48 Der Schmiedemeister P. kann keine Wohnung bekommen und sollte seine Wohnung schon am 2. Januar räumen. In Eremzow hat v. Wedel einen Arbeiter entlassen, angeblich weil er bei hohem Schnee im Dezember keine Kartoffeln herausnehmen wollte. Rittergutsbesitzer Braune in Blumberg bei Dölitz hat einen Ar beiter entlassen, weil er mit den Pferden zu forsch gefahren ist. Gutsbesitzer L ö s ch o w hat seinen Schweizer entlassen, weil er angeblich einen Hammel gestohlen hat, obwohl durch Gendarmen nichts festgestellt ist. Der Kollege erhält in der ganzen Umgegend keine Arbeit. Ähnliche Entlassungen haben stattgefunden beim Besitzer Hummel in Freiburg. Hier werden wieder Russen beschäftigt. Dieser Hummel hat auch einem Kollegen, der fünf Jahre in englischer Gefangenschaft war und mit seinem Vater zusammen auf dem Gut arbeiten wollte, keine Arbeit ge geben. Dagegen werden aber die Russen weiterbeschüftigt. Im Kreise Pyritz sind noch 15 3 0 russische Kriegsgefan gene beschäftig. Ein Arbeiter P. kann schon seit acht Wochen im Kreise Pyritz keine Arbeit finden, war auf dem Gut Schönwerder beschäftigt. Wegen der Maß- regelung dieses Kollegen ist im Kreis Pyritz eine große Beunruhigung unter der Arbeiterschaft entstanden. Uns ist ein Brief in die Hände gefallen, den der Oberinspektor des Gutes S ch ö n w e r d e r an einen Administrator am 8. Januar 1920 geschrieben hak. Daraus geht unzweideutig hervor, das; P. ein guter Arbeiter ist und nur wegen seiner Verbandsmitgliedschaft ent lassen wurde. Gutsbesitzer Braune in Blumberg bei Dölitz hat fünf Arbeitern die Entlassung gegeben und dabei ausdrücklich erklärt, er werde nicht eher ruhen, bis er Sieger wäre. Alle, die noch am Verband kleben, müßte er noch wegbekommen. Wir erhalten folgenden Bericht: „Auf Gut Sallentin bei C o l l i n, sollen 16 Kollegen zum 1. April ziehen, welchen zum 1. Januar 1920 gekündigt wurde. Es werden wohl noch mehr Kündigungen kommen. Wie verhalten wir uns nun? Wird die Regierung hier etwas tun? Es sind unter den Ge kündigten meist Kollegen aus den Vorständen und Arbeiterausschüssen. Der Streik soll doch vermieden werden. Durch diese vielen Kündigungen hofft der Pommersche Landbund, Arbeitgebergruppe, Unstimmigkeiten in un seren Verband hineinzutragen unb will uns dadurch schwächen, indem er sagt: Seht, hier kann der rote Landarbeiter-Verband auch nichts tun. Auch darf die Regierung es nicht zugeben, daß sie uns das Streikrecht beschneiden wollen, wie es die Agrarier haben wollen. gez. August Falk, Kreisvertrauensmann, Pyritz." Kreis Saatzig, Bezirk Stettin. Auf dem Gute des Freiherrn v. Wangenheim, Klein-Spiegel, sind vier Arbeiter gekiindigt: O. W., feit 1911 im Dienst, beim Militär von 1913 bis 1918, dann wieder in Arbeit getreten und gekündigt am 14. No vember 1919, ist Kassierer der'Ortsgruppe; H. W., Vater von O. W., neun Jahre auf dem Gut beschäftigt, mit Pferden verunglückt, jetzt ebenfalls ge kündigt; W. K., feit 1917 als Kriegsinvalide im Dienst, jetzt gekündigt, ist Vorsitzender der Ortsgruppe. Als Grund wurde vom Besitzer angegeben, wenn die Arbeiter sich bessern würden, dann würde die Sache anders aus fallen. E. P., seit neun Jahren im Dienst, inzwischen im Felde gewesen, ist ebenfalls gekündigt. Als P. den Inspektor zur Rede stellte, warum er ge kündigt sei, lachte dieser ihn aus und drehte ihm den Riicken.