32 Mit Erbitterung sieht die Arbeiterschaft, wie in allen Orten die Ver trauensmänner der Ortsgruppesi des D. L.-V. ohne jedweden Grund die Entlassung erhalten. Indem wir uns solidarisch mit den'Gemaßregelten erklären, fordern wir, daß sämtliche Kündigungen rückgängig gemacht werden und nur dort zu Recht bestehen bleiben, wo ein besonderer Grund vorliegt oder die Mehrzahl der Arbeiter für die Entlassung stimmen. Obwohl wir uns unserer Pflicht der Volksernährung gegenüber voll und ganz bewußt sind, sind wir entschlossen, vorstehende Forderung, mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln durchzukämpfen. Im Einvernehmen der versammelten Kollegen, gez.: Klabunde. Kreis Köslin. Kreisvertrauensmann H. Haß schreibt uns: „Ersuche hiermit den Vorstand, bei der Regierung vorstellig zu werden, um dem brutalen Vorgehen der Großgrundbesitzer energisch entgegenzutreten betreffs der Massenkündigungen, die jetzt bei uns im Kreise vorgenommen werden. Die Landarbeiter werden gezwungen, den Vertrag vom Pommerschen Landbund, d. h. von den Gutsbesitzern, zu unterschreiben. Wenn sie das nicht machen, wird ihnen einfach die Entlassung ins Haus geschickt. Die Kollegen, nun in größter Empörung über diese Maßnahmen, fragen mit Recht, haben wir denn keine Regierung, die uns hier in der größten Rot schützt, oder sollen wir wieder der Knute der Junker den Buckel hinhalten. Streiken sollen wir nicht, die Notstandsarbeiten sollen verrichtet werden, damit das Vieh nicht verkommt. Und wir sehen das auch ein, daß keine Werte des Staates vernichtet werden dürfen, aber dieses machen sich die Herren zunutze und sagen: das Vieh muß gefüttert und gemolken werden, und wenn ihr dieses nicht macht, dann kommt einfach Militär, und das wird euch schon zur Ver richtung der Notstandsarbeiten zwingen, mehr wollen wir ja auch gar nicht, dann streikt so lange wie ihr wollt. Will sich der Vorstand und die Regierung noch länger die Augen und Ohren zuhalten, indem sie von dem Treiben der Junker hier in Hinterpommern nichts sieht und hört? Wo bleibt da öte' Koalitionsfreiheit der Landarbeiter? Die wird ihnen einfach von den Junkern genommen. Ich führe hier nun alle Fälle einzeln an, wo dieses brutale Vorgehen der Herren durchgesetzt wird. In Monom sind neun Kündi gungen vorgekommen, Leute, die schon zehn Jahre und noch länger da ar beiten, in Seidel und View e r r o w dasselbe. Alles unter einer Guts verwaltung (Fürst von Hohenzollernsche Güter). In M e r s i n , N e d l i n , B a r z l i n, auch alles eine Verwaltung, sind sämtliche Leute gekündigt worden. (Besitzer: v. Heidebreck, Barzlin.) In Neuenhagen (Be sitzer Schnittke) sind z e h n bis e l s Kündigungen vorgekommen; in G i e s - k o w s i e b e n bis acht, in S ch ü b b e n ist sogar der Vertrauensmann der Ortsgruppe sofort entlassen worden, weil er den Wünschen des Herrn Be sitzers V o g e s in Schübben nicht nachkam. Es sind weit über 50 Güter, wo Entlassungen vorgekommen sind. Es führt aber zu weit, um alles einzeln anzuführen." _ , „ Y . Krers Belgrad. Auf dem Gute Hopfenbcrg, Besitzer Gräfin v. Kleist, sind zum l. April l920 19 Arbeiterfamilien gekündigt worden. Allen Arbeitern wurde folgender Losschein zugestellt: „Da Arbeiter nicht in Verhandlungen über den für hier festgesetzten Vertrag eintreten will, kann er sich auf seinen Wunsch zum 1. April 1920 anderweitig Wohnung nehmen."