68 gehabt hätten, hätte es manchmal schlecht um die Bewirtschaftung der Güter gestanden. Gerade gegen meine Fraktion wird immer behauptet, dort seien keine landwirtschaftliche Sachverständige. Nun wollen wir mal den Spieß umkehren und fragen, ob in der Fraktion, die sich als Vertreterin der Land wirtschaft bezeichnet, wirklich soviel praktisch tätige Landwirte sitzen. Die landwirtschaftlichen Unternehmer haben aus dem Kampf zwischen Kapital und Arbeit noch nichts gelernt. In Industrie und Gewerbe sind wir schon so weit, daß sich Unternehmer und Arbeiter an einen Verhandlungstisch setzen, und wenn ich eine Hoffnung hatte, so war es die, daß es im Laufe dieses Jahres gelingen würde, in der Landwirtschaft alle Etappen, die im Kampf zwischen Kapital und Arbeit in der Industrie durchgemacht worden sind, zu überspringen. Aber in Pommern und auch anderwärts, nicht überall, glaubt man heute noch, mit den alten Mitteln gegen die Gewerkschaft kämpfen zu können, mit Maßregelung und Unterdrückung der Organisationen, mit Bevorzugung der Arbeiter, die sich nicht mit ihren Arbeitsbrüdern in eine Linie stellen. Das kommt aber daher, daß die Organisationen der landwirtschaftlichen Unternehmer zu sehr politisch orientiert sind und zu sehr daran gewöhnt sind, an die Gesetzgebung zu appellieren. Ich darf wohl für mich in Anspruch nehmen, daß Sie mir glauben, wenn ich sage: uns ist es nicht darum zu tun, den Belagerungszustand anzuwenden; wir wären froh, wenn er lieber heute als morgen aufgehoben werden könnte. Aber wenn der Belagerungszustand nach links angewandt werden muß, dann können wir es uns nicht bieten lasten, daß arbeitswillige Landarbeiter des halb an der landwirtschaftlichen Produktion gehindert werden, weil sie den Mut haben, sich freigewerkschaftlich zu organisieren. Deshalb hoffen wir, daß die Regierung mit allen Mitteln eingreift, und wenn das noch nicht genügt, was jetzt durch Noske erfolgt ist, daß dann noch andere Mittel angewandt werden. Wollen die Gutsbesitzer absolut die landwirtschaftliche Produktion sabotieren, dann muß es unter dem Belagerungszustand auch möglich sein, ihnen die Bewirtschaftung ihrer Güter abzunehmen und sie in solche Hände zu legen, die sie im Interesse der ganzen Volkswirtschaft durchführen, weil heute, wo die Not so groß ist, arbeitswillige Landarbeiterfamilien nicht auf die Straße gesetzt werden dürfen. Auf die Presteäußerungen einzugehen, in denen von der Firma Braun, Schmidt u. Co., Landarbeiter-Verband zur Störung der Produktion, ge sprochen ist, hat keinen Wert. Ich weiß genau, daß es zum agrarischen System gehört, so die Oeffentlichkeit zu bearbeiten. Ich glaube aber, daß man in der Oeffentlichkeit eingesehen hat, daß in Pommern ein Ausnahme zustand besteht; ich erwarte, daß die Regierung unfere Maßnahinen würdigt und erkläre nochmals, daß die Vertreter der Landarbeiterschaft jederzeit bereit sind, zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion beizutragen. Ich glaube, heute schon sagen zu dürfen, daß unser Verbandstag auch dafür den Beweis liefern wird. Darum sage ich, unsere förmliche Anfrage, die hier gestellt ist: was ge denkt die Regierung in dieser Beziehung zu tun, ist nicht darum gestellt, um draußen 'im Lande wieder Agitationsmaterial für uns zu haben, wie z. B. die „Pommersche Tagespost" schrieb: „Schmidt (Cöpeulck) läutet Sturm." Wir bedauern, daß wir uns dannt so oft beschäftigen müssen. Wie es in der Provinz Sachsen der Fall ist, wo inan sich an den Verhandlungstisch gesetzt hat, könnte es in Pommern auch sein. Ich weiß, daß man es in Pommern von Anfang an anders gewollt hat, und ich habe schon gesagt, welche Personen