21 Die nachfolgenden Tarisverhandlungen haben -dann zu einem einiger maßen befriedigenden Abschluß geführt. Ein himmelschreiendes Unrecht ist r-s, daß die sogenannten freien Arbeiter schlechter gestellt wurden, als die Deputatarbeiter. Sie sind von der Witterung viel mehr abhängig als die anderen Arbeiter. Es gab eine ziemliche Unruhe. Mit der Anrufung des Schlichtungsausschusses vergingen Monate. An einigen Stellen haben sie ganz leidlich gearbeitet, an anderen so gut wie versagt, insbesondere da, wo Vertreter des Christlichen Zentralverbandes als Beisitzer waren. — Bei den Kündigungen und Entlassungen gehen die Arbeitgeber ganz schlau vor, sie machen das einzeln, so daß man es dem Landbund nicht unterschie ben kann. Aber wir sind doch darüber klar, daß der Landbund dahinter steht. Im Herbst wurden unsere Leute während der Hackfrucht-Ernte ent lassen und in einigen Tagen fremde Arbeiter, Ausländer, eingestellt. Da durch kam dann die Feindschaft gegen die fremden Arbeiter, woraus. sich ein Streik entwickelte, an dem 18 Güter beteiligt waren, der nach fünf Tagen endlich beigelegt werden konnte. Graf Bismarck-Bohlen hat ver sucht, dem Landbund den Rücken zu stärken. Es wurde ein deutschnationa ler Anwalt zu den Verhandlungen hinzugezogen. Sonst wären wir schon früher zu einem Ergebnis gekommen, aber der Jurist hat es stets verstan- « den, die Sache hinauszuschieben. Eine ständige Beunruhigung wird dadurch hervorgerufen, daß die Ar beitgeber mit Waffen versehen sind und sie nicht ausliefern. Ein klarer Standpunkt in dieser Sache besteht nicht. Wenn die Regierung von vorn-, herein das Pommersche Milieu besser berücksichtigt hätte, schon im Frühjahr bei den Wahlen zu den Kreistagen, so wäre das Bild heute ein besseres. Jetzt suchen die Junker mit allen Mitteln die Regierung zu untergraben, sie-möchten ihre Gewalt von früher wieder ausrichten. Dazu wollen sie sich der Landarbeiter bedienen. Daraus erklärt sich die Aeußerung des Herrn von Wangcnheim, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einen einheitlichen Bund zusammen gehören. Die abgeschlossenen Tarifverträge werden von den Arbeitgebern vielfach nicht eingehalten Trotzdem der Tarif im Kreise Greifenberg 2300 Mk. festgelegt bat, gibt es noch Güter, bei denen im Frühjahr der 'Barlohn nur 2200 Mk. betrug und auch das Deputat war geringer, als wie es aus gemacht war. Solche Verhältnisse tragen natürlich zur Beunruhigung der Arbeiterschaft bei. Dazu kommt die Behandlung der Landarbeiter. . Ich selbst habe den Fall erlebt, daß ein Arbeitgeber die Leute mit einer Pistole bedroht hat. Durch solche Dinge wird die Empörung natürlich nicht ge ringer. Nebenher gehen die Verhandlungen der Kreisvertrauensleute mit den einzelnen Arbeitgebern über die zu liefernden Naturalien. Auch da sucht man mit alln Mitteln das zu hintertreiben, was vertraglich ver einbart wurde. Mit allerlei Kleinigkeiten wird da eine Nadelstichpolitik von den Gutsherren getrieben, die keine Beruhigung in die Arbeiterkreise hineinkommen läßt. '3m Kreise Rügen ist am geschicktesten von den Kollegen bei den Tarifäbschlüssen gearbeitet worden. Es wurde dort große Ruhe bewahrt. Aber da haben die Arbeitgeber gerade er klärt, sorgen Sie möglichst dafür, daß der Tarif nicht znm Januar ab läuft; die Arbeitgeber werden nicht kündigen, wenn nicht von der an deren Seite gekündigt wird. Im Kreise Franzburg wurde aber der Tarif doch zum 1. Januar gekündigt. Natürlich haben wir dann die anderen Kreise auch sofort gekündigt. Diese ganzen Maßnahmen zeigen uns, mit welchem kleinlichen Vorgehen wir zu rechnen haben. Die Gefahr steht erst im kommenden Frühjahr bevor. Wenn die Tarisverhandlungen