
10  °/ n  der  Gesamterzeugnisse  —  so  sind  die  meisten  Werke
des  Südwestens  gezwungen,  diesen  für  die  Stahlbereitung
sehr  gesuchten  Rohstoff  wieder  zu  verkaufen.  Und  so
erklärt  sich  auch,  daß  vier  Saarwerke,  die  ihren  Schrott
gemeinsam  verkaufen,  jährlich  ungefähr  100  bis  120  000  t
Hüttenneuschrott  in  Mannheim  umladen  und  so  im  Siegerland ­
  und  bei  Koblenz  die  Martinwerke  zum  Teil  mit  Rohstoffen ­
  versorgen.
Weit  günstiger  gestalten  sich  die  Verhältnisse  im
größten  deutschen  Eisenindustriegebiete  in  Niederrheinland
und  Westfalen.  An  sich  geographisch  schon  äußerst  günstig ­
  gelegen,  hat  man  es  verstanden  die  Lage  noch  wirksamer ­
  auszubauen.
Da  das  Saargebiet  seit  1902  eine  besondere  Rohstahlstatistik ­
  führt,  so  ergibt  eine  Zusammenstellung  seit
dieser  Zeit  folgendes  Bild:
        <pb n="36" />
        36

Flußstahlerzeugung  des  Saargebietes  1902—1911.

Jahr

Deutsches  Zollgebiet ­


Saargebiet

Thomasstahl

Martin-Flußroh-





  t

t

stahl  t

stahl  t

stahl  %

1902

7  780  682

773  742

131  005

867  754

11,15

03

8  801  515

898  382

144510

1  001  628

11,38

04

8  930  291

926  621

136  499

1  026  977

11,49

05

10  006  553

1  033  904

174  370

1  156  645

11,55

06

11  135  085

1  140  410

190  374

1  268  507

11,32

07

12  063  632

1  176  461

197  853

1  303  053

10,80

08

11  078  660

968  673

171  805

09

11  947  992

1  045  009

169  953

1910

13  579  248

1  148  350

180  737

11

14  879  919

1  221  301

244  822

•

Seit  1905  ist  auch  die  Martinstahlerzeugung  des
ganzen  Südwestens  bekannt.  Sie  wird  für  das  Saargebiet ­
  von  der  Handelskammer  Saarbrücken  und  für  Lothringen-Luxemburg ­
  und  die  Bairische  Pfalz  von  der  südwestlichen ­
  Gruppe  des  Vereins  deutscher  Eisen-  und
Stahlindustrieller  geführt.  Die  Zahlen  waren:

Saargebiet

Bayerische
Pfalz

Lothringen

Luxemburg

Summe

1905

174370

—

88  883

—

263  253

1906

190  374

—

109  801

—

300115

1907

197  853

—

129  321

—

327174

1908

131  805

1909

169  953

1910

180  737

1911

244  822
        <pb n="37" />
        37

Die  Martinstahlerzeugung  des  Südwestens  ist  also  eine
verschwindende  und  macht  von  der  gesamten  deutschen
Martinstahlerzeugung  folgende  Bruchteile  aus  :

Deutsches  Zollgebiet

Südwesten

Vomhundert

1905

3  252  520

263  253

8,09

1906

3  765  280

300175

7,97

1907

4  252  560

327  174

7,69

Schon  immer  haben  die  Rheinhäfen  an  der  Ruhrmündung
eine  erhebliche  Bedeutung  für  die  Eisenindustrie  besessen.
So  ist  denn  auch  die  große  Wanderbewegung  unserer
Eisenindustrie  an  den  Rhein  nichts  anders  als  eine  stärkere
Ausnutzung  des  Hauptvorzuges  ihrer  geographischen  Lage.
Schon  in  der  Mitte  des  19,  Jahrhunderts  haben  sich  an
der  Ruhrmündung  die  größeren  Hüttenwerke  angesiedelt,
denen  im  Laufe  der  Zeit  ein  Werk  nach  dem  anderen
folgte,  sodaß  heute  der  Schwerpunkt  der  niederrheinischwestfälischen ­
  Eisenindustrie  an  die  leistungsfähigste  Verkehrsstraße ­
  des  europäischen  Kontinents  verlegt  ist.  Die
Rheinwerke  nutzen  die  Vorteile  der  Lage  dieses  Industriebezirks ­
  aufs  beste  aus.  Sie  vereinigen  infolgedessen ­
  einen  immer  größeren  Anteil  der  Roheisenerzeugung ­
  auf  sich.
Auch  die  östliche  Gruppe  der  niederrheinisch-westfälischen
  Eisenwerke  ist  der  Handelsstraße  des  Meeres
unmittelbar  angeschlossen  worden  durch  den  Dortmund-Ems-Kanal.
  Die  Verbindung  zwischen  diesem  künstlichen
Verkehrsweg  und  der  Eisenindustrie  ist  noch  wirksamer
        <pb n="38" />
        38

gestaltet  worden  durch  die  Industriebahn  der  Stadt  Dortmund. ­

Zu  dieser  günstigen  geographischen  Lage  tritt  noch
hinzu,  daß  wir  im  Ruhrgebiet  die  beste  Kokskohle  vorfinden. ­
  Gerade  die  Beschaffenheit  des  Koks  ist  für  die
Erzeugung  des  Roheisens  äußerst  wichtig.  Die  Ruhrkohle
besitzt  nun  alle  Fähigkeit,  die  man  in  der  Eisenindustrie
von  einer  Kokskohle  verlangt.  Daher  finden  wir  auch
fast  auf  sämtlichen  Hochofenwerken  Deutschlands  Ruhrkoks. ­

Unter  diesen  günstigen  Voraussetzungen  konnte  sich
naturgemäß  eine  bedeutende  Industrie  entwickeln.  Hier
hat  die  deutsche  Eisenindustrie  sämtliche  Wandlungen
durchgemacht.  Sämtliche  maßgebenden  Erfindungen  wurden ­
  hier  praktisch  erprobt.  Wir  finden  in  Westfalen  das
Puddelverfahren,  aufgebaut  auf  wissenschaftlichen  Untersuchungen ­
  in  der  größten  Vollendung,  Dann  kam  das
Bessemerverfahren,  das  hier  wohl  in  Deutschland  seine
einzige  Heimstätte  hatte.  Darauf  wurde  das  für  Deutschland ­
  so  außerordentlich  nutzbringende  Thomasverfahren
eingeführt.  Trotz  seines  englischen  Ursprungs  fand  dieses
Verfahren  ausschließlich  auf  dem  Kontinent  seine  Anwendung ­
  und  gerade  Ingenieure  des  nordwestdeutschen  Industriegebietes ­
  verstanden  es  durch  auf  wissenschaftlicher
Grundlage  ausgeführte  Versuche,  dasselbe  zu  einer  sehr
großen  Vollkommenheit  auszubauen.  So  sind  denn  auch
am  Niederrhein  und  in  Westfalen  die  Thomaswerke  mit
den  modernsten  Einrichtungen  versehen.
Als  man  dann  lernte,  aus  alten  Eisen-  und  Stahlgegenständen ­
  im  Martinofen  neuen  Stahl  herzustellen,  ging
man  im  niederrheinisch-westfälischen  Industriegebiet  zuerst
dazu  über,  dieses  Verfahren  zur  Massendarstellung  des
Stahles  anzuwenden.  Wie  oben  schon  erwähnt,  benutzte
        <pb n="39" />
        39

man  anfänglich  den  Martinofen  nur  dazu,  die  im  eigenen
Betriebe  entstehenden  Abfallstücke  von  Eisen  und  Stahl
wieder  umzuschmelzen.  Doch  nicht  alle  Werke  bauten
Martinöfen,  sondern  verkauften  ihren  Schrott  zu  billigen
Preisen  an  die  Nachbarwerke.  So  entstand  denn  aus  dem
Notbehelf  allmählich  das  selbständige  Verfahren.  Die  Bedingungen ­
  zur  weiteren  Ausbreitung  des  Martinverfahrens
waren  nun  gerade  für  die  niederrheinisch-westfälische
Eisenindustrie  die  denkbar  günstigsten.  Denn  der  Martinstahl ­
  ist  dort  am  billigsten  herzustellen,  wo  die  billigste
Kohle  und  der  meiste  und  billigste  Schrott  vorhanden  ist.
Diese  Rohstoffe  weist  Niederrheinland  und  Westfalen  in
einzigen  Verhältnissen  auf.  Seine  Eisenwerke  liegen  unmittelbar ­
  auf  der  besten  deutschen  Kohle,  zumeist  sogar
auf  eigener  Kohle.  Die  Menge  des  Hüttenschrottes  bestimmt ­
  sich  nach  der  Ausdehnung  der  Herstellung  von
Fertigerzeugnissen  in  den  Stahl-  und  Walzwerken,  und
letztere  sind  in  sehr  großer  Menge  vorhanden.  Die  Größe
der  gewerblichen  Altschrottmassen  richtet  sich  nach  dem
Alter,  der  Anzahl  und  der  Größe  gewerblicher  Betriebe,
welche  Fabrikhallen,  Maschinen  und  sonstige  eiserne  Vorrichtungen ­
  benutzen.  Die  Größe  der  Eisenbahnschrottmassen ­
  bestimmt  sich  nach  der  Ausdehnung,  der  Dichtigkeit ­
  und  der  Benutzung  des  Eisenbahnnetzes.  Die  Menge
des  Haus-  und  Bauschrottes  und  Kleinschrottes  endlich
bestimmt  sich  in  erster  Linie  nach  der  Dichtigkeit  der
städtischen  Bevölkerung.
Das  ganze  Niederrheinisch-westfälische  Industriegebiet ­
  ist  von  Fabriken  übersät.  Eine  blühende  Kohlenindustrie, ­
  Maschinenindustrie,  Textilindustrie,  chemische
Industrie,  Holzindustrie,  Lederindustrie  ist  vorhanden.
Auch  ist  es  von  dem  dichtesten  Eisenbahnnetze  bedeckt.
Zahlreiche  große  Verkehrsstrecken  mit  unzähligen  Gleisen
und  Nebenlinien  liegen  dort  nebeneinander.  Infolgedessen
        <pb n="40" />
        40

ist  die  Eisenbahnschrottmasse  im  Nordwesten  außerordentlich ­
  groß.
Auf  dieser  gesunden  Grundlage  hat  denn  auch  das
Martinverfahren  am  Niederrhein  und  in  Westfalen  einen
gewaltigen  Aufschwung  genommen  und  wird  wohl  in  nicht
allzuferner  Zeit  für  diesen  Bezirk  das  einzige  Verfahren
bilden  zur  Massenstahlherstellung.  So  finden  wir  denn
unter  den  dortigen  Flußeisenwerken  nur  ein  einziges,  das
ausschließlich  nach  dem  Thomasverfahren  arbeitet,  während
10  Thomasstahl  und  Martinstahl  produzieren,  3  neben
Martinöfen  auch  noch  kleinere  Bessemerbirnen  in  Betrieb
haben  und  31  Werke  nur  Martinstahl  erzeugen.  Im
Ganzen  sind  auf  diesen  Werken  vorhanden  9  Bessemer
  und  44  Thomaskonverter,  denen  242  Martinöfen
gegenüberstehen  mit  einem  Gesamtfassungsvermögen  von
6897  t.
Im  Siegerland  hat  sich  neuerdings  auch  eine  blühende
Martinstahlindustrie  entwickelt,  die  jedoch  für  vorliegende
Arbeit  weniger  in  Betracht  kommt,  da  sie  in  der  Hauptsache ­
  Roheisen  zu  Stahl  umschmilzt.
Der  Verein  deutscher  Eisen-  und  Stahlindustrieller
stellt  seit  dem  Jahre  1892  Erhebungen  an  über  die  Fortschritte ­
  des  Siemens-Martinverfahrens  in  Deutschland.  Seit
1900  scheidet  die  Stahlstatistik  desselben  Vereins  die  Herstellung ­
  von  Flußstahlblöcken  nach  dem  sauren  (Bessemer)
und  basischen  (Thomas-)  Verfahren  und  nach  ihrer  Erzeugung ­
  im  Konverter  und  im  Siemens-Martinofen  und
führt  besonders  noch  Stahlformguß  auf.
Nach  dieser  Statistik,  welche  seit  1900  unmittelbar
vergleichbar  ist,  betrug  die  Erzeugung  des  deutschen  Zollgebietes ­
  an
        <pb n="41" />
        Flußeise  nblöcke:

Martinstahl

%

Thomasstahl

0  /
/0

Bessemerstahl ­


°/o

Stahlformguss ­


°/o

Flußstahl

1894

899111

2  342161

1895

1  018  807

2  520  396

Für  diese  Zeit  fehlen  die  Angaben  für

1896

1292  832

,

3004  615

Besse

:merst

ahl  und  St

ahifori

nguss.

1897

1304423

—

3  234  214

—

1898

1459  159

—

3  606  739

—

1899

1693  825

—

3  973  225

-

1900

2145  565

32,28

4141587

62,32

223  063

3,36

135  654

2,04

6  645  869

1901

2  012126

31,46

3  975  070

62,17

299  816

4,69

107  210

1,68

6394222

1902

2  434  219

31,29

4888054

62,81

341  885

4,40

116  524

1,50

7  780  682

1903

2  761  237

31,37

5  473195

62,19

435  327

4,94

131  756

1,50

8  801515

1904

2  828306

31,67

5  525  429

61,87

423  742

4,75

152  814

F71

8  930291

1905

3  252  520

32,31

6  203  706

61.63

424196

4,22

186131

1,84

10  066  553

1906

3  765  280

33,81

6  772  804

60,83

407  688

3,66

189  313

1,70

11135085

1907

4  252  560

35,25

7  212  454

59,79

387120

3,21

211498

1,75

12063  632

1908

4  000  923

36,11

6510  754

58,77

374100

3,38

129  883

1,74

11078  660

1909

4  072  937

34,19

7  512  451

62,89

151148

1,28

206456

1,73

11942  992

1910

5  113  758

37,60

8030571

59,05

171108

1,26

283811

2,09

13  599  248

1911

5  783  024

38,86

8640164

58,07

187  359

1,26

269  372

1,81

14  879  919
        <pb n="42" />
        42

Aus  diesen  Zahlen  ist  deutlich  zu  sehen,  wie  das  Martinverfahren
  immer  weiteren  Fuß  faßt  und  dem  Thomasverfahren ­
  scharfe  Konkurrenz  macht.  Während  im  Jahre
1900  der  nach  dem  letzen  Verfahren  hergestellte  Stahl
noch  62,32  °/ n  und  der  Martinstahl  32,28  °/o  der  gesamten
deutschen  Stahlerzeugung  ausmacht,  hat  sich  das  Bild  im
Laufe  von  10  Jahren  wesentlich  verschoben.  Zwar  beträgt ­
  die  Tonnenzahl  der  Rohblöcke  aus  Thomasstahl  1911
das  Doppelte  derjenigen  des  Jahres  1900,  aber  der  Anteil
an  der  Gesamtstahlproduktion  beläuft  sich  nur  mehr  auf
58,07  %.  Anders  der  Martinstahl;  nicht  nur  daß  1911
über  l l / 2  Millionen  Tonnen  mehr  als  das  Doppelte  von
1900  hergestellt  wurden,  sondern  auch  der  prozentuale
Anteil  an  der  ganzen  Stahlerzeugung  stieg  erheblich.  Von
32,28  %  stieg  er  auf  38,86  %,  also  über  6  %•  Dazu
kommt  noch,  daß  das  Metall  zum  Stahlformguß  in  der
Hauptsache  auch  in  Martinöfen  hergestellt  wird.  Der
Bessemerstahl  nimmt  bei  der  Gesamtflußstahlproduktion  nur
noch  eine  untergeordnete  Stelle  ein.  Während  bis  zum
Jahre  1905  wieder  ein  langsames  Wachsen  zu  verzeichnen
war,  ist  seitdem  ein  rapides  Fallen  der  Erzeugungsmengen
zu  bemerken.  1911  betrug  der  Anteil  des  Bessemerstahles
an  der  Gesamtproduktion  nur  noch  1,26  °/ 0 .
Entsprechend  der  Zunahme  der  Martinstahlerzeugung
stieg  auch  die  Anzahl  der  Martinöfen.  Im  Jahre  1880
finden  wir  im  deutschen  Zollgebiet  12  Siemens-Martinöfen,
die  ein  Fassungsvermögen  von  3—10  t  pro  Ofen  hatten.
Basisch  zugestellte  Oefen  waren  überhaupt  keine  vorhanden. ­
  Während  nun  die  Anzahl  der  saueren  Oefen  sich
bis  zum  Jahre  1900  bloß  um  11  vermehrte,  waren  zu  gleicher
Zeit  219  basische  Oefen  im  Betrieb,  die  einen  Fassungsraum ­
  von  4—30  t  auf  wiesen.  In  den  zahllosen  Eisen-  und
Stahlgießereien  findet  der  Martinofen  auch  Verwendung,
wenn  auch  dort  nur  solche  mit  kleinerem  Fassungsvermögen.
        <pb n="43" />
        43

Wenn  man  die  Gesamtzahl  der  in  Flußeisenwerken  und
Gießereien  aufgestellten  Oefen  in  Betracht  zieht,  so  weist
das  deutsche  Zollgebiet  in  den  Jahren  1900  und  1911  folgende ­
  Zahlen  auf:

Liste  der  Martinöfen  des  deutschen  Zollgebietes.

Martinöfen  1900

Martinöfen

1911

Sauer

Ba '  Sa.

Sauer

Ba-Sa.



sisch

sisch

Rheinland  Westfalen

48

164  212

62

260

322

Saar,  Lothringen,  Luxemburg

5

18  23

3

33

36

Oberschlesien

5

32  37

9

48

57

Uebrige  Bezirke

12

22  34

19

50

69

Zusammen

70

236  306

93

391

484

Die  Entwicklung  der  Stahlbereitungsverfahren  zeigt
in  den  verschiedenen  Ländern  ganz  auffallende  Unterschiede.
Diejenigen  Nationen,  welche  dem  Thomasprozeß  nicht  das
nötige  Verständnis  entgegenbrachten  und  am  Bessemerverfahren ­
  festhielten,  hatten  immer  größere  Mühe,  die  erforderlichen ­
  Mengen  Erz  mit  dem  nötigen  geringen  Phosphorgehalt ­
  zu  beschaffen,  so  daß  ganz  allmählich  der  Phosphorgehalt ­
  des  Flußeisens  und  Flußstahles  stieg.  Wenn  nun  die
Verbraucher  bezüglich  der  Qualität  an  das  Material  große
Anforderungen  stellen  müssen,  so  gaben  sie  dem  Martinflußeisen ­
  den  Vorzug.
In  England  waren  die  Bessemererze  bald  abgebaut
und  die  Erze  mußten  von  Nordspanien  eingeführt  werden.
Mit  der  Höhe  der  Fracht  für  die  Erze  stieg  aber  auch  der
Preis  für  das  Roheisen.  Da  England  nun  günstig  für  den
Bezug  von  Schrott  liegt,  so  wirkten  diese  beiden  Umstände
zusammen,  daß  stetig  neue  Martinöfen  in  England  errichtet
        <pb n="44" />
        44

wurden,  in  welchen  die  Erzeugung  von  Flußeisen  durch
Umschmelzen  von  Schrott  und  wenig  Roheisen  stattfand.
Der  prozentuale  Anteil  des  Martinstahles  betrug  1890
in  England  etwa  51  %  der  Gesamtflußeisendarstellung  und
zeigte  in  den  nächsten  5  Jahren  nur  wenig  Veränderung.
Erst  vom  Jahre  1895  ab  nimmt  der  Prozentsatz  an  Martinstahl ­
  beträchtlich  zu,  bis  er  schließlich  1907  auf  71  °/o
anlangt.  Die  Entwicklung  der  Rohstahlerzeugung  in  England ­
  vom  Jahre  1900—-1910  zeigt  folgende  Tabelle.

Rohstahlerzeugung  Großbritanniens.

Saures  Verfahren
Martin  Bessemer

Basisches  Verfahren
Martin  ]  Bessemer

1900

2  908  367

1  273  967

298180

498  857

1901

2  993  760

1133841

359  795

498  112

1902

2  719  332

1175  695

413  288

679  296

1903

2  655  086

1336  986

518  982

602  592

1904

2  624  615

1147  292

672  687

662  746

1905

3091519

1418573

807  961

587  224

1906

3  432  750

1328063

1195  065

609792

1907

3438  937

1300800

1299  168

588  207

1908

2  620  102

920970

1258  075

581  226

1909

2  807  208

1  128  776

1407  660

631952

1910

2  695  000

1157  000

1604000

651000

Obgleich  England  etwas  weniger  wie  die  Hälfte  Martinflußeisen ­
  als  die  Vereinigten  Staaten  und  wenig  mehr  wie
Deutschland  erzeugt,  so  hat  doch  der  Martinprozeß  in
diesem  Lande  die  relativ  größte  Verbreitung  gefunden  und
die  englische  Eisenindustrie  hat  das  größte  Interesse  daran,
daß  für  die  verschiedenen  Verwendungszwecke  dem  Martineisen ­
  der  Vorzug  gegeben  wird.
        <pb n="45" />
        45

Amerika  verfügte  bei  Einführung  des  Bessemerprozesses ­
  über  reichliche  Mengen  phosphorarmer  Eisenerze,
die  jedoch  infolge  der  anwachsenden  Erzeugung  mehr  und
mehr  abgebaut  wurden.  So  sind  denn  auch  seit  1900
keine  Bessemerwerke  mehr  errichiet  worden  und  man  hat
bei  Neubauten  dem  Martinofen  den  Vorzug  gegeben,  zumal ­
  die  Nachfrage  nach  Martinsfahl  immer  größer  wurde.
Der  amerikanische  Stahltrust  baut  nur  noch  Martinöfen ­
  und  hat  auch  auf  seinem  neuen  großen  Stahlwerk  der
Illinois  Stahlwerk  Compagnie  in  Gary  nur  Martinöfen  aufgestellt, ­
  die  imstande  sind  jährlich  1  Million  Tonnen  Stahl
zu  erzeugen.  Amerika  zeigt  sowohl  absolut  wie  relativ
die  größte  Steigerung  der  Erzeugung  an  Martinfluß  eisen.
Im  Jahre  1890  betrug  Amerikas  Martinstahlerzeugung  kaum
V*  Millionen  Tonnen  und  10  Jahre  später  3 1 /*  Millionen  t.
Im  Jahre  1907  betrug  sie  jedoch  weit  über  11  Millionen
Tonnen.  In  dem  Zeitraum  von  18  Jahren  stieg  also  der
Anteil  des  Martinstahles  an  der  Gesamtflußstahlerzeugung
von  12,2  auf  47,4  %•

Rohstahlerzeugung  der  Vereinigten  Staaten.

Saueres  Verfahren
Martin  Bessemer

Basisches  Verfahren
Martin

1900

866693

6  791  726

2  585  812

1901

1053913

8  852  715

3676897

1902

1210  255

9284577

4568478

1903

1113  410

8  730  314

4  817  784

1904

814120

7  984886

5188069

1905

1174  136

11  116437

7  940  777

1906

1342  799

12472243

9  813304

1907

1290090

11854230

10443  783

1908

707445

6214  623

7197  921

1909

9480076

14  725  839  )

1910

9563  376

16  768  581  j

basisches
und  saueres
Verfahren.
        <pb n="46" />
        46

Die  große  Bedeutung  des  Siemens-Martin-Verfahrens
liegt  in  der  Hauptsache  darin,  daß  es  auf  verhältnismäßig
billige  und  einfache  Weise  ermöglicht,  alles  Eisen  nach
einer  gewissen  Gebrauchsdauer  der  Wirtschaft  wieder  zuzuführen. ­
  Es  konnte  natürlich  erst  dann  größere  Verbreitung ­
  finden,  nachdem  genügend  Alteisen  und  Schrott  zur
Verfügung  stand.
Dieser  Schrott  erscheint  nun  auf  dem  Markte  in  verschiedener ­
  Form  und  Art,  und  man  kann  sich  vom  Schrottmarkte ­
  nur  dann  ein  richtiges  Bild  machen,  wenn  man  sich
vor  Augen  hält,  daß  es  sechs  verschiedene  Arten  von
Schrott  gibt,  welche  statistisch  verschieden  behandelt  sein
wollen.
1.,  Schweißeisenaltschrott.  Derselbe  wird  noch  heute  in
gewissem  Umfange  in  jeder  Dorfschmiede  zu  neuen
Eisenerzeugnissen  umgearbeitet.
2.,  Schweißeisenneuschrott.  Abfälle  dei  der  Schweißeisenerzeugung. ­
  Dieselben  werden  fast  ausnahmslos
in  dem  Werke,  in  welchem  sie  fallen,  sofort  wieder
zur  Schweißeisenerzeugung  verwendet,  stecken  also
in  der  Gesamterzeugung  von  Schweißeisen  aus  Puddeleisen
  drin.
3.,  Altguß.  Derselbe  findet  in  größeren  und  kleineren
Eisengießereien  überall  Verwendung  als  Zusatz  zu
dem  einzuschmelzenden  Gießereiroheisen
4.,  Bruch-  und  Wascheisen.  Abfall  beim  Gießereibetriebe.
Dasselbe  wird  fast  immer  in  der  Gießerei,  in  der  es
als  Abfall  entsteht,  wieder  eingeschmolzen,  steckt
also  in  den  Gußwaren  zweiter  Schmelzung  drin.
5.,  Stahlaltschrott.  Derselbe  dient  wesentlich  der  Martinstahlerzeugung, ­
  und  seine  Mengen  entsprechen  etwa
        <pb n="47" />
        47

dem  Stahlverbrauch  von  vor  25  Jahren.  Sein  größter
Bestandteil  ist  Eisenbahnschrott.
6.,  Stahlneuschrott  oder  Hüttenschrott.  Stahlabfälle  bei
der  Weiterverarbeitung  des  Eisens.  Ihre  Menge  ist
gleich  10—12  %  der  Stahlerzeugung  überhaupt,  und
sie  werden  fast  ausschließlich  zur  Martinstahlerzeugung ­
  verwandt.
Von  diesen  sechs  Schrottarten  spielen  nur  die  letzten
beiden  eine  ausschlaggebende  Rolle  bei  der  Martinstahlerzeugung. ­
  Der  Neuschrott  fällt,  wie  oben  erwähnt,  direkt
bei  der  Verarbeitung  des  Rohstahls.  Dahin  gehören  z.  B.
die  Enden  der  Schienen,  Trägern,  Schwellen,  Knüppeln,
Platinen,  Formeisen,  Laschen,  ferner  Blockenden,  Restblöcke, ­
  Grobblechschrott  und  Feinblechschrott.  Die  Menge
des  Stahlneuschrotts  oder  Hüttenschrotts  bestimmt  sich
ohne  weiteres  durch  die  Stahlerzeugung  des  betreffenden
Jahres.  Wenn  das  deutsche  Zollgebiet  z.  B.  1907
12  064  632  t  Rohstahl  schuf,  so  ergab  das,  davon  ein
Zehntel  1  200  000  t  Hüttenschrott.
Die  Menge  des  verarbeiteten  Altschrotts  läßt  sich
leicht  aus  der  Menge  des  erzeugten  Martinstahls  berechnen. ­
  Der  Eisen-  und  Stahleinsatz  im  Martinofen  weist
bei  der  Ueberführung  im  Martinstahl  einen  Abbrand  von
rund  10  %  auf.  Es  muß  also  eine  denselben  Prozentsatz
höhere  Schrottmenge  eingesetzt  werden,  als  man  Martinstahl ­
  zu  haben  wünscht.  Nun  werden  etwa  10—15  %
andere  Zuschläge  als  Schrott  im  Martinofen  zugesetzt  z.
B.  Erze,  Roheisen  und  vorgeblasenes  Thomaseisen.  Wenn
man  diese  mit  etwa  10  %  des  Einsatzes  annimmt,  was  in
Westdeutschland  dem  Durchschnitt  entspricht,  so  kommt
man  zu  dem  Ergebnis,  daß  die  Jahreserzeugung  an  Martinstahl ­
  etwa  gleich  der  zur  Martinstahlerzeugung  verwandten ­
  Schrottmenge  ist.  Damit  man  nun  die  verbrauchte
Menge  Altschrott  erhält,  braucht  man  von  dem  Gesamt-
        <pb n="48" />
        —  48  —

einsatz  in  den  Martinöfen  nur  die  Hüttenschrottmenge  abzuziehen. ­

Der  Altschrott  rührt  meistens  von  verbrauchten
Gegenständen  und  Materialien  her  und  zerfällt  in  folgende
Hauptgruppen,  die  aber  nicht  scharf  voneinander  geschieden ­
  sind:
1.,  Kernschrott,  Er  besteht  aus  alten  Schienen,  Schwellen, ­
  Laschen,  schweren  Fabrikationsabfällen  etc,
2.,  Schmelzeisen.  In  der  Hauptsache  minderwertige,  teils
stark  verrostete  Abfälle  von  Fabrikationsblechen,
Gußschrott,  Draht,  Drahtseilen,  welche  lose  verladen
und  bei  den  weiter  verarbeitenden  Werken  maschinell ­
  gebündelt  werden.
3.,  Späne.  Das  sind  Dreh-  und  Bohrspäne  aus  Flußeisen ­
  und  Flußstahl,  meistens  zu  Briketts  gepreßt.
4.,  Bleche.  Geschirrblechschrott  und  Fabrikationsabfälle
zu  Paketen  gebündelt  und  entzinnte  Bleche,  maschinell ­
  gebündelt  von  Entzinnungsanstalten.
Bei  der  Ungleichartigkeit  des  Materials  ist  die  Bewertung ­
  desselben  natürlich  sehr  schwer,  wozu  indessen
eine  lange  praktische  Erfahrung  gehört,  denn  es  ist  nicht
üblich,  beim  Verkauf  einen  bestimmten  Silizium-  oder
Phosphorgehalt  zu  garantieren.  Meist  gelten  die  schweren
Walzwerksabfälle  als  der  wertvollste  Martinschrott,  der
deshalb  auch  am  teuersten  bezahlt  wird.  Die  Preise  der
anderen  Handelssorten  weichen  davon  mehr  oder  weniger
ab,  ohne  daß  jedoch  von  einem  bestimmten  Preisverhältnis
der  verschiedenen  Schrottsorten  untereinander  die  Rede
sein  könnte.
Die  nach  oben  erwähnter  Berechnung  ausgeführte
Tabelle  der  Schrottmenge  ergibt  folgendes  Bild:
        <pb n="49" />
        49

A
Martinstahlerzeugung ­
  —  dem
dazu  verwandten
Schrott

B
Hüttenschrotterzeugung ­
  •—  10  %
der
Stahlerzeugung

C
A-B
Altschrottverbrauch ­
  zur  Martinstahlerzeugung ­


1885

276  000

89  000

187  000

1886

211000

95  000

116000

1887

225  000

116  000

109  000

1888

409000

129  000

280  000

1889

465  000

142  000

323  000

1890

388000

161000

227  000

1891

476  000

184000

292000

1892

491  000

197  000

294  000

1893

537  000

223  000

314  000

1894

899  000

260  000

639  000

1895

1  019  000

283000

736000

1896

1293000

346000

947000

1897

1304000

386000

918000

1898

1459  000

573000

886000

1899

1694  000

629  000

1065000

1900

2146000

664  000

1482000

1901

2  012000

639000

1373000

1902

2  434000

778  000

1656000

1903

2  761000

880000

1881  000

1904

2  828  000

893  000

1935  000

1905

3  253  000

1  006  000

2247  000

1906

3  765  000

1113  000

2652  000

1907

4253000

1206  000

3047  000

1908

4  000000

1119  000

2  881  000

1909

4073000

1  205  000

2  868000

1910

5114  000

1  370  000

3  744000

1911

5  783  000

1  502  000

4  281  000
        <pb n="50" />
        50

Da  das  Eisen  nicht  in  seinem  Stoff,  sondern  nur  in  seiner
Form  verbraucht  wird,  so  kann  es,  nachdem  es  seinem
Zweck  genügt  hat,  zur  Produktion  von  neuem  verwendet
werden.  Die  Menge  solchen  Altschrotts,  die  von  neuem
für  die  Produktion  zur  Verfügung  steht,  entspricht  früherem ­
  Eisenverbrauch.  Wie  der  Eisenverbrauch  ist  sie  auch
in  beständigem  schnellem  Wachsen.  Es  fragt  sich  nun,
nach  welcher  Zeit  das  in  einem  bestimmten  Jahre  verbrauchte ­
  Eisen  wieder  auf  dem  Markte  als  Altschrott  erscheint. ­
  Durch  einfache  Gegenüberstellung  des  Eisenverbrauchs ­
  und  Altschrottangebots  läßt  sich  diese  Zeit  leicht
feststellen.  Im  Jahre  1882  betrug  der  Eisenverbrauch  des
deutschen  Zollgebietes  3  Millionen  Tonnen,  und  im  Jahre
1907  erschienen  zum  ersten  Male  3  Millionen  Tonnen
Altschrott  auf  dem  Markte.  Es  läßt  sich  mithin  nicht  annehmen, ­
  daß  das  Eisen  eine  längere  Umlaufzeit  als  25
Jahre  hat.
Wenn  nun  gesagt  wird,  das  Schrottangebot  des
Jahres  1925  entspricht  dem  Eisenverbrauch  von  1900,  so
soll  das  keineswegs  heißen,  die  1900  verbrauchten  Eisenmengen ­
  werden  genau  1925  als  Altmaterial  angeboten.
Denn  die  Gebrauchsdauer  der  einzelnen  eisernen  Gegenstände ­
  ist  sehr  verschieden  und  außerdem  geht  durch
Oxydation  und  Verschleiß  manches  verloren.  Die  rein
empirisch  durch  Vergleich  gefundene  Periode  soll  nur  dazu ­
  dienen,  die  Betrachtungen  über  die  Entwicklung  der
Schrottfrage  zu  erleichtern.  In  Wirklichkeit  ist  diese
Periode  auch  nicht  immer  gleich  groß,  sondern  zeigt  gerade ­
  in  den  letzen  Jahren  die  Tendenz  kleiner  zu  werden,
was  wohl  auf  die  immer  schneller  sich  verändernden  Konstruktionen ­
  und  größeren  Anforderungen,  die  an  das  Material ­
  gestellt  werden,  zurückzuführen  ist.
Es  taucht  nun  die  Frage  auf,  welche  Folgen  sich  aus
der  Annahme  einer  25jährigen  Umlaufszeit  des  Eisens  und
        <pb n="51" />
        —  51

der  daraus  sich  ergebenden  Gegenüberstellung  des  Eisenverbrauchs ­
  der  Jahre  1860—1885  und  der  erscheinenden
Mengen  Altschrott  der  Jahre  1885—1910  für  die  Schrottmengen ­
  ergeben,  welche  1885—1910  zu  anderen  Zwecken
als  zu  Martinstahl  verwandt  worden  sind.  Das  sind  in
den  früheren  Jahren  offenkundig  mäßig  steigende  Mengen
Altguß  gewesen.  Neben  ihnen  haben  aber  die  ganze  Zeit
hindurch  ehe  der  Stahl  das  Schmiedeeisen  aus  allen  möglichen ­
  Verwendungszwecken  ablöste,  mit  dem  steigenden
Eisenverbrauche  steigende  Mengen  Schmiedeschrott  gestanden, ­
  welche  eben  solange  stiegen,  bis  der  Stahl  auch
ihre  Verwendungszwecke  eroberte.  Während  noch  1899
=  1169000  t  Schrott  zu  anderen  Zwecken  als  der  Martinstahlbereitung ­
  verwandt  wurden  und  nur  1065  000  t
Altschrott  dem  Martinofen  verfielen,  so  dienten  1900  anderen ­
  Zwecken  nur  noch  834  000  t,  der  Martinstahlbereitung ­
  aber  schon  1482000  t  Altschrott.  Seit  1900  stiegen
dann  die  zur  Martinstahlerzeugung  benutzten  Mengen  Altschrott ­
  mit  reissender  Schnelle  von  1  482000  t  auf  3047000
t  in  1907,  während  die  zu  anderen  Zwecken  benutzten
Altschrottmengen  von  834000  t  auf  362  000  t  fielen.  Die
Folgen  der  Gegenüberstellung  des  Eisenverbrauchs  von
1860—1882  und  der  Altschrottentstehung  sind  also  derart,
daß  sie  aufs  beste  zu  dem  stimmen,  was  wir  sonst  über
die  Entwicklung  der  Arten  des  verbrauchten  Eisens  wissen.
Auf  keinen  Fall  wird  man  heute  die  Umlaufszeit  des  Eisens
durch  die  wirtschaftliche  Verwendung  auf  eine  längere
Dauer  als  25  Jahre  ansetzen  dürfen.
Wenn  die  Zahlen  der  für  andere  Zwecke  als  die
Martinstahlerzeugung  verwandten  Altschrottmengen  zu  klein
erscheinen,  wird  man  sogar  noch  eine  kürzere  Umlaufsfrist ­
  annehmen  müssen,  indem  man  z.  B.  die  Altschrottverwendung ­
  zu  Martinstahl  von  1907  in  Höhe  von  3  047  000
t  dem  Eisenverbrauche  von  3  900000  t  des  Jahres  1887
        <pb n="52" />
        52

entgegenstellt.  Dies  würde  sogar  nur  eine  Umlaufszeit  des
Eisens  von  20  Jahren  bedeuten.  Für  letzere  Annahme  spricht
auch  noch  der  Umstand,  daß  nicht  alles  Eisen,  das  früher
einem  bestimmten  Zweck  gedient  hat,  nach  seiner  Ausrangierung ­
  sofort  in  den  Martinofen  oder  in  die  Giesserex
wandert.  Sehr  viel  Altmaterial  und  in  erster  Linie  Träger
und  Schienen,  findet  trotz  seiner  Ausrangierung  in  dem
einen  Betrieb  noch  Verwendung  bei  anderen  Bauten,  wo
es  auf  Jahre  hinaus  noch  seinen  Zweck  voll  und  ganz  erfüllt.
Doch  soll  in  folgendem  mit  der  angenommenen  Umlaufsperiode ­
  von  25  Jahren  gerechnet  werden,  wenn  auch
nicht  zu  verkennen  ist,  daß  in  den  letzten  15  Jahren  eine
25jährige  Umlaufszeit  nicht  mehr  ganz  den  Verhältnissen
entspricht.  Denn  wenn  eine  kürzere  Zeit  angenommen
wird,  so  ergeben  sich  für  die  zu  anderen  Zwecken  als  der
Martinstahlbereitung  verwandten  Mengen  Altschrott  zu
hohe  Zahlen.  Seit  dem  Jahre  1908  führt  die  deutsche
Reichsstatistik  in  ihren  Produktionserhebungen  auch  die
Schrottmengen  auf,  die  in  den  einzelnen  Hüttenbetrieben
Verwendung  finden  Wenn  man  diese  Zahlen  mit  denen
der  errechneten  Tabelle  vergleicht,  so  stimmen  sie  im
wesentlichen  mit  denselben  überein  bei  Annahme  einer
25jährigen  Umlaufszeit  des  Eisens,
Die  Produktionsstatistik  hat  für  1908  folgende  Zahlen
ermittelt:
Schrottverbrauch  in  Hochöfen  ......  64  030  t
Schweißeisenwerken  .  ,  104433  „
Eisen-  u.  Stahlgießereien  592  412  „
Flußeisen-(Martin)werken  3  392  724  „
Sa.  .  .  .  4153  599  t
Die  ermittelten  Mengen  Schrott,  worunter  altes  Material, ­
  Gußbruch  oder  Gußschrott  zu  verstehen  ist,  umfassen ­
  nur  die  in  den  einzelnen  Betrieben  eingebrachten
und  dort  verbrauchten  Mengen,  nicht  auch  die  in  der  eigenen
        <pb n="53" />
        53

Giesserei  etc.  entstandenen  Massen  von  Bruch,  Fehlguß  etc.
An  die  Tatsache,  daß  der  Schrottkonsum  der  letzten
Jahre  ungefähr  dem  Eisenverbrauch  der  Zeit  vor  25  Jahren
quantitativ  entspricht,  knüpfen  nun  weiter  sich  sehr  wichtige
Folgerungen.  Haben  wir  bereits  1910  mit  3,7  t  Altschrott,
dem  Eisenverbrauche  von  1885  zu  rechnen  gehabt,  so
werden  wir  in  Zukunft  mit  noch  ganz  anderen  Altschrottmengen ­
  zu  rechnen  haben.  Denn  der  Eisenverbrauch  des
deutschen  Volkes  ist  ja  seit  1883  der  folgende  gewesen:

Eisenverbrauch

Tonnen

Altschrottentstehung

1883

3  418  000

1908

1884

3  584  000

1909

1885

3  646  000

1910

1886

3  382  000

1911

1887

3  900000

1912

1888

4  373  000

1913

1889

4  674  000

1914

1890

4  897  000

1915

1891

4  711000

1916

1892

4  966  000

1917

1893

5  032  000

1918

1894

5  350  000

1919

1895

5  434  000

1920

1896

6  538000

1921

1897

7  171  000

1922

1898

7  403  000

1923

1899

8  535  000

1924

1900

9  106  000

1925

1901

7  823  (100

1926

1902

8  144  000

1927

1903

9  657  000

1928

1904

9  917  000

1929

1905

10  513  000

1930

1906

12  149  000

1931

1907

13  016  000

1932

1908

11  712  000

1933

1909

11938  000

1934

1910

12  791  000

1935
        <pb n="54" />
        54

Selbst  für  den  unwahrscheinlichen  Fall,  daß  sich  die
Umlaufszeit  trotz  der  steigenden  Raschlebigkeit  der  heutigen ­
  Maschinen  und  Anlagen,  trotz  der  steigenden  Abnutzung ­
  der  Eisenbahnschienen  und  der  Vermehrung  des
kurzlebigen  Verbrauchseisens  nicht  weiter  verkürzen  sollte,
werden  wir  1913  mit  4,  1918  mit  5,  1930  mit  10  und  1935
mit  12  Millionen  Tonnen  Altschrott  auf  dem  deutschen
Markte  zu  rechnen  haben.  Selbst  wenn  sich  die  deutsche
Roheisenerzeugung,  die  1910  14  793  325  t  betragen  hat,
nicht  weiter  vermehrt,  gibt  es  also,  wenn  man  14  Millionen
Tonnen  Roheisen  und  12  Millionen  Tonnen  Stahl  als  den
Durchschnitt  der  letzten  3  Jahre  annimmt  auf  dem  deutschen ­
  Markte

1913

12  +

3,6  =  15,6  Tonnen  Stahl,

1918

12  +

4,5  =  16,5  ,,  „

1921

12  +

5,4  =  17,4  „

1922

12  +

6,3  =  18,3  „  „

1924

12  +

7,2  -  19,2

1925

12  +

8,1  -  20,1

1930

12  +

9,0  =  21,0

1931

12  +

10,8  =  22,8

Der  deutsche  Markt  ist  gewiss  noch  einer  Steigerung

seines  Stahlverbrauchs  fähig,  aber  ob  er  diese  Massen
Stahl  aufzunehmen  im  Stande  sein  wird,  welche  schon
ohne  eine  Vermehrung  der  Stahlerzeugung  aus  Roheisen
bis  1935  entstehen  werden,  ist  doch  mehr  als  zweifelhaft.
Dabei  trifft  diese  Erscheinung  nicht  nur  Deutschland,  sondern ­
  alle  alten  Eisenländer  der  Erde,  vor  allem  England,  welches ­
  weit  eher  einen  großen  Eisenverbrauch  gehabt  hat
als  die  andern.
Nimmt  man  den  Eisenverbrauch  des  Jahres  1900  mit
9  000000  t  an,  so  kommen  1925  diese  9000  000  t  als  Alteisen ­
  auf  den  Markt.  Würden  nun  1925  bloß  10  Millionen  t
        <pb n="55" />
        55

Neueisen,  das  aus  Erzen  stammt,  verbraucht,  so  würde
sich  der  Gesamtverbrauch  des  Jahres  auf
10  000  000  t  +  9  000  000  t  (Altmaterial)  =  19  000  000  t
belaufen.  Diese  19  000  000  t  kämen  dann  25  Jahre  später
also  1950  wieder  als  Altmaterial  auf  den  Markt  (und  zwar
die  darin  steckenden  9  000  000  Tonnen,  die  1900  konsumiert ­
  wurden  zum  zweiten  Male  als  Altmaterial).  Werden

diese  Betrachtungen  fortgesetzt,

so  erhält

man

folgendes

Schema:

in  1000  Tonnen

1900

1925

1950

1975

Zum

1.  Mal  verbrauchtes  Neueisen

9  000

10  000

15  000

20  000

2.  „  „  (Alt)  „

—

9  000

10  000

15  000

3

—

9  000

10  000

4

—

—

—

9  000

Gesamtverbrauch  pro  Jahr

9  000

19  000

34  000

54  000

Für  das  Jahr  2000  ergibt  sich  dann  auf  dem  deutschen ­
  Markt  eine  Schrottmenge,  die  gleich  der  Summe
des  Eisenverbrauchs  von  1900,  1925,  1950  und  1975  ist.
Der  Bedarf  an  Eisenwaren  müßte  sich  aber  geradezu  gewaltig ­
  gesteigert  haben,  wenn  neben  diesen  Schrottmengen
noch  ebenso  bedeutende  neu  aus  Erzen  gewonnene  Eisenmengen ­
  zur  Verwendung  kommen  könnten.
In  der  obigen  Zusammenstellung  wurde  angenommen,
daß  sich  der  Eisenverbrauch  1975  auf  54  000  000  t  stellt,
also  genau  6  mal  so  groß  ist  als  1900.  Während  nun
heute  das  aus  dem  Erz  frisch  gewonnene  Eisen  noch  bei
weitem  überwiegt,  so  wäre  1975  die  Bedeutung  desselben
sehr  zurückgegangen.
Bemerkenswert  ist  weiter,  daß  das  im  Jahre  1900
gewonnene  Eisen  im  Jahre  2000  zum  5.  Male  das  1925
erzeugte  zum  4.  Male  usw.  in  Fertigwaren  verwandelt
wird.
Der  jährliche  Schrottverbrauch  steigert  sich  demnach
erstens  ungefähr  entsprechend  dem  um  25  Jahre  zurück ­
        <pb n="56" />
        56

liegenden  Eisenkonsum,  dann  aber  zweitens  gemäß  der  in
früheren  25  Jahrperioden  auf  den  Markt  gebrachten
Schrottmengen  und  zwar  mit  fortschreitender  Zeit  in
immer  schnellerer  Weise.
Die  Bedeutung  des  Schrotts  für  die  moderne  Eisenindustrie ­
  vergrößert  sich  von  Jahr  zu  Jahr  und  er  wird
ein  immer  schwerer  zu  besiegenden  Konkurrent  des  Eisenerzes, ­
  besonders  dann,  wenn  der  Eisengehalt  des  Erzes
abnimmt  und  seine  Förderkosten  von  Jahr  zu  Jahr  steigen.
Gerade  in  letzter  Zeit  hat  die  Eisenerzgewinnung  gewaltige ­
  Dimensionen  angenommen  und  trotzdem  auf  dem
Geologenkongress  in  Stockholm  im  Jahre  1910  die  vorhandenen ­
  Eisenvorräte  als  für  lange  Zeit  noch  ausreichend
bezeichnet  wurden,  so  gehört  gerade  das  Thema  der
„Eisenerznot“  zu  den  am  meisten  erörterten  wirtschaftlichen ­
  Problemen  der  Gegenwart.  Doch  wo  der  Schrott
gerade  heute  dem  Erze  als  Rohstoff  zur  Gewinnung  des
Eisens  so  außerordentlich  Konkurrenz  macht,  wird  die
Erzgewinnung  nicht  mehr  auf  viele  Jahrzehnte  hinaus  in
dem  bisherigen  Tempo  zunehmen.  Es  wird  vielmehr  im
Laufe  der  Jahre  eine  Verlangsamung  eintreten  die  in  späteren ­
  Zeiten  selbst  dann  zu  einer  Stagnation  der  Fördermengen ­
  führen  wird,  wenn  noch  genügend  Vorräte  vorhanden ­
  sind.
Der  Schrott  hat  also  eine  außerordentlich  günstige
Wirkung  auf  die  Nachhaltigkeit  der  Erzlager  und  stellt  für
alle  eisenindustriellen  Staaten  einen  sehr  erwünschten
Faktor  insofern  dar,  als  er  den  Zeitpunkt  der  Erschöpfung
der  Erzreserven  hinausschiebt.
Die  Martinwerke  haben  dieser  Bedeutung  des  Schrotts
Rechnung  tragend  bei  ihren  Neuanlagen  dem  Schrottplatz,
der  Anlage,  wo  der  Schrott  aufgestapelt  wird,  mehr  Sorgfalt ­
  zugewandt  und  ihm  die  Vorteile  der  vorgeschrittenen
Technik  zu  Teil  werden  lassen.  Um  für  die  umfangreichen
        <pb n="57" />
        57

Schrottmassen  Platz  zu  gewinnen,  strebt  man  dahin  die
Geleise  hoch  zu  legen  und  mit  Hilfe  von  modernen  Hebezeugen ­
  und  Magnetkranen  möglichst  direkte  Verladungen
vom  Waggon  in  die  Schrottmulden  zu  gestatten,  da  natürlich ­
  das  doppelte  Umladen  des  eingehenden  Schrottes
hohe  Kosten  verursacht.
Am  meisten  Sorge  und  Arbeit  bereiten  den  Betriebsleitern ­
  die  großen  Massen  von  Sammelschrott,  Schmelzeisen ­
  und  Spänen  usw,  die  in  einer  solchen  Form  angeliefert ­
  werden,  daß  selbst  beim  maschinellen  Chargieren
und  bei  sorgfältiger  Einladung  in  die  Chargiermulden  hohe
Transportkosten  entstehen.  Chargiermulden,  deren  Inhalt
bei  Kernschrott  2000—3000  kg  beträgt,  fassen  von  diesem
leichten  und  sperrigen  Schrott  oft  nur  wenige  hundert
Kilogramm.  Darunter  leidet  wieder  die  Chargierdauer,
der  Ofen  wird  unnötig  abgekühlt,  der  Abbrand  steigt
durch  das  lose  im  Ofen  liegende  lockere  Material  usw.:
hoher  Kohlenverbrauch  und  geringe  Erzeugung  sind  die
Folgen.  Man  ist  daher  schon  dazu  übergegangen,  solchen
Schrott  von  Hand  zusammenzustampfen  oder  wenigstens
mit  Draht  zu  bündeln.  Die  Kosten  für  die  Tonne  solcher
Art  von  Hand  gebündelten  Schrotts  einschließlich  Drahtverbrauch ­
  stellen  sich  auf  etwa  3—4  Mark.  Aber  bald
genügten  auch  diese  Art  Pakete  nicht  mehr  den  gesteigerten ­
  Anforderungen  des  Ofenbetriebes  und  man  ging  zur
Einführung  von  hydraulisch  betriebenen  Pressen  über.  Die
Leistung  einer  solchen  Pressanlage  konnte  aber  nicht  sehr
groß  sein,  und  die  Kosten  der  Paketierung  wurden  wesentlich ­
  teurer  als  bei  Handpaketierung.  Sie  stellten  sich
einschließlich  Verzinsung,  Amortisation,  Drahtverbrauch  und
Kohlenverbrauch  bezw.  Dampfverbrauch  für  die  Akkumulatorenpumpen ­
  auf  8  Mark  für  die  Tonne  gebündelter
Pakete,
Neuerdings  scheinen  nun  die  auf  den  Markt  kom-
        <pb n="58" />
        —  58  —
menden  elektrisch  betriebenen  Paketierungspressen  mehr
den  vorhandenen  Bedürfnissen  zu  genügen  und  besonders
die  Kosten  des  Paketierens  zu  verringern.  Die  fertigen
Pakete,  die  800—2500  kg  wiegen,  erhalten  ohne  mit  Draht
gebündelt  zu  sein  ein  solche  Festigkeit  gegen  Auseinanderfallen, ­
  daß  man  sie  mittels  Magnetkranens  aufeinanderstapeln
  kann.  Dieser  Umstand  läßt  sich  vorteilhaft  ausnutzen, ­
  indem  man  den  oft  sehr  ungleichmässig  angelieferten ­
  Schrott  sofort  presst  und  die  fertigen  Pakete  auf  Lager
setzt.  Man  spart  dadurch  an  Raum  bei  den  oft  so  wertvollen ­
  und  für  andere  Zwecke  dringend  notwendigen
Lagerplätzen.  An  manchen  Stellen  hat  man  sich  stets  bemüht, ­
  im  Schrotteinkauf  mit  Erfolg  eine  starke  Quelle  der
Verbilligung  der  Selbstkosten  zu  suchen,  und  zwar  durch
den  Einkauf  minderwertigen  und  damit  billigen  Sammelund
  Landschrottes,  von  Spänen,  Draht  usw.  Der  verhältnismässig ­
  billige  Preis  solcher  Ware  rechtfertigt  natürlich
die  weitere  Ausgabe  von  mehreren  Mark  auf  die  Tonne,
um  das  Material  ofengerecht  und  besser  verwertbar  zu
machen.  Nachdem  aber  in  den  letzten  Jahren  der  Bedarf
an  solch  minderwertigem  Schrott  erheblich  gestiegen  ist,
hat  gleichermaßen  die  Preisspannung  zwischen  diesem  für
die  Paketierung  in  erster  Linie  in  Frage  kommenden
Sammelschrotts  und  dem  Kernschrott  abgenommen.  Die
geringe  Spannung  wird  natürlich  um  den  Kostenbetrag  des
Paketierens  verringert,  so  daß  unter  Umständen,  besonders
bei  steigenden  Preisen  dieses  leichten  minderwertigen
Schrottes,  die  Grenze  seiner  Wirtschaftlichkeit  nahe  gerückt ­
  erscheint,  ganz  abgesehen  davon,  daß  ein  Betrieb
auch  nur  bis  zu  einem  gewissen  Prozentsatz  derartigen
leichten  Sammelschrott  verarbeiten  kann.
Diese  wirtschaftlichen  Erwägungen  sind  natürlich  von
Fall  zu  Fall  verschieden  und  dürfen  nicht  verallgemeinert
werden.  Die  Bedeutung  der  mechanischen  Ausrüstung
        <pb n="59" />
        59

unserer  Schrottplätze  mit  guten  Hebezeugen,  Magnetkranen,
elektrischen  Pressen  bleibt  voll  und  ganz  bestehen,  und
es  kann  ihr  nur  noch  eine  weitere  gedeihliche  Weiterentwicklung ­
  prophezeit  werden.
Zur  Beantwortung  der  Frage,  woher  diese  ungeheuren ­
  Mengen  von  Altschrott  kommen,  die  jährlich  umgeschmolzen ­
  werden,  muß  man  die  verschiedenen  Arten  des
Schrottes  auseinander  halten  und  zwar  den  Kernschrottf
welcher  vor  allen  anderen  Arten,  den  Vorzug  genießt  und
den  minderwertigen,  sogenannten  Sammelschrott.  Letzterer
entsteht  dort  in  größtem  Maße,  wo  die  dichteste  Bevölkerung ­
  ist  und  das  trifft  hauptsächlich  für  die  großen
Städte  zu.  Hier  sammeln  sich  dann  die  ungeheueren
Mengen  von  Abfallblechen,  Geschirrblechen  Draht  usw.
Der  Kernschrott,  aus  alten  Schienen,  Schwellen  und
Laschen  und  schweren  Fabrikationsabfällen  bestehend,
wird  in  erster  Linie  von  der  Eisenbahn,  dann  von  den
großen  Fabriken  geliefert.  Die  Eisenbahn  ist  ja  der  Hauptabnehmer ­
  der  Eisenindustrie,  Der  gesamte  Oberbau  der
Eisenbahnen  der  Erde  dürfte  im  Jahre  1910  eine  Ausdehnung ­
  von  rund  1  Million  Kilometer  gehabt  haben.
Schätzungsweise  beträgt  das  Gewicht  dieses  Oberbaues
etwa  100  Millionen  Tonnen,  welche  jährlich  für  Ersatz  und
Neuanlage  eine  Menge  von  mindestens  12  Millionen  Tonnen
erfordern.  Diesen  12  Millionen  Tonnen  entspricht  dann
eine  etwas  geringere  Menge  ausrangierten  Eisens,  das  als
Schrott  überall  Käufer  findet.
Für  die  preußisch  hessischen  Eisenbahnen  finden  sich
genaue  Angaben  über  die  jährlich  verbrauchten  Mengen
an  Schienen,  Schwellen  und  Kleineisenzeug  und  ebenso
über  die  Einnahmen  aus  den  Veräußerungen  insonderheit
über  dieselben  aus  dem  Verkauf  von  alten  Materialien,
Materialabfällen  und  Oberbaumaterialien  in  den  Berichten
über  die  Betriebsergebnisse  der  Preussisch-hessischen
        <pb n="60" />
        60

Eisenbahnen  die  jährlich  dem  Abgeordnetenhause  vorgelegt ­
  werden.
Folgende  Tabellen  geben  hierüber  genaueren  Aufschluß. ­
  Zuerst  ist  die  Erweiterung  des  Preußischen
Staatseisenbahnnetzes  vom  Jahre  1870—1909  dargetan.
Hierbei  ist  jedoch  zu  berücksichtigen,  daß  als  Länge  die
Betriebslänge  angenommen  ist,  während  die  Gesamtlänge
der  Gleise  das  Doppelte  derselben  wesentlich  übersteigt.
So  betrug  z.  B.  1909  die  Betriebslänge  der  preußischen
Eisenbahnen  36  948  km,  die  Länge  der  durchgehenden  und
anderen  Gleisen  zusammen  aber  76479  km.
Die  folgenden  Tabellen  bringen  die  Tonnenzahl  der
in  den  Jahren  1876—1909  jährlich  verbrauchten  Oberbaumaterialien ­
  und  die  Erträgnisse  aus  den  Veräußerungen.
        <pb n="61" />
        61

Erweiterung  des  preußischen  Staatseisenbahnetzes
seit  dem  Jahre  1870;
seit  1.  April  1897  des  preussischen  und  hessischen
Besitzes.

Gesamtlänge  zu  Beginn
des  Jahres

Gesamtlänge  zu  Beginn
des  Jahres

1870

3  195  km

1890

23  732  km

1871

3  245

1891

24  708

1872

3546

1892

25  011

1873

3  720

1893

25  399

1874

3  870

1894

25  881

1875

3  870

1895

26  304

1876

4100

1896

27199

1877

4  408

1897

27  966  mit  hess.  Bes.

1878

4  803

1898

29172

1879

5  255

1899

29  785

1880

6  049

1900

30170

1881

11244

1901

30  653

1882

11397

1902

31  509

1883

14  034

1903

33263

1884

15  431

1904

34073

1885

19  377

1905

34  492

1886

20  918

1906

35101

1887

21279

1907

35  558

1888

22405

1908

36211

1889

22  961

1909

36948
        <pb n="62" />
        —  62  —

An  neuen  Oberbaumaterialien  wurden  für  die  Erneuerung ­
  des  Oberbaues,  Umbau  und  Einzelauswechselung
verwendet:

Jahr

Schienen  t

Kleineisen  t

Schwellen  t

1876

32  051

24  476

1877

30  375

—

7  404

1878

28  811

—

13330

1879

26  415

—

17  836

1880

41996

6  632

17  985

1881

40  705

9  729

26  001

1882

50  881

12  370

34  484

1883

54  572

13  232

35  618

1884

74  998

18  164

40009

1885

76  038

18  296

40  214

1886

73  676

18  343

31913

1887

73  262

20  962

31  327

1888

79  345

24122

36  340

1889

79  985

26  024

30  800

1890

87  863

30  158

34  203

1891

120  739

38  899

42  688

1892

120  387

38  297

34  095

1893

130110

42  662

44  206

1894

117  245

34  741

47  128

1895

104176

35  166

50  909

1896

100115

32  155

51  584

1897

129  161

48  018

61  663

1898

137  880

51  803

68  652

1899

158  986

55  766

76147

1900

150  407

58  969

82  857

1901

166  337

62  091

81  010

1902

187  401

74  480

96  825

1903

185157

74  940

96  206

1904

193114

79  963

111057

1905

206  531

85  418

109  925

1906

206  826

90  586

109  781

1907

229  555

91461

124  942

1908

242  227

96  019

139  698

1909

234  007

101  246

135  888
        <pb n="63" />
        63

Erträge  der  Preußischen  Eisenbahnen  aus  Veräußerungen.

Jahr

Gesamtertrag

|  Durch  Verkauf  von
Material  und
Materialabfällen

Durch  Verkauf  von
altem
Oberbaumaterial

Jl

Jl

Jl

1876

1  802  820

—:

1877

1  887  606

—

-  :

1878

2  100  366

•

—

1879

2  810  206

—

1880

7  042  899

5  718  100

1881

12  973  358

10  944  498

1882

13  954  265

12  202  178

1883

15  216  068

13  129  435

—

1884

16  221  308

13  868  099

1885

15126  201

12182  970

—

1886

9  846  713

6  594  610

—

1887

10  243  474

7  042  524

—

1888

11  171  460

7  914  985

1889

13  884  487

10184  764

1890

15  263  912

11518  382

1891

19  406  766

15  585  900

1892

17  563  861

13645  210

1893

16  959  337

12  878  566

1  1894

15  919  180

11  549  021

1895

20  804  637

11519  159

1896

23  726  484

13  438  395

1897

26  639  415

14  210109

1898

24  563  700

17  044  781

1899

33  098  260

24  441  543

_

1900

25  727  904

16  856  312

1901

26  387132

18  416  708

1902

27  746  492

20  285  245

1903

30  333  163

21  192  430

1904

33  051  993

22  701  475

1905

37  116  947

24  734  998

12  226  542

1906

42  714  733

28529  565

14  254  403

1907

43  196  864

27  225  289

13  561  954

1908

36  317  268

20  921  704

9  836  845

1909
j  I

41  229  341

26  620  653

13  066  826
        <pb n="64" />
        64  —

Bei  den  Erträgen  aus  Veräußerungen  werden  die
Einnahmen  nicht  nur  durch  den  Verkauf  von  Eisen  und
Eisenabfällen  erzielt,  es  kommen  auch  andere  Altmaterialien
zum  Verkauf.  In  der  Hauptsache  Altmessing  von  Wagenbeschlägen ­
  herrührend  etc.  Doch  erzielen  die  alten  Oberbaumaterialien ­
  allein  schon  einen  Preis,  der  die  Hälfte  der
gesamten  Erträge  aus  dem  Verkauf  von  Materialabfällen
ausmacht.  Dazu  kommen  noch  die  verschiedenen  anderen
Schrottmengen,  die  die  Eisenbahn  jährlich  abstößt.
Die  seit  dem  Jahre  1905  von  den  Preußisch-hessischen
Eisenbahnen  durchschnittlich  jährlich  verkauften  Mengen
Schrott  belaufen  sich  auf
90  000  t  unbrauchbare  Schienen,
23  000  t  eiserne  Schwellen,
65  000  t  unbrauchbares  Kleineisen,  Weichenmaterialien,
50000  t  Blech-  und  Eisenschrott,
27  000  t  Dreh-  und  Bohrspäne  von  Eisen  und  Stahl,
25  000  t  Gußschrott  und
20  000  t  Stahlschrott
-  300  000  t.
In  den  Bezirken  der  westlichen  Eisenbahndirektionen
werden  die  aufkommenden  Altmaterialien  durch  die  Königlichen ­
  Eisenbahndirektionen  öffentlich  verkauft,  kleinere
Mengen  gelangen  auch  ausnahmsweise  zum  freihändigen
Verkauf.  Von  den  Altmaterialien  aus  den  Bezirken  der
östlichen  Eisenbahndirektionen  werden  diejenigen,  die  nur
noch  zum  Verhütten  geeignet  sind,  durch  das  Königliche
Eisenbahnzentralamt  freihändig  verkauft,  die  übrigen  Altmaterialien, ­
  die  noch  für  besondere  Zwecke  brauchbar  sind
(alte  Schienen,  Schwellen  usw.)  werden  durch  die  Eisenbahndirektion ­
  teils  öffentlich,  teils  freihändig  verkauft.
In  Amerika  hat  der  sich  immer  fühlbarer  machende
Mangel  an  Eisenschrott  für  den  Martinprozeß  den  großen
        <pb n="65" />
        65

amerikanischen  Stahlwerken,  welche  neben  Converteranlagen ­
  auch  Martinöfen  besitzen,  Veranlassung  gegeben,
Aenderungen  im  Bessemerbetrieb  vorzunehmen.  Früher
fanden  die  Abfälle  von  älteren  Einsätzen,  Schienen  enden
usw.  ihre  vorteilhafte  Verwendung  im  Converter  selbst,
indem  man  den  bei  der  Verarbeitung  von  siliziumreichen
Roheisen  entstehenden  heißen  Gang  durch  Einwerfen  von
Flusseisenabfällen  regulierte.  Dies  war  deshalb  gut  möglich, ­
  weil  immer  noch  genug  Schrott  und  Altmaterialien
zur  Versorgung  der  Martinofenwerke  vorhanden  war.  In
manchen  Fällen  wurde  die  Erbauung  von  Martinöfen  durch
den  Ueberschuß  von  Schrott  veranlaßt,  der  im  Converter
nicht  mehr  verarbeitet  werden  konnte.  Unter  den  damaligen ­
  Marktverhältnissen  stieg  dagegen  der  Preis  des  Schrotts
so  hoch  und  die  Nachfrage  nach  Flußeisen  war  so  stark,
daß  die  Martinwerke  die  größtmögliche  Leistung  anstreben
mußten.  Zu  diesem  Zwecke  verwendet  man  daher  auch
diejenigen  Abfälle,  welche  früher  zum  großen  Teil  in  den
Converter  aufgegeben  wurden.  Hierdurch  wurden  die  Bessemerhütten ­
  genötigt,  nahezu  ohne  Schrottzusatz  zu  arbeiten.
Dies  zu  ermöglichen  war  die  genaue  Einhaltung  eines  bestimmten ­
  Siliziumgehalts  im  Roheisen  erforderlich.  Es
mußte  genug  Silizium  vorhanden  sein,  um  durch  seine  Verbrennung ­
  die  gewünschte  Temperatur  zu  erzeugen,  andernfalls ­
  durfte  der  Siliziumgehalt  nicht  so  groß  sein,  daß  dadurch ­
  die  Dauer  des  Blasens  wesentlich  verlängert  wurde.
Interessant  ist  die  Tatsache,  daß  durch  die  oben  geschilderte ­
  Abänderung  der  Bessemer-Betriebe  die  „United
States  Stel  Corporation“  eine  auswärtige  Zufuhr  von  Schrott
fast  ganz  entbehren  kann.  Die  Gesamterzeugung  an
Blöcken  war  im  Jahre  1901  =  9  084  580  t.  Wenn  man
annimmt,  daß  bei  Verarbeitung  dieser  Quantität  von  Blöcken
ein  Abfall  von  nur  12,5  %  entsteht,  so  ergibt  sich  daraus
eine  Menge  von  1  130  000  t  Abfall,  was  ein  wenig  über
        <pb n="66" />
        66

40  0 /o  der  Martinerzeugung  der  Gesellschaft  ausmacht.
(2  772  378  t).
Ein  anderes  Werk,  die  Great  Western  lron  and  Steel
Company,  hat  seinen  Schrottbedarf  dadurch  zu  decken  gesucht, ­
  daß  es  die  nach  der  großen  Katastrophe  in  San
Francisko  im  Jahre  1906  gesammelten  Mengen  Alteisen  ankaufte. ­
  Seit  der  großen  Feuersbrunst  hat  die  genannte
Firma  150  000  t  Schrott  verladen  und  besitzt  4  Schrotthaufen, ­
  die  je  100  Fuß  im  Quadrat  bei  40  Fuß  haben  und
insgesamt  80000  t  Schrott  enthalten.
Ueber  die  Schrottpreise  ist  oben  schon  gesagt  worden, ­
  daß  sie  nicht  für  alle  Sorten  einheitlich  sind.  Der
Kernschrott  erzielt  im  allgemeinen  die  höchsten  Preise,
doch  stehen  die  Preise  der  anderen  Sorten  in  keinem  bestimmten ­
  Verhältnis  dazu.  Für  Neuschrott  bestimmen  sich,
die  Preise  durch  die  Mengen  des  Schrottentfalles  bei  den
Thomaswerken  und  den  Beschäftigungsgrad  der  Martinwerke. ­
  Der  Schrottpreis  steht  natürlich  in  einem  gewissen
Verhältnis  zum  Roheisen-  und  Stahlpreis,  aber  damit  ist
nicht  gesagt,  daß  die  Preisbildung  beider  Produkte  miteinander ­
  parallel  geht.  Meist  ist  der  Preis  der  Walzwerksabfälle ­
  niedriger  als  für  Stahlroheisen,  aber  er  ist  auch
schon  höher  gewesen.
Gerade  in  letzter  Zeit  sind  mehrfach  durch  die  Presse
Nachrichten  gegangen,  die  von  einer  Abschwächung  des
Schrottmarktes  berichteten.  Diese  Nachrichten  sind  an
sich  zutreffend,  nicht  aber  die  Gründe,  die  für  diese  angesichts ­
  der  sehr  starken  Beschäftigung  der  gesamten  Eisenindustrie ­
  sonderbaren  Preisrückgänge  angeführt  worden
sind.  In  den  Zeitungsmitteilungen  findet  man  als  Hauptursache ­
  für  den  Rückgang  des  Schrottpreises  vielfach  die
Tatsache  erwähnt,  daß  eine  Anzahl  großer  Werke  zur  Verarbeitung ­
  von  flüssigem  Roheisen  in  Martinöfen  anstelle
von  Alteisen  übergegangen  sei.  Dieser  dem  flüssigen  Ver ­
        <pb n="67" />
        67

fahren  zugeschriebene  Einfluß  ist  zwar  nicht  ganz  unrichtig,
aber  mindestens  stark  übertrieben,  denn  abgesehen  von
Werken  wie  Hoesch,  Osnabrück  und  Hüsten,  die  —  von
zeitweisen  Unterbrechungen  abgesehen  —  schon  seit  Jahren
nach  dem  flüssigen  Verfahren  arbeiten,  sind  andere  Werke
in  neuerer  Zeit  zu  diesem  Verfahren  nicht  übergegangen.
Wenn  aber  das  flüssige  Verfahren  für  den  Preisrückgang ­
  nicht  zutreffend  ist,  so  sind  doch  Faktoren  dafür
verantwortlich  zu  machen,  die  nicht  mit  weniger  Aufmerksamkeit ­
  verfolgt  werden  dürfen.  Die  Preise  für  Schrott
beliefen  sich  in  der  Hochkonjunktur  der  vergangenen  Jahre
auf  70—71  Mark  für  besten  Walzwerkschrott,  um  seit
kurzem  auf  60—65  Mark  zu  sinken.  Diese  Erscheinung,
die  bei  den  steigenden  Roheisenpreisen  und  der  starken
Beschäftigung  auffallend  erscheinen  muß  und  die  nach
früherer  Theorie  als  Zeichen  beginnender  Abschwächung
würde  angesehen  werden  müssen,  hat  gerade  ihren  Grund
in  der  überaus  starken  Beschäftigung.  Denn  wenn  auch
die  Martinproduktion  und  damit  der  Bedarf  an  Schrott
nicht  unerheblich  zugenommen  hat,  so  ist,  absolut  genommen, ­
  die  Thomasproduktion  viel  stärker  angewachsen  und
damit  auch  die  auf  den  Markt  kommenden  Schrottmengen.
Daß  gerade  diesem  Umstand,  der  zunächst  nur  die  eine
Schrottsorte:  neue  schwere  Walzwerksabfälle,  berührt,  der
Hauptanteil  an  dem  Preisrückgang  beizumessen  ist,  ist
darin  erkennbar,  daß  sich  die  Preise  für  die  alten  Schrottsorten ­
  weniger  gesenkt  haben,  als  wie  für  die  oben  genannte ­
  Sorte,  für  die  als  teuerste  Sorte  auch  nur  ein  beschränkter ­
  Abnehmerkreis  vorhanden  ist.  Und  weiter  ist
als  Beweis  anzusehen,  daß  mit  der  Inbetriebsetzung  der
neuen  großen  Werke  von  Hagendingen  und  Esch  der  Preisdruck ­
  sich  verschärft  hat,  weil  für  diesen  starken  Zuwachs
an  Entfall,  kein  Zuwachs  an  Absatz  gefunden  werden  kann.
Außerdem  darf  nicht  unerörtert  bleiben,  daß  auch  die
        <pb n="68" />
        68

Verhältnisse  im  Ausland,  soweit  sie  wenigstens  für  den
Westen  Deutschlands  in  Betracht  kommen,  für  die  Preisgestaltung ­
  von  Schrott  ungünstig  liegen-  In  Belgien  besteht ­
  ein  großer  Entfall  für  den  erst  in  letzter  Zeit  ein
etwas  gebesserter  Absatz  nach  England  besteht.  In  großem
Umfang  suchte  dieser  Entfall  Unterkunft  in  Deutschland
teils  in  zollfreiem  Verkehr,  teils  auch  mit  erheblichen
Mengen  unter  Erlegung  des  Zolls.  Andererseits  war  die
Ausfuhr  von  Schrott  nach  Italien  sehr  gering,  weil  dort  die
Wirtschaftslage  unter  dem  Einfluß  des  Krieges  recht  schlecht
war.  Die  amtliche  Statistik  der  Ein-  und  Ausfuhr  zeigt
dieses  Anwachsen  der  Einfuhr  und  Nachlassen  der  Ausfuhr
von  Schrott  deutlich.  Neben  diesen  Hauptursachen  bestehen ­
  natürlich  noch  eine  ganze  Reihe  mehr  lokaler  Gründe,
die  aber  fast  durchweg  einer  Preisbesserung  entzogen  sind.
Und  da  eine  Aenderung  der  Hauptursachen  nach  ihrer
Natur  in  absehbarer  Zeit  nicht  erwartet  werden  kann,  besteht ­
  kaum  Aussicht,  eine  Preisbesserung  für  Schrott  durchzusetzen, ­
  wie  es  wohl  in  der  Absicht  der  großen  Werke
liegen  mag.  Man  wird  nicht  umhin  können,  sich  daran  zu
gewöhnen,  daß  auch  in  der  Folge  der  Schrottpreis  sich  auf
einem  niedrigeren  Niveau  hält.
Die  Preise  für  Altschrott  richten  sich  wie  bei  jedem
anderen  Handelsprodukt  in  erster  Linie  nach  Angebot  und
Nachfrage,  Und  seit  der  Schrott  für  die  Stahlbereitung
seine  außerordentliche  Bedeutung  gewonnen  hat,  findet
man  in  den  technischen  Fachzeitschriften,  sowohl  deutschen, ­
  wie  englischen  und  amerikanischen,  die  Marktberichte ­
  über  Eisen  und  Stahl  bringen,  auch  die  genauen
Preisnotierungen  von  den  verschiedensten  Schrottarten  und
jeweils  Berichte  über  die  Lage  des  Schrottenmarktes.
In  den  letzten  Jahren  ist  an  sehr  vielen  Stellen  und
in  mannigfaltiger  Weise  versucht  worden,  den  Schrotthandel
        <pb n="69" />
        69

zu  organisieren.  Diese  Versuche  sind  sowohl  von  Seiten
der  Schrotthändler  als  auch  von  Seiten  der  Schrottabnehmer ­
  angestellt  worden.  Doch  traten  diesen  Unternehmungen ­
  immer  Schwierigkeiten  entgegen.  Denn  der  Schrotthandel ­
  verteilt  sich  auf  eine  sehr  große  Anzahl  von  Firmen ­
  und  Personen,  die  unter  den  verschiedensten  Voraussetzungen ­
  arbeiten.  So  trifft  man  einerseits  Schrottfirmen,
die  den  Handel  mit  einem  Kapital  von  Millionen  betätigen, ­
  andererseits,  und  das  ist  bei  weitem  die  größere  Anzahl, ­
  gibt  es  aber  eine  Menge  von  Händlern,  die  den  Alteisenhandel ­
  nur  gelegentlich  betreiben.  Hierunter  fallen
besonders  jene  Händler,  die  man  in  jedem  Dorfe  antrifft
und  die  von  Ort  zu  Ort  ziehen  und  den  dort  entfallenden
Altschrott  aufkaufen  und  an  die  größeren  Firmen  weiter
absetzen.  Zwar  gibt  es  in  Deutschland  kleinere  Vereinigungen ­
  der  Händler,  so  in  Hamburg  und  in  Berlin,  doch  ist
der  Einfluß  derselben  auf  die  Schrottpreise  und  den  gesamten ­
  Handel  von  geringer  Bedeutung.
Auch  die  schrottverbrauchenden  Werke  haben  zu
verschiedenen  Zeiten  versucht  dem  Schrotthandel  eine
straffere  Organisation  zu  geben;  doch  sind  die  sämtlichen
entstandenen  Vereinigungen  über  kurz  oder  lang  alle  wieder
in  die  Brüche  gegangen.  So  wurde  im  April  1904  von
den  oberschlesischen  Werken  eine  Schrotteinkaufsgesellschaft ­
  unter  der  Firma  „Eisenhandelsgesellschaft  m.  b.  H.“
ins  Leben  gerufen.  Sie  wurde  lediglich  zu  dem  Zwecke
gegründet,  den  Werken  das  zur  Verhüttung  erforderliche
Altmaterial  so  günstig  als  möglich  zu  beschaffen.  Im  Juni
1907  traten  jedoch  mehrere  oberschlesische  Werke  aus
dieser  Vereinigung  aus  und  traten  auf  dem  Schrottmarkt
als  Konkurrenten  derselben  auf.  Da  nun  im  Osten  gerade
von  der  Eisenbahn  der  nur  noch  zum  Verhütten  geeignete
Schrott  freihändig  verkauft  wird,  so  trat  bald  bei  den  Altmaterialien ­
  eine  ganz  erhebliche  Preisteuerung  ein.  Der
        <pb n="70" />
        70

Kampf  endete  schließlich  damit,  daß  die  Alteisenvereinigung
der  oberschlesischen  Werke  einging.
Im  Mai  1910  plante  man  auch  in  Niederrheinland  und
Westfalen  eine  Schrotteinkaufsvereinigung,  doch  war  sie
nur  von  ganz  kurzer  Dauer,  da  sich  die  mitorganisierten
Schrotthändler  gegenseitig  heimlich  unterboten  und  so  die
ganze  Sache  illusorisch  machten.
t
Doch  besteht  bei  den  rheinisch-westfälischen  Hüttenwerken ­
  einerseits  und  den  dortigen  Schrottbändlern  andererseits ­
  eine  nicht  organisierte  stille  Vereinbarung  bezüglich ­
  des  Schrottankaufs  und  der  Preise,  die  sich  ganz  gut
bewährt  hat.  Alle  vier  bis  sechs  Wochen  kommen  nämlich ­
  die  Vertreter  der  Werke  und  die  Händler  in  Düsseldorf ­
  zusammen  und  setzen  die  Preise  für  die  verschiedenen
Schrottarten  fest  und  schließen  auch  dort  ihre  Käufe  und
Verkäufe  ab.
In  Süddeutschland  haben  vier  größere  Werke  seit
ungefähr  1 1 /a  Jahren  den  Einkauf  ihres  gesamten  Schrottbedarfs ­
  gemeinschaftlich  organisiert.  Da  bei  der  großen
Zahl  von  Händlern  und  der  Mannigfaltigkeit  der  Materialien
eine  Schrotteinkaufsgesellschaft  vom  Standpunkte  der
Stahlwerke  sehr  zu  wünschen  ist,  so  möge  unten  dargetan
werden,  wie  diese  süddeutschen  Werke  den  Schrotteinkauf ­
  betätigen  zumal  sich  ihre  Einkaufsorganisation  in  der
Praxis  sehr  gut  bewährt  hat.
Die  Verhältnisse  für  einen  gemeinsamen  Schrotteinkauf ­
  sind  in  Süddeutschland  denkbar  ungünstig.  Die  Werke
liegen  weit  auseinander,  die  Ausschließung  von  Outsiders
war  von  vorneherein  unmöglich,  weil  in  Süddeutschland  nicht
nur  die  norddeutschen,  sondern  besonders  auch  österreichische ­
  und  italienische  Werke  als  Käufer  in  Frage  kommen.
Auf  den  Versuch,  diese  alle  unter  einen  Hut  zu  bringen  mußte
von  Anfang  verzichtet  werden,  um  so  mehr,  als  die  ge ­
        <pb n="71" />
        71

nannten  ausländischen  Schrottkäufer  dank  der  klugen
Zollpolitik  ihrer  Regierungen  gegenüber  den  Deutschen
stark  im  Vorteil  sind.  Sowohl  Oesterreich  wie  Italien
haben  ganz  geringe  Einfuhrzölle  auf  Schrott,  dagegen  sehr
hohe  auf  Fertigfabrikate,  die  aus  diesem  Material  hergestellt ­
  werden.  Dadurch  haben  die  Werke  in  den  genannten ­
  Ländern  hohe  Eisenpreise,  unter  deren  Schutz  sie  dem
deutschen  Erzeuger  mit  seinen  niedrigen  Erlöspreisen  den
fast  zollfrei  eingehenden  Schrott  wegziehen  können.  Das
ist  ihnen  um  so  leichter  möglich,  als  die  süddeutschen
Bahnverwaltungen  unbegreiflicherweise  den  außerdeutschen
Werken  den  Schrott  zu  einem  billigeren  Tonnenkilometersatz ­
  befördern  als  den  deutschen  (Transitfrachten).  Bei
solchen  Verhältnissen  wo  mit  Wettbewerb  von  allen  Seiten
gerechnet  werden  mußte,  war  das  bisher  meist  angewandte
System  ausgeschlossen,  nach  welchem  für  eine  gewisse
Zeitspanne,  etwa  für  ein  Vierteljahr  Richtpreise  für  die
verschiedenen  Schrottsorten  angegeben  werden.  Denn
solche  Richtpreise  geben  nur  dem  Wettbewerb  die  Möglichkeit, ­
  in  die  Karten  der  Einkaufsstelle  zu  sehen  und
ihr  das  Material  durch  ein  kleineres  Ueberbieten  wegzunehmen. ­
  Es  konnte  auch  nicht,  wie  wohl  sonst,  der
Hauptgewinn  der  Vereinigung  darin  liegen,  daß  man  auf
die  Schrottverkäufer  einen  Druck  ausübte,  in  dem  man
ihnen  die  Abnahme  solange  sperrte,  bis  die  Preise  einen
gewissen  Stand  erreicht  haben.  Oberster  Grundsatz  der
Organisation  war  vielmehr:  es  sind  nach  Möglichkeit  die
Vorteile  des  freien  mit  denen  des  gemeinschaftlichen  Einkaufs ­
  zu  verbinden  unter  Vermeidung  der  Nachteile  beider
Systeme.  Es  ist  deshalb  das  Verfahren  der  Richtpreise
wie  auch  jeder  lästige  Druck  auf  den  Schrotthandel  zu
vermeiden,  um  ihn  nicht  der  Konkurrenz  in  die  Arme  zu
treiben.  Dieses  Problem  wurde  auf  folgende  Weise-  gelöst; ­
  Die  beteiligten  Werke  reichten  zunächst  ein  Ver ­
        <pb n="72" />
        72

zeichnis  ihrer  gesamten  Bezüge  an  Schrott  der  letzten
zwei  Jahre  unter  Angabe  der  Abgangsstationen  ein.  Aus
diesen  Verzeichnissen  wurden  die  Anspruchsziffern  errechnet ­
  und  außerdem  der  Anfall  in  den  einzelnen  Gebieten ­
  festgesteltt.  Hierauf  wurde  das  gesamte  Gebiet  in
zwei  Arten  von  Zonen  geteilt,  erstens  die  Werkszonen,
zweitens  das  gemeinschaftliche  Gebiet,  Die  Werkszonen
waren  als  Kreise  gedacht  mit  dem  betreffenden  Werk  als
Mittelpunkt  und  wurden  so  groß  bemessen,  daß  ihr  Anfall
an  Schrott  20  B / 0  des  Bedarfes  der  Werke  deckte.  Wo
die  Kreise  sich  berühren  würden,  sollten  sie  abgeplattet
und  dafür  nach  der  anderen  Seite  entsprechend  erweitert
werden.  Alles  Gebiet  außerhalb  der  Werkszonen  ist  gemeinschaftlich. ­
  In  seiner  Zone  kauft  jedes  Werk  seinen
Schrott  nach  wie  vor  unmittelbar  ein  zu  Preisen,  die
keinesfalls  höher  sein  dürfen,  als  sie  in  dem  gemeinschaftlichen ­
  Gebiet  zu  gleichen  Zeiten  bezahlt  werden.  In  dem
letzteren  sind  die  Käufe  durch  das  Einkaufsbureau  vorzunehmen. ­
  Alle  Käufe  werden  gegenseitig,  d,  h.  zwischen
der  Einkaufsstelle  und  den  einzelnen  Werken  angemeldet.
Auf  jeden  Kauf  im  gemeinschaftlichen  Gebiet  kann  jedes
Werk  im  Verhältnis  zu  seinem  Anspruch  ein  Anrecht  geltend ­
  machen.  Nehmen  wir  z.  B.  an,  die  Bedarfszahlen  der
Werke  A,  B.  C  und  D  seien  20000,  15  000,  10  000  und
5  000  t  und  es  seien  bei  gleichen  Ansprüchen,  als  z.  B.
als  erstes  Geschäft  100  t  Kernschrott  gekauft  worden.
So  hat  A  ein  Anrecht  auf  ä / 5  =  40,  B  auf  1, 5 / 5  =  30,  C
auf  1  5  =  20  und  D  auf  0, 5 /»  =  10  t  und  die  Ueberweisung
  ist  demgemäß  durch  die  Einkaufsstelle  vorzunehmen.
Sie  erfolgt  nicht  erst  bei  der  Lieferung,  sondern  sofort  nach
getätigtem  Abschluß  in  der  Weise,  daß  A=  40,  B  =  30  t  usw.
wie  einen  mit  dem  betreffenden  Händler  direkt  getätigten
Kauf  als  Abschluß  bucht.  Dadurch  ist  die  Einkaufstelle
auf  einfache  Weise  auf  allen  Fragen  der  Abnahme,  der
        <pb n="73" />
        73

Qualitätsbeanstandungen  und  der  Bezahlung  entlastet.
Mit  der  Zuteilung  des  Kaufes  ist  ihre  Tätigkeit  beendet.
Um  bei  der  Verteilung  bei  dem  Lieferanten  nicht  auf
Schwierigkeiten  zu  stoßen,  bestimmen  die  Einkaufsbedingungen ­
  der  Vereinigung,  daß  sie  sich  vorbehält,  über  die
Mengen  nach  Belieben  zu  verfügen.
Wo  Ansprüche  seitens  der  Werke  nicht  gestellt  werden, ­
  wird  die  Verteilung  von  der  Einkaufsstelle  vorgenommen ­
  und  zwar  so,  daß  möglichst  die  Abschlüsse  nicht
geteilt,  sondern  im  Ganzen  den  Werken  überwiesen  werden. ­
  In  erster  Linie  ist  für  die  Verteilung  das  betreffende
Sortiment,  wie  es  von  den  Werken  benötigt  wird,  dann
der  Anspruch,  endlich  die  Frage  der  günstigsten  Fracht
maßgebend.  In  der  Tat  überlassen  die  Werke  bisher
regelmäßig  die  Verteilung  der  Abschlüsse  aus  dem  gemeinschaftlichen ­
  Gebiet  der  Einkaufsstelle;  das  Verlangen  Abschlüsse ­
  zu  teilen,  ist  fast  nie  vorgekommen,  es  genügt
das  Recht  und  die  Möglichkeit,  es  zu  tun,  um  kein  Mißtrauen ­
  aufkommen  zu  lassen.  Neben  den  Anmeldungen
der  Käufe  wird  wöchentlich  auch  der  Materialieneinkauf
jedem  Werke  mitgeteilt.  Für  jedes  Vierteljahr  gibt  die
Einkaufsstelle  Mitteilung  über  den  Gesamteinlauf,  das
ganze  eingekaufte  Material  und  die  Verteilung  auf  die
verschiedenen  Gebiete.  Die  Werke  bleiben  dadurch  stets
im  Bilde  über  die  Vorgänge  auf  dem  Schrottmarkte  in
ihrem  Bezugsgebiet  und  üben  gegenseitig  eine  gewisse
Kontrolle  aus,  ob  nicht  durch  eine  falsche  Preispolitik  zuviel ­
  Material  aus  den  Werkszonen  und  aus  dem  gemeinschaftlichen ­
  Gebiet  abfließt.
Die  Vorteile,  die  mit  diesem  hier  schematisch  dargestellten ­
  System  erzielt  werden,  sind  die  folgenden:
1.  Ein  Ausspielen  der  einzelnen  Werke  gegeneinander
durch  die  Verkäufer  zu  Spekulationszwecken  und
        <pb n="74" />
        74

damit  die  Hauptursache  imgesunder  Preistreibereien
ist  unmöglich  gemacht.
2.  Das  Material  wird  nach  dem  Grundsatz  der  günstigsten ­
  Frachten  verteilt.
3.  Für  den  Handel  spielt  sich  der  Verkehr  ganz  in  der
beim  freien  Einkauf  üblichen  Weise  auf  dem  Weg
von  Abschlüssen  ab.  Es  ist  dadurch  ohne  weiteres
möglich,  den  Beziehungen  einzelner  Werke  zu  bestimmten ­
  Händlern  bei  der  Tätigkeit-  der  Geschäfte
Rechnung  zu  tragen.  Manche  unangenehme  Erscheinungen ­
  anderer  Verbandsformen,  die  von  vorneherein
  zur  Kritik  und  zur  Gegnerschaft  reizen,  sind
dadurch  vermieden;  so  braucht  der  Händler,  der
vor  der  Türe  eines  Werkes  liegt,  seinen  Anfall  nicht
auf  dem  Umwege  über  eine  300  km  entfernte  Einkaufsstelle ­
  sondern  er  kann  sie  nach  wie  vor  auf
dem  natürlichen  Wege,  d.  h.  direkt  verkaufen.  Alles
Unorganische  und  Bureaukratische  ist  damit  nach
Möglichkeit  ausgeschaltet.
4.  Da  die  Funktion  der  Einkaufsstelle  nur  in  der  Kaufsund ­
  Verteilungstätigkeit  und  in  einfachen  statistischen
Arbeiten  besteht,  während  sie  von  allem,  was  die
weitere  Entwicklung  der  Geschäfte  zu  tun  hat,  entlastet ­
  ist,  so  sind  die  Kosten,  welche  durch  die  Einkaufsstelle ­
  entstehen,  außerordentlich  gering  (0,25
Mk.  pro  1000  kg.  nicht  für  100  kg,  wie  es  bei  älteren ­
  mir  bekannten  Schrotteinkaufsvereinigungen  der
Fall  war).
5.  Die  Outsiders  sind  nicht  in  dem  Maße,  wie  sonst
zu  fürchten,  da  man  sich  nicht  auf  Richtpreise  festlegt, ­
  Vielmehr  kämpft  die  Vereinigung,  da  sie  das
bewegliche,  jeder  Marktschwankung  und  jedem  Vorgehen ­
  der  Konkurrenz  sich  leicht  anpassende  Abschlußsystem ­
  hat,  einerseits  mit  gleichen  Waffen  wie
        <pb n="75" />
        75

diese,  anderseits  ist  sie  stärker,  weil  sie  durch  ihren
großen  Bedarf  von  den  Lieferanten  größere  Zugeständnisse ­
  erhält  und  durch  die  gegenseitigen  Anmeldungen ­
  die  Marktlage  leichter  beurteilen  kann.
Die  Schwächung  durch  den  Verbandsbeitrag  ist,  wie
unter  4.  gezeigt,  so  gering  (rd  V 2  °/o).  daß  sie  vernachlässigt ­
  werden  kann.
Die  oben  geschilderte  Einkaufsorganisation  hat  sich  in  der
Praxis  vorzüglich  bewährt.  Es  sei  von  ihr  hervorgehoben,
daß  seit  ihrem  Bestehen  nicht  ein  einziger  Mißton  zwischen ­
  den  Beteiligten  vorgekommen  ist,  nicht  eine  einzige
Beschwerde,  nicht  ein  einziger  unzufriedener  Brief.
In  letzter  Zeit  sind  vom  Stahlwerksverband  und  vom
Verein  deutscher  Eisenhüttenleute  vielfach  Anregungen
ergangen,  den  gesamten  deutschen  Schrotthandel  zu  syndizieren ­
  und  den  einzelnen  Werken  den  Schrott  zu  einem
vom  Syndikat  festgesetzten  Preis  abzugeben.  Doch  scheiterten ­
  diese  Pläne  immer  an  dem  Konkurrenzkampf
der  einzelnen  deutschen  Industriezentren.  Da  diese  unter
verschieden  günstigen  Bedingungen  arbeiten,  so  konnte
man  sich  auf  einen  Einheitspreis  nicht  einigen,  besonders
da  Oberschlesien  sich  dabei  benachteiligt  fühlte.  Außerdem ­
  wollen  die  kleineren  Gießereien  sich  an  dem  Syndikat ­
  nicht  beteiligen,  da  sie  glauben,  so  ihren  Bedarf  billiger ­
  decken  zu  können  und  würden  dadurch,  falls  eine
allgemeine  Vereinigung  der  übrigen  Werke  wirklich  zu
stände  käme,  die  Preise  unnötig  in  die  Höhe  treiben.
Für  die  rheinisch-westfälische  Industrie,  die  ja  in
Deutschland  der  Hauptverbraucher  von  Schrott  ist,  wäre
es  möglich,  eine  allgemeine  Schrotteinkaufsstelle  zu  gründen, ­
  wenn  verschiedene  größere  Werke  dahin  zielende
Abkommen  träfen  und  die  großen  Schrottfirmen  für  ihr
Unternehmen  interessierten.
Aus  den  gesamten  Darstellungen  ergibt  sich  unzwei ­
        <pb n="76" />
        76

felhaft,  daß  der  Schrott  für  die  deutsche  Martinstahlerzeugung ­
  von  außerordentlicher  Bedeutung  ist  und  diese
Bedeutung  auch  in  absehbarer  Zeit  nicht  verlieren  wird.
Da  nun  der  Martinstahl  dem  Thomasstahl  bezüglich  seiner
Qualität  bedeutend  überlegen  ist,  so  hat  es  nicht  an  Versuchen ­
  gefehlt,  das  Martinverfahren  immer  wirtschaftlicher
zu  gestalten.  Ein  Hauptnachteil  des  Schrottverfahrens  ist
seine  Abhängigkeit  vom  Schrottmarkte  bezüglich  des  größeren ­
  Teiles  der  benötigten  Rohmaterialien,  während  beim
Thomasverfahren  das  Roheisen  in  den  meisten  Fällen  auf
demselben  Werk  hergestellt  wird.
Um  dieser  Abhängigkeit  vorzubeugen,  ist  man  dazu
übergegangen  die  Martinöfen  so  zu  bauen,  daß  man  darin
auch  mit  flüssigem  Roheinsatz  arbeiten  kann.  Diese  neue
Arbeitsweise  ist  an  den  verschiedenen  Stellen  verschieden ­
  ausgebildet.  Darunter  können  heute  zwei  Arten  als
besonders  erfolgreich  angesehen  werden,  nämlich  das  Talbot- ­
  und  das  Hoeschverfahren.  Dazu  kommt  noch  das
Duplexverfahren,  das  in  Europa  zwar  bald  wieder  aufgegeben ­
  worden  ist,  in  Amerika  aber  steigende  Bedeutung
zu  erlangen  scheint.  Der  Talbotofen  ist  hauptsächlich  in
England,  aber  auch  in  den  Vereinigten  Staaten,  das  Hoeschverfahren ­
  in  Deutschland  im  Betrieb.  Allgemein  ist  über
dieses,  auch  Roheisenerz-Verfahren  genannte  zu  sagen,
daß  es  neben  geringen  Mengen  Schrott  und  Eisenerze  in
der  Hauptsache  flüssiges  Roheisen  in  dem  Martinofen  einsetzt, ­

Hierin  ist  es  sowohl  dem  Thomasverfahren  als  auch
dem  Bessemerverfahren  bedeutend  überlegen,  denn  es
gestattet  die  verschiedensten  Mischungen  und  macht  dadurch ­
  die  Stahlbereitung  unabhängig  von  der  Qualität
des  Roheisens  und  damit  von  der  Beschaffenheit  der  Erze.
Dies  hat  man  in  England  und  Amerika  sehr  bald  erkannt ­
  und  die  nötigen  Schlußfolgerungen  gezogen,  d.  h.
        <pb n="77" />
        77

man  ist  in  England  dazu  übergegangen  anstelle  der  bisherigen ­
  Prüfungsvorschriften,  die  sich  nur  auf  die  mechanischen ­
  Eigenschaften  des  Eisens  stützten,  die  chemische
Zusammensetzung  und  namentlich  in  erster  Linie  den
Phosphorgehalt  ebenfalls  als  Grundlage  für  die  Abnahme
festzusetzen.  Man  hat  von  maßgebender  Seite  als  Maximalgrenze ­
  für  den  zulässigen  Phosphorgehalt  der  Schienen
0,03  °/ 0  festgesetzt.  Diesen  Anforderungen  können  wir
mit  unserem  Thomasstahl  nicht  nachkommen.
Wenn  dieser  Umstand  auch  auf  den  ersten  Blick  die
Befürchtung  erregt,  unser  deutscher  Stahl  könne  auf  dem
Weltmarkt  dem  Wettbewerb  des  ausländischen  aus  Qualitätsmängeln ­
  nicht  standhalten,  so  ist  diese  Befürchtung
durchaus  unbegründet.  Des  öfteren  sind  schon  deutsche
Schienen  in  England  selbst  auf  den  Markt  gekommen,  und
wenn  sie  zurückgewiesen  wurden,  so  geschah  dies  niemals
ihrer  Qualität  sondern,  wie  sich  immer  später  herausstellte,
ihrer  Nationalität  wegen.
In  den  beiden  genannten  Ländern  ist  das  neue  Martinverfahren ­
  auch  nur  unter  Zwang  erfolgt.  Dieser  Zwang
besteht  in  der  schon  weiter  oben  gekennzeichneten  Beschaffenheit ­
  der  Erze.  Der  Mangel  an  phosphorreichen
Erzen  wie  sie  uns  in  Lothringen  und  Luxemburg  zur  Verfügung ­
  stehen,  hat  beim  Versiegen  der  Bessemererze  England ­
  und  die  Vereinigten  Staaten  genötigt,  zum  neuen
Martinverfahren  überzugehen.  Aehnlich  liegen  auch  die
Verhältnisse  in  Rußland  und  auch  in  Schweden,
Deutschland  macht  dagegen  eine  Ausnahme.  Hier
hat  das  Roheisenerzverfahren  nur  in  der  oberschlesischen
Eisenindustrie  Eingang  gefunden;  dort  liegen  die  Verhältnisse ­
  für  dieses  Verfahren  aber  auch  günstiger  als  r für
jede  andere  Stahlbereitungsart.  Doch  wird  in  Oberschlesien ­
  auch  noch  bis  40  °/ 0  Schrott  zugesetzt.  In  West ­
        <pb n="78" />
        78

deutschland  ist  das  neue  Martinverfahren  mit  ganz  wenigen ­
  Ausnahmen  noch  so  gut  wie  gar  nicht  vertreten.
Diese  Ausnahmestellung  Westdeutschlands  erklärt
sich  daraus,  daß  heute  ein  Zwang  zur  Einführung  des
neuen  Verfahrens  hier  noch  nicht  wie  in  den  Vereinigten
Staaten  und  England  vorliegt.
Vorläufig  genügen  unsere  Stahlerzeugnisse,  besonders ­
  unser  Martinstahl,  sämtlichen  Qualitätsanforderungen
und  brauchen  keine  Konkurrenz  zu  scheuen,  zumal  der
nach  dem  neuen  Martinverfahren  hergestellte  Stahl  bezüglich ­
  seiner  Qualität  den  nach  dem  Schrottverfahren  produzierten ­
  keineswegs  übertrifft.  Um  nun  auf  jeden  Fall
zu  einem  Kampfe  gerüstet  zu  sein,  haben  fast  sämtliche
größeren  Martinwerke  von  Niederrheinland  und  Westfalen
in  ihren  Betrieben  Vorkehrungen  getroffen,  die  es  gestatten, ­
  auch  nach  dem  neuen  Verfahren  arbeiten  zu
können,  falls  die  zwingende  Notwendigkeit  hierzu  eintreten
  sollte.
Wenn  bei  diesen  Werken  eventl.  Pläne  bestanden
haben  sollen,  ihren  Stahl  augenblicklich  nach  dem  flüssigen
Verfahren  herzustellen,  so  haben  sie  unbedingt  an  Interesse ­
  verloren,  seitdem  die  Schrottpreise  so  gesunken
sind.  Heute  schlägt  die  Wage  der  Rentabilität  entschieden ­
  zu  Gunsten  der  Werke  aus,  die  nach  dem  Schrottverfahren ­
  arbeiten.
Daß  das  Martinverfahren  in  Deutschland  auf  die
Dauer  eine  größere  Verbreitung  gewinnt  als  das  Thomasverfahren, ­
  liegt  klar  zu  Tage,  es  handelt  sich  nur  darum,
ob  das  alte  oder  das  neue  in  Zukunft  vorherrscht,  Dies
wird  stets  nur  eine  reine  Preisfrage  bleiben.  Bezüglich
des  Produktes  liegt  kein  Grund  vor,  dem  einen  den  Vorzug ­
  vor  dem  anderen  zu  geben,  es  kann  sich  bloß  um  die
Wirtschaftlichkeit  handeln  und  da  bei  beiden  die  Betriebskosten ­
  fast  gleich  sind,  nur  um  die  Kosten  der  Rohstoffe.
        <pb n="79" />
        79

Solange  die  Kosten  für  den  Schrott  sich  billiger  stellen
als  die  für  das  Roheisen,  wird  man  dem  Schrottverfahren
den  Vorzug  geben  müssen,  und  dies  ergibt  sich  beinahe
als  Notwendigkeit  aus  sich  heraus,  da  jährlich  immer
größere  Schrottmassen  auftauchen  und  den  Martinwerken
zugeführt  werden,
        <pb n="80" />
        Emil  Künzer
geb.  den  6.  August  1886  zu  Forsthaus  Lanterthal  bei  Neunkirchen ­
  (Saar),  besuchte  von  Ostern  1897  bis  1906  das
Real-Gymnasium  dortselbst.  Nach  bestandenem  Abiturientenexamen ­
  studierte  er  auf  den  Hochschulen  zu  Aachen
und  Breslau  und  promovierte  im  Januar  1913  an  der
Universität  Heidelberg,
        <pb n="81" />
        Image  Engineering  Scan  Reference  Chart  TE263

—  75

P  |k  |s  p

se,  anderseits  ist  sie  stärker,  weil  sie  durch  ihren
&amp;gt;ßen  Bedarf  von  den  Lieferanten  größere  Zugendnisse ­
  erhält  und  durch  die  gegenseitigen  Anldungen
  die  Marktlage  leichter  beurteilen  kann.
&amp;gt;  Schwächung  durch  den  Verbandsbeitrag  ist,  wie
:er  4.  gezeigt,  so  gering  (rd  1 / 2  °/ 0 ),  daß  sie  verhlässigt
  werden  kann.
i  geschilderte  Einkaufsorganisation  hat  sich  in  der
orzüglich  bewährt.  Es  sei  von  ihr  hervorgehoben,
ihrem  Bestehen  nicht  ein  einziger  Mißton  zwi-_:n
  Beteiligten  vorgekommen  ist,  nicht  eine  einzige
rde,  nicht  ein  einziger  unzufriedener  Brief,
letzter  Zeit  sind  vom  Stahlwerksverband  und  vom
deutscher  Eisenhüttenleute  vielfach  Anregungen
j,  den  gesamten  deutschen  Schrotthandel  zu  synund
  den  einzelnen  Werken  den  Schrott  zu  einem
tdikat  festgesetzten  Preis  abzugeben.  Doch  schei-Üese
  Pläne  immer  an  dem  Konkurrenzkampf
einen  deutschen  Industriezentren.  Da  diese  unter
i:  len  günstigen  Bedingungen  arbeiten,  so  konnte
:  auf  einen  Einheitspreis  nicht  einigen,  besonders
Schlesien  sich  dabei  benachteiligt  fühlte.  Außerlen
  die  kleineren  Gießereien  sich  an  dem  Syndiy
  ;  beteiligen,  da  sie  glauben,  so  ihren  Bedarf  bilken
  zu  können  und  würden  dadurch,  falls  eine
te  Vereinigung  der  übrigen  Werke  wirklich
äme,  die  Preise  unnötig  in  die  Höhe  treiben,
die  rheinisch-westfälische  Industrie,  die  ja
md  der  Hauptverbraucher  von  Schrott  ist,  wäre
:h,  eine  allgemeine  Schrotteinkaufsstelle  zu  grünm
  verschiedene  größere  Werke  dahin  zielende
s 4  en  träfen  und  die  großen  Schrottfirmen  für  ihr
;  men  interessierten.
den  gesamten  Darstellungen  ergibt  sich  unzwei-Q-

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        <pb n="84" />
        ﻿
        <pb n="85" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
