24 Ich bin, wo ich nur konnte, für die Regierung eingetreten, habe manchmal — bildlich — Prügel dafür bekommen, habe draußen aufzuklären versucht, warum die Regierung dieses oder jenes tun muß in unserer -ungeheuer schwierigen Lage, wo wir immer noch keinen Frieden, keine Ellbogenfrei heit haben, sodaß die Regierung nicht das tun konnte, was sic unter andern Umständen getan hätte. Aber in Pommern hat es die Preußische und die Reichsrcgierung tatsächlich an der nötigen Aufmerksamkeit fehlen lassen. Ich erinnere daran, daß im Sommer durch Haussuchungen aus Veranlassung der preußischen Regierung festgestellt wurde, daß in Pommern eine innige Verbindung der Landwirtschaftskammer mit dem Pommerschen Landbund besteht. Aber man hat es bei dieser Feststellung gelassen, hat keine weiteren Folgerungen daraus gezogen, als daß in der preußischen Landesversamm lung einmal darüber geredet worden ist, daß man in Pommern energischer zufassen müsse, wenn man es nicht dazu kommen lassen wolle, was wahr scheinlich in den nächsten Monaten kommen wird, daß wir in Pommern eine ganz böse Zeit erleben werden. Ihr seid darüber wahrscheinlich noch besser unterrichtet als wir, weil Ihr draußen mitten in den Dingen steht. Aber ich glaube, daß Einzelnen unter uns der Zusammenhang doch noch nicht so klar geworden ist. Ich glaube, daß in Pommer n k ein W i r t s ch a s t s f r i e d e in bet Landwirtschaft möglich i st, w e i l man sich auf die Waffen st ü tz t, ,U'> e i l m a i, glaubt, von dort aus die Gegenrevolution im re aktionären Sinne einleiten zu können. Es ist mir von unterrichteten Leuten in Pommern aus ineinen Reisen immer wieder gesagt worden, daß es in keiner agrarischen Provinz in Preußen so vielkommunistische Zirkel auf dem Lande gibt, wie gerade in Pommern. Die kommunistische Gefahr ist in Pommern ebenso groß, wie die Gefahr von der anderen Seite. Das ist eine direkte Folge dieser Zustände. Es ist klar, daß, wenn von einer Seite her ein brutaler Druck aus eine Berufsschicht von Arbeitnehmern ausgeübt wird, dort der beste Nährboden für diejenigen ist, die zur Verzweiflung treiben und dann diese verzweifelte Stimmung benutzen, um ihre Ideen den Leuten beizu- bringen, ibnen zu sagen, es ist doch das Beste, erst eininal die ganze Ge schichte von Grund auf zu zerstören, um darauf etwas Neues zu bauen. Es wurde sogar von den Kommunisten dort ein Plättchen herausgegeben. Es wird von Stettin aus überall mit großem Erfolge gearbeitet, es werden in kleinen Kreisen die kommunistischen Ideen auf dein Lande verbreitet. Ich hatte mich darüber gewundert, es wurde mir aber ganz klar, woher is kommt, als ich sah, in welch brutaler Weise in Pommern die Arbeiter immer wieder behandelt werden. Es darf einen nicht wundern, wenn ans dieser Stimmung heraus eine Verzweiflung erwächst, die die Arbeiter den radikalen Kommunisten in die Arme treibt. Ein Arbeiter, der die Zusam menhänge unserer Wirtschaftspolitik kennt, der in seinem Arbeitsverhältnis nicht immer wieder erleben muß, daß man ihn mißachtet, daß man auf ihm immer wieder herumtrampelt, der ist diesen Ideen nicht so zugänglich. Er überlegt auch, ob, wenn man erst alles kaput macht, nachher wieder etwas Gutes aufgebaut werden kann, wenn man, wie das von den Kommunisten durch Flugschriften immer wieder gefordert wird, Sabotage treibt, Ernte streiks macht, unsere Wirtschaftspolitik zugrunde richtet, durch die Nieder legung der Arbeit gerade in den entscheidenden Wochen, wo die Nahrungs mittel geborgen werden sollen. Ein vernünftiger Arbeiter sagt sich, das kann unmöglich richtig sein, Nahrungsmittel muß das Volk haben. Wir können nicht eine neue Wirtschaft aufbauen unter so schwierigen Berhält-