39 stellung für die neue Ernte sicherzustellen, wird in ernstestem Maße durchkreuzt durch die Agitatoren des Landarbeiter-Verbandes, der in unverhällter Form in allen Teilen der Provinz zum Streik aufreizt unter der Firma, den Landarbeitern bessere Löhne zu verschaffen. Er geht dabei ohne Rücksicht darauf vor, ob unter der Landarbeiterschaft ein tatsächliches Bedürfnis nach einer solchen Lohnerhöhung besteht. Er läßt es auch nicht zu Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Ar beitnehmern kommen, sondern setzt Lohnsätze fest und stellt die Arbeitgeber vor die Frage, ob sie dieselben annehmen oder ablehnen wollen. In letzterem Fall erfolgt dann unmittelbar die Niederlegung der Arbeit. Nach hier vorliegenden Nachrichten wird dabei keineswegs nur das wirtschaftliche Interesse des Arbeiters betont, son dern es wird geradezu zum Bolschewismus aufgereizt. Es hat sich auch an mehreren Stellen gezeigt, daß die Arbeiter beim Streik den Besitzer hinderten, selbst das Vieh zu füttern, indem sie die Ställe durch bewaffnet« Leute sperren ließen. An andern Stellen haben die Agitatoren den Leuten gesagt' „Ihr müßt streiken, streiken und wieder streiken. Die Löhne müssen so lange erhöht werden, bis sie nicht mehr weiter können. Dann bekommt Ihr das Land'" Der noch loyale Teil der Arbeiter wird mit wüsten Drohungeü zum Eintritt in die Organisation gezwungen, dabei wird ihnen eine Frist von 24 Stunden gesetzt, innerhalb welcher sie ihren Eintritt in die Organisationen erklärt haben müssen, andernfalls soll vom Besitzer ihre sofortige Entlassung erzwungen werden. Die Agitatoren des Landarbeiter-Verbandes sind zum großen Teil Leute, die mit den Verhältnissen des Landes absolut nicht vertraut sind. Es liegt ihnen auch nicht daran, das wirtschaftliche Interesse des Landarbeiters zu wahren, sondern es ist der Trieb, durch Erregung von Unfrieden sich selbst eine Stellung zu verschaffen und in den Augen ihres Verbandes ähre Gehaltszahlung zu rechtfertigen. Diese Leute sitzen zum Teil noch in den Arbeiterräten und benutzen ihre angemaßte amtliche Stellung dazu, im Namen der Regierung die Arbeiter zum Eintritt in ihre Or gane aufzufordern. Die Verhältnisse in der Provinz sind dadurch in ein außer ordentlich bedenkliches Stadium getreten. An vielen Stellen haben Streiks statt gefunden, an andern Stellen haben die Besitzer den Forderungen nachgegeben, die so ungeheuerlich sind, daß z. B. auf einzelnen Betrieben jährlich zwischen 60 und 90 000 Mark Löhne mehr gezahlt werden müssen. Es ist offensichtlich, daß bei der Einbuße, die der Boden und das Inventar durch die Kriegswirtschaft erlitten haben, die Güter eine derartige Mehrbelastung nicht mehr ertragen können. Die Folge wird sein, daß ein großer Teil der Besitzer vor den Bankerott gestellt wird, und daß dementsprechend die Volksernährung darunter empfindlich leidet. Soll das aber nicht geschehen, so ist eine wesentliche Erhöhung der Preis« ländlicher Produkte erforderlich, die dann wieder zu neuen Lohnbewegungen in den Städten führen muß. Seitens der Behörden Pommerns ist bisher so gut wie nichts ge schehen, um dem Treiben dieser Agitatoren wirksam entgegenzutreten. Der hiesige Zentralrat hat in verkappter Form eine Diktatur ausgeübt, ohne daß ihm mit der nötigen Energie entgegengetreten wurde. Die unterzeichnete Organisation steht auf dem Standpunkt, daß jetzt nicht die Zeit ist, durch übertriebene Lohnforderungen Unruhe in die Arbeit des Landes zu tragen, umsomehr, als gerade der Pommersche Landbund sich die Pflege des Ar beiterinteresses zur besonderen Aufgabe gemacht hat. Sein Wille ist es, durch rechtzeitige Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in paritätisch zusammengesetzten Kommissionen den Wünschen der Arbeiterschaft, soweit sie herechtigt sind, Geltung zu verschaffen und dadurch Lohnbewegungen zu ver hüten. Er wird aber bald durch dieses Treiben unverständlicher Hetzer gehindert, und der Tag ist abzusehen, wo die Landwirtschaft Pommers sich in einen bolsche wistischen Zustand versetzt sieht. Die Verhandlungen des Direktors mit dem Leiter des Landarbeiter-Verbandes, Herrn Schmidt, gelegentlich einer Sitzung in