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        <title>Der Pommersche Landbund</title>
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            <idno>1024749657</idno>
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        WWMMuWneMsrbM-VMMs

Der  pommerfche  LanöbunS
eine  Gefahr  für  Sie  öeutfche  Volksernährung
Material  zur  Seurteilung  Ser  UnternehmerhanSlungen
  in  Ser  pommerfchen  LanSwirtfchast

Herausgegeben  v  o  »i  Vorstand
des  Deutschen  Landarbeiter-Verb  an  des
Berlin  SO.  16,  Michaelkirchplatz  1,  II
Berlin  1920
        <pb n="2" />
        Schriften
des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes
Nr.  6

Der  Pommerfche  Landbund
eine  Gefahr  für  die  deutsche  Volksernährung
Material  zur  Beurteilung  der  Unternehmerhandlungen ­
  in  der  pommerfchen  Landwirtschaft

Berlin  ISA)

Herausgegeben  vom  Vorstand  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbande-,
Berlin  SO.  16,  Michaelkirchplatz  1,  Ik
        <pb n="3" />
        Einleitung.
Im  Verlauf  des  Jahres  1919  gelang  es  fast  in  allen  landwirtschaftlichen
Gebieten  Deutschlands  in  Verhandlungen  mit  den  Unternehmern  durch  Tarifverträge ­
  das  Arbeitsverhältnis  der  Landarbeiter  umzugestalten.  Eine  Ausnahme ­
  von  dieser  Regel  bildete  die  Provinz  P  o  m  m  e  r  n.  Mit  Ausnahme
des  Kreises  Rügen,  wo  bereits  zu  Beginn  des  Jahres  1919  der  erste  Tarifvertrag ­
  in  der  Landwirtschaft  abgeschlossen  wurde,  machte  sich  überall,  vor
allem  aber  in  Hinterpommern  der  heftigste  Wlderstanr  gegen  eine  tarifvertragliche
  Regelung  des  Verhältnisses  zwilchen  Arbertgeber  und  Urbertnehmer
  geltend.
Die  Seele  dieses  planmäßig  geführten  Kampfes  gegen  die  Verbesserung
der  Verhältnisse  landwirtschaftlicher  Arbeiter  war  von  Anfang  an  der
P  o  m  m  e  r  s  ch  e  L  a  n  d  b  u  n  d.  Diese  pommersche  Organisation  ,st  ebenso
wie  in  anderen  preußischen  Provinzen,  eine  Gründung  der  um  ihre  in,
Schwinden  begriffene"  Macht  besorgten  Führer  des  Bundes  der  Landwirte.
Wie  in  keiner  anderen  Provinz  hat  sich  der  Landbund  m  Pommern  «ruck-Rchfclnfp
  SBpfnmnfurta  der  Organisation  der  ^anda»beiter  zur  Aufgabe  gemacht
  Meskannte  er  um  so  mehr,  weil  ihm  die  Einrichtungen  der  Landwirtschaftskammer ­
  für  die  Provinz  Pommern  für  seine  Treibereien  zer  Verfügung ­
  gestellt  und  in  dem  reaktionären  Offizierkvrps  das  in  Pommern
stationiert  war,  eine  willfährige  Gehe,morganisat,°n  entstand
Die  Schwierigkeiten  rissen  in  der  Folge  in  Pommern  nicht  ab.  Sie  stei-IfjV&amp;lt;A
  S4TOS
qrrhnftc'  ;u  der  offenen  Revolte  hinterpommerscher
m  b«n  Spats«,b[t  Stnein  -
.  Eein  Zufall,  d  ß  j«tAiten  waren.  Überall  sonst  in  Deutscheigentlich ­
  nur  in  Pommern  Z  »  ’  bcrftcn .  Die  deutschen  Landarbeiter
and  gelang  es,  die  Ernte  fas  s  Ernährungslage  des  deutschen  Volkes
sind  einsichtig  genug,  die  sch  9  ®enn  trotzdem  in  Pommern  die
nicht  zu  einer  Katastrophe  zg&amp;gt;  -  .  ^  ^icht  abreißen  wollten,  so
««wilden  Streiks  in  landwirtschaftlichen  M  urschen  Iunkerfronde  zu
'st  dies  dem  w°h  überlegten  Vorgehen  ^  ^m  Chaos  überliefern  und
«?£  ».SmI  fluchbeUSen«  toieS«,  opfruSten  a,ili.
:  um  »m,»**«»’KJÄT.S  SU  iÄ
^'9en,  und  die  Regierung  un  hatte  der  Vorstand  des  Deutschen
aufmerksam  zu  machen,  die  von  dort  b ' c ;  1919  eine  Konferenz  seiner
-andarbeiter-Verbandes  'gegei  2  Bauleiter  noch  Berlin  einberufen.  Aus
pommerfchen  Vertrauensleu  e  nminenlunft  ging  klar  hervor,  daß  man  in
den  Verhandlungen  auf  dieser  3  1  ■  gegenwärtig  stark  genug  fühlt,  den
den  agrarischen  Kreisen  Pommern&amp;gt;  stch  gegen  Zunehmen.  Die
Äampf  um  die  Wiederaufrichtung  der  Landarbeiter-Verbandes  zu  War-Berechtigung
  der  Vertreter  des  Deut,chen  r-a»  s
        <pb n="4" />
        4

nungsrufen  an  die  Regierung  ist  in  der  Folge  durch  die  Vorgänge  in  den
Tagen  und  Wochen  nach  der  Konferenz  unzweifelhaft  erwiesen.  Die  Landbund-Iunker
  haben  ihrer  Frechheit  die  Krone  aufgesetzt:  Sie  haben
mitten  ini  Winter  Tau  senden  von  jahrelang  beschäftigten ­
  Arbeiterfamilien,  ausschließlich  Mitgliedern
und  Vertrauensleuten  des  Deutschen  Landarbeiter-Verb
  andess,  die  Arbeitsstelle  gekündigt.  Damit  werden
nicht  nur  die  mühsam  ausgebauten  kleinen  Existenzen  tausender  Menschen
vernichtet,  sondern  —  und  darauf  geht  es  hinaus  —  die  Früh  jahrsbest ­
  ellungin  Po  mm  ernwirdinFragege  stellt.  Man  provoziert ­
  die  pommerschen  Landarbeiter  zu  einer  allgemeinen  Arbeitseinstellung,
um  hernach  die  in  Sorge  um  das  tägliche  Brot  bangende  Volksvertretung  zu
einem  scharfen  Vorgehen  gegen  den  Deutschen  Landarbeiter-Verband  anzureizen. ­

Wenn  der  Wirtschastsfriede  in  der  pommerschen  Landwirtschaft  nicht  gewehrt ­
  werden  kann,  trägt  die  Schuld  nicht  die  pommersche  Landarbeiterschaft,
sondern  das  im  Pommerschen  Landbund  vereinigte  Unternehmertum,  das  in
frivolster  Weife  alle  Versuche,  in  Pommern  zu  einem  gedeihlichen  Zusammenarbeiten ­
  in  der  landwirtschaftlichen  Produktion  zu  kommen,  durchkreuzt.  Dem
Nachweis  dieser  Feststellung  soll  das  Material  dienen,  das  in  den.nachfolgenden ­
  Blättern  niedergelegt  ist.
        <pb n="5" />
        Die
Pommern-Konferenz  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes
Berlin,  Sonntag,  den  21.  Dezember  1919,  Vormittag  9'A  Uhr.
Berb.-Bors.  Schmidt:  Wir  haben  die  Pommern-Konferenz  einberufen, ­
  weil  wir  es  für  notwendig  erachten,  die  spezielle  Lage  in  Pommern
zu  besprechen.  Wir  haben  voni  Deutschen  Landarbeiter-Verband  in:  verflossenen ­
  Jahre  versucht,  dort  oben  Ordnung  zu  halten,  aber  wir  haben  die
lebhafte  Befürchtung,  das;  es  uns  im  kommenden  Jahre  nicht  gelingen  wird,
dort  die  Ordnung  zu  halten,  tvie  es  in  ganz  Deutschland  im^graßen  una
ganzen  der  Fall  war.  Es  ist  bezeichnend,  daß  in  dresem  L&amp;gt;omme^-tue
Oeffentlichkeit  ständig  beunruhigt  wurde  durch  Streiks  m  Pommern,  gelöst
jetzt  im  Winter  nimmt  das  kein  Ende.  ÄZir  sehen  aus  verschiedenen  Unzeichen, ­
  daß  System  darin  liegt.  Die  Konferenz  heute  ist  als  vettraulich
zu  betrachten,  aber  wir  wollen  das  Material  später  verwenden,  wenn  u'i
Kampf  gegen  den  Deutschen  Landarbeiter-Verband  losgeht.
Voni  Ministerium  des  Innern  ist  Freiherr  uon6  ch  u  lj
anwesend,  den  ich  begrüße.  Wir  haben  um  die  -Inwesenheit  von
Regierungsvewretern  gebeten,  weil  die  Verhandlungeii  zu  ihrer  ^iiforun  --tion
  dienen  sollen.  Es  mag  ausfallen,  daß  wir  als  wirtschaftliche  ^  0  '
sntion  ein  Ministerium  einladen,  das  politischen  Charakter  hat,  ei  ^
die  Polizeifragen  erheblich  Hineinspielen.  Aber  obwohl  der  Deutsche  -
arbciter-Berband  sich  die  Aufgabe  gestellt  hat,  ein  wirtschaftliches  Programm
durchzuführen,  ivas  uns  ja  draußen  nicht  geglaubt  wrrd,  sehen  wir  hintm
den  Treibereien  in  Pommern  wesentlich  politische  Grunde.  3)jM)'■  )
wir  neben  dem  Landwirtschafts-Ministerium,  von  beut  cm  o  '  ‘  W
nicht  anwesend  ist,  auch  das  Ministerium  des  Innern  einge  hen  Ich  begrüße ­
  weiter  namens  des  Verbandvorstandes  die  heute  )  -i
Male  erschienenen  Kreis-Vertrauensleute.
Damit  kommen  wir  zum  ersten  Punkt  der  Tagesordnung,  zu  den  V  e  ihältnissen
  in  Pommern.  .  .  .  .
Ich  will  versuchen,  in  der  Einleitung  möglichst  kurz  zu  sein,  un  &amp;gt;  ,
dann  ganweisc  das  tatsächliche  Material  vorzutragen.  ^
sagen,  müssen  Sie  verantworten  können.  Wir  bitte  r  I
solut  Notwendige  und  Sachliche  zu  beschränken.  t  ,
Nach  der  Revolution  haben  wir  sofort  versucht,  mit  den  Arbeitgel^^
zu  einer  Einigung  über  die  Fragen  des  Arbeitsverhaltiiiss  z
Es  hatte  auch  in  den  ersten  Monaten  nach  der  Revolutio^  .  »•  1  |  '
als  wenn  es  gelingen  könnte,  in  der  Landwirtschaft  i„  aAemmnen  Ruhe
zu  halten.  Das  ist  auch  im  gesamten  Vcrbandsgebict,  also  m  ganz  Deut,
land  gelungen,  mit  Ausnahme  in  Pommern.  Dort  hat  es  .
mermonaten  angefangen  mit  den  Nachrichten»  daß  der  e  I
Landarbeiter  bevorstehe.  In  den  übrigen  Teilen  Preußens  und  Deutschlands ­
  war  von  einer  großen  Beunruhigung  inder  ^aiiiwir  st,  f
Rede,  abgesehen  von  einzelnen  Kreisen  in  Sch^swig-Holstmn,  -
selber  Gebiet,  in  der  Provinz  Sachsen.  Sonst  ist  die  -nndw  s  1  g
        <pb n="6" />
        licherweise  von  erheblichen  Erschütterungen  des  Wirtschaftslebens  verschont
geblieben.  Im  Januar  oder  Februar  d.  I.  wurden  seitens  des  Demobilmachungsamtes ­
  ehemalige  Offiziere,  die  Landwirte  von  Beruf  waren,  die
also  Verbindung  hatten  mit  den  Arbeitgebern  der  Landwirtschaft,  aufs  Land
geschickt,  um  auf  die  Landwirte  einzuwirken,  mit  den  gewerkschaftlich  organisierten ­
  Landarbeitern  in  Verbindung  zu  treten.  Fast  überall  konnten  sie
berichten,  daß  sie  Verständnis  gefunden  haben.  Es  war  natürlich  schwer
für  die  Arbeitgeber,  so  plötzlich  vor  die  Frage  gestellt  zu  werden,  Tarifverträge ­
  mit  den  -Arbeitern  abzuschließen,  wovon  früher  gar  keine  Rede
war.  Aber  die  Revolution  bedingt  ein  schnelleres  Umlernen,  und  es  kann
gesagt  werden,  daß  dies  fast  überall  erfolgte.  Wir  sind  jedoch  darüber
unterrichtet,  daß  die  Kommissare  des  Demobilmachungsamtes,  die  in
Ppmmcrn  mit  den  Arbeitgebern  gesprochen  hatten,  mit  einem  negativen ­
  Resultat  zurückkamen.  Sie  mußten  berichten,  daß  man  dort  von
einem  Abschluß  von  Tarifverträgen,  überhaupt  von  einem  Verhandeln
mit  der  Organisation  nichts  wissen  will.  Man  hat  dort  den  Gedanken  vertreten, ­
  die  Landwirtschaft  sei  ein  Ganzes,  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer
müßten  zusammenarbeiten  in  einem  Gebilde,  wie  es  heute  im  Deutschen
Landbund  geschaffen  ist.  Ich  mache  sonst  Personen  keine  Vorwürfe,  aber
wenn  ich  nun  auf  den  Freiherrn  von  Wangcnheim  zu  sprechen  komme,
so  deshalb,  weil  ich  in  diesem  Manne  den  Baker  dieser  Ideen  erblicke,  der
dafür  gesorgt  hat,  daß  es  in  Pommern  nicht  zur  Ruhe  gekommen  ist.  Die
Idee,  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  in  der  Landwirtschaft  in  einem  Verbände ­
  zusammenzufassen,  stammt  von  dem  Freiherrn  von  Wangenheirn.
Wenn  in  anderen  Berufszweigen  sich  die  Arbeitgeber  einerseits  und  die
Arbeitnehmer  andererseits  organisieren,  und  zu  Larstverhandlungen  zusammenkommen, ­
  um  zu  einem  Ausgleich  der  Gegensätze  beizutragen,  so  ist
es  ein  Unding,  zu  glauben,  in  der  Landwirtschaft  das  anders  machen  zu
können.  Die  Tatsache,  daß  wir  heute  insgesamt  800  000  gewerkschaftlich
organisierte  Landarbeiter  haben,  darunter  annähernd  700  000  im  Deutschen
Landarbeiter-Verband,  etwa  100  0"0  im  Christlichen  Landarbeiter-Verba,.d, ­
  beweist,  daß  die  Notwendigkeit  für  die  Arbeiterschaft  vorliegt,  sich  geschlossen ­
  mit  ihren  Kampfgenossen  zu  organisieren.  Also  von  Pommern
braust.  die  Kommissare  ein  negatives  Ergebnis.  Im  Berbandsvorstand
war  es  der  Kollege  Faaß,  der  zuerst  die  Notwendigkeit  betonte,  daß  in  Pommern
  auch  seitens  unserer  Organisation  mehr  als  seither  getan  werden  müsse.
Die  Aufregung  innerhalb  der  Arbeiterschaft  sei  dort  groß  und  es  werde  zu
Krawallen  konnnen,  wenn  die  Sache  nicht  seitens  der  Organisation  in  die
richtigen  Bahnen  gelenkt  werde.  Wir  können  Faaß  heute  dankbar  sein,
daß  -er  darauf  aufmerksam  gemacht  hat.
Es  ist  daun  auch  gelungen,  in  kurzer  Zeit,  dort  eine  große  Organisation
zustande  zu  bringen.  Eisermanu  wird  bestätigen  können,  welche  riesige  Arbeit ­
  er  in  Hinterpommern  vorgefunden  hat,  um  die  Wünsche  der  Kollegen
zu  befriedigen.  Es  liegt  ja  gar  nicht  so,  wie  die  Arbeitgeber  sagen,  daß
wir  die  Leute  aufzuhetzen  brauchen.  Wäre  es  uns  gelungen,  die  Wünsche
all  der  Arbeiter  zu  befriedigen,  die  an  uns  herangetreten  sind,  um  im
Deutschen  Landarbeiterverband  organisiert  zu  werden,  dann  hätten  wir
heute  anderthalb  bis  zwei  Millionen  organisiert.  (Sehr  richtig!)  Es  war
also  wirklich  nicht  notwendig,  in  Pommern  die  Leute  aufzuhetzen,  daß  sie  in
die  Organisation  kommen  sollen,  im  Gegenteil,  wir  konnten  die  Arbeit  nicht
bewältigen.  (Sehr  richtig!)  Ein  Beispiel  aus  neuerer  Zeit,  um  Ihnen  ein
Bild  davon  zu  geben,  wie  die  Sache  in  Pommern  aufgefaßt  wird.  Bor
etwa  drei  Wochen  kam  der  Deutschuationale,  Abgeordneter.  Witt,  aus  der
        <pb n="7" />
        Spas:
r v  i  * ; .-  v

am**mu

Preußischen  Landesversammlung,  zu  mir  mit  dem  Krqisblatt  aus  den.
Kreise  Pyritz  und  fragte  mich:  Sagen  Sie  mal,  habhn  S,i  e^  Äe:  Äarife
gekündigt?  Ich  sagte,  ich  kann  nicht  über  alles  unterrichtet  sein,  wenn  Sie
mW)  so  plötzlich  fragen;  gewiß  käun  es  möglich  sein,  aber  daß  wir  generell
herausgegeben  hätten,  überhaupt  die  Tarife  zu  kündigen,  Trifft  nicht  zu.
Run  gibt  er  mir  das  Pyritzer  Kreisblatt,  da  ist  in  großem  gesperrten,  fetten
Druck  ein  Schreiben  unseres  Kreisvertrauensmannes  abgedruckt/  worin  er
den  Tarif  in  zulässiger  Weise  gekündigt  hat.  Das  Schreiben  ist  in  sehr
r&amp;gt;-  ^r,Vtf  4sf  mtä  PTTlf  frrhf'rr  rttntrtho  ftr

virmtergeoer^ertmnous,  vu,;  iuit*  ^unuiuiuv.  vu  vui  , y a V uu.u  u..-tretenden
  wirtschaftlichen  Kämpfen  die  Folgen  für  die  Ernährung  unserer
städtischen  Bevölkerung  ablehnen.  Im  Kreise  Anklam  ist  seitens  der  .  A  rbeitgeber
  der  Tarif  gekündigt  worden.  Auch  da  erscheint  in  der  Presse
gleich  eine  große  Ankündigung,  die  eine  ganze  Seite  des  Kreisblattes  füllt.
All  dies  beweist  uns,  wie  in  Pommern  gearbeitet  wird:  Jede  Kleinigkeit,
die  leicht  auf  dem  Verhandlungswege  zu  erledigen  wäre,  wird  sofort  in  die
Presse  gebracht,  und  ausgeschlachtet,  um  zu  zeigen:  Seht,  der  rote  Landarbeiterverband ­
  ist  es,  der  in  Pommern  keirie  Ruhe  läßt.
Daun  etwas  anderes,  das  auch  bezeichnend  ist:  Im  Mai  1919  erhielt
der  Verbandsvorstand  eine  Einladung  zu  einer  Besprechung  mit  der  Arbeitsgemeinschaft ­
  der  Deutschen  Landwirtschaft  in  Berlin  im  Klub  ider
Landwirte.  Diese  Arbeitsgemeinschaft  war  ein  Vorläufer  des  sogenannte»
Deutschen  Landbundes.  Wir  hatten  schon  seit  dem  19.  November  1918  mit
dem  Bund  der  Landwirte,  mit  der  Vereinigung  der  Deutschen  Bauerndereine
  und  anderen  Organisation  der  Landwirtschaft  über  die  Bildung  einer
Arbeitsgemeinschaft  verhandelt  und  sind  heute  noch  zu  keinem  Resultat  ge-!vmmen.
  Der  Deutsche  Landbund  war  nun  wieder  ein  neues  Gebilde.
Zu  dieser  Verhandlung  bin  ich  mit  dem  Kollegen  Woldt  hingegangen  m  der
Absicht,  uns  zu  orientieren.  Wir  wollten  die  Einladung  nicht  ablehnen,
damit  man  nicht  sagen  konnte,  wir  hinderten  den  Verständigungsweg.
In  dem  Protokoll  halten  wir  daun  die  Ehre,  an  die  Spitze  gestellt  zu  werden. ­
  Man  legte  anscheinend  großen  Wert  darauf,  Vertreter  der  Landarbeiter ­
  dort  zu  habe».  Es  waren  Vertreter  des  Deut,chm  Landwirt,chaftsrats
  und  des  Bundes  der  Landwirte  dort.  Wir  wußten  beide  zuerst  nicht,  in
welche  Körperschaft  wir  da  geraten  waren.  Auch  Herr  von  Dewitz  ain
Pommern  war  anwesend,  und  es  ist  mir  sofort  aufgefallen,  wie  er  nn  Laiche
der  Verhandlungen  versuchte,  mich  zu  examinieren,  herauszuhören,  wie  der
Deutsche  Landarbeiter-Verband  über  die  Frage  eines-Streiks  urteile.  Man
hat  mich  direkt  herausgefordert  zu  reden,  ich  habe  auch  gesprochen  und  habe
in  dieser  Verhandlung  unter  anderem  Folgendes  ge,agr.  Es  heißt  darüber
iin  ^votofoss*  ioctr  ©djmibt,  Sonbotbcilci^^otDoHD,  er  tl.cn.  t..  @tunbjöjj s
lieh  er  Verzicht  auf  das  Streikrecht  seitens  der  Landarbeiter  sei  von  seiner
Organisation  nicht  möglich.  Er  stimmt  dein  aber  Bet,  daß  Streiks  möglichst
zu  vermeiden  seien,  jedenfalls  jedem  «treik  Verhandlungen  in  «chlichtungsausschüssen
  vorangehen  müssen.  Das  war  auch  richtig  wiedergegeben.
Es  wurde  aber  anfangs  betont,  daß  das  eine  zwangslose  Besprechung  sei
und  es  ivar  nicht  bekannt,  daß  diese  Sache  in  die  Oeffentlichkeit  gegeben
werden  solle.  .,  .  .  =  =  ^
Damit  will  ich  nicht  sagen,  daß  ich  mich  dann  anders  ausgesprochen
biitto.  2Bir  haben  feit  jeher  beu  Stanbpunkk  vertreten,  bah  wll  Streiks  rn
der  Landwirtschaft  aus  volkswirtschaftlichen  Gründen  möglichst  vernrelden
'»ollen.  Nicht  aus  Liebe  zr,  den  Junkern,  sondern  weil  wir  einen  Streik
        <pb n="8" />
        8

in  der  Landwirtschaft  als  einen  Schaden  für  die  deutsche  Volkswirtschaft  ansehen. ­
  Aber  das  wird  eben  von  den  agrarischen  Kreisen  ausgenutzt.  Ich
erhielt  dann  das  Protokoll  von  dieser  Sitzung  übersandt  mit  dem  Vermerk,
ob  ich  gegen  die  Widergabe  meiner  Ausführungen  in.  dieser  Form  etwas
einzuwenden  hätte.  Ich  habe  daraus  nicht  geantwortet,  und  später  erschienen ­
  dann  diese  meine  Ausführungen  im  Nachrichtenblatt  des  Deutschen
Landbundes  in  einer  völlig  entstellten  Form,  in  dem  Sätze  zwischengeschoben
waren,  die  ich  nicht  gesagt  hatte.  Es  heißt  da  unter  anderem:  „Aus  die
weitere  Frage,  ob  der  Landarbeiter-Verband  darauf  hinwirken  wolle,  daß
bei  Streiks  unter  allen  Umständen  für  die  Viehpflege  weiter  gesorgt  werde,
daß  Erntestreiks  nicht  vorkommen  sollten,  erklärte  er,  daß  auch  im  Streikfalle
  unbedingt  die  notwendigen  Arbeiten  gemacht  werden  müßten."  Nun
habe  ich  mich  tatsächlich  nur  dahin  ausgesprochen,  daß  wir,  wenn  es  zum
Streik  kommt,  wollen,  daß  das  Vieh  gefüttert  und  gemolken  wird,  habe  mich
aber  niemals  dahin  ausgesprochen,  daß  wir  Erntestreiks  auf  alle  Fälle  vermeiden. ­
  So  sehr  wir  dafür  eintreten,  daß  Streiks  vermieden  werden,  so
wäre  ich  doch  nicht  wert,  an  dieser  Stelle  zu  stehen,  wo  mich  die  Kollegen
hingestellt  haben,  wenn  ich  den  Landarbeitern  das  Streikrecht  prinzipiell
verwehren  wollte.  Daraufhin  war  ich  gezwungen,  in  den  Mitteilungen  des
Deutschen  Landarbeiterverbandes  am  !.  Juli  eine  Erklärung  zu  meinen
Ausführungen  zu  geben.  Ich  stellte  darin  fest,  daß  die  Herren  mich  in
dieser  Sitzung  gewissermaßen  herausgefordert  haben,  daß  sie  es  dann  für
ihre  Zwecke  ausgenutzt  haben  und  zum  Schluß  heißt  es:  „Wir  empfehlen
den  Arbeitgebern  von  dieser  Erklärung  den  Gauleitern  und  sonstigen
Verhandlunggführern  gegenüber  Gebrauch  zu  machen.  Im  Falte  von
Verhandlungen  der  Arbeitnehmer  und  ihrer  Vertreter,  die  gegen  diese  Gesichtspunkte ­
  verstoßen,  bitten  wir  um  sofortige  genaue  Mitteilung  vom  Ort
des  Vorfalles  und  der  Namen  der  Hauptbeteiligten."  Also  es  liegt  an  sich
schon  eine  unreelle  Handlungsweise  vor,  wenn  man  solche  Aeußerungen
eines  Vertreters  unseres  Verbandsvorstandes  in  entstellter  Form  in  die
Presse  gibt.  Aber  es  ist  noch  etwas  anderes  in  dieser  Sitzung  vorgekommen. ­
  Der  Verlagsbuchhändler  Hillger  kam  während  der  Verhandlungen
an  mich  heran  und  sagte:  „Herr  Schmidt,  Wollen  Sie  nicht  den  gelben  Landarbeiter-Verband ­
  in  diese  Arbeitsgemeinschaft  mitausnehmen,  von  den
Christlichen  wollen  wir  ja  auch  nichts  wissen."  Das
beweist  schon  die  Iluehrlichkcit  dieser  Kreise,  denn  draußen  im  Laude  arbeiten ­
  sie  mit  den  Christlichen  zusammen.  Dazu  ein  anderes:  Dieser  Herr
von  Dewitz,  der  am  16.  Mai  an  diesen  Verhandlungen  teilgenommen  hat,
als  Führer  des  Pommerschen  Landbundes,  als  Geschäftsführer  oder  Direktor, ­
  wie  er  sich  nennt,—•  diese  Leute  müssen  ja  immer  einen  Titel  haben  —
richtet  am  21.  Mai  d.  I.,  also  fünf  Tage  nach  der  Verhandlung,
von  Stettin  ein  Schreiben  an  den  Ministerpräsidenten  Scheidemann
und  betrieb  darin  eine  unverschämte  Verhetzung  und  Verdächtigung
des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes.  (Hört!  Hört!)  In  diesem
Briefe  heißt  es,  die  Führer  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes  seien
vom  bolschewistischen  Geist  durchtränkt,  die  Kreisvcrtrauensleute  forderten
draußen  im  Lande  zum  Streik  auf,  sagten  den  Arbeitern:  Ihr  müßt  streiken, ­
  streiken  und  nochmals  streiken,  und  wenn  das  Vieh  dabei  verhungert!
Zum  Schluß  wird  Scheidemann  und  die  Regierung  aufgefordert,  dafür  zu
sorgen,  daß  den  Landarbeitern  das  Streikrecht  wieder  genommen  wird.
Das  ist  ein  unverschämtes  und  unehrliches  Verhalten  jener  Kreise:  Erst
wird  man  veranlaßt,  an  jener  Verhandlung  teilzunehmen,  und  tut  das  in
dem  Vertrauen,  das  man  nun  einmal  den  Kreisen  entgegenbringen  muß,
        <pb n="9" />
        wenn  man  mit  ihnen  verhandelt,  und  dann  gehen  dieselben  Leute  nach
einigen  Tagen  hin  und  denunzieren  einen.  Das  beweist  ein  Anstandsgefühl,
für  das  ich  —  trotzdem  ich  nicht  die  Vorbildung  genossen  habe,  wie  angeblich
jene  Leute  —  kein  Verständnis  habe.
Daraufhin  ging  es  dann  los  in  Pommern.  Ich  kgnn  feststellen,  daß  es
bis  znm  Juni-Juli  in  Pommern  ebenso  ruhig  war,  wie  anderwärts  in
Deutschland.  Dann  aber  kam  die  maßlose  Hetze  gegen  den  Deutschen  Landarbeiter-Verband, ­
  die  Flugblätter,  die  auch  in  den  4.  Klassewagen  der
Eisenbahn  angeklebt  waren:  „Landarbeiter,  Ihr  müßt  Euer  Deputat  fordern." ­
  In  einem  Flugblatt  des  Pommerschen  Landbundes  werden  die
Tarife,  die  wir  abgeschlossen  haben,  mit  den  leider  viel  zu  niedrigen  Sätzen
(sehr  richtig!),  weil  die  Organsation  noch  nicht  stark  genug  war,  ausgeschlachtet ­
  und  nian  sagt  den  Arbeitern:  „Seht,  wenn  Ihr  Euer  Deputat
voll  bekommt,  und  könnt  die  Produkte  im  Schleichhandel  verkaufen,  dann
würdet  Ihr  2000  bis  3000  Mk.  einnehmen."  —
In  der  Frage  der  Deputatlieferung  stehen  wir  auf  dem  Standpunkt,
daß  den  Landarbeitern  ein  möglichst  hohes  Deputat  gegeben  ivird.  Aber
wir  haben  auch  Rücksicht  zu  nehmen  auf  unsere  Arbeitsbrüder  un  den
Städten  und  aus  die  allgemeine  Volkswirtschaft.  Die  Christlichen  verbreiten ­
  heute  überall  Flugblätter,  daß  sie  dafür  gesorgt  hätten,  daß  das  Deputat
für  die  Landarbeiter  frei  gegeben  wird.  In  Mecklenburg  gibt  es  laut
Tarif  52  Zentner  Deputat,  das  ist  ein  Zentner  Getreide  pro  Woche.  Demgegenüber ­
  denkt  daran,  was  in  den  Städten  die  Arbeiterfamilien  an  Brot
bekommen!  Wir  wissen,  daß  die  Landarbeiter  ihr  Deputat  nicht  alles  selbst
verzehren  wollen.  Sie  wollen  ihre  Viehzucht  hochbringen.  Es  wird  auch
eine  Verordnung  herauskommen,  wonach  den  Landarbeitern  mehr  Deputat
gegeben  werden  'kann.  Aber  so  voll  und  ganz  kann  man  diese  Forderungen
auf  völlige  Freigabe  nicht  vertreten.  (Zuruf:  Das  wollen  die  Landarbeiastch
  gar  Nicht!)  Ich  will  nur  sagen,  daß  man  den  Landarbeitern  in  Flugblättern ­
  vorredet:  „Seht,  wenn  Ihr  Euer  Deputat  voll  bekommen  würdet,
wenn  Ihr  sechs  Gänse  verkaufen  könntet,  würdet  Ihr  dafür  allein  600  Mk.
bekommen,"  und  dann  heißt  es:  „Wer  hat  Euch  belogen,  zum  zweiten  und
dritten  Mal  belogen?  Der  Deutsche  Landarbeiter-Verband!"  Das  ist  eine
ganz  demagogische  Hetze,  die  auf  die  allgemeine  Volkswirtschaft  gar  keine
Rücksicht  nimmt,  sondern  nur  den  persönlichen  Eigennutz  aufstachelt.  Dann
heisst  es  weiter:  „Wir  fragen  weiter,  wo  bleibt  der  Landarbeiter-Verband,
lvarum  nimmt  er  uns  nicht  gegen  ehrenrührige  Angriffe  der  Regierung  in
Schutz?"  Da  wird  der  Genosse  Braun  ausgespielt  gegen  Robert  Schmidt,
weil'beide  in  der  Frage  verschiedener  Ansicht  sind.  Dann  heißt  es  weiter:
„Wo  bleibt  der  Landarbeiter-Verband?  Um  die  Erhöhung  des  Tagelohnes
um  50  Pf.  und  1  Mark,  da  hat  er  ein  Wesen  genmcht,  als  sei  der  grösste  Sieg
erfochten.  Aber  in  der  Deputatfrage  dürfe  er  aus  Sorge  für  die  städtische
Arbeiterschaft  nichts  tun.  Wir  aber,  wir  holen  Euch  das  ganze  Deputat
heraus"  wird  im  Flugblatt  geschloffen.
Dann  haben  im  Juli  in  Pommern  Haussuchungen  stattgefunden  in  der
Landwirtschaftskammcr  in  Stettin  und  in  anderen  Städten.  Ich  Muß  bedauern, ­
  daß  damals  nicht  von  der  Regierung  mit  Entschiedenheit  zugegriffen ­
  wurde,  wie  das  notwendig.gewesen  wäre.  Wenn  ich  diesen  Vorwurf ­
  erhebe,  so  will  ich  nicht,  daß  die  heutige!  Konferenz  dazu  ausarten  soll,
die  Regierung  herunter  zu  machen,  daß  sie  nichts  getan  habe.  Was  wir
heute  wollen,  ist  in,  wesentlichen  Material  zusammentragen  und  daran  zu
denken,  was  wir  in  Zukunft  zu  tun  haben.  Ich  will  aber  nicht  unterlassen,
hier  zu  sagen,  daß  die  Regierung  damals  bte:  Gefahr,  vor  der  sie  stand.
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        '

nicht  ernst  genug  genommen  hat.  (Zuruf:  Heute  noch!)  Das  inag  auch
heute  noch  zutreffen.  Darum  haben  wir  die  Regierung  versucht,  zu  dieser
Konferenz  Vertreter  zu  entsenden,  damit  sie  hört,  was  die  Kollegen  selbst
dazu  sagen.  Es  ist  damals  festgestellt,  welche  Verbindung  zwischen  dem
Militär  und  dem  Pommerschen  Landbund  besteht;  das  Material  liegt  der
Regierung  vor.
Von  Wangenheim  setzte  seinen  Sohn  in  die  Landwirtschaftskammer  in
Stettin  als  Generaldirektor.  In  dieser  Landwirtschaftskammer  in  Pommern
wurde  eine  skrupellose  Agitation  gegen  die  Regierung  betrieben.  (Zuruf:
Heute  noch!)  Ich  nehme  es  einer  Oppositionspartei,  wie  den  Deutsch-Nationalen, ­
  nicht  übel,  wenn  sie  Opposition  treibt,  aber  wir  verlangen  von  der
heutigen  Regierung,  daß  diese  Leute  mit  demselben  Maße  gemessen  werden,
das  sie  früher  gegen  Andersdenkende  anlegten.  Früher  durfte  in  Preußen-Deutschland
  kein  Nachtwächter  seinen  Posten  behalten,  wenn  er  Sozialdemokrat ­
  war.  Auch  heute  dürfen  amtliche  Institutionen  nicht  dazu  verwandt
werden,  um  die  Regierung  zu  stürzen.
Dann  komme  ich  zuni  Streik  im  Kreise  Franzburg  im  Sommer.  Wenn
irgendwo  ohne  Zutun  der  Arbeiter  ein  Generalstreik  ausbrach,  so  in  diesem
Falle.  Es  ist  aktenmäßig  festgestellt,  von  wo  die  Treibereien  ausgingen.
Ich  behaupte  heute  mit  voller  Ueberlegung.  daß  diese  Aktion  aus  zweierlei
Gründen  betrieben  wurde!  Einmal  wollte  man  beweisen,  daß  die  Landarbeiter ­
  nicht  reis  seien  für  das  freie  Koalitionsrecht;  man  wollte  ihnen  die
Rechte  nehmen.  Und  zum  andern  sollte  damals  in  der  Zeit  der  politischen
Hochspannung  in  der  äußeren  Politik  diese  Differenzen  benutzt  werden,  um
die  Gegenrevolution  in  Deutschland  vorzubereiten.  Es  ist  der  Arbeiterschaft ­
  Vorpommerns  zu  verdanken,  daß  diese  Pläne  nicht  zur  Ausführung
gekommen  sind.  Es  war  ein  Glück,  daß  ein  Vertreter  unserer  Organisation
in  der  Preußischen  Landesversammlung  war.  Es  ist  mir  und  dem  Landwirtschaftsminister
  Kollegen  Braun  gelungen,  diese  Hetze  niederzuschlagen.
Ich  kam  von  den  Tarifverhandlungen  in  Stralsund  und  las  am  Abend  hier
in  der  Presse  die  fette  Urbcrschrift:  „Generalstreik  in  Pommern".  Es
wurde  geflissentlich  der  Schwindel  verbreitet:  Seht,  nun  fangen.auch  die
Landarbeiter  an!  Als  ich  nach  meiner  Wohnung  fuhr,  sprach  in  der  Bahn
alles  davon:  Nun  fangen  die  Landarbeiter  auch  noch  an,  nun  werden  wir
ja  wohl  verhungern.  Es  ist  uns  dann  gelungen,  diese  Treibereien  zu  unterbinden ­
  und  deshalb  der  Haß  gegen  den  Verband!
Es  kam  dann  die  Hetze  in  Neustettin  unter  Führung  des  Herrn  von
Hcrzberg-Lottin,  wo  die  Besitzer  auch  heute  noch  nicht  so  weit  sind,  daß  sie
Tarife  abschließen  wollen.  Die  Antwort  war  die  Verordnung  des  Laudwirtschaftsministers
  vom  2.  September  1919,  wodurch  die  Besitzer  gezwungen ­
  werden  sollten,  die  tariflichen  Löhne  zu  zahlen,  die  durch  "die  Schlichtnngsausschüsse
  festgesetzt  wurden.  Dieses  Vorgehen  verschärfte  natürlich
wieder  den  Kampf  gegen  den  Minister  Braun.  Jede  Maßnahme  wurdr
eben  bekämpft,  durch  die  die  Regierung  versucht  hat,  Ordnung  zu  schaffen.
Wer  sind  denn  diese  Leute  wie  Herzbcrg-Lottin,  der  sich  heute  noch
Königlicher  Landrat  nennt?  Das  ist  derselbe  Herzberg-Lottin,  der  nach  der
Reichstagswahl  1912.  ftincn  Arbeitern  befohlen  hat,  die  Gutskutsche  zu
grüßen,  ganz  egal,  ob  jemand  drin  sitzt  oder  nicht.  Das  sind  die  Leute,
die  heute  noch  den  Ton  angeben.  Demgegenüber  sage  ich:  Wenn  wir
in  Deutschland  schon  den  Belagerungszustand  haben,  und  Leute  von  der
Linken  ins  Loch  stecken,  d  a  n  n  soll  m  a  n  a  n  ch  s  o  l  ch  e  Leut  e.
m  a  l  ne  h  m  e  n.  (Lebhafte  Zustimmung.)  Ich  bin  fest  überzeugt,  wenn
man  den  Junkern  gegenüber  energisch  zufaßt,  dann  w  e  r  d  e  n

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sie  pariere  n.  Diese  Leute  stehen  eben  auf  dem  Standpunkt  der  Machtpolitik, ­
  imponieren  kann  ihnen  nur  der,  der  ihnen
mit  Macht  entgegentritt.  (Sehr  richtig!)  Hätte  die  Regierung
damals  zugegriffen,  wäre  cs  ptwas  anderes  geworden.  Daß  die  Arbeitgeber
sich  dort  oben  durch  Konventionalstrafe  verpflichten,  keine  Tarife  anzuerkennen, ­
  will  ich  auch  noch  erwähnen.  Ich  verweise  auch  auf  die  enge  Verbindung ­
  des  Generalkommandos  des  2.  A.-K.  mit  dem  Pommerschen  Landbund. ­
  Ich  habe  ja  volles  Verständnis  für  diese  enge  Verbindung  der  militärischen ­
  Stellen  mit  den  Junkern,  es  sind  dieselben  Kreise,  aus  denen  sie
stammen.  Aber  die  Regierung  braucht  sich  das  nicht  gefallen  zu  lassen.
Warum  funktionieren  die  Schlichtungsausschüsse  nicht?  Im  Kreise
Anklam,  wo  sehr  darüber  geklagt  wird,  ist  der  Schlichtungsausfchuß
besetzt  vom  Pommerschen  Landbund,  der  seine  Leute  da  hineinschiebt.
Wenn  man  will,  daß  die  Schlichtungsausschüsse  funktionieren  sollen,  dann
müssen  die  Beisitzer  zusammengesetzt  sein  aus  Vertretern  der  Arbeitgeber
und  der  Arbeitnehmer,  und  für  die  Arbeitnehmer  sind  nun  einmal  die  Gewrkschaften
  die  ausschlaggebenden  Faktoren.  Wenn  man  die  Vertrauensleute ­
  dieser  Kreise  nicht  berücksichtigt,  dann  haben  die  Arbeiter  eben  zu  derartigen ­
  Schiedsgerichten  kein  Vertrauen.  Ich  hab»  hier  einen  Bericht,  der
uns  schriftlich  zugegangen  ist,  aus  dem  Kreise  Greifenberg  in  Pommern,
wo  der  Landbund  an  die  Arbeitgeber  schreibt,  daß  die  bewilligten  Ten  erungszulagen
  von  126  1L  nur  an  Mitglieder  des
Pommerschen  Landbundes  zu  zahlen  ist.  (Hört!  Hört!)
Das  heißt,  an  diejenigen,  die  der  Arbeitnehmergruppe  des  Pommerschen
Landbundes  angehören.
Also  die  Mitglieder  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes  werden  von
einer  lumpigen  Teuerungszulage  —  so  muß  man  bei  den  heutigen  Preisen
sagen  —  von  126  Mk.  pro  Jahr  ausgeschlossen,  weil  sie  nicht  der  Arbeitnehmergruppe ­
  des  Pommerschen  Landbundes  angehören!  Die  Herren  haben
gar  keinen  Anlaß,  über  Terrorismus  zu  schreien.  (Sehr  richtig!)  Seitens
des  Verbandsvorstandes  und  auch  seitens  der  Leitung  des  Allgemeinen  deutschen ­
  Gewerkschaftsbundes  wird  jeder  Terrorismus  Andersdenkenden  gegenüber ­
  verurteilt.  Terrorismus  ist,  wenn  man  die  Leute  ihrer  Gesinnung
wegen  aus  der  Arbeit  bringt.  Das  verurteilen  wir.  Aber  man  schreit  jci
heute  auch  über  Terrorismus,  wenn  ein  Kollege  den  andern  nur  auffordert,
sich  der  Organisation  anzuschließen.  Und  üon  denselben  Leuten,  die  sich
darüber  beklagen,  wird  hier  der  schlimmste  Terrorismus  geübt.
Ueber  die  unkontrollicrbaren  Notizen,  die  durch  die  Presse  gehen,  ist
auch  noch  zu  sprechen.  Diese  Notizen  müssen  Sie  sammeln,  um  den  Vorstand ­
  über  alles  zu  orientieren.  Alle  Augenblicke  findet  man  in  der  agrarischen ­
  Presse  solche  Notizen.  Das,  was  in  der  „Deutschen  Tageszeitung"  steht,
wird  dann  überall  tni  Lande  nachgedruckt.  Zum  Beispiel  die  Notiz:  „Der
Ochsenziemer  als  Werber  für  den  Deutschen  Landarbeiter-Verband"  u.  a.
Der  Fall  ist  inzwischen  richtig  gestellt.  Solche  Nachrichten  werden  sofort
in  verhetzender  Weise  gegen  den  Verband  ausgenutzt.  Jeder  vernünftig
denkende  Mensch  wird  sich  sagen,  daß  eine  Organisation,  die  sich  in  einem
Jahre  um  Uber  800  000  Mitglieder  vermehrt  hat,  nicht  für  jeden  einzelnen
Kollegen  garantieren  kann.  In  riner  anderen  Notiz  wird  behauptet,  daß
die  Agitatoren  des  Landarbeiter-Verbandes  die  Arbeiter  aufgewiegelt
hätten,  so  daß  die  Leute  gar  kein  Interesse  an  der  Bergung  der  Ernte  mehr
hätten.  Gewiß  hat  die'deutsche  Landwirtschaft  nicht  die  günstigsten  Arbeiterverhältuisse.
  Es  fehlen  ihr  vor  allem  die  ausländischen  Arbeiter.
Falsch  ist  es  aber,  wenn  man  behauptet,  die  Agitation  des  Landarbeiter-
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        Verbandes  trage  dazu  bei,  daß  die  Leute  nicht  arbeiten.  Wir  haben  mit
einer  allgemeinen  Arbeitsunlust  zu  rechnen  als  Folge  des  Krieges.  Man
soll  es  doch  nicht  -zur  politischen  Agitation  ausschlachten  und  so  tun,  als  ob
die  ganzen  Zustände,  die  wir  jetzt  haben,  nur  eine  Folge  der  Revolution
seien.  Wir  Haben  uns  schon  während  des  Krieges  darüber  unterhalten,
daß  der  Krieg  notgedrungen  derartige  Zustände  hervorbringt,  und  sie  sind
in  der  Uebergangszeit  noch  viel  schlimmer  geworden.  Ich  habe  Herrn  von
Wangenheim  vorgehalten,  daß  auf  seinem  Gute  die  Arbeiter  drei  Tage
lang  früher  zur  Arbeit  antreten  wollten,  damit  die  Kartoffelernte,  hereingebracht ­
  werde,  daß  sie  aber  nicht  arbeiten  konnten,  weil  der  Inspektor  zu
bequem  war,  etwas  früher  aufzustehen,  um  den  Leuten  die  Marken  herauszugeben. ­
  Auf  solche  Vorwürfe  schweigt  man  auf  jener  Seite.  Wir  haben
allen  Anlaß,  die  Landarbeiterschaft  gegen  allgemeine  Vorwürfe  in  Schuy
zu  nehmen.  Sie  ist  durchaus  arbeitswillig,  wenn  man  sie  einigermaßen  anständig ­
  behandelt.  (Sehr  wahr!)
Ich  verweise  noch  darauf,  wie  man  in  Pommern  versucht,  die  staatserhaltenden ­
  Elemente  auf  dein  Lande  zu  sammeln.  Ju&amp;gt;.  „Vorwärts"  vom
4.  Dezember  wird  eine  Notiz  wiedergegeben,  in  der  Offiziere  aufs  Land
gesucht  werden,  die  dort  tätig  sein  sollen  für  den  kommenden  Umsturz.
Sonst  klagt  man  immer  darüber,  daß  keine  Wohnungen  bereit  gestellt  werden ­
  können,  Gutsbeamte  sind  massenhaft  stellenlos,  aber  diese  Offiziere
holt  man  heran  und  bringt  sie  unter,  damit  sie  für  gegenrevolutionäre
Zwecke  verwandt  werden.  Ich  will  die  Offiziere  im  allgemeinen  absolut
nicht  verdächtigen,  es  gibt  viele  Offiziere,  die  draußen  im  Felde  ihre  Schuldigkeit ­
  getan  haben,  und  die  heute  einem  bittereren  Elend  gegenüberstehen,
als  manche  Arbeiterfamilie.  Das  wissen  wir.  Aber  diese  Leute,  die  wirklich ­
  in  der  Landwirtschaft  arbeiten  wollen,  will  man  ja  draußen  nicht  haben,
sondern  nur,  wie  es  in  einem  Schreiben  der  Ortsgruppe  Greifenberg  an
den  Pommerschcn  Landbund  heißt:  „z  »verlässige  Elemente  des
aufgelösten  Heeres,  insbesondere  Offiziere".  Denn  nur
solche  kann  inan  zu  gegenrevolutionären  Zwecken  gebrauchen.
Ich  kann  nicht  alles  vortragen,  was  draußen  dem  Deutschen  Landarbeiter-Verband ­
  und  dein  Preußischen  Laüdwirtschaftsministeriui»  zugeschoben ­
  wird,  daß  beide  dazu  beitragen,  die  Verhältnisse  in  Pommern
derartig  zuzuspitzen,  daß  von  einer  Arbeit  keine  Rede  mehr  sein  könne.
Wo  haben  Vertreter  des  Verbands-Vorstandes  oder  des  Landarbeiter-Verbandes,
  oder  des  Landwirtschaftsministeriums,  jemals  die  Landarbeiter ­
  abgehalten,  über  die  Höchstarbeitszeit  hinaus  zu  arbeiten?  Die  Landarbeiter ­
  sind  bereit,  Ueberstundcn  zu  leisten.  In  Dutzenden  und  Aberdutzenden ­
  von  Fällen  könnte  ich  nachweisen,  daß  man  Ueberstunden  verlangt, ­
  ohne  daß  nian  sie  bezahlen  will,  obwohl  das  in  der  LandarbeitsOrdnung ­
  vorgesehen  ist.  Man  will  ja  auch  weiter  nichts,  als  die  Landarbeits-Ordnung ­
  wieder  beseitigen.  Die  Arbeitszeit  von  11  Stunden  im
Sommer  ist  den  Herren  noch  nicht  lang  genug,  man  will  eine  längere  Arbeitszeit ­
  eingesetzt  haben.  (Zuruf:  14,  15  .Stunden!  &amp;gt;
Zeh  möchte  hierbei  auf  das  neueste  Vorkommnis  hinweisen,  das  den
.Hauptstoß  gegeben  hat,  die  heutige  Konferenz  einzuberufen.  Das  sind  die
Zustande  tut  Kreise  Anklam.  Dort  sind  fünf  Vertrauensleute  unseres  Verbandes ­
  gematzregelt  worden,  bei  dreien  von  ihnen  ist  vor  dem  Schlichtungsausschuß ­
  festgestellt,  daß  eine  Maßregelung  vorliegt,  die  Arbeiter  mußten
wieder  eingestellt  werden.  Bei  zweien  ist  es  strittig.  Da  hat  man  alte
Sünden  der  Leute  hervorgeholt,  um  die  Entlassung"  zu  begründen.  Für
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        13

jeden  objektiv  denkenden  Menschen  ist  es  doch  klar,  daß.  wenn  ein  Arbeiter
über  ein  Jahr  in  einen!  Betriebe  beschäftigt  war,  man  wohl  sagen  kann,
der  Arbeitgeber  ist  mit  dem  Manne  zufrieden.  Bei  den  Maßregelungen
unserer  Vertrauensleute  handelte  es  sich  aber  in  vielen  Fällen  um  Arbeiter,
die  fünf,  sechs,  zehn,  auch  fünfzehn  Jahre  im  Betriebe  beschäftigt  waren.
(Sehr  richtig!)  (Zuruf:  Fünfundzwanzig  Jahre!,  Sie  sind  nur  gemäßregelt
  worden,  weil  sie  Mitglieder  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes
geworden  find  und  nicht  bloß  Mitglieder,  sondern  auch  Führer,  Vertrauensleute ­
  der  .Kollegen  auf  dein  Gutshof.  Das  ist  auch  der  Fall  in  Anklam.
Meiner  Ansicht  nach  ,  ist  festgestellt,  daß  es  sich  hier  um  eine  Maßregelung
handelte,  denn  der  betreffende  Gutsbesitzer  hat  in  der  Verhandlung  mit  dein
anwesenden  Kollegen  Segebrecht  ausdrücklich  gesagt,  er  motte  den  Mann
wieder  beschäftigen,  wenn  er  den  Vertrauensposten  in  der  Gewerkschaft  niederlegt. ­
  (Hört!  Hort!)  Daraus  ergibt  sich  doch,  warum  er  ihn  nicht  weiter
beschäftigt.  Was  ist  aus  diesen  fünf  Fällen  gemacht  worden?  Unser  Kreisvertrauensmann, ­
  Kollege  Segebrecht,  hat  sich  alle  Mühe  gegeben,  daß  es
zur  Verhandlung  kam.  Die  Sache  wurde  acht  Tage  lang  hingezogen,  dann
haben  die  Arbeitgeber  Versammlungen  abgehalten  und  haben  wieder  eine
Deputation  zum  Ministerium  nach  Berlin  geschickt,  dort  oben  werde  wieder
mit  dem  Generalstreik  gedroht.  ^cf)  habe  schon  unseren  Vertrauensleuten
brieflich  gesagt,  sie  möchten  nicht  immer  das  Wort  Generalstreik  anwenden.
Das  Wort  spukt  in  den  Köpfen  herum,  keiner  ist  sich  über  die  Bedeutung
klar.  Sagt  lieber,  die  Kollegen.  treten  in  den  Abwehrstreik.  Wenn  in
irgend  einem  Kreise  ein  Paar  Landarbeiter  streiken,  machen  die  Junker  schon
einen  Generalstreik  daraus.  Kurz  und  gut,  die  Sache  wurde  hingezogen  und
erst  dann,  als  die  Kollegen  in  Berlin  waren  und  zurückkamen,  und  als  das
Gewerkschaftskartell  in  'Anklam  einsprang,  sind  die  Junker  zu  Verhandlungen ­
  bereit  gewesen.  Aber  vorher  mußten  Inserate  in  den  Kreisblättern
erscheinen  mit  großen  Erklärungen,  wo  zum  Schluß  die  Bedingung  gestellt
wurde:  Bedingungslos  -nutz  die  Drohung  mit  dem  Generalstreik  vom  Landarbciter-kVerband
  zurückgenommen  werden.
Nun  liegen  die  Dinge  dort  so:  Nicht  wir  haben  den  Tarif  gekündigt,
sondern  der  Landbund.  '  Die  Kollegen  sind  selbstverständlich  erbost  darüber,
wenn  der  Tarif  zu  einem  Zeitpunkt  gekündigt  wird,  wie  dem  1.^  Januar,
wo  natürlich  die  Zeit  für  die  Arbeiter  nicht  günstig  ist.  _  Dann  kam  die  Erregung ­
  hinzu,  die  hervorgerufen  wurde  durch  die  Maßregelung  der  Verbandsfunktionäre.
  Und  da  erklärt  man:  Jawohl,  wir  sind  zu  Verhandlungen
  bereit,  wenn  der  Landarbeiter-Verband  bedingungslos  die  Drohung
mit  dem  Generalstreik  zurücknimmt.  Wenn  wir  umgekehrt  gesagt  hätten,
wir  sind  zu  Verhandlungen  bereit,  wenn  der  Landbund  bedingungslos  die
Kündigung  zurücknimmt,  was  wäre  dann  für  ein  Geschrei  entstanden.  Unsere ­
  Kollegen  waren  bereit,  unter  den  niedrigen  Bedingungen  w°iter  zu
arbeiten,  aber  dann  setzte  der  Lärm  in  der  Presse  ein,  da  schickt  man  Deputationen ­
  nach  Berlin  zum  Laydwirtschaftsminister,  mit  dem  man  sonst
nichts  zu  tun  haben  ivill,  zu  dein  einfachen  Zweck,  die  Öffentlichkeit  nicht
zur  Ruhe  kommen  zu  lassen  über  die  Verhältnisse  in  Pommern.  Wenn  es
dort  nicht  zur  Ruhe  kommt,  so  liegt  das  eben  daran,  weil  dort  Kreise  am
Werke  sind,  die  ihre  besonderen  Geschäfte  besorgen  wollen  gegenüber  dein
Deutschen  Landarbeiter-Verband.  Dort  haben  sie  die  Führung  übernommen, ­
  uin  die  Organisation  zu  bekämpfen  und  zu  unterdrücken.  Das  lassen
wir  uns  nicht  gefallen.
Auf  der  andern  Seite  darf  die  Regierung  auf  keinen  Fall  diese  agrarischen ­
  Maßnahmen  verkerinen,  die  von  Pommern  ausgehen.  Dort  oben
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        •  L  -

sind  alle  Städte  belegt  mit  Baltikumtruppen.  Darum  haben  wir  diese
Konferenz  nach  Berlin  berufen,  weil  es  gar  nicht  möglich  ist,  dort  für  die
Kollegen  Unterkunft  zu  schaffen.
Ich  bitte  Euch  nun,  möglichst  kurz  Eure  Beschwerden  vorzutragen.  Ich
unterstreiche  zum  Schluß  nochmals:  Wir  haben  diese  Konferenz  nicht  einberufen, ­
  um  den  Kampf  in  Pommern  vorzubereiten,  sondern  um  uns  mit
unseren  Vertrauensleuten  aus  Pommern  zu  besprechen,  damit  unsererseits
keine  Dummheiten  gemacht  werden,  sondern  taktisch  klug  vorgegangen  wird.
Wir  beabsichtigen  mit  der  Konferenz  weiter  nichts,
als  für  das  n  ä  ch  st  e  Jahr  in  Pommern  die  B  e  st  e  l  -
lung  der  Felder  und  die  Einbringung  der  Ernte
zu  sichern.  Wir  wünschen  und  hoffen,  daß  wir
seitens  der  Regierung  in  dieser  Beziehung  unter»
st  ü  tz  t  w  erde  n.  Ich  bedauere  lebhaft,  baß  ein  Vertreter  des  Landwirtschaftsministeriums ­
  nicht  hier  ist.  Es  ist  notwendig,  daß  in  Pommern ­
  das  Schlichtungswesen  ausgebaut  und  auf  eine  andere
Grundlage  gestellt  wird.  Es  ist  ferner  notwendig,  daß  die  Landarbeiter
dort  nochmals  angewiesen  werden,  mit  allen  Mitteln  dem  Treiben  des
Landbundes  entgegenzutreten.  Ihr  sagt,  die  Landräte
müssen  gesiebt  werden  (Zuruf:  Alle!).  Es  sind  auch  schon  verschiedene  Landratsämter
  neu  besetzt.  Es  geht  nicht  ohne  weiteres,  daß  man  heute  einen
Landrat  einstellt  und  in  vier  Wochen  wieder  abberuft.  Wir  leben  nun  mal
unter  schwierigen  Verhältnissen.  Aber  wir  wollen  seitens  der  Organisation
versuchen,  unser  Möglichstes  zu  tun,  damit  es,  in  Pommern  ruhig  bleibt.
Wir  bitten  dringend  darum,  daß  die  Regierung  unsere  Maßnahmen  beachtet. ­
  Wir  sind  nicht  diejenigen,  die  sofort  nach  Regierungshilfe  rufen.  Wir
sind  für  eine  Verständigung  mit  den  Arbeitgebern  und  vertreten  nach  wie
vor  den  Standpunkt  der  Arbeitsgemeinschaft.  Aber  es  ist  ein  Dornenweg,
bis  etwas  erzielt  wird.  Doch  jeder  Gewerkschaftler  weiß,  daß,  wenn  es  zu
Verhandlungen  erst  gekommen  ist,  trotz  aller  Schwierigkeiten  in  der  Regel
ein  günstiges  Resultat  herauskommt.  Wenn  die  Landarbeiter  höhere  Fordcrungen
  stellen,  so  sind  sie  berechtigt,  entsprechend  der  Verteuerung  der
Lebenshaltung.  Uebertrieben  sind  die  Forderungen  der  Landarbeiter  nicht.
Ich  bitte  also  die  Kollegen,  sich  auszusprechen,  damit  wir  kür  das  nächste
Jahr  in  Pommern  gewappnet  sind.
P  a  u  k  e  r  t  -  Stettin:  Ich  muß  zunächst  meinen  Tank  aussprechen,  daß
v  der  Vorstand  uns  zusammenberufen  hat.  Sie  haben  schon  auf  der  letzten
Gauleiter-Konferenz  gehört,  daß  bei  uns  in  Pommern  ganz  andere  Verhältnisse ­
  bestehen,  als  im  Reich.  Schmidt  hat  sie  zur  Genüge  geschildert.
Wir  müssen  uns  schon  für  die  nächsten  Tage  schützen.  (Sehr  richtig!)  In
Greifenberg  hat  sich  der  Pommerschc  Landbund  große  Verfehlungen  zuschulden ­
  kommen  lassen.  Die  agrarische  Presse  hat  darüber  noch  nichts  berichtet. ­
  Wenn  bei  uns  aber  vielleicht  einmal  etwas  vorkommt,  wofür  wir
nicht  verantwortlich  sind,  weil  wir  nicht  für  jeden  Einzelnen  haften  können,
machen  die  Landbündler  großes  Geschrei  darüber. 1  Greifenberg  war  der
einzige  Kreis,  wo  wir  noch  keinen  Tarif  abgeschlossen  hatten.  Wir  smd
damit  abgewiesen  worden,  weil  der  Pommerschc  Landbund  bereits  einen
Tarifvertrag  abgeschlossen  habe;  deshalb  brauche  der  Deutsche  Landarbeiter-Verband ­
  nicht  noch  einen  Tarif  abzuschließen.  Ich  habe  darauf  hingewiesen, ­
  daß  dieser  Tarifvertrag  für  uns  keine  Gültigkeit  habe,  bin  aber
vom  Landrat  abgewiesen  worden.  Dann  versuchten  wir  beim  Pommerschen
  Landbund  selbst  anzuknüpfen.  Zuerst  wurden  wir  abgewiesen,  dann
hatten  wir  am  1.  August  die  ersten  Verhandlungen.  Da  ist  Kollege  Schwarz

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nach  Hause  geschickt  worden,  es  sollte  Mitte  Oktober  eine  Verhandlung  über
den  Tarifvertrag  stattfinden,  der  dann  rückwirkend  von  1.  September  Geltung ­
  haben  solle.  Im  Oktober  kamen  wir  so  weit,  daß  Verhandlungen  stattfanden; ­
  ich  hatte  den  Regierungspräsidenten,  Reg.-Rat  Meyer,  mobil  gemacht, ­
  daß  er  sich  Mühe  gebe,  damit  mir  zum  Vertragsabschluß  kämen.
Als  wir  zusammenkamen,  wurde  ich  gefragt,  wie  der  Deutsche  Landarbeiter-Verband
  sich  zur  Gewährung  des  Deputats  stelle.  Man  sah  also
schon,  was  die  Sitzung  bezwecken  sollte.  Ich  konnte  natürlich  nur
die  Antwort  geben,  daß  wir  uns  streng  an  die  bestehende  Verordnung
halten  müssen.  Der  Landrat  von  Marwitz  sagte  dann  wieder,  daß
der  Deutsche  Landarbeiter-Verband  dafür  sorge,  daß  der  Landarbeiter  sein
Deputat  nicht  bekommt.  Dann  ging  es  weiter:  Ob  der  Deutsche  Landarbeiter-Verband ­
  sich  unterwerfen  wolle  unter  den  bestehenden  Tarifvertrag. ­
  Wir  haben  das  abweisen  müssen,  weil  der  Tarif  der  allerniedrigste
war,  im  Rgierungsbezirk  Stettin,  und  weil  darin  die  Bestimmung  enthalten ­
  war,  daß  der  Taglöhncr  verpflichtet  sei,  einen  Hofgänger  selbst  zu
stellen  und  daß  die  Frau  auch  noch  80  Tage  in  Arbeit  zu  gehen  verpflichtet
sei.  Wir  wollen  durchaus  unsere  Leute  zur  Arbeit  erziehen,  aber  weil  heute
sehr  viele  Taglöhncr  ohne  Hofgänger  sind,  wünschten  wir,  daß  das  aus  dem
Tarif  herauskam.  Wir  stellten  dann  die  Frage,  ob  der  Pommersche  Landbund ­
  bereit  sei,  mit  dem  Deutschen  Landarbeiterverband  einen  Vertrag  abzuschließen. ­
  Darauf  wurde  uns  erklärt,  nein,  dazu  haben  wir  keine  Vollmacht. ­
  Damit  waren  die  ganzen  Verhandlungen  hinfällig.  Wenn  wir  dem
Drängen  der  Kollegen  nachgegeben,  wäre  schon  im  Juli  bei  der  Haupternte
der  Streik  ausgebrochen.  Wir  haben  die  Kollegen  unter  Gefahr  für  unsere
eigene  Person  davon  abhalten  müssen,  weil  wir  dafür  nicht  die  Verantwortung ­
  auf  uns  nehmen  konnten.  Wir  haben  alle  Instanzenwege  bis  zum
Demobilmachungskommissar  benutzt,  aber  alles  war  vergeblich,  und  so  ist
es  in  Greifenberg  zuin  Streik  gekommen.  Auf  30  Gütern  wurde  die  Arbeit ­
  niedergelegt.  Der  Landrat,  der  selbst  Besitzer  ist,  —  er  bezahlt  noch
nicht  einmal  den  Pommerfchen  Tarifvertrag,  —  hat  als  verantwortliche
Person  die  Regierung  angerufen.  Darauf  kamen  auf  dem  schnellsten  Wege
zwei  Regierungsvertreter  nach  Stettin.  Wir  wurden  auch  hinberufen  und
auch  Regierungsrat  Dr.  Meyer.  Am  ersten  Tage  haben  wir  bis  zum  Abend
nichts  zustande  gebracht.  Am  nächsten  Morgen  hatten  die  Besitzer  eine
Sitzung.  Die  Regierungsvertreter  heben  sich  die  größte  Mühe  gegeben,  es
zu  einer  Einigung  zu  bringen.  Der  Pommersche  Landbund  beharrte  starr
auf  seinem  Standpunkt.  Die  Sache  mußte  dann  dem  Schlichtungsausschuß
überwiesen  werden.  Die  Spruchkammer  in  Stargard  hat  einen  Schiedsspruch ­
  gefällt,  durch  den  ein  Mittelweg  eingeschlagen  worden  ist.  Wir  verlangten ­
  3000  Mt.  und  wollten  den  Camminer  Vertrag  zugrunde  legen,
weil  das  der  angrenzende  Kreis  ist,  wo  die  Verhältnisse  dieselben  sind.  Die
Spruchkammer  hat  gesagt:  Der  teueren  Verhältnisse  wegen  müßten  wir
auf  den  Camminer  Vertrag,  der  2500  Mk.  vorsieht,  etwas  drauflegen  unb
schlug  den  Mittelweg  von  2750  Mk.  vor.  Die  Arbeitgeber  wurden  beauftragt, ­
  innerhalb  vier  Tagen  Antwort  zu  geben.  Sie  haben  dann  erst
einen  Tag  nach  dem  angesetzten  Terinin  Bescheid  gegeben,  daß  die  Besitzer
sich  mit  dem  Schiedsspruch  nicht  einverstanden  erklären.  Sie  beharrten
darauf,  nichts  bewilligen  zu  wollen.  Wir  haben  dann  den  Spruch  dem
Regierungspräsidenten  zur  Verbindlichkeits-Erklärung  übergeben.  Der  Geschäftsführer ­
  Dr.  Wolfgramm  hat  strikte  erklärt,  er  bewillige  das  nicht,  die
Besitzer  wollen  nicht  zahlen,  wir  richteten  die  ganze  Wirtschaft  zugrunde
»sch.  Also  sie  wollen  mit  dem  Deutschen  Landarbeiter-Verband  nichts
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zu  tun  haben.  Wir  sind  neugierig,  was  sich  daraus  weiter  entspinnen  wird.
In  Greifenberg  haben  die  Regierungsvertreter  gesagt,  daß  Maßregelungen
wegen  des  Streiks  nicht  stattfinden  werden.  Heute  aber  liegen  schon  180
Entlassungen  im  Kreise  Greifenberg  vor.  Wir  dürfen  das  nicht  zulassen,
der  Pommersche  Landbund  würde  völlig  freies  Spiel  bekommen.  In
Grcifenberg  ist  die  Hochburg  der  Pommerschen  Landbündler.  Der  Geschäftsführer ­
  Dr.  Wolfgramm  hat  in  seinem  Hause  ein  Maschinengewehr.  Der
Behörde  ist  davon  Meldung  gemacht,  es  ist  ihm  aber  bis  heute  noch  nicht
abgenommen.  Wir  haben  auch  die  dortigen  Vorgänge  genügend  in  die
Presse  gebracht,  aber  es  wird  nichts  getan.  Der  Landbund  hat  freies  Spiel,
uns  werden  stets  Steine  in  den  Weg  gelegt.  Wir  werden  vom  Lundbund
oben  schwarz  gemalt,  es  wird  erklärt,  wir  seien  Bolschewisten.
Die  Regierung  ist  noch  leider  viel  zu  schwach,  wenn  sie  von  ihren  Machtmitteln ­
  Gebrauch  gemacht  hätte,  würden  die  Pommerschen  Junker  nicht  so
frech  werden.  Wenn  die  Regierung  ihre  Stellung  nicht  gefährden  will,  muß
sie  hier  so  schnell  wie  möglich  zufassen,  damit  den  Pommerschen  Junkern  bewiesen ­
  wird,  daß  wir  setzt  zu  bestimmen  haben  nicht  die  Reaktion.  Der  Pommersche
  Landbund  sagt,  er  sei  eine  wirtschaftssriedliche  Organisation.  Gewiß,
soweit  sich  die  Arbeiter  unter  seine  Bestimmungen  fügen.  Man  verfolgt  nur
reaktionäre  Pläne.  Eine  besondere  Organisation  für  die  Landarbeiter  ist
genau  so  notwendig,  wie  für  die  Industriearbeiter.  Ma  sagt,  die  Landarbeiter
seien  zum  Teil  Selbstversorger.  Wenn  aber  heute  unsere  Landarbeiter  entlassen ­
  werden,  so  verlieren  sie  auch  das  Stück  Acker,  das  sie  zur  Bearbeitung
haben.  Man  spricht  von  bolschewistischen  Unruhen.  Ich  möchte  sagen,  wenn
die  Regierung  nicht  energisch  von  ihren  Machtmitteln  gegenüber  den  reaktionären ­
  Plänen  des  Pommerschen  Landbundes  Gebrauch  macht,  dann
müssen  wir  ihr  den  Vorwurf  machen,  daß  sie  Bolschewisten  großzieht.  Das
geschieht  nur  dadurch,  daß  den  Arbeitern  nicht  zu  ihrem  Recht  verholfen
wird.
Wir  können  erfreulicherweise  feststellen,  daß  wir  unsere  Landarbeiter
nicht  durch  Zwang  organisiert  haben.  Wir  haben  jetzt  19  000  organisierte
Kollegen  im  Bezirk.  Wenn  wir  nicht  so  mit  Arbeiten  überhäuft  wären,
hätten  wir  noch  viel  mehr.  Aus  einem  Schriftwechsel  mit  dem  Poinmerschcn
  Landbund  (der  Redner  verliest  ihn)  geht  hervor,  daß  nicht  wir  allein
der  Ansicht  sind,  daß  die  jetzigen  Löhne  der  Landarbeiter  niedrig  sind,  sondern ­
  auch  der  Pommersche  Landbund.  Dann  ein  Wort  über  den  Streik.
Wer  unser  Wirtschaftselend  kennt,  wird  die  Streiterei  heute  für  verwerflich ­
  erklären.  In  Greifenberg  haben  wir  cs  durchgeführt,  daß,  wenn  die
Kollegen  streiken,  das  Bieh  gefüttert  wird.  Das  ist  auch  überall  geschehen
Als  die  Kollegen  sich  deshalb  erlaubten,  auf  dem  Hof  zu  erscheinen,  um  das
Vieh  zu  füttern,  sind  sie  nachher  e  i  n  g  e  s  p  e  r  r  t  u  n  d  sofort  entlassen ­
  worden;  auch  ist  sofort  der  Gendarm  erschienen. ­
  Ich  werde  noch  das  Material  beibringen,  damit  gegen  ihn
eingeschritten  und  er  seines  Postens  enthoben  wird.  Dieser  Gendarm  hat
sich  erlaubt,  fünf  Kollegen  festzunehmen.  Wir  haben  dem  Regierungsvertreter ­
  gesagt,  wenn  die  Leute  nicht  sofort  freikommen,  lehnen
wir  jede  Verhandlung  ab.  Der  Landrat  hat  dann  dafür  gesorgt,  daß  die
Leute  sofort  freigelassen  wurden.  Hier  hat  auch  M  i  l  i  i  ä  r  e  i  n  g  egriffen.
  Auch  in  allen  anderen  Kreisen  ist  festzustellen,  daß  sofort  Militär ­
  verlangt  wird,  wenn  wir  irgendwelche  Lohnforderungen  stellen,  lieber
die  Bestimmung,  daß  die  Sache  erst  an  den  Landrat ­
  gebracht  werden  m  u  ß,  s  e  tz  t  m  n  n  sich  k  u  r  z  h  i  nweg
  und  fordert  einfach  bei  der  nächsten  Zent  Male
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M  i  I  i  t  ft  x  a  n.  In  Greifenberg  ist  auch  ein  großes  Auto  m  i  t  Handgranaten ­
  erschienen,  trotzdem  die  Kollegen  gar  nichts  verbrochen  hatten.
In  Pommern  hat  eben  der  L  and  b  und  das  Heft  in  Händen,
n  i  ch  t  d  i  e  R  e  g  i  e  r  u  n  g.
In  der  Landarbeitsordnung  ist  der  8  16  für  uns  rin  großer  Krebsschaden. ­
  Die  Arbeitgeber  verstehen  ihn  sehr  gut,  für  sich  auszulegen.  Wenn
ein  Arbeiter,  der  nur  als  Taglöhner  beschäftigt  geivesen  ist,  als  Knecht  arbeiten ­
  soll  und  sagt,  er  sei  noch  nicht  mit  Pferden  vertraut  gewesen,  so  gilt
das  als  Arbeitsverweigerung  und  er  kann  sofort  entlassen  werden.  —  Also
es  muß  dafür  gesorgt  werden,  daß  die  reaktionäre  Sippe  entfernt  wird.
Wir  wollen  nicht  etwa  nur  Sozialdemokraten,  sondern  müssen  dem  Rechnung ­
  tragen,  daß  wir  heute  eine  Koalitionsregierung  haben.  Abe&amp;gt;.  solche
reaktionären  Elemente  können  wir  nicht  mehr  dulden.  Hier  muß  völlig
ausgeräumt  werden.  Wir  müssen  eine  unparteiische  Stütze  im  Kreise  haben,
auf  die  wir  uns  verlassen  können.
Vors.  Schmidt  bittet  die  Redner  sich  möglichst  kurz  zu  sasseu  und  das
Material,  das  sie  bei  sich  haben,  dem  Vorstand  zu  übergeben.
Ei  s  er  m  a  n  u  -  Köslin:  Kollege  Schmidt  hat  recht,  wir  wollen  uns
auf  das  wesentliche  hier  beschränken  und  uns  nicht  in  Einzelfälle  verlieren.
Ich-  gebe  ihm  auch  recht,  daß  bis  zum  Juni  in  Pommern  alles  ruhig  war.
Man  könnte  von  gegnerischer  Seite  sagen:  Von  der  Zeit  an  hat  die  Organisation ­
  der  Landarbeiter  eingesetzt.  Aber  das  müssen  wir  entschieden  ablehnen. ­
  Wir  hatten  es  gar  nicht  notwendig,  die  Landarbeiter  erst  zu  verhetzen, ­
  sie  sind  uns  zugeströmt.  Die  Unruhe  ist  erst  hineingetragen  worden,
als  es  sich  darum  handelte,  den  Tarifvertrag  mit  den  Landarbeitern  abzuschließen. ­
  Nun  stützen  sich  die  Arbeitgeber  daraus,  Einzelverträge  seien
vorhanden  gewesen,  die  Landarbeiter  hätten  im  April  selbst  die  Verträge
abgeschlossen'.  Aber  wie  lagen  die  Dinge.  Es  ist  nicht  Schuld  der  Landarbeiter, ­
  daß  sie  ungünstige  Einzelverträge  abgeschlossen  haben,  die  Kollegen
waren  meist  vom  Heeresdienst  entlassen,  da  kam  es  für  sie  vor  allem  darauf
an,  wieder  in  Arbeit  zu  treten,'  sie  waren  auch  ganz  unaufgeklärt  über  die
Lage  in  Deutschland,  und  so  haben  sie  sich  die  ungünstigen  Verträge  aufdrängen ­
  lassen.  Die  Kollegen  sind  dann  zu  uns  gekommen  mit  ihren  Wünjcherg
  weil  sic  wußten,  daß  wir  sie  schützen  würden.  Die  Organisation
wuchs  ganz  kolossal  in  die  Breite.  Wir  mußten  nun  auch  bafür'  sorgen,
daß  die  Kollegen  wirtschaftliche  Vorteile  erlangten,  daher  wurde  überall
versucht,  in  Tarisvcrhnndlnngen  einzutreten.  Die  Arbeitgeber  hatten  cs
in  der  Hand,  dafür  zu  sorgen,  daß  keine  Unruhe  in  die  Landwirtschaft  hineingetragen ­
  wurde.  Im  Kreise  Lauenburg  haben  wir  zuerst  eingesetzt.
Dort  bestand  ein  Tarif,  der  abgeschlossen  war  von  dem  Landarbeiter-  und
Bauernrat.  Die  Sitzung  verlief  zunächst  ergebnislos,  später  kam  es  dann
zum  Tarifvertrag.  Schlimmer  sah  cs  schon  im  Kreise  Schivelbein  aus.
Wir  kamen  schließlich  auch  zu  Tarifverhandlungen.  Es  fanden  fünf
Sitzungen  statt,  man  hat  sich  Punkt  für  Punkt  herumgeschlagen,  kam  aber
zu  keinem  Resultat.  Die  Taktik  der  Arbeitgeber  bei  den  Tarifverhandlungen ­
  ist  recht  sonderbar.  Sie  versuchen,  die  Kollegen  gegen  uns  auszuspielen, ­
  indem  sie  sagen,  die  Landarbeiter  sind  doch  zufrieden  mit  ihren  Löhnen.
Die  letzte  Sitzung  in  Schivelbein  hatte  bis  nachts  ^12  Uhr  gedauert,  aber
wir  konnten  zu  keinem  Ergebnis  kommen.  'Schließlich  haben  wir  uns  im
Interesse  der  Volksernährung  und  der  Aufrechterhaltung  um  Ruhe  und
Ordnung  im  Kreise,  da  wir  wußten,  daß  die  Kollegen  noch  nicht  genügend
geschult  'sind,  entschlossen,  den  Vertrag  zu  unterzeichnen,  trotzdem  er  nicht
unseren  Wünschen  entsprach.  Die  andere  Seite  hat  die-Lage  gewissenlos
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für  sich  ausgenutzt.  Wir  haben  das  nicht  getan.  Wenn  es  nach  dem  Wunsche ­
  der  Kollegen  gegangen  wäre,  wäre  es  in  Schivelbein  zum  Streit  gekominen.
  Wir  baden  davon  abgeraten  und  haben  den  Kollegen  empfohlen,
den  Tarif  anzunehmen.  Wenn  es  nicht  dazu  gekommen  ist^  jo  haben  andere ­
  Momente  mitgespielt.  Die  Elemente,  die  sich  da  betätigt  haben,
haben  den  Unternehmern  bewußt  die  Steigbügel  gehalten.  Es  setzte  eine
Agitation  ein,  gegen  den  Tarifvertrag,  den  man  aus  egoistischen  Gründen
zu  verkleinern  suchte.  .  Die  Schuld  für  die  Haltung  'der  Arbeiter  fällt  nicht
auf  uns,  sondern  aus  jene  Kreise,  die  die  Landarbeiter  vor  der  Revolution
mit  allen  Mitteln  niedergehalten  haben.  Dann  suchte  die  Regierung
zu  verhandeln.  Der  Versuch  scheiterte  an  der  Hetze  der  Arbeitgeber.^ ­
  Im  Kreise  Neusteitin  —  wir  können  nicht  ans  alle  Einzelfälle  eingehen*— ­
  haben  wir  uns  ebenfalls  redlichste  Mühe  gegeben,  zu  Verhandlungen ­
  zu  kommen,  aber  es  war  nicht  möglich.  Wir  sind  auch  an  den  Landrat ­
  herangetreten.  Er  hat  wohl  manchmal  nicht  so  gearbeitet,  wie  wir  es
gewünscht  hätten,  aber  auch,  wenn  ein  anderer  Landrgt  gewesen  wäre,
hätte-  er  auch  nicht  viel  mehr  ausrichten  können.  Alle  Anordnungen  von
oben  nützen  nichts,  wenn  sie  unten  nicht  durchgeführt  werden,  daher  muß
vor  allem  dafür  gesorgt  werden,  daß  'die  Beamten,  die  absichtlich  der  Regierung ­
  entgegenarbeiten,  verschwinden.  Der  Pommersche  Landbund  war
auch  hier  führend.  Die  Arbeitgeber  gruppe  lehnt  es  ab,  mit  uns  in  Tarifverhandlungen
  einzutreten,  andererseits  verlangt  die  Arbeitnehmergruppe
des  Pommerschen  Landbundes  bei  jeder  Tarifverhandlung  zugelassen  zu
werden.  Das  ist  eine  sonderbare  Taktik.  ,  Er  sucht  nur  Scheingründe,  seiner
innersten  Ueberzeugung  nach  ist  der  Pommersche  Landbund  gegen  jeden
Tarifvertrag.  Andererseits  war  es  notwendig,  in  Neustettin  einen  Tarifvertrag ­
  abzuschließen.  Wir  haben  alles  mögliche  versucht,  haben  uns  an
den  Landrat  gewandt,  an  den  Regierungspräsidenten,  an  den  Oberpräsidenten, ­
  aber  alle  Versuche  blieben  ergebnislos.  Die  Schuld  trifft  hier  also
nicht  den  Landarbeiter-Verband.  Schließlich  sagten  sich  die  Kollegen,  wenn
Ihr  uns  nicht  helfen  könnt,  müssen  wir  uns  selber  helfen.  Auf  einem
großen  Gut  traten  die  Kollegen  in  Streik.  Wir  konnten  cs  nicht  hindern,
wir  konnten  den  Kollegen  nicht  dauernd  zumuten,  daß  sie  für  andere  Werte
schaffen,  ohne  dafür  genügend  Bezahlung  zu  erhallen.  Im  Kreise  Stolp-Lauenbnrg
  haben  d&amp;gt;e  Tarifvcrhandlungen  auch  Schwierigkeiten  gemacht.
Es  hat  immer  an  den  Arbeitgebern  gelegen.  In-  Kreise  Schlawe  war  ein
Tarifvertrag  mit  dem  tzinterpommerschen  Laudwineverein  abgeschlossen.
Der  Landbünd  hat  diesen  Tarif  nicht  unerkanui  .So  ist  es  gerade  der
Pommersche  Landbund,  der  überall  Schwierigkeiten  und  Unruhen  hervorgerufen ­
  hat.  —  Im  Kreise  Kolberg  hatten  w-r  auch  Tarifverhandlungen.
Die  Skupellosigkeit  der  Arbeitgeber  zu  schildern,  reicht  die  Zeit  nicht  aus.
Wir  haben  dort  eine  besondere  Gruppe  von  Arbeitgebern  vor  uns.  Im
Mai  kamen  wir  zum  Abschluß  eines  Tarifvertrages.  Inzwischen  hatten
sich  die  Dinge  geändert,  die  Kollegen  verlangten  eine  Teuerungszulage.
Dann  haben  die  Arbeitgeber  eine  skrupellose  Agitation  gegen  uns  geführt.
Am  9.  Juli  kam  es  zu  Verhandlungen,  da  haben  did  Arbeitgeber  unseren
Kollegen  Klabund  abgelehnt.  Die  Frage,  ob  etwas  gegen  ihn  einzuwenden ­
  wäre,  wurde  verneint.  Um  die  Verhandlungen  nicht  scheitern
zu  lassen,  erklärte  ich,  ich  würde  versuchen,  einen  Tarif  abzuschließen. ­
  Das  gelang  nicht,  infolge  des  Einflusses  des  Pommerschen
Landbunds.  Später  haben  dann  nochmals  Tarifverhandlungen  stattgefunden. ­
  In  der  Zwischenzeit  haben  sich  andere  Dinge  abgespielt.  Bezeichnend
für  die  moralische  Auffassung  der  Arbeitgeber  ist,  daß  sie  dem  Kollegen
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        Ktabund  einen  50-Markscheiii  in  die  Hand  drückten,  um  ihn  zu  bestimmen,
daß  keine  Schlichtungsausschuß-Sitzung  stattzufinden  brauche.  Er  hat
ihnen  die  richtige  Abfuhr  zuteil  werden  lassen,  indem  er  sich  umdrehte  und
sie  stehen  ließ.  Also  dieselben  Arbeitgeber,  die  zuerst  mit  dem  schwersten
Geschütz  gegen  Klabund  aufgetreten  waren,  und  jede  Takifverhandlung  ablehnten,
  wenn  er  dabei  wäre,  haben  ihm  kurz  darauf  50  Mark  in  die  Hand
drücken  wollen!  .—  In  Stolp  haben  wir  es  mit  dem  Hinterpommerschen
Landwirte-Bereiu  zu  tun.  Als  wir  eine  Besprechung  mit  ihnen  hatten,
wegen  der  Arbeitsgemeinschaft,  sagte  der  Führer  von  Below,  wir  müßten
unbedingt  zur  Arbeitsgemeinschaft  kommen.  Kaum  14  Tage  später  wurden
aus  seinem  Gute  so  und  so  viele  Arbeiter  entlassen.  Theorie  und  Praxis!
Auf  der  einen  Seite  will  man  die  Arbeitsgemeinschaft,  um  zu  Ruhe  und
Frieden  zu  kommen,  auf  der  andern  Seite  wirst  man  die  Leute  auf  die
Straße.  So  sehen  die  führenden  Leute  im  Hinterpommerschen  Landwirte-Verein
  und  im  Pommerschen  Landbund  aus.  Dieser  sagt  immer,  er  wäre
eine  rein  wirtschaftliche  Organisation.  Das  trifft  nicht  zu.  Aus  allen
Flugblättern  geht  hervor,  daß  es  sich  um  politische  Treibereien  handelt.  —
In-  Belgard  haben  die  Arbeitgeber  auch  alles  getan,  um  die  Verhandlungen ­
  zu  verschleppen.  Nachdem  man  sich  schließlich  mit  vieler  Mühe
über  die  Sätze  einig  geworden  war,  erklärten  die  Arbeitgeber,  sie  könnten
den  Tarif  nicht  unterzeichnen,  sie  müßten  ihn  noch  ihren  Auftraggebern  unterbreiten. ­
  Von  uns  verlangten  sie  eine  Kaution  von  300  000  Mk.  Hier
ist  der  Herr  von  Kleist  der  ausgesprochene  Führer  der  Arbeitgeber,  der  sich
durch  sein  diktatorisches  Benehmen  hervortut.  Schließlich  entwickelten  sich
die  Tinge  ä  la  Schivelbein,  es  mußte  zur  Explosion  kommen.  Wir  haben
den  Streik  nicht  veranlaßt,  der  Streik  mußte  infolge  der  ungeklärten  Lage
aus  sich  heraus  kommen.  Auf  44  Gütern  haben  die  Kollegen  gestreikt,  die
Schuld  lag  wiederum  am  Pommerschen  Landbund.  Wir  wollen  nicht
prophezeien,  aber  fest  steht,  daß  wir  in  Pommern  einer  ganz  ernsten  Zeit
entgegengehen.  Bisher  standen  uns  zwei  Organisationen  gegenüber,  der
Verein  der  Hinterpommerschen  Landwirte  und  der  Pommersche  Landbund.
Jetzt  ist  der  Verein  tzinterpommerscher  Landwirte  nicht  mehr  vorhanden,
er  ist  untergetaucht  im  Pommerschen  Landbund.  Nicht  die  gemäßigte  Richtung, ­
  sondern  die  schärfere  Richtung  hat  die  Oberhand  behalten.  Der
Führer  ist  Herr  von  Kleist.  Aber  auch  die  gemäßigtere  Richtung  ist  nicht
dafür,  Arbeitsgemeinschaften  auf  paritätischer  Grundlage  abzuschließen.
Wenn  es  also  nicht  dazu  kommt,  ist  es  nicht  unsere  Schuld.  Es  liegt  uns
fern,  irgend  eine  Drohung  auszusprechen.  Wir  haben  immer  auf  dem
Standpunkt  gestanden,  daß  wir  selbst  Werte  produzieren  müssen,  weil
Deutschland  nicht  das  vom  Ausland  bekommt,  was  es  zum  Unterhalt  seiner
Wirtschaft  braucht.  Wir  haben  unser  Möglichstes  getan,  um  zu  einer  Verständigung ­
  mit  den  Arbeitgebern  zu  kommen,  da  es  nicht  möglich  war,  fällt
die  Schuld  ans  jene  Leute  zurück.  Wir  werden  mit  schwerer  Sorge  in  die
nächsten  Tarifverhandlungen  eintreten.  Kollege  Schmidt  hat  recht,  wir
müssen  den  Dingen  nüchtern  gegenübertreten,  damit  wir  nicht  in  bolschewistische ­
  Verhältnisse  hineinaeraten.  Das  müssen  wir  tun  aus  Vernunftgründen
  im  Interesse  der  Arbeiterbewegung.  Die  Waffe,  die  uns  zur  Verfügung ­
  steht,  wird  unwirksam  gemacht,  wenn  es  an  den  verschiedensten
Stellen  aufloht.  Unbedingte  Geschlossenheit  auf  unserer  Seite  ist  notwendig. ­
  Wir  können  den  Leuten  nicht  imponieren,  wenn  wir  ihnen  ein  Bild
der  Zerrissenheit  zeigen,  sondern  nur  durch  unsere  Geschlossenheit.  —-  Nun
ist  die  Frage,  wie  können  wir  die  Dinge  ändern.  Damit  müssen  mir  uns
bei  Zeiten  beschäftigen,  damit  wir  nicht  vor  vollendeten  Tatsachen  stehen.

19
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        20

Der  Verbandsvorstand  ist  voll  im  Bilde,  wie  die  Dinge  liegen.  Vertrauen
Sie  dem  Verbandsvorstand,  lassen  Sie  ab  von  den  einzelnen  Unternehmungen! ­
  Es  gibt  nichts  schlimmeres  in.der  Arbeiterbewegung  als  die  Zerrissenheit. ­
  Wenn  wir  herausgefordert  werden,  wollen  wir  den  Schlag  aber  auch
so  führen,  daß  er  wirksam  ist.
Die  Verordnung  vom  3.  September  muß  geklärt  werden.  Es  heißt  da
im  §  14:  Bor  jeder  Kündigung  hat  der  Arbeitgeber  sich  mit  dein  Arbeitnehmer-Vertreter ­
  oder  der  Mehrzahl  der  Arbeitnehmer  ins  Benehmen  zu
setzen.  Die  Wirksamkeit  dieser  Kündigung  ist  nicht  von  der  Erfüllung  dieser
Pflicht  abhängig.  Diese  Bestimmungen  sind  von  dem  Schlichtungsausschuß
zu  unseren  Ungunsten  ausgelegt.  Wir  müssen  verlangen,  daß  gesetzgebende
Körperschaften  hier  Klarheit  schaffen.  Im  Interesse  der  Volkswirtschaft
müssen  die  Dinge  in  ruhige,  vernünftige  Bahnen  gebracht  werden.  Heute
arbeiten  die  Großgrundbesitzer  bewußt  der  Regierung  entgegen,  sie  erklären
die  Verordnungen  der  Regierung  für  ungesetzlich,  die  Regierung  sei  überhaupt ­
  keine  gesetzliche  Vertretung.  Da  müssen  wir  verlangen,  daß  die  Regierung ­
  sich  durchsetzt  und  auch  diese  Leute,  die  weit  schwerer  unser  Wirtschaftsleben ­
  gefährden,  zu  fassen  sucht.  Vor  allem  ist  dazu  notwendig,  eine
starke,  geschlossene  Arbeiterschaft.  Wir  müssen  alles  tun,  daß  die  Organisation ­
  nicht  erschüttert  wird,  sondern  immer  mehr  in  die  Tiefe  geht.  Dann
werden  wir  auch  in  der  Lage  sein,  den  Schlag  so  zu  führen,  wie  es  im
Interesse  der  Landarbeiter  liegt.  (Bravo!)
Vors.  Schmidt  macht  darauf  aufmerkam,  daß  noch  16  Kreisvertreter
eingetragen  sind  und  ersucht  die  Kollegen,  ihr  Material  dem  Verbandsvorstand ­
  schriftlich  mitzuteilen,  es  iverde  dann  bei  Herausgabe  des  Protokolls
mitverwendet  werden.
G  o  e  b  e  l  -  Stralsund:  Wenn  wir  im  Juli  den  ersten  Streik  im  Kreise
Franzburg  bekommen  haben,  so  lag  das  nicht  an  der  Arbeiterschaft,  sondern
an  der  andern  Seite.  Da  mir  der  Arbeitgeber-Verband  nicht  bekannt  war,
sondern  nur  der  Pommerschc  Landbund,  habe  ich  zunächst  den  Landrat  von
Franzburg  ersucht,  den  von  uns  eingereichten  Tarif  den  Arbeitgebern  zu
übermitteln.  Da  meldete  sich  dann  der  Landbund  als  Arbeitgeber-Organisation ­
  und  verlangte  von  uns,  daß  wir  ihn  auch  gleichzeitig  als  Arbeitnehmer-Organisation ­
  zulassen.  Das  habe  ich  natürlich  abgelehnt.  Die  Arbeitnehmer, ­
  soweit  sie  im  Landbund  organisiert  sind,  sind  ja  doch  keine
selbständige  Organisation,  sondern  werden  von  ihren  Arbeitgebern  ausgehalten, ­
  und  sollen  natürlich  im  Sinne  der  Arbeitgeber  handeln.  Es  wurde
der  Schlichtungsausschuß  in  Stralsund  angerufen,  der  dann  auch  entschieden ­
  hat,  daß  der  Landbund  natürlich  nur  als  Arbeitgeber-Organisation
zugelassen  werden  könne.  Auf  Grund  dessen  haben  mir  dann  verhandelt.
Nachdem  die  Verhandlungen  besonders,  auch  wegeuWer  Arbeitszeit  abgebrochen ­
  wurden,  haben  die  Herren  sich  Bedenkzeit  von  acht  Tagen  erbeten.
In  der  nächsten  Sitzung  kam  es  auch  zu  keinem  Resultat,  weil  nun  durch
den  Landbund  ganz  andere  Verhandlungsvertreter  hinzugezogen  wurden,
die  das  rückgängig  gemacht  haben,  was  in  der  vorigen  Verhandlung  festgelegt ­
  war.  Darüber  war  die  Empörung  draußen  in  den  Landarbeiterkreisen, ­
  speziell  im  Kreise  Franzburg,  sehr  groß.  Das  war  den  Arbeitgebern ­
  natürlich  bekannt  geworden.  Man  hatte  offenbar  schon  vorher  mit
einem  Streik  gerechnet.  Es  ist  ja  auch  bekannt,  daß  der  Belagerungszustand ­
  in  Pommern  nicht  mit  Willen  der  Regierung  gekommen  ist,  sondern
durch  das  Generalkommando.  Man  ging  eben  von  dem  Bestreben  aus,
die  ganze  Schuld  dem  Landarbeiter-Verband  in  die  Schuhe  zu  schieben.
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        21

Die  nachfolgenden  Tarisverhandlungen  haben  -dann  zu  einem  einigermaßen ­
  befriedigenden  Abschluß  geführt.  Ein  himmelschreiendes  Unrecht  ist
r-s,  daß  die  sogenannten  freien  Arbeiter  schlechter  gestellt  wurden,  als  die
Deputatarbeiter.  Sie  sind  von  der  Witterung  viel  mehr  abhängig  als  die
anderen  Arbeiter.  Es  gab  eine  ziemliche  Unruhe.  Mit  der  Anrufung  des
Schlichtungsausschusses  vergingen  Monate.  An  einigen  Stellen  haben  sie
ganz  leidlich  gearbeitet,  an  anderen  so  gut  wie  versagt,  insbesondere  da,
wo  Vertreter  des  Christlichen  Zentralverbandes  als  Beisitzer  waren.  —
Bei  den  Kündigungen  und  Entlassungen  gehen  die  Arbeitgeber  ganz  schlau
vor,  sie  machen  das  einzeln,  so  daß  man  es  dem  Landbund  nicht  unterschieben ­
  kann.  Aber  wir  sind  doch  darüber  klar,  daß  der  Landbund  dahinter
steht.  Im  Herbst  wurden  unsere  Leute  während  der  Hackfrucht-Ernte  entlassen ­
  und  in  einigen  Tagen  fremde  Arbeiter,  Ausländer,  eingestellt.  Dadurch ­
  kam  dann  die  Feindschaft  gegen  die  fremden  Arbeiter,  woraus.  sich
ein  Streik  entwickelte,  an  dem  18  Güter  beteiligt  waren,  der  nach  fünf
Tagen  endlich  beigelegt  werden  konnte.  Graf  Bismarck-Bohlen  hat  versucht, ­
  dem  Landbund  den  Rücken  zu  stärken.  Es  wurde  ein  deutschnationaler ­
  Anwalt  zu  den  Verhandlungen  hinzugezogen.  Sonst  wären  wir  schon
früher  zu  einem  Ergebnis  gekommen,  aber  der  Jurist  hat  es  stets  verstan-«
  den,  die  Sache  hinauszuschieben.
Eine  ständige  Beunruhigung  wird  dadurch  hervorgerufen,  daß  die  Arbeitgeber ­
  mit  Waffen  versehen  sind  und  sie  nicht  ausliefern.  Ein  klarer
Standpunkt  in  dieser  Sache  besteht  nicht.  Wenn  die  Regierung  von  vorn-,
herein  das  Pommersche  Milieu  besser  berücksichtigt  hätte,  schon  im  Frühjahr
bei  den  Wahlen  zu  den  Kreistagen,  so  wäre  das  Bild  heute  ein  besseres.
Jetzt  suchen  die  Junker  mit  allen  Mitteln  die  Regierung  zu  untergraben,
sie-möchten  ihre  Gewalt  von  früher  wieder  ausrichten.  Dazu  wollen  sie  sich
der  Landarbeiter  bedienen.  Daraus  erklärt  sich  die  Aeußerung  des  Herrn
von  Wangcnheim,  daß  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  in  einen  einheitlichen
Bund  zusammen  gehören.
Die  abgeschlossenen  Tarifverträge  werden  von  den  Arbeitgebern  vielfach
nicht  eingehalten  Trotzdem  der  Tarif  im  Kreise  Greifenberg  2300  Mk.
festgelegt  bat,  gibt  es  noch  Güter,  bei  denen  im  Frühjahr  der  'Barlohn
nur  2200  Mk.  betrug  und  auch  das  Deputat  war  geringer,  als  wie  es  ausgemacht ­
  war.  Solche  Verhältnisse  tragen  natürlich  zur  Beunruhigung  der
Arbeiterschaft  bei.  Dazu  kommt  die  Behandlung  der  Landarbeiter.  .  Ich
selbst  habe  den  Fall  erlebt,  daß  ein  Arbeitgeber  die  Leute  mit  einer  Pistole
bedroht  hat.  Durch  solche  Dinge  wird  die  Empörung  natürlich  nicht  geringer. ­
  Nebenher  gehen  die  Verhandlungen  der  Kreisvertrauensleute
mit  den  einzelnen  Arbeitgebern  über  die  zu  liefernden  Naturalien.  Auch
da  sucht  man  mit  alln  Mitteln  das  zu  hintertreiben,  was  vertraglich  vereinbart ­
  wurde.  Mit  allerlei  Kleinigkeiten  wird  da  eine  Nadelstichpolitik
von  den  Gutsherren  getrieben,  die  keine  Beruhigung  in  die  Arbeiterkreise
hineinkommen  läßt.  '3m  Kreise  Rügen  ist  am  geschicktesten  von  den
Kollegen  bei  den  Tarifäbschlüssen  gearbeitet  worden.  Es  wurde  dort
große  Ruhe  bewahrt.  Aber  da  haben  die  Arbeitgeber  gerade  erklärt, ­
  sorgen  Sie  möglichst  dafür,  daß  der  Tarif  nicht  znm  Januar  abläuft; ­
  die  Arbeitgeber  werden  nicht  kündigen,  wenn  nicht  von  der  anderen ­
  Seite  gekündigt  wird.  Im  Kreise  Franzburg  wurde  aber  der  Tarif
doch  zum  1.  Januar  gekündigt.  Natürlich  haben  wir  dann  die  anderen
Kreise  auch  sofort  gekündigt.  Diese  ganzen  Maßnahmen  zeigen  uns,  mit
welchem  kleinlichen  Vorgehen  wir  zu  rechnen  haben.  Die  Gefahr  steht
erst  im  kommenden  Frühjahr  bevor.  Wenn  die  Tarisverhandlungen
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        22

scheitern,  wird  es  zu  ernsten  Zusammenstößen  kommen.  Der  Landbund  ist
nicht  müßig.  Er  sucht  überall  die  Zeitungen^aufzukaufen  und  eigene  Zeitungen ­
  zu  gründen.  Er  hat  schon  heute  das  Stralsunder  Tageblatt  gekauft,
das  früher  neutral  war.  Trotz  der  Verordnung  vom  3.  September  gehen
die  Entlassungen  weiter.  Wenn  nicht  unbedingte  Klarheit  über  das,  was
ist,  geschaffen  wird,  dürfte  es  fortgesetzt  zu  Unruhen  kommen.  Früher
hat  man  im  allgemeinen  im  Mai  gekündigt,  so  daß  der  Mann  am
10.  November  gezogen  ist.  Da  ist  erst  das  Wirtschaftsjahr  beendet.
Jetzt  sucht  nian  gerade  die  Vertrauensleute  zum  10.  Mai  zu  kündigen;
nach  dem  Tarif  sind  die  üblichen  Zeiten  der  10.  Mai  und  der
10.  November  —  wo  man  früher  nur  solche  Leute  kündigte,  mit  denen  man
nicht  fertig  wurde.  Es  galt  früher  als  feststehende  Tatsache,  der  ist  am
10.  November  gekündigt,  mit  dem  Mann  ist  nicht  viel  los;  die  hat  man
nur  eingestellt,  wenn  man.  notgedrungen  Leute  einstellen  mußte.  Da  liegt
die  Gefahr,  daß  Leute,  die  irgendwo  auf  einem  Gutshof  für  die  Rechte  der
Kollegen  eintreten,  am  10.  November  zum  10.  Mai  gekündigt  werden.  Das
ist  eine  Maßregelung  des  Mannes,  denn  er  findet  dann  schwer  Arbeit.  —
Um  dann  mit  deip  fortzufahren,  was  ich  noch  sagen  wollte,  möchte  ich  betonen, ­
  daß  der  JKnuar  ein  schlechter  Termin  zu  neuen  Verhandlungen  ist.
Wir  inüssen  uns  darüber  aussprcchen,  was  wir  in  dieser  Beziehung  zu  tun
gedenken.  Wenn  auch  Tarifabschlüsse  vorliegen,  so  haben  sie  doch  für  die
Landarbeiter  keine  Besserung  gebracht.  Aufreizend  ist  im  gegenwärtigen
Zeitpunkt,  das;  jetzt  gerade  die  Baltikumtruppen  in  Vorpommern  liegen,
die  Notiz,  daß  in  Pommern  ehemalige  Offiziere  gesucht  werden,  die  auch
dazu  dienen  sollen,  mit  der  notwendigen  Energie  etwaigen  Unruhen  selbst
mit'  der  Waffe  in  der  Hand  zu  begegnen.  Dagegen  muß  unbedingt  etwas
geschehen.  Es  muß  eine  Sicherung  für  die  Arbeiter  geschaffen  werden,  daß
sic  von  dem  ihnen  gegebenen  Koalitionsrecht  auch  Gebrauch  machen  können.
Dabei  möchte  ich  noch  eine  Frage  cinflcchten.  Die  Landbündler  erklären
auf  Grund  des  8  16,  daß  ein  Arbeiter,  der  den  anderen  zum  Mitstreiken
auffordert,  weil  er  den  andern  von  der  Arbeit  abgehalten  habe,  sofort  entlassen ­
  werden  könne.  Also  die  Ausübung  des  Koalitionsrechtcs  muß  sichergestellt
  werden  gegen  solche  Auslegungen.  Es  ist  nicht  nur  notwendig,  daß
wir  über  das  vergangene  verhandeln,  sondern  das  Wesentliche  dürfte  sein:
Was  wird  mit  den  Tarifabschlüsscn  in  Pommern  in  der  nächsten  Zeit?
Darin  liegt  die  Gefahr.  Werden  die  Tarifabschlüsse  einigermaßen  günstig,
dann  dürften  wir  im  Frühjahr  und  im  Sommer  Ruhe  haben.  Aber  vorläufig ­
  muß  der  gewerkschaftliche  Kampf,  der  uns  bevorsteht,  durchgeführt
werden,  denn  jeder  Tarifabschluß  ist  für  uns  eine  Kampfhandlung.  Namentlich ­
  weil  von  den  Arbeitgebern  immer  das  politische  Moment  hineingetragen ­
  wird,  weil  sie  sehr  geschickt  vorgehen  mit  der  Auslegung  der  Paragraphen. ­
  Wir  müssen  also  sehen,  die  Sache  in  eine  möglichst  günstige  Bahn
für  die  Arbeiter  zu  lenken.  Die  Regierung  muß  uns  dazu  helfen,  daß  die
Arbeiterrechte  nicht  wieder  durch  Gewalt  uns  genommen  werden,  sondern
auch  den  Landarbeitern  muß  das  Koalitionsrecht  voll  gewährt  werden,  die
Arbeiterausschüsse  müssen  gegen  Maßregelungen  geschützt  werden.  '
Faaß-Berlin:  Der  Perbandsvorstand  hat  stets  mit  großer  Sorge  die
Entwicklung  der  Dinge  in  Pommern  verfolgt.  Wir  haben  im  Frühjahr  dieses
Jahres  infolge  des  kolossal  raschen  Anwachsens  unserer  Organisation  die
nötigen  Vorbereitungen  zur  Einhaltung  der  Ruhe  und  Ordnung,  um  diesen ­
  landläufigen  Ausdruck  zu  gebrauchen,  nicht  treffen  können,  um  zu  helfen, ­
  daß  die  Ernte  in  ganz  Deutschland  ohne  jede  Schwierigkeit  eingebracht
werden  könnte.  Wir  haben  aber  zu  unserer  Freude  konstatieren  können,
        <pb n="23" />
        23

daß,  abgesehen  von  unwesentlichen  Einzelheiten  die  Ernte  säst  überall  eingebracht ­
  wurde,  ohne  daß  es  zu  großen  Differenzen  zwischen  Arbeitgebern
und  Arbeitnehmern  gekommen  ist.  Anders  war  es  in  Pommern.  Von
Pommern  schrieb  die  ganze  Presse  während  der  Ernte,  Pommern  war  das
Tagesgespräch.  Woher  kam  es,  daß  gerade  Pommern  diese  .Ausnahme
machte?  Pommern,  das  doch  inbezug  auf  die  Agrarwirtschaft  auch  nicht
anders  zu  bewerten  ist,  als  Ostpreußen,  Westpreußen,  Schleswig-Holstein
oder  Mecklenburg,  Brandenburg  und  die  Provinz  Sachsen.  Ich  bin  als
Vertreter  der  Reichsregierung  und  der  Preußischen  Regierung  sehr  häufig
in  Pommern  gewesen,  um  Informationen  einzuholen,  oder  bei  Beilegung
von  Streitigkeiten  zwischen  Arbeitgebern  und  Arbeitnehmern  mitzuwirken.
Ich  hatt?  die  Wahrnehmung  gemacht,  daß  von  dem  Zeitpunkt  an,
wo  die  Arbeitgeber  in  Pommern  in  den  Besitz  von
Waffen  gekommen  sind,  der  Widerstand  der  Arbeitgeber, ­
  des  Pommerschen  Landbundes,  eingesetzt  hat.
(Lebhafte  Zustimmung.)  Wir  haben  durch  unsere  Informationen  aus
Pommern  erfahren,  daß  fortgesetzt  große  Wassenverteilungen  stattfinden.
Die  Sach?  ist  öffentlich  in  der  Presse  erörtert  worden.  Sie  kennen  die  Geschichte ­
  von  dem  Rundschreiben  des  Pommerschen  Landbundes  an  die  Landräte, ­
  wonach  Spaten  zu  Moorkultur-Arbeiten  zur  Verteilung  gelangen
sollten,  die  sich  hinterher  als  Gewehre  und  Maschinengewehre  herausgestellt ­
  haben.  Es  wurde  dann  gesagt,  daß  die  Waffen  an  die  Einwohnerwehr
zur  Verteilung  gelangen  sollten.  Es  ist  aber  festgestellt,,  daß  die  Waffen
nicht  an  die  Einwohnerwehren  ausgeliefert,  sondern  in  Verstecke  gebracht
wurden,  und  nur  Gutsbesitzern  in  Pommern  zur  Verfügung  gestellt  werden.
Bei  einer  Konferenz  im  August  hat  der  Oberpräsident  von  -Pommern  festgestellt, ­
  daß  bis  dahin  in  Pommern  ca.  36  000  Gewehre  und  140  Maschinengewehre ­
  verteilt  worden  sind.  (Zuruf:  Das  langt  nicht!)  Wir  konnten  die
Wahrnehmung  machen,  daß  mit  dem  Besitz  von  Waffen  der  Widerstand  der
Arbeitgeber  bei  Lohnbewegungen  zugenommen  hat.  Wir  erleben  sogar
jetzt  Streiks,  nachdem  die  Ernte  nahezu  beendet  ist,  also  jetzt  im  Winter,
wo  man  sonst  in  der  Landwirtschaft  gar  nicht  hätte  denken  können,  daß
gestreikt  wird.  Hie  Arbeiter  müssen  sich  jetzt  wehren  gegen  ganz  brutale
Maßregelungen  ihrer  Vertrauensleute,  die  während  des  Sommers  dafür
gesorgt  haben,  daß  die  Arbeitnehmer  wenigstens  so  viel  für  ihre  Arbeit  erhielten, ­
  daß  sie  sich  das  allernotwcndigste  anschaffen  konnten  an  Kleidern,
Schuhen  usw.  (Zuruf:  So  weit  reicht  es  noch  nicht!)  Diese  Maßregelungen
sind  so  zahlreich,  daß  sich  allgemeine  Empörung  auch  derer  bemächtigt,  die
bisher  zu  den  ruhigsten  und  geduldigsten,  zu  den  unaufgeklärtesten  und
dümmsten  unter  den  deutschen  Arbeitern  gerechnet  wurden,  der  Landarbeiter. ­
  Es  war  früher  gar  nicht  denkbar,  daß  Landarbeiter  in  dem  Maße  wie
heute  mit  Solidaritätsgefühl  für  diejenigen,  die  sich  für  sie  ins  Feuer
legen,  erfüllt  werden  konnten.  Zu  unserer  Freude  müssen  wir  feststellen^
daß  nach  dieser  Richtung  unter  den  Landarbeitern  eine  Gesinnung  eingekehrt ­
  ist,  die  nur  zu  begrüßen  ist,  auch  wenn  es'manchmal  zu  Ausschreitungen ­
  führt,  die  die  Folge  der  Unbildung  sind,  in  der  man  die  Landarbeiter
seit  Jahrhunderten  gehalten  hat.
Die  Sprache  in  dem  Mitteilungsblättchen  und  in  den  Flugblättern  des
Pommerschen  Landbundes  und  der  Pommerschen  agrarischen  Presse  überhaupt, ­
  wird  immer  frecher,  immer  herausfordernder.  Dieser  Besitz  von
Waffen  ist  ein  Umstand,  der  uns  mit  schwerer  Sorge  erfüllt  hat.  Wir
hoffen,  daß  das  der  Regierung  die  Augen  öffnen  wird,  nachdem  ihr  diese
die  ganzen  Monate  nicht  aufgegangen'  sind.  (Zuruf:  Gustav  hat  geschlafen!)
        <pb n="24" />
        24

Ich  bin,  wo  ich  nur  konnte,  für  die  Regierung  eingetreten,  habe  manchmal
—  bildlich  —  Prügel  dafür  bekommen,  habe  draußen  aufzuklären  versucht,
warum  die  Regierung  dieses  oder  jenes  tun  muß  in  unserer  -ungeheuer
schwierigen  Lage,  wo  wir  immer  noch  keinen  Frieden,  keine  Ellbogenfreiheit ­
  haben,  sodaß  die  Regierung  nicht  das  tun  konnte,  was  sic  unter  andern
Umständen  getan  hätte.  Aber  in  Pommern  hat  es  die  Preußische  und  die
Reichsrcgierung  tatsächlich  an  der  nötigen  Aufmerksamkeit  fehlen  lassen.
Ich  erinnere  daran,  daß  im  Sommer  durch  Haussuchungen  aus  Veranlassung
der  preußischen  Regierung  festgestellt  wurde,  daß  in  Pommern  eine  innige
Verbindung  der  Landwirtschaftskammer  mit  dem  Pommerschen  Landbund
besteht.  Aber  man  hat  es  bei  dieser  Feststellung  gelassen,  hat  keine  weiteren
Folgerungen  daraus  gezogen,  als  daß  in  der  preußischen  Landesversammlung ­
  einmal  darüber  geredet  worden  ist,  daß  man  in  Pommern  energischer
zufassen  müsse,  wenn  man  es  nicht  dazu  kommen  lassen  wolle,  was  wahrscheinlich ­
  in  den  nächsten  Monaten  kommen  wird,  daß  wir  in  Pommern  eine
ganz  böse  Zeit  erleben  werden.  Ihr  seid  darüber  wahrscheinlich  noch  besser
unterrichtet  als  wir,  weil  Ihr  draußen  mitten  in  den  Dingen  steht.  Aber
ich  glaube,  daß  Einzelnen  unter  uns  der  Zusammenhang  doch  noch  nicht
so  klar  geworden  ist.  Ich  glaube,  daß  in  Pommer  n  k  ein
W  i  r  t  s  ch  a  s  t  s  f  r  i  e  d  e  in  bet  Landwirtschaft  möglich  i  st,
w  e  i  l  man  sich  auf  die  Waffen  st  ü  tz  t,  ,U'&amp;gt;  e  i  l  m  a  i,
glaubt,  von  dort  aus  die  Gegenrevolution  im  reaktionären ­
  Sinne  einleiten  zu  können.
Es  ist  mir  von  unterrichteten  Leuten  in  Pommern  aus  ineinen  Reisen
immer  wieder  gesagt  worden,  daß  es  in  keiner  agrarischen  Provinz  in
Preußen  so  vielkommunistische  Zirkel  auf  dem  Lande  gibt,  wie
gerade  in  Pommern.  Die  kommunistische  Gefahr  ist  in  Pommern  ebenso
groß,  wie  die  Gefahr  von  der  anderen  Seite.  Das  ist  eine  direkte  Folge
dieser  Zustände.  Es  ist  klar,  daß,  wenn  von  einer  Seite  her  ein  brutaler
Druck  aus  eine  Berufsschicht  von  Arbeitnehmern  ausgeübt  wird,  dort  der
beste  Nährboden  für  diejenigen  ist,  die  zur  Verzweiflung  treiben  und  dann
diese  verzweifelte  Stimmung  benutzen,  um  ihre  Ideen  den  Leuten  beizubringen,
  ibnen  zu  sagen,  es  ist  doch  das  Beste,  erst  eininal  die  ganze  Geschichte ­
  von  Grund  auf  zu  zerstören,  um  darauf  etwas  Neues  zu  bauen.  Es
wurde  sogar  von  den  Kommunisten  dort  ein  Plättchen  herausgegeben.  Es
wird  von  Stettin  aus  überall  mit  großem  Erfolge  gearbeitet,  es  werden  in
kleinen  Kreisen  die  kommunistischen  Ideen  auf  dein  Lande  verbreitet.  Ich
hatte  mich  darüber  gewundert,  es  wurde  mir  aber  ganz  klar,  woher  is
kommt,  als  ich  sah,  in  welch  brutaler  Weise  in  Pommern  die  Arbeiter
immer  wieder  behandelt  werden.  Es  darf  einen  nicht  wundern,  wenn  ans
dieser  Stimmung  heraus  eine  Verzweiflung  erwächst,  die  die  Arbeiter  den
radikalen  Kommunisten  in  die  Arme  treibt.  Ein  Arbeiter,  der  die  Zusammenhänge ­
  unserer  Wirtschaftspolitik  kennt,  der  in  seinem  Arbeitsverhältnis
nicht  immer  wieder  erleben  muß,  daß  man  ihn  mißachtet,  daß  man  auf  ihm
immer  wieder  herumtrampelt,  der  ist  diesen  Ideen  nicht  so  zugänglich.  Er
überlegt  auch,  ob,  wenn  man  erst  alles  kaput  macht,  nachher  wieder  etwas
Gutes  aufgebaut  werden  kann,  wenn  man,  wie  das  von  den  Kommunisten
durch  Flugschriften  immer  wieder  gefordert  wird,  Sabotage  treibt,  Erntestreiks ­
  macht,  unsere  Wirtschaftspolitik  zugrunde  richtet,  durch  die  Niederlegung ­
  der  Arbeit  gerade  in  den  entscheidenden  Wochen,  wo  die  Nahrungsmittel ­
  geborgen  werden  sollen.  Ein  vernünftiger  Arbeiter  sagt  sich,  das
kann  unmöglich  richtig  sein,  Nahrungsmittel  muß  das  Volk  haben.  Wir
können  nicht  eine  neue  Wirtschaft  aufbauen  unter  so  schwierigen  Berhält-
        <pb n="25" />
        25

mssen,  wie  sie  heute  in  Deutschland  bestehen,  wenn  wie  nahe  öct&amp;lt;5  gesamte
Volk  mit  Nahrungsmitteln  versorgen.  Deshalb  ist  es  auch  so  sehr.  anzuerkennen, ­
  daß  der  gesunde  Sinn  unserer  Landarbeiter  sich  immer  wieder
durchgerungen  hat,  daß  sie  imnier  wieder  dazu  bcigelragen  laben,  die  Hand
zur  Versöhnung  zu  reichen.  Damit  die  Erntearbeitcn  nicht  stocken,  haben
sie  sich  bereit  erklärt,  Ueberstundeu  zu  machen,  überhaupt  alles  zu  tun,  was
möglich  ist,  um  die  Ernte  zu  bergen.  Aber  man  durs  ihnen  nicht  immer
wieder  systematisch  die  Freude  au  der  Arbeit  vergällen,  indem  nian
Schwierigkeiten  auftürmt,  um  es  nicht  zu  einem  erträglichen  Arbeitsoerhältnis
  kommen  zu  lassen.  Es  wäre  Pflicht  der  Regierung  gewesen,  aus
diese  Entwicklung  zu  achten;  wie  auf  der  einen  Seite  die  schärfste  Reaktion
in  Pommern  auswächst  und  aus  der  andern  Seite  eine  erfolgreiche  kommunistische ­
  Agitation,  und  ihre  Schlußfolgerungen  daraus  zu  ziehen.  Das  müssen
wir.  auch  heute  der  Regierung  eindringlich  sagen,  daß,  wenn  nicht  -die  immer ­
  wieder  auftretenden  Schwierigketen  aus  dem  Wege  geräumt  werden,
wir  keine  Verantwortung  übernehmen  können  für
das,  was  in  Zukunft  in  Pommern  geschieht.  Wir
wissen  uns  im  Verbandsvorstand  frei  davon,  daß  auch  nur  das  geringste
begangen  worden  iväre  oder  begangen  werden  sollte,  was  die  Ernährung
des  deutschen  Volkes  in  Frage  stellen  könnte.  Im  Gegenteil,  bei  all  unseren
gewerkschaftlichen  Maßnahmen  ist  bei  uns  immer  wieder  der  Gedanke^n  den
Vordergrund  getreten,  lieber  den  Kollegen,  die  ganz  berechtigte  Streikgründe ­
  haben,  zu  sagen:  Nein,  Ihr  -dürft  nicht  streiken,  Ihr  dürft  das
deutsche  Volk  nicht  ins  Unglück  stürzen,  indem  Ihr  die  Leb.nsmittelerzeugung
  sabotiert.  Es  fällt  einem  Gewerkschaftler  schwer,  wenn  er  den  Arbeitern ­
  das  sagen  muß.  Wir  wußten  aber,  wenn  einmal  der  volle  Topf  zum
Ueberlausen  gekommen  ist,  dann  war  der  Streik  in  Pommern  unvermeidlich.
Es  ist  hi.r  glaubhaft  nachgewiesen,  daß  von  Unternehmerseite  imnrer  wieder
Oel  ins  Feuer  gegossen  wird,  daß  das  ^Feuer  hell  auflodern  muß,  damit
man  immer  wieder  Anlaß  hat,  nach  Maßnahmen  gegen  die  Arbeiter  zu
schreien.
Wer  die  Dinge  genau  kennt,  wie  der  sogenannte  Generalstreik  der
Landarbeiter  in  Vorpommern  dann  zum  Generalstreik  aller  Arbeiter  in
Stettin  und  Stralsund  geführt  hat,  und  dann  zur  Verhängung  des  Belagerungszustandes ­
  unter  ganz  eigenartigen  Umständen,  die  die  Regierung
sogar  zum  Einschreiten  veranlaßten,  der  weiß,  was  damals  geplant  war.
Damals  ist  die  Geschichte  zu  früh  los  gegangen,  ist  ungeschickt  angefaßt
worden.  Aber  wer  eingeweiht  ist,  der  weiß,  daß  man  damals  in  jenen
Kreisen  geglaubt  hat,  jetzt  ist  es  Zeit,  jetzt  werden  wir  die  Bewegung  in
Pommern  so  weit  bringen,  daß  wir  sie  von  da  aus  über  ganz  Deutschland
verbreiten.  Wir  wissen,  daß  der  Geheimbund  der  Leute,  die  aus  der  Armee
ausgetreten  sind,  überall  seine  Spitzel  hat,  es  werden  Berichte  aufgestellt,
es  wird  alles  benutzt,  um  die  Stimmung  der  Arbeiter  dem  Streik  günstig
zu  machen.  Wenn  es  damals  nicht  dazu  gekommen  ist,  so  ist  das  dem  Eingreifen ­
  der  Arbeiterschaft  zu  verdanken.  Aber  mir  wissen  nicht,  was  noch
alles  im  Schoße  der  Zukunft  ruht.  Deshalb  haben  wir  diese  Konferenz
einberufen,  um  bei  Zeiten  die  Dinge  zu  besprechen,  um  auf  Mittel  und
Wege  zu  sinnen,  wie  wir  in  der  nächsten  Zeit  vorzugehen  haben.  Wir
haben  deshalb  auch  die  Regierung  eingeladen,  um  ihr  klar  zu  machen,  daß
die  Dinge  dort  oben  mit  ganz  besonderen  Augen  betrachtet  werden  müssen
und  daß  man  besondere  Mittel  anwenden  muß,  um  sich  vor  der  Gefahr  zu
schützen,  die  von  Pommern  her  über  das  Reich  kommen  kann.  Unter  diesem
Gesichtspunkt  bitte  ich  die  Dinge  zu  betrachten,  sich  nicht  in  Einzelheiten  zu
        <pb n="26" />
        verlieren,  nicht  die  kleinen  Schwierigkeiten  beim  Zustandekommen  von
Tarifverträgen  vorzubringen.  Das  kennen  wir  im  allgemeinen.  Wir
wissen,  daß  die  Schwierigkeiten  nicht  abreißen.  Aber  wir  wollen  die  Ursache ­
  ergründen,  um  auf  die  Mittel  und  Wege  zu  kommen,  ivic  dem  abzuhelfen ­
  ist.
Wir  wollen,  daß  die  Regierung  bei  dieser  Gelegenheit  erfährt,  wie  die
Dinge  stehen.  In  diesem  Sinne  wollen  wir  unsere  Verhandlungen  heute
auffassen.
Vors.  Schmidt  teilt  mit,  daß  noch  18  Redner  gemeldet  sind;  die
Redezeit  wird  auf  fünf  Minuten  beschränkt.
S  ch  m  o  r  l  -  Dramburg:  Aus  dem  Kreise  Dramburg  ist  der  Gedanke  ausgegangen, ­
  den  Landbund  zu  gründen.  Namhafte  Adelige  sind  die  Führer.
Unsere  Pflicht  muß  fein,  daß  die  Auflösung  der  Gutsbezirke  recht  bald  in  die
Wege  geleitet  wird.  Dadurch  werden  verschiedene  Amtsvorsteher  usw.  verschwinden, ­
  auch  mancher  Landrat.  Die  Leute,  die  sich  nicht  voll  und  ganz  auf
den  Boden  der  Regierung  stellen.  Tritt  ihren  sämtlichen  Geheimräten,  müssen
verschwinden.
Segebrecht  -  Anklam:  Wie  die  Sache  int  Kreise  Anklam  gegangen  ist,
haben  wir  dem  Verbandsvorstand  schon  schriftlich  mitgeteilt.  Ich  will  nur  kurz
erwähnen,  daß  wir  dem  Pommerschen  Landbund  nicht  mit  Generalstreik
gedroht  haben.  Der  Brief,  den  ich  ihm  geschrieben  habe,  liegt  vor  und
ich  stello  fest,  daß  man  in  einem  höflicheren  Ton  wohl  eine  so  unangenehme
Angelegenheit  nicht  mitteilen  kann.  Es  erfolgte  darauf  eine  kurze  Ablehnung: ­

„Wir  lehnen  cs  ab,  auf  die  in  Frage  kommenden  Arbeitgeber  einen
Druck  auszuüben  —  was  ich  gar  nicht  verlangt  hatte  —  behufs  Einstellung ­
  der  entlassenen  Arbeiter.  Bevor  nicht  ihre  Drohung  mit  den,
Generalstreik  bedingungslos  zurückgenommen  ist,  lehnen  wir  jede  weitere
Verhandlung  ab."
Hiermit  glaube  ich  nachgewiesen  zu  haben,  daß  diese  Drohung  meinerseits
nicht  ausgesprochen  worden  ist.
Nun  zu  einer  anderen  Sache.  Wir  haben  heute  schon  viel  von  den
Verhältnissen  in  Pommern  gehört,  für  uns  kann  es  sich  nur  darum  handeln, ­
  wie  wir  Mittel  und  Wege  finden,  in  Zukunft  ähnliche  Verhältnisse
zu  beseitigen.  Da  ist.  maßgebend  für  uns  eine  Aenderung  der  gesetzlichen
Bestimmungen.  (Sehr  richtig!)  Wir  müssen  ausgehen  von  der  Verordnung ­
  über  die  Einstellung  und  Entlassung  von  Arbeitern  während  der
Zeit  der  Demobilmachung  vom  3.  September.  In  §  14  wird  verlangt,
daß  sich  die  Arbeitgeber  mit  dem  Arbeiterausschuß  ins  Benehmen  zu  setzen
haben,  wenn  sie  Arbeiter  entlassen  wollen.  Diese  Verfügung  hat  für  unsere
Landarbeiter  die  allerübelsten  Folgen  gehabt.  (Sehr  richtig!)  Die  feudalen ­
  Arbeitgeber  denken  gar  nicht  daran,  sich  mit  den  Arbeitnehmern  oder
Arbeiterausschüssen  ins  Benehmen  zu  setzen.  Das  widerspricht  ihrer  Auffassung ­
  von  Ehre  und  Macht.  Deshalb  umgehen  sie  diese  Verfügung  und
haben  eine  Handhabe  durch  den  8  20  der  Verordnung,  worin  es  heißt:
Die  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  Gründe  einer  Auflösung  des
Dienstverhältnisses  ohne  Einhaltung  einer  Kündigungsfrist  werden  von
diesen  Vorschriften  nicht  berührt.  Also  wenn  sie  nicht  zu  kündigen  brauchen, ­
  können  sie  auf  der  Stelle  entlassen,  ohne  zu  fragen.  Da  ist  maßgebend
für  sie  der  §  16  der  vorläufigen  Landarbeits-Ordnung.  Auf  Grund  dieses
Paragraphen,  der  io  dehnbar  wie  Kautschuk  ist,  entlassen  sie  die  Arbeiter
        <pb n="27" />
        27

sofort  ohne  Kündigung  nutz  haben  dann  mit  dem  Arbeiterausschuß  nichts
zu  schaffen.  Ich  möchte  den  Herrn  Vertreter  der  Regierung  darauf  hinweisen, ­
  daß  es  notwendig  fein  wird  für  die  Landarbeiter,  daß  dieser  Paragraph ­
  geändert  wird.  Die  Verhältnisse  für  die  Landarbeiter  und  Industriearbeiter ­
  sind  grundverschieden.  Der  Landarbeiter,  der  vor  Ablauf  des
Wirtschaftsjahres  entlassen  wird,  verliert  seine  ganze  Existenz,  er  ist  gezwungen, ­
  sein  Vieh  zu  verkaufen,  hat  kolossalen  Schaden.  Wenn  in  der
Stadt  ein  Industriearbeiter  sofort  entlassen  wird,  kann  er  in  einer  anderen
Stadt  eine  Stellung  mit  ganz  ähnlichen  Verhältnissen  finden.  Der  Landarbeiter, ­
  der  auch  nur  vorübergehend  in  der  Stadt  tätig  ist,  hat  großen
Schaden.  Die  Sache  müßte  derart  abgeändert  werden,  daß  auch  bei  sofortiger ­
  Entlassung  der  Arbeitgeber  veranlaßt  wird,  sich  mit  dein  Arbeiterausschuß ­
  ins  Benehmen  zu  setzen,  und  daß  die  Entlassung  nicht  eher  stattfinden ­
  darf,  ehe  der  Schlichtungsausschuß  sich  auf  den  Standpunkt  gestellt
hat,  daß  hier  tatsächlich  Gründe  für  eine  sofortige  Entlassung  vorliegen.
Ein  dahingehender  Antrag  ist  in  unserer  Gauleitersitzung  in  Stettin  angenommen ­
  worden.  Ich  werde  ihn  mit  Begründung  dem  Vorstand  vorlegen. ­

Landgraf  -  Stralsund:  Ich  will  einige  Punkte  herausgreifen,  die  vielleicht ­
  dazu  geführt  haben,  daß  auch  innerhalb  Pommerns  eine  so  verschiedenartige ­
  Behandlung  bei  den  Landarbeiter-Tarifabschlüssen  stattfinden  konnte.
Wir  haben  auf  der  Insel  Rügen  den  ersten  Landarbeiter-Tarif  zustande
gebracht.  Er  wurde  vor  kurzer  Zeit  erst  erneuert.  Es  ist  wohl  der  beste
Tarif,  der  in  Landarbeiterkreisen  abgeschlossen  wurde.  Die  Klagen,  die
heute  durch  die  ganze  Diskussion  gingen,  daß  der  Pommersche  Landbund
ein  Hindernis  der  Tarifabschlüsse  gewesen  ist,  haben  wir  in  Rügen  nicht
zu  verzeichnen  gehabt.  Der  Pommersche  Landbund  hatte  dort  noch  nicht
Fuß  gefaßt.  Vor  *  14  Tagen  ist  nun  auch  eine  Kreisgruppc  des  Landbundes ­
  auf  Rügen  gegründet  wordene  Ich  weiß  nicht,  wie  unsere  späterer!
Verhandlungen  dadurch  vielleicht  erschwert  werden.  .  Die  Hauptsache  aber
wird  sein,  daß  in  den  Kreisen  der  Landarbeiter  erst  einmal  der  Gedanke
Fuß  faßt,  was  der  Arbeiter  auf  alle  Fälle  haben  muß.  Darüber  werde  ich
in  der  kommenden  Debatte  einige  Richtlinien  vorlegen,  die  hoffentlich  Gelegenheit ­
  geben  wird,  in  etwas  längerer  Redezeit  diese  Frage  zu  erörtern.
K  w  a  s  n  i  k  -  Berlin:  Zu  der  Verordnung  vom  3.  September  werden  wir
in  den  allernächsten  Tagen  den  Kollegen  einen  Auszug  aus  der  Ihnen  wohl
bekannten  Bearbeitung  von  Billerbeck  und  Syrup  zugehen  lassen.  Diejenigen, ­
  die  die  Broschüre  haben,  will  ich  darauf  hinweisen,  daß  im  Kommentar ­
  einige  Dinge  enthalten  sind,  mit  denen  wir  uns  nicht  einverstanden
erklären  können.  Ich  sage  das,  damit  die  Broschüre  von  den  Kollegen  nicht
ohne  Vorbehalt  aufgenommen  wird.  Es  wurde  aus  den  §  14  hingewiesen,
wonach  vor  -der  Kündigung  der  Arbeiterausschuß  zu  hören  ist,  und  darauf,
daß  es  dann  weiter  heißt:  Bon  der  Erfüllung  dieser  Pflicht  ist  die  Kündigung ­
  nicht  abhängig.  Dabei  ist  aber  weiter  zu  beachten,  was  dahinter
folgt:  Unbeschadet  der  Befugnis  des  Schlichtungsausschusses  (8  21),  im
Streitfall  die  Stellungnahme  der  gesetzlichen  Arbeitnehmervertretung  einzuholen ­
  und  bei  Verletzung  der  Vorschriften  des  8  13  auf  die  Erneuerung
des  Dienstverhältnisses  zu  erkennen.
Ist  also  der  Arbeitcrausschuß  nicht  gehört  worden,  so  kann  der  Schlichtungsausschuß
  trotzdem  von  sich  aus  veranlassen,  daß  er  nun  gehört  wird.
Es  steht  weiter  in  der  Verordnung,  daß  auch  ein  Streik  ein  wichtiger
Grund  ist.  Das  trifft  auch  nicht  zu.  Durch  den  Streik  wird  ja  gerade  zum
Ausdruck  gebracht,  daß  es  sich  nicht  um  beharrliche  Arbeitsverweigerung
        <pb n="28" />
        28

handelt?  sondern  um  Arbeitsunterbrechung  unter  der  Voraussetzung,  daß
die  Arbeit  unter  veränderten  Verhältnissen  fortgesetzt  wird.  Daher  kann
ein  Streik  nicht  unter  allen  Umständen  ein  wichtiger  Grund  zur  sofortigen
Auflösung  des  Arbeitsverhältnisses  sein.  (Niemals!)  Die  Verordnung
selbst  ist  vom  Reichsarbeitsminister  schon  als  verbesserungsbedürftig  anerkannt ­
  worden.  Es  soll  auch  in  den  Fällen  der  Entlassung,  die  nicht  zur
Verminderung  der  Arbeiterzahl  dienen  sollen  —&amp;gt;  davon  ist  man  anfänglich
ausgegangen  sich  der  Schlichtungsausschuß  mit  der  Frage  beschäftigen.
Es  wird  unsere  Aufgabe  sein,  uns  mit  bestimmten  Vorschlägen  an  die
zuständigen  Stellen  der  Reichsregierung,  insbesondere  an  das  Reichsarbeitsministerium ­
  zu  wenden,  um  weitere  Verbesserungen  durchzusetzen.  Auch
bei  der  Beratung  des  Betriebsräte-Gesetzes  wird  versucht  werden,  in  dieser
Hinsicht  etwas  zu  tun.
Hierauf  tritt  die  Mittagspause  ein.  Schluß  \'A  Uhr.

Schmidt  eröffnet  die  Nachmittagsversammlung  um  2‘A,  Uhr:  Wir
bitten  um  Einsendung  des  Materials,  vor  allem  der  Bekanntmachungen  der
Kreisblätter.  Der  Verbandsvorstand  hat  sich  in  der  letzten  Sitzung  damit
beschäftigt,  was  in  Pommern  geschehen  soll.  Wir  wollen  zwar  vorläufig
mit  der  Besetzung  der  Gauleiterposten  nicht  über  den  Kreis  eines  Regierungsbezirks ­
  hinausgehen.  Bei  den  besonderen  Verhältnissen  in  Pommern  wollen
wir  aber  etwas  weitergehen.  Darum  wollen  wir  die  Bezirke  Köslin,  Stettin
und  Stralsund  noch  in  Unterbezirke  teilen.  Ferner  soll  in  Pommern  eine
Zentrale  geschaffen  werden,  die  die  Presse  bearbeitet  und  die  Flugblätter
schreibt.  (Lebhafte  Zustimmung.)  Wir  können  heute  noch  nicht  entscheiden,
ob'  diese  Zentrale  nach  Stettin  kommt.  Es  ist  das  eine  Personenfrage.  Im
Januar  wird  die  neue  Einteilung  erfolgen.  Eine  Zentrale  muß  jedenfalls
den  Kampf  mit  dem  Pommerfchen  Landbund  aufnehmen.  Dazu  gehört  ein
Mann,  der  federgewandt  ist.  Ferner  muß  die  Verbreitung  von  Flugblättern
organisiert  werden.  Wenn  in  der  ländlichen  Presse  sich  irgendwelches
Material  findet,  dann  muß  uns  das  zugesandt  werden.
Weiter  müssen  wir  uns  mit  der  Frage  der  Kündigung  beschäftigen.  Es
wird  immer  geredet  von  Maßregelungen.  Wir  müssen  erwarten,  daß  wir
über  solche  Fälle  genauer  informiert  werden,  und  es  müssen  dis  Namen
angegeben  werden  und  auch  die  Gpünde  angeführt  werden,  weshalb  die
Entlassung  erfolgt  ist.  So  schlau  sind  ja  die  Junker,  daß  sie!  nicht  die  Orgnnisationszugehörigkeit
  als  Grund  angeben.  (Zuruf:  Das  tun  sie  doch!)
Dann  muß  auch  angegeben  werden,  wie  lange  der  Kollege  auf  dem  Gut
beschäftigt  war.  Hätte  ich  im  Sommer  oder  jetzt  bei  der  Interpellation
in  der  Landesversammlung  reichliches  Material  über  Maßregelungen  gehabt, ­
  dann  hätte  ich  das  gedruckt  im  Hause  vorher  verbreitet  und  brauchte
gar  nicht  in  der  Rede  die  einzelnen  Fälle  auszuführen.  —  Eine  andere
Frage  ist  die,  was  wir  auf  denn  Gebiete  der  Gesetzgebung  tun.  Da  müssen
wir  verlangen,  daß  Kündigungen  möglichst  hintangehalten  werden,  daß
Entlassungen  nicht  ohne  weiteres  erfolgen  können,  sondern  daß  darüber
erst  der  Schlichtungsausschuß  zu  entscheiden  hat.  (Sehr  richtig!)  Wir
müssen  den  ß  16  der  Landarbeitsordnung  bester  auslegen.  Wenn  ein  Arbeiter ­
  stiehlt  oder  den  anderen  Arbeiter  verprügelt  oder  dem  Arbeitgeber
Prügel  androht,  dann  muß  jede  Regierung  das  als  Entlassungsgründe  anerkennen. ­
  Aber  diese  Gründe  müssen  etwas  fester  umschrieben  werden.
Anderseits  meinen  wir,  man  soll  nicht  alles  von  der  Gesetzgebung  verlangen;
denn  das  hat  feine  Gefahren,  selbst  wenn  wir  statt  der  Koalitionsregierung
        <pb n="29" />
        29

eine  sozialistische  Regierung  hätten.  Die  sozialen  Gesetze  standen  auch  früher
solange  auf  dem  Papier,  bis  die  Arbeiter  sich  organisiert  hatten  und  durch  ihre
Macht  sie  verwirklichten.  Das  müßt  Ihr  auch  den  Arbeitern  klar  mache:,.
Man  kann  aber  von  dev  Regierung  verlangen,  daß  sie  die  Arbeiter  schützt
gegen  rigorose  Entlassungen.  Ein  solches  Gesetz  muß  erlassen  werden  zum
Schutz  der  landwirtschaftlichen  Produktion.  Daswollenwirineiner
Eingabe  verlangen.
Weiter  müssen  wir  verlangen,  daß  die  Schlichtungsausschüfse  vollständig ­
  neu  aufgezogen  werden.  (Sehr  richtig!)  Ich  habe  Maßnahmen
.getroffen,  daß  auch  in  der  Deutschen  Nationalversammlung  ein  Vorstoß
seitens  der  sozialdemokratischen  Fraktion  unternommen  wird,  wie  es  schon
in  der  Preußischen  Landesversammlung  geschieht.  Seitens  des  Reichsarbeitsministeriums ­
  ist  geplant,  die  Gewerbegerichte  auf  das  Land  zu
übertragen.  Die  Beisitzer  würden  sowohl  aus  Arbeitnehmer-  wie  aus  Arbeitgeberkreisen ­
  gewählt.  Wir  können  aber  jetzt  nicht  aus  solche  Wahlen
warten,  sondern  im  Sinne  eines  Notgesetzes  müssen  Gerichte
eingesetzt  werden,  ib 1  i  c  über  E  i  nz  e  l  str  ei  t  f  ä  l  l  e  z  u  e  u  t  -
sch  ei  d  en  h  ab  e  n.  Da  muß  bis  zu  einer  endgültigen  Wähl  die  Vertretung ­
  der  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  von  den  Organisationen  der
Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  ernannt  werden.
Nach  der  Verordnung  vom  23.  Dezember  1918  gelten  die  S  ch  lichtn ­
  n  g  s  a  u  s  s  ch  ü  s  s  e  nicht  für  Einzelsälle;  das  müssen
wir  aber  jetzt  auch  verlangen  von  der  G  e  s  e  tz  g  e  b  u  n  g.
So  notwendig  die  Aufhebung  der  Gelsindeordnung  war,  so  hat  man  damals
doch  verabsäumt,  Gesetze  zur  Sicherung  des  Arbeitsfriedens  auf  dem  Lande
zu  schaffen.  Ihr  alle  könnt  aber  daran  mithelfen  durch  Eingaben  an  die
Regierung  ans  dem  Lande/  Die  Unternehmer  schicken  immerfort  Eingaben;
das  muß  auch  von  uns  geschehen.  Weiter  mnß  eine  Vereinheitlichung ­
  der  auf  Grund  des  Tarifvertrags  errichteten
Ei  n  i.g  un  g  s  st  e  l  l  e  n  mit  der,  amtlichen  Schlichtungsauss
  ch  ü  s  s  e  n  erfolgen.  Es  müssen  also  einerseits  Schlichtnngsausschüsse
für  gemeinsame  Streitigkeiten  eines  Betriebes  bestehen  und  andererseits
Arbeitsgerichte  nach  Art  der  Gewerbegerichte  zur  Schlichtung  der  Einzelsälle. ­

K  lei  n  e  r  -  Bublitz:  Es  freut  mich,  daß  der  Vorstand  jetzt  endlich
mit  positiven  Vorschlägen  herauskommt.  Wenn  die  Beisitzer  ernannt  werden
sollen,  dann  müßte  festgelegt  werden,  daß  die  Vorschläge  nur  von  der  Organisation ­
  gemacht  werden  können;  sonst  bekommen  wir.  wieder  Beisitzer,
die  gar  keinen  Wert  für  die  Arbeiter  haben.  Ich  habe  an  den  Wirtschaftsminister ­
  Schmidt  eine  Eingabe  gerichtet,  daß  in  allen  solchen  Fällen,  wo
nachweislich  durch  die  Schuld  eines  Arbeitgebers  ein  Streik  entsteht,  die
Zwangsbewirtschaftung  und  bestimmte  Strafen^  eintreten  können.  Nur  so
kann  man  die  Arbeitgeber  wirklich  fassen.  Helfen  kann  uns  nur  rücksichtsloses ­
  Durchgreifen.  Der  Junker  reagiert  nur  auf  Macht.  Der  Pommersche
Landbund  sagte  in  der  Versammlung,  die  Arbeitszeit  mnß  verlängert  werden. ­
  Der  Arbeiter  soll  dadrtrch  mehr  verdienen,  daß  die  Naturalien  höher
bewertet  werden;  aber  der  Barlohn  muß  erniedrigt  werden.  Herr  von  Kleist
sagte:  Wenn  wir  erst  die  Ueberzahl  sind,  müssen  sich  die-  Landarbeiter  fügen
im  Guten  oder  im  Bösen.  Auch  wir  müssen  rücksichtslos  vorgehen  gegen  Arbeitgeber, ­
  -die  durch  eigene  Schuld  Aussperrung  oder  Streik  provozieren.
Da  mnß  die  Regierung  mit  Strafen  vorgehen.  Notwendig  ist  die  baldmögliche ­
  Neubeseüung  verschiedener  Regierungsstellen.  Die  Regierungsräte,
Landräte  und  ein  Teil  der  Kreissekretäre  arbeiten  vollständig  noch  nach
        <pb n="30" />
        HO

dem  alten  System.  Es  gibt  genügend  tüchtige  Kreissekretäre,  die  wir  sehr
gut  zur  Besetzung  der  höheren  Stellen  in  Vorschlag  bringen  können.  In  alle
aintlichen  Steilen,  wo  es  geht,  müssen  wir  die  organisierten  Landarbeiter
hineinbringen.  Die  Arbeiterschaft  muß  deshalb  vom  Vorstand  reichlich  mit
Flugblättern  und  Agitationsmaterial  versehen  werden.
P  a  u  k  e  r  t  -  Stettin:  Es  ist  mir  zweifelhaft,  ob  es  praktisch  ist,  wenn  nach
Greifenberg  noch  ein  besonderer  Bezirksleiter  gesetzt  wird.  Dadurch  würde  die
Zentralisation  gestört  werden.  Es  wäre  wohl  besser,  wenn  in  Stettin  noch
ein  zweiter  Gauleiter  angestellt  wird,  der  zwar  den  Greifenberger  Bezirk
bearbeitet,  aber  doch  in  demselben  Büro  mit  der  Zentrale  ist.  Das  würdedie
  Geschäfte  besser  vereinfachen.
Schwarz-Stettin:  Ich  muß  mich  Paukert  anschließen.  Es  ist  nicht
praktisch,  daß  unser  Gau  noch  geteilt  wird.  In  jedes  Gaubüro  sollte  noch  eine
männliche  Kraft  eingestellt  werden.  Die  Ausdehnung  der  Gaue  ist  nicht  zu  groß;
aber  der  Gauleiter  ist  überlastet  durch  die  Wahrnehmung  von  Terminen.
In  jedes  Gaubüro  sollte  also  eine  weitere  Kraft  eingestellt  werden,  und  vor
allem  brauchen  wir  in  der  Stettiner  Zentrale  einen  Genossen,  der  schriftstellerisch ­
  gewandt  ist.
Landgraf  -  Stralsund:  Ich  halte  es  für  verkehrt,  wenn  der  Vorstandsvorschlag ­
  bannt  bekämpft  wird  von  den  Gauleitern,  daß  sie  fürchten,  hier  solle
ihnen  eine  Konkurrenz  geschaffen  werden.  Wir  müssen  aber  die  Fühlung
mit  den  Mitgliedern  so  eng  wie  möglich  gestalten.  In  Ponrniern  ist  das
besonders  notwendig,  denn  Pommern  ist  der  Herd  der  reaktionären  Bewegung. ­
  Von  Pommern  würde  sich  diese  Bewegung  auf  die  übrigen  Provinzen ­
  ausdehnen..  (Sehr  richtig!)  Mit  einer  Schreibkraft  für  die  vorhandenen ­
  Gauleiter  ist  uns  nicht  gedient;  der  Innendienst,  die  Aufklärung
und  Schulung  der  einzelnen  Verbandskollegen  ist  die  Hauptsache.  Die
Tarifabschlüsse  werden  zu  neuen  Kämpfen  führen.  Die  Arbeitgeber  setzen
den  Ablaustermin  aus  den  für  uns  ungünstigsten  Zeitpunkt.  Ich  stehe  vor
dem  Abschluß  eines  Sondertarifs  der  Kreidearbeiter  in  Rügen,  die  größtenteils ­
  auch  in  der  Landwirtschaft  tätig  sind.  Nach  meiner  Vorlage  muß  das
Mindesteinkommen  des  Arbeiters  8000  M.  betragen.  Das  wird  Ihnen  sehr
hoch  erscheinen;  aber  auch  nicht  ein  einziger  Arbeitgeber  konnte  bestreiten,
daß  meine  Berechnung  richtig  war.  —  Sehr  wichtig  ist  die  Organisation  des
Pressedienstes.  Der  Landbund  bringt  jetzt  die  Presse  in  seine  Gewalt,  und
die  Arbeiter  werden  überschwemmt  mit  Flugschriften  von  jener  Seite.  Es
genügt  nicht  niehr,  baß  unser  Mitteilungsblatt  den  Arbeitern  zugeht.
Darum  begrüße  ich  es,  daß  der  Hauptvorstand  einen  Pressedienst  für  ganz
Pommern  einsetzen  will.  Es  muß  heute  schon  festgelegt  werden,  daß  in
jedem  Kreise  eine  gut  organisierte  Materialsammlung  eingerichtet  wird,
die  dauernd  die  Pressczentrale  versorgt.  Unsere  wirtschaftlichen  Kämpfe
werden  sich  zu  politischen  Kämpfen  entwickeln,  und  deshalb  müssen  wir
alle  Mittel  uns  schaffen,  die  für  diese  Kämpfe  geeignet  sind.  Jeder  Vertrauensmann ­
  muß  Material  sammeln  und  der  Zentrale  zur  Verfügung
stellen.  Unsere  Kollegen  müssen  so  bezahlt  werden,  daß  sie  die  wirkliche
Bedeutung  der  Organisation  erkennen.
Haß-Köslin:  In  den  Kreisen  Schlawe  und  Belgard  sind  die  Verhältnisse ­
  so,  daß  ein  Kreisvertrauensmann  nicht  den  ganzen  Kreis  bearbeiten ­
  kaun.  Unsere  Landarbeiter  sind  nicht  so  leicht  durch  das  geschriebene
Wort  aufzuklären,  wie  durch  das  gesprochene  Wort.  Gerade  im  Kreis
Köslin  kann  der  Pommersche  Landbund  mit  seinen  Flugschriften  und  seinem
Hetzapostel  Wolfs  nichts  erreichen.  Das  hat  sogar  die  Organisarionsleitnng
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        /

31

der  Unternehmer  schon  anerkannt.  Dem  Kreisvertrauensmann  sind  von
unserer  Organisation  zu  geringe  Machtbefugnisse  zugestanden  worden.  An
die  Regierung  muß  die  Forderung  gestellt  werden,  daß  den  „Raubrittern"
in  Hintcrpommern  die  Waffen  aus  der  Hand  genommen  werden,  erforderlichenfalls ­
  mit  Gewalt.
Koch-  Schncidemühl:  Was  Haß  hier  anführte,  hat  er  auch  auf  der  Gaukonferenz
  angeführt  und  gesagt,  man  könnte  den  Arbeitgebern  auch  das  letzte
Hemd  nehmen.  Ich  bin  ihm  entgegengetreten.  Obwohl  ich  die  Arbeit  der  Kreisvertrauensleute
  schätze,  kann  ich  doch  nicht  dafür  eintreten,  daß  ihre  Machtbefugnis ­
  noch  vergrößert  wird.  Das  hat  jetzt  schon  üble  Folgen  gehabt.
Auch  ich  habe  es  oft  bedauert,  daß  den  Landarbeitern  so  wenig  passendes
Material  in  die  Hand  gegeben  wird.  Der  Pressedienst  muß  unbedingt
durchgeführt  werden.  Auch  im  deutschbleibendeu  Teil  der  Provinz  Westpreußen ­
  sind  die  Verhältnisse  genau  so  wie  in  der  jetzigen  Provinz  Pommern. ­
  Die  Vertrauensleute  aus  Schlochau  und  Deutschkrone  wissen,  daß
dort  der  Landrat  Tarife  veröffentlicht,  die  den  Abmachungen  nicht  entsprechen, ­
  und  wenn  er  berichtigen  soll,  erklärt  er,  er  hätte  das  Protokoll
verloren.  Mit  Hilfe  des  Militärs  wollen  diese  Leute  sich  die  frühere  Macht
wieder  aneignen.  Ist  es  nicht  möglich,  den  Kreisvertrauensleuten  dadurch
Entlastung  zu  verschaffen,  daß  die  Gewerkschaftskartelle  Arbeitersektetäre
anstellen?  Ost  sitzen  schon  20  Mann  morgens  vor  dem  Büro  des  Kreisvertrauensmannes, ­
  um  Rat  zu  holen.  Das  wäre  doch  Aufgabe  von  Arbeitersekretären. ­
  (Sehr  richtig!)  —  Der  Gauaufteilung  stehe  ist  sehr  sympathisch ­
  gegenüber.  Die  Gauleitung  muß  am  Sitz  der  Regierung  sein;  denn
der  Gauleiter  muß  fortgesetzt  mit  dem  Regierungspräsidenten  als  Vorsteher ­
  der  Demobilmachungskommission  verhandeln.  Vielleicht  könnte  den
großen  Gauen  ein  zweiter  Gauleiter  zur  Verfügung  gestellt  werden.  Der
Innendienst  und  der  Verkehr  mit  den  Behörden  ,müßte  aber  dem  ersten
Gauleiter  überlassen  bleiben.  Die  Krcisvcrtrauensleute  senden  sehr  wenig
Material  an  die  Gauleiter  ein.
S  tü  l  p  n  er  -  Stolp:  Ich  spreche  im  Sinne  der  Kreisvertrauensleute
des  dunkelsten  Hinterpommern,  wenp  ich  die  vom  Vorstand  geplante  Neuorganisation ­
  begrüße.  Für  dieses  Gebiet,  ist  unbedingt  eine  weitere  Kraft
notwendig.  Durch  die  vielen  Ratsuchenden  wird  der  Kreisuertraurnsmann
von  seiner  eigentlichen  Aufgabe  abgelenkt.  Die  Kreise  Stolp,  Schlawe  und
Lauenburg  sind  viel  zu  sehr  mit  schriftlichen  Anfragen  überlastet.  Eine
Planmäßige  Agitation  wird  den  Vertrauensleuten  dadurch  außerordentlich
erschwert.  Die  geringe  Bezahlung  trägt  daran  nicht  Schuld.  Die  Kollegew
arbeiten  aus  Idealismus.  Immerhin  ist  eine  bessere  Regelung  der  Besoldung ­
  notwendig.  Wir  Manchen  in  unserem  Winkel  unbedingt  eine  weitere
Kraft.
Segebrecht-Anklam:  Die  finanziellen  Verhältnisse  der  Krcisvertrauensleute
  sind  vielfach  ungenügend  geregelt;  aber  das  hat  wohl  keinen
daran  gehindert,  seine  volle  Pflicht  und  Schuldigkeit  zu  tun.  Wenn  der
Kreisvertrauensmann  seine  agitatorische  Aufgabe  nicht  erfüllen  kann,  so
liegt  das  an  der  Ueberlastung  mit  Anfragen,  Klagen,  Beschwerden  und
Gesuchen.  Darum  begrüße  ich  es,  daß  nun  Außenbeamte  in  Gestalt  neuer
Bezirksleiter  zur  Unterstützung  der  Kreisvertrauensleute  angestellt  werden
sollen.  Diese  Beamten  dürfen  nicht  in  Stettin  wohnen,  sondern  sie  müssen
mitten  im  Bezirk  leben,  so  daß  sie  jederzeit  zur  Stelle  fein  können.  Besonders
wichtig  erscheint  mir  die  Einrichtung  einer  Pressezentrale.
Göbel-Stralsund:  Ich  begrüße  ebenfalls  die  Mitteilung  des  Vorstandes. ­
  Die  Teilung  unseres  Regierungsbezirkes  in  zwei  Gaue  erscheint
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        32

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mir  nicht  sehr  praktisch,  weil  wir  unter  einem  einheitlichen  Lohngebiet  mit
Ausnahme  von  Rügen  stehen.  Es  wäre  wohl  besser,  wenn  die  beiden  Gaubeamten ­
  in  einem  Büro  sitzen.
Die  Materialsammlung  ist  sehr  notwendig.  Auch  in  der  Beziehung
wäre  eine  männliche  Hilfskraft  zweckmäßiger.  Bedauerlich  ist  es,  baß  die
Arbeiterausschüsse  nicht  eng  genug  mit  den  Schlichtungsausschüssen  in  Fühlung ­
  stehen.  Manche  unserer  Aeußerungen  werden  durch  den  Denkapparat
der  Landarbeiter  wesentlich  verschärft  und  anders  aufgefaßt,  was  uns  sehr
gefährlich  werden  kann.  Der  §  14  der  Verordnung  vom  3.  September
hätte  in  unserem  „Landarbeiter"  näher  erläutert  werden  müssen.  Ein
Kollege  hat  von  den  Arbeitersekretariaten  gesprochen.  Ich  weise  daraus
hin,  daß  bei  unserer  jungen  Organisation  eine  Gefahr  besteht.  Die  Kollegen
sind  in  die  Gesetzgebungsmaterie  nicht  genügend  eingeweiht.  Bekommen
sic  bei  uns  keinen  Rat,  dann  laufen  sie  zum  Arbeitersekretär,  der  vielleicht
die  Sache  anders  anfaßt.  Dann  sind  wir  unten  durch.
Schwarz-  Stettin:  Uns  in  der  Gauleitung  freut  es,  wenn  wir  ein  kleineres ­
  Arbeitsgebiet  gekommen.  Aber  von  der  Zentrale  hat  man  gewöhnlich  die
besten  Bahnverbindungen,  und  man  muß  auch  in  ständiger  Verbindung
mit  dem  Regierungspräsidenten  bleiben.  Darum  ist  es  notwendig,  daß
auch  Sparsamkeitsgründe  beachtet  werden.  Die  Kreise  sind  nicht  zu  groß,
die  einzelnen  Kollegen  kommen  aber  mit  zu  viel  Wünschen.  Wenn  in  kleineren
Städten  Schlichtungsausschüsse  errichtet  werden,  dann  kann  das  eine  Gefahr
werden,  wenn  die  Ausschüsse  nicht  anders  besetzt  werden.  In  Labes  war  der
Vorsitzende  des  Schlichtungsausschusses  der  Ansicht,  wir  wollten  nur  den
Amtsgerichten  das  Recht  wegnehmen.  Die  Beamten  in  den  Ausschüssen
werden  viel  zu  sehr  beeinflußt  von  den  Unternehmern.  Die  Leute  müssen  noch
viel  erzogen  werden.
R  o  s  i  n  -  Schlawe^Ich  stimme  dem  Vorredner  nicht  ganz  zu.  Die  Organisation ­
  ist  nur  dadurch  so  stark  geworden,  daß  wir  im  Frühjahr  etwas
erreicht  haben.  Wir  werden  den  Verband  stärken,  wenn  wir  auch  im
nächsten  Frühjahr  wieder  -  etwas  mehr  erreichen.  Der  Kreis-  Schlawc  ist
außerordentlich  groß  und  kann  kaum  von  einer  Stelle  bearbeitet  werden.
Jetzt  treibt  dort  der  Christliche  Verband  starke  Agitation,  und  er  rängt
viele  Kollegen  ein,  weil  sie  gar  nicht  wissen,  daß  der  Zentralverband  ein
christlicher  ist.  Unsere  Vertrauensleute  müssen  besser  informiert  werden.
Dadurch,  -daß  die  Leute  in  die  Wohnungen  der  Vertrauensleute  kamen,
haben  wir  erst  ihr  Vertrauen  erworben.
H  o  f  m  a  n  n-  Randow:  Die  jetzigen  Gauleiter  können  ihre  Gaue  ganz
gut  allein  leiten;  aber  es  wäre  gut,  wenn  sie  zwei  Hilfsgauleiter  bekommen,
von  denen  einer  die  Presse  mit  bearbeitet.  Nur  wer  ständig  in  Fühlung
mit  den  Kollegen  im  Lande  ist,  wird  die  Presse  zweckmäßig  bearbeiten
können.  Auf  den  Gauleiter  sehen  die  Kollegen  wie  auf  den  Herrgott.
Würden  wir  einen  zweiten  Gauleiter  einsetzen,  dann  verliert  der  Gauleiter
an  Ansehen.
E  i  s  e  r  m  a  n  n  -  Köslin:  Rosin  kann  ich  nicht  ganz  zustimmen.  Auf.
Moinenterfolge  kann  sich  keine  Organisation  aufbauen.  Dauernd  können  wir
nicht  solche  Erfolge  erzielen.  Die  Organisation  ist  sehr  in  die  Breite  gewachsen.
Wir  haben  alle  Ursache,  jetzt  mehr  in  die  Tiefe  zu  gehen.  Einzelne  Kreise
sind  viel  zu  groß  für  einen  Vertrauensmann;  aber  der  Vertrauensmann
muß  mit  aller  Kraft  die  organisierten  Kollegen  schulen  und  aufklären.  Wir
müssen  den  Kollegen  sagen,  daß  wir  nicht  endlos  mit  immer  neuen  Forde-  -
ruugen  kommen  können.  Der  Egoismus  der  Landarbeiter  ist  vielfach  ungesund, ­
  und  wir  müssen  mehr  für  idealistische  Ziele  eintreten.
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        Schmidt:  Ihr  überlaßt  es  wohl  dem  Verbandsvorstand,  aus  dieser
Debatte  die  Nutzanwendung  für  die  Einteilung  in  Pommern  zu  ziehen?
Wir  müssen  dabei  ja  auch  die  Wohnungsverhältnisse  berücksichtigen.  Wenn
wir  den  Bezirk  Stettin  nicht  trennen,  so  liegt  es  doch  anders  bei  dem  Bezirk
Köslin,  zu  dem  ja  auch  die  westpreußischen  Bezirke  kommen.
Löhrke  -  Berlin:  Die  Tariffrage  spielt  für  uns  in  den  kommenden  Monaten ­
  wohl  die  allergrößte  Rolle.  Die  Regelung  der  Arbeits-  und  Lohnverhältnisse ­
  der  Landarbeiter  muß  ja  tariflich  geschehend  Sie  sind  hier  aus
einem  Landesteil,  in.  dem  man  sich  gegen  den  Abschluß  der  Tarifverträge
am  meisten  gewehrt  hat.  Die  Hommerschen  Arbeitgeber  haben  genau  erkannt, ­
  welche  große  Gefahr  für  sie  der  Tarifabschluß  ist,  weil  er  den  ersten
Steinaus  dem  Gebäude  ihrer  Macht  bricht.  Wir  haben  aber  bei  Abschluß
von  Tarifverträgen  auch  mit  Widerständen  zu  rechnen  aus  den  Reihen  der
Arbeitnehmer,  die  Ansprüche  stellen,  die  wir  sehr  oft  nicht  befriedigen  können. ­
  Die  Väter  dieser  Ansprüche  sind  in  den  meisten  Fällen  einzelne  Personen, ­
  die  ihre  Gedanken  in  die  Landarbeiter  hineintragen,  um  eine  Zerrissenheit ­
  der  Organisation  Herbeizuführen.  Wir  Funktionäre  müssen  also
auch  draußen  den  Mut  haben,  in  Versammlungen  und  Konferenzen  den
Kollegen  zu  sagen,  was  ist.  Es  liegt  die  Stärke  eines  Gauleiters  und  Vertrauensmannes ­
  nicht  darin,  daß  er  zu  allen  Ansprüchen  der  Mitglieder  ja
sagt,  sondern  daß  er  überlegt  und  nach  ganz  bestimmten  Grundsätzen  handelt ­
  und  unter  Umstünden  auch  den  Kollegen  entgegentritt.  Was  wir  bisher
an  Tarifen  haben,  ist  Stückwerk,  geboren  aus  dem  Uebergang.  Wir  hatten
nicht  die  nötigen  Unterlagen  für  unsere  Aufgabe,  hatten  aber  einen
Gegner,  der  in  der  ersten  Zeit  nach  der  Revolution  von  vornherein  zu
Unterhandlungen  bereit  war.  Nur  in  Pommern  hat  man  sich  von  vornherein ­
  gegen  die  Tarife  gewehrt.  In  Zukunft  werden  wir  mit  einer  noch
viel  größeren  Gegnerschaft  bei  den  Unternehmern  zu  rechnen  haben.  Wir
dürfen  nicht  vergessen,  daß  bei  den  Arbeitgebern  die  Organisation  schneller
und  durchgreifender  von  statten  geht  wie  bei  uns.  Sie  kämpfen  mit  allen
Mitteln  um  ihre  Macht.  Es  kommt  nun  darauf  an,  was  wir  bei  den  neuen
Tarifverhandlungen  zu  beachten  haben.  Bei  der  Arbeitszeit  dürfen  wir
uns  nicht  von  Phrasen  leiten  lassen,  sondern  müssen  auf  die  wirtschaftlichen
Notwendigkeiten  der  Landwirtschaft  Rücksicht  nehmen.  Es  ist  nicht  nichtig,
daß  man  bei  der  Arbeitszeit  absolut  den  achtstündigen  Durchschnitt  nehmen
muß.  Ich  stehe  auf  dem  Standpunkt,  daß  die  zehnstündige  Arbeitszeit  als
Höchstarbeit  genügt.  Die  Abstufung  auf  niedrigere  Arbeitszeiten  muß  dein
Tarifvertrag  überlassen  bleiben,  und  die  Arbeitszeit  für  die  einzelnen  Monate ­
  muß  im  Tarifvertrag  festgelegt  werden.  Das  Wort  „nach  freier  Vereinbarung" ­
  muß  heraus.  Die  Arbeitszeit  muß  im_  Tarif  zuerst  geregelt
werden.  Die  letzten  Tarife  waren  zum  großen  Teil  aufgebaut  auf  dem
Satz:  Das  Mindestjahreseinkommen  des  Landarbeiters  beträgt  so  und  fo
viel.  Ich  stehe  heute  auf  einem  anderen  Standpunkt.  Erst  müssen.  wir
untersuchen:  was  muß  der  Landarbeiter  als  Deputat  haben  und  was  an
Barlohn?  Dann  ergibt  sich  das  Jahreseinkommen  von  selbst.  Beim  Deputat ­
  müssen  wir  versuchen,  die  Mengen  im  Tarif  festzulegen.  Dann  hat
der  Landarbeiter  etwas  Greifbares,  und  man  kann  dann  auch  den  Barlohn
festlegen.  Wo  man  nur  Preise  festlegt  für  das  Deputat  statt  die  Mengen,
wird  der  Vertrag  außerordentlich  dehnbar.  Bei  den  Deputaten  muß  man
ferner  die  wirklichen  Preise  einsetzen.  Es  ist  eine  Vorspiegelung  falscher
Tatsachen,  wenn  wir  in  den  Tarif  das  Brotgetreide  mit  l5  Mk.  einsetzen,
wie  heute  in  Ostpreußen.  In  Ostpreußen  gibt  es  bei  der  Nichtlieferung
den  Höchstpreis.  In  Wirklichkeit  ist  aber  der  geschriebene  Sah  viel  nie-
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        34

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M£ r 3^\L£rirT?'&amp;amp;  A--driger

  als  ibie  wirkliche  Einnahme  des  Landarbeiters.  Die  anderen  Landesteile ­
  stützen  sich  auf  den  geschriebenen  Satz;  aber  es  steht  bei  ihnen  nicht
darin,  das;  der  Höchstpreis  bei  Nichtlieferung  gezahlt  wird.  Wenn  man
Deputatmengen  und  die  wirklichen  Deputatpreise  eingesetzt  hat,  dann  mutz
man  sich  fragen,  was  der  Landarbeiter  an  Barlohn  braucht.  Man  wird
doch  vor  den  Verhandlungen  mit  den  Kollegen  Rücksprache  nehmen.  Das
Resultat  der  Kreiskonferenz  mutz  die  Unterlage  für  die  Verhandlungen  sein.
Wenn  dann  der  Gauleiter  diese  Forderungen  in  einem  Rahmen  zu  einem
Tarifmuster  verarbeitet  hat,  dann  mutz  mau  darauf  bestehen,  datz  die  Verhandlung ­
  an  Hand  dieses  Tarifmusters  geführt  wird.  Bei  Festlegung  der
Barlohnsätze  muß  man  auch  die  übrigen  Arbeiterkategoricn  berücksichtigen.
Im  Bezirk  Pommern  habe  ich  den  Tarif  für  Rügen  bearbeitet.  Gleich  am
anderen  Tage  mutzte  ich  feststellen,  datz  wir  die  Gutshandwerker  vergessen
hatten,  ebenso  wie  die  Gutshandwerker  selber  nicht  daran  gedacht  hatten.
Bei  der  Festsetzung  der  Barlöhne  muß  man  also  an  alle  Arbeiterkategorien
denken.  .  Es  mutz  darauf  hingearbeitet  werden,  datz  das  Hofgänger-  oder
Scharwerkersystem'  aus  der  Welt  geschafft  wird.  (Lebhafte  Zustimmung.)
Der  Depuratempsünger  oder  Jnstmann  mutz  den  Vertrag  persönlich  für  sich
abschlietzen;  jeder  Hofgänger  mutz  seinen  Vertrag  für  sich  haben.  Er  mutz
freier  Arbeiter  werden.  Wenn  die  Arbeitgeber  darauf  eingehen,  können
wir  ihnen  viel  leichter  Arbeiter  verschaffen.  Das  muß  ihnen  gesagt  werden.
Genau  so  muß  gefordert  werden,  daß  die  Frauenarbeit  als  Pflichtarbeit
aus  dem  Tarif  beseitigt  wird.  Damit  ist  nicht  gesagt,  daß  die  Frauen  nicht
arbeiten  sollen;  aber  der  Mann  soll  nicht  gezwungen  werden,  einen  Vertrag
einzugehen,  in  dem  die  Frau  mit  einbegriffen  ist.  Damit  wird  der  Zustand
beseitigt,  datz  Deputatempfänger  mit  einer  kranken  Frau  keine  Arbeit  bekommen. ­


Beim  Jahreseinkommen  wird  man  ja  wirkliche  Zahlen  bringen,  das
Deputat  zu  den  wirklichen  Preisen  möglichst  für  jeden  Monat,  dann  die
einzelnen  Arbeitergruppen  richtig  angeben,  Beim  Tarif  in  Rügen  haben
wir  schon  den  Versuch  gemacht.  Das  wird  Widerstand  bei  den  Arbeitgebern ­
  erzeugen,  aber  es  mutz  gemacht  werden.  Die  Höhe  des  Jahresarbeitsverdienstes ­
  wird  dann  rechnerisch  größer  iverden,  indem  wir  die  wirklichen
Deputatpreise  einsetzen.  Das  ist  aber  notwendig,  weil  man  heute  bei  den
staatlichen  Waldarbeitern  immer  die  Verdienste  der  Landarbeiter  als  maßgebend ­
  bezeichnet.  Der  Waldarbeiter  hat  aber  die  Vergünstigung  des  Deputats ­
  nicht,  und  er  wird  geschädigt,  wenn  das  Deputat  der  Landarbeiter
zu  gering  bewertet  wird.  Das  Jahreseinkommen  der  Deputanten  ist  maßgebend ­
  auch  für  die  Jahreseinkommen  der  Freiarbeiter  in  der  Landwirtschaft. ­
  die  durch  eine  zu  niedrige  Bewertung  des  Deputats  also  gleichfalls

sehr  geschädigt  werden.
Die  Kündigungstermine  für  viele  Tarife  sind  so  gelegt,  datz  sie  im
Januar  ablaufen.  Das  ist  die  unglückseligste  Zeit  für  die  neue  Verhandlung. ­
  Wir  müssen  danach  trachten,  das;  die  Tarife  im  Frühjahr  ablaufen.
Es  ist  ein  großer  Unterschied,  ob  durch  einen  Skreik  die  Snatbestellung  beeinträchtigt ­
  wird,  oder  ob  im  Januar  es  sich  nur  um  die  Düngersuhren,
Drescher,  und  Holzholen  handelt.  Die  Knndigungszeit  unserer  Landarbeiter
an  sich  ivird  in  Ostpreußen  für  den  l.  April  gewünscht.  Bei  der  jetzigen
Ziehzeit  Ivird  die  Hackfrnchterute  beeinträchtigt,  und  auch  für  den  Arbeiter
liegt  das  Frühjahr  als  Ziehzeit,  günstiger.
Unsere  Gauleiter  dürfen  es  sich  nicht  verdrießen  lassen  bei  de»  Verhandlungen ­
  über  die  Kreistarife  persönlich  anwesend  zu  sein.  Man  hat
Kreistarife  abgeschlossen,  wo  weder  Gauleiter  noch  Kreisvertrauensmann
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        35

anwesend  waren.  Hinterher  wurden  dann  Aenderungen  in  die  Tarife  gebracht ­
  zum  Schaden  der  Arbeiter.  Der  Gauleiter  muß  bei  solchen  Tarifabschlüssen ­
  anwesend  sein  oder  einen  Vertreter  schicken,  der  der  Ausgabe
gewachsen  ist.  Die  Arbeitgeber  respektieren  auch  den  Gauleiter  mehr  als
den  Kreisvertrauensmann.  (Sehr  richtig!)
Man  hat  in  Schlesien  den  Plan,  einen  Provinzialtarif  abzuschließen.
Dabei  muß  man  aber  sehr  vorsichtig  sein.  Wir  wollen  einen  solchen  Antrag
nicht  abweisen.  Aber  der  Provinzialtaris  kann  nur  ein  Rahmentaris  sein,
und  wir  müssen  uns  hüten,  dann  in  den  Tariffimmel  zu  verfallen.  Wir
dürfen  da  nicht  zu  viel  Paragraphen  haben,  die  alles  und  doch  nichts  sagen.
Wenig  Paragraphen  und  nur  das  Allernotwendigste.  Schmidt  hat  mir
neulich  einen  Rahmentarif  für  die  Bergarbeiter  gezeigt,  der  uns  als  Muster
dienen  könnte.  Wenn  ein  Provinzialtaris  angeregt  wird,  dann  sollten  die
Kollegen  sich  mit  dem  Hauptvorstand  in  Verbindung  setzen.  Was  für  Stralsund ­
  usw.  aufgebaut  ist,  ist  kein  Provinzialtaris,  sondern  ein  Kreistarif  für
drei  Kreise.  Der  Provinzialtaris  kann  immer  nur  ein  Rahmentarif  sein,
an  den  sich  Kreistarife  anschließen.
Die  Preispolitik  in  der  Landwirtschaft  wird  für  unsere  künftige  Tarifarbeit ­
  eine  große  Rolle  spielen.  Man  hat  versucht,  uns  vor  den  Wagen
der  Unternehmer  zu  spannen.  Es  werden  den  Landwirten  Erleichterungen
geschaffen  werden.  Wir  sind  auch  weiterhin  genötigt,  Lohnerhöhungen  zu
fordern.  Lohnforderungen  gehen  immer  konform  mit  dem,  was  der  betreffende ­
  Beruf  verdient.  Wenn  die  Agrarier  in  ihrer  Verdienstmöglichkeit
beschränkt  werden,  werden  sie  sich  schwer  zu  höheren  Löhnen  verstehen.  Die
höheren  Preise  für  die  Landwirtschaft  werden  bei  den  Industriearbeitern
viel  Staub  aufwirbeln.  Wenn  die  Kollegen  beobachtet  Habens  wie  mit
wenigen  leichtfertigen  Sätzen  diese  Fragen  auch  in  der  Parteipresse  behan--delt
  werden,  dann  begreifen  sie  auch,  daß  man  die  Sache  nicht  tief  genug
studiert  hat.  Wenn  wir  unseren  Kollegen  eine  bessere  Lebenslage  vrschaffen
wollen,  dann  müssen  wir  auch  prüfen,  wie  weit  den  Landwirten  entgegengekommen ­
  werden  muß.  Ich  halte  es  für  sehr  leichtfertig,  wenn  jemand
erklärt,  die  Landwirte  sind  heute  in  der  Lage,  jede  Lohnforderung  zu  bewilligen. ­
  Es  ist  auch  nicht  wahr,  daß  die  Landwirtschaft  in  den  Kriegsjahren ­
  wahnsinnige  Verdienste  herausgeschunden  hat.  ,  Sie  haben  auf  der
einen  Seite  verdient;  aber  auf  der  anderen  Seite  sind  notwendige  Ausgaben
unterblieben,  weil  sie  nicht  ausgeführt  werden  konnten.  Denken  wir  nur
an  die  Bauarbeiten.  Es  liegt  mir  fern,  für  die  Agrarier  einzutreten;  aber
wir  können  an  ihren  Forderungen  auch  nicht  ohne  weiteres  vorbeigehen
Wir  hatten  die  Absicht,  als  Organisation  auch  die  Wirtschaftsfragen  mit
den  Agrariern  zu  besprechen.  Wir  hatten  die  Reichsarbeitsgemeinschaft
gewünscht,  in  der  wir  solche  Fragen  mit  den  Unternehmern  werden  ventilieren ­
  müssen.  Dann  müssen  wir  uns  vorsehen,  daß  nicht  der  Vorstand  die
Fragen  anders  beurteilt  als  die  Funktionäre  im  Lande.  Wir  werden  dann
unsere  Leute  informieren  und  einheitlich  arbeiten  müssen.-  Auch  dann,
wenn  es  dem  einen  oder  anderen  gegen  den  Strich  geht.  In  der  Parteivresse
  müssen  wir  auch  zu  der  Sache  Stellung  nehmen,  und  wir  müssen  den
Industriearbeitern  gegenüber  Farbe  bekennen.
Die  heutige  Konferenz  ist  einberufen  worden,  weil  in  Pommern  die
Verhältnisse  so  prekär  liegen,  daß  der  Hauptvorstand  der  Ansicht  ist.  wir
inüssen  für  Pommern  andere  Maßnahmen  treffen,  als  für  andere  Teile
Deutschlands.  Persönlich  bin  ich  der  Ueberzeugung,  daß  in  Pommern  die
Keimzelle  liegt  zur  Gegenrevolution,  daß  in  Pommern  die  Agrarier  soweit
wie  möglich  die  gewerkschaftliche  Organisation  der  Landarbeiter  nieder-
        <pb n="36" />
        36

halten  und  zertrümmern  wollen,  um  dann  denselben  Gedanken  auf  -  das
ganze  Reich  zu  übertragen.  Wangenheim  hat  auf  der  Provinzialversammlung ­
  des  Bundes  der  Landwirte  ganz  klar  gesagt,  daß  die  Organisation
zerschmettert  werden  muß'.  Sie  haben  nichts  gegen  Lohnerhöhungen,  aber
gegen  die  Verkürzung  der  Arbeitszeit.  Sie  haben  die  Mittel,  um  uns  den
Kampf  anzubieten.  Deswegen  müssen  wir  prüfen,  welche  Mittel  wir  anwenden ­
  müssen,  um  ihnen  diese  Möglichkeit  zu  nehmen.
Wir  müssen  den  Kampf  annehmen  iin  Interesse  der  Landarbeiter.  D  i  e
Kraft  des  W  i  d  e  r  st  a  n  d  e  s  der  Arbeitgeber,  d  ie  nicht  aus
wirtschaftlichen,  sondern  a  u  s  politischen  Gründen
dem  Abschluß  von  Tarifverträgen  entgegengesetzt
wird,  müssen  wir  brechen.  Muß  die  Kraft  der  Organisation
durch  Streik  hierzu  angewandt  werden,  so  liegt  die  Gefahr  eines  schweren
Kampfes  vor,  der  zum  Bürgerkrieg  ausarten  kann,  wenn  die  Gutsbesitzer
die  Waffen  behalten  und  die  Baltikum  truppen  in  Pommern  bleiben.
Neben  dem  Abschluß  von  Tarifen  kommt  ihre  Durchführung,  d.  h.  ihre
Anerkennung  von  beiden  Seiten,  in  Frage.  Es  gibt  leider  auch  bei  uns
Kollegen,  die  den  Tarif  nicht  durchführen.  Der  Hauptwiderstand  liegt  aber
bei  den  Arbeitgebern.  Selbst  wenn  die  Organisationsleitung  der  Arbeitgeber ­
  einen  Tarif  mit,  uns  abschließt,  arbeitet  ein  großer  Teil  der  einzelnen
Arbeitgeber  dagegen.  Unsere.  Kollegen  verlangen  gesetzliche  Maßnahmen
und  Verordnungen,  um  die  Arbeitgeber  zur  Anerkennung  der  Tarife  zu
zwingen.  Die  heutigen  Verordnungen  reichen  dazu  nicht  aus,  und  bis  die
Regierung  das  nachholt,  vergeht  Zeit,  die  wir  nicht  ungenützt  lassen  dürfen.
Wir  wissen  heute  noch  nicht  einmal,  ob  die  Regierung  die  Macht  hat,  die
Waffen  aus  der  Provinz  Pommern  wieder  herauszuziehen.  Darum  müssen
wir  unsere  Taktik  entsprechend  aufbauen.  Darum  wollen-  wir  unseren  Apparat ­
  vergrößern  und  besser  ausbauen.  Nur  wo  die  Arbeiter  sich  durch
die  Gewerkschaft  wirtschaftlich  frei  gemacht  haben,  können  sie  die  politische ­
  Macht  erringen.  Wir  werden  in  Pommern  siegen,  wenn  nicht  durch
die  Parteispaltung  eine  Verwirrung  in  die  Köpfe  der  Landarbeiter  gebracht ­
  wird.  Im  Interesse  der  ganzen  Sache  müssen  wir  in  der  Arbeit
eins  werden.  Wenn  wir  das  fertig  bringen  in  der  Gewerkschaft,  dann
haben  wir  auch  einen  politischen  Einfluß  auf  die  uns  fernstehenden  Kreise.
Wenn  die  Unternehmer  das  sehen,  dann  werden  sie  ihre  Schwäche  fühlen;
dann  wird  auch  die  Gewerkschaftsarbeit,  der  Abschluß  von  Tarifen  leichter
und  dieMaßregelungen  werden  abnehmen  in  dem  Maße,  wie  dix  Arbeitgeber
fühlen,  daß  unsere  Macht  stärker  ist  als  die  ihre.
S  ch  m  i  d  t:  Es  sind  folgende  Antrage  eingegangen:  1.  „Die  Unterzeichneten ­
  bitten  um  Herausgabe  einer  Broschüre:  Material  zur  Bekämpfung ­
  des  Pommerfchen  Landbundes."  Meier,  Schmorl.
Die  Vorbereitungen  dazu  sind  getroffen.  Es  soll  eine  Broschüre  erscheinen ­
  über  die  gelben  Organisationen  in  der  Landwirtschaft.  Ich  bitte
Sie  aber,  das  Material  einzuschicken.  Es  schadet  nichts,  wenn  wir  etwas
doppelt  bekommen.
2.  „Die  Versammlung  wolle  beschließen,  daß  bei  allen  Versammlungen
der  Pommersche  Laudbund  unter  keinen  Umständen  als  Arbeitnehmer-Organisation, ­
  sondern  nur  als  Arbeitgeber-Organisation  zuzulassen  ist."
Das  ist  unser  Standpunkt,  beit  wir  hier  nochmals  unterstreichen.  Die
Leute  dürfen  nur  auf  der  Arbeitgeber-seite  sitzen.  Es  sind  Bestrebungen  im
Gange,  ihn  auch  als  Arbeitervertretung  anzuerkennen;  aber  das  können
wir  nicht  zulassen.  Von  jeder  Maßregelung  muß  uns  genaue  Mitteilung
        <pb n="37" />
        gemacht  werden.  Name  des  Gemaßregelten,  Name  des  Betriebes,  Gründe
der  Entlassung  und  Beschäftigungsdauer  müssen  Mitgeteilt  werden.  —  Wir
dürfen  auch  nicht  die  Forstarbeiter  vergessen.  —  Sie  sind  wohl  einverstanden,
daß  die  Anträge  dem  Vorstand  überwiesen  werden.  (Zustimmung.)
Wir  freuen  uns,  daß  hier  eine  Anzahl  Kollegen  zusammen  ist,  mit  denen
wir  glauben,  arbeiten  zu  können.  Unterstützt  uns  in  dem  schwierigen  Arbeitsgebiet ­
  durch  ruhiges  und  sachliches  Arbeiten.  Man  mag  manchmal  erbittert ­
  sein  über  Maßnahmen  der  Arbeitgeber;  aber  dem  Gegner  gegenüber
ist  Sachlichkeit  immer  die  beste  Waffe.  Man  darf  ihnen  nicht  den  Vorwand
geben,  daß  sie  die  Verhandlung  ablehnen.  Mit  Kraftausdrücken  in  Briefen
und  in  den  Verhandlungen  wird  nichts  erreicht.  Gerade  in  Pommern,  wo
alles  gegen  den  Verband  ausgeschlachtet  wird,  müßt  Ihr  Euch  der  größten
Sachlichkeit  befleißigen.  Damit  wären  die  heutigen  Verhandlungen  abgeschlossen. ­
  Wir  wollen  hoffen,  daß  auch  die  heutige  Konferenz  der  Förderung
der  Interessen  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes  dienen  wird.
Mit  dein  Wunsche,  daß  die  Organisation  von  den  Beschlüssen  Vorteil
haben  wird,  schließe  ich  die  heutige  Besprechung.
Schluß  der  Sitzung  5l«  Uhr.
        <pb n="38" />
        38

V

Material  zur  Beurteilung  der  Vorgänge  in  Pommern.
Wörtlicher  Auszug  aus  dem
Protokoll  des  Deutschen  Landbundes
über  ib'tc  Besprechung  am  16.  Mai  1919,  in  welcher  Kollege  Gg.  Schmidt
von  dem  Direktor  des  Pom.  Landbundes,  v.  Dewitz,  wegen  seiner
Stellung  zum  Landarbeiterstreik  befragt  wurde:
Herr  v.  Dewitz  (Pommerscher  Landbund)  wendet  sich  dann  in  längeren  Ausführungen ­
  zur  Arbeiterfrage  und  zum  Zusammenhang  der  Landarbeiterlöhne  mit
den  Preisen  für  die  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse,  befürwortet  einen  Ausgleich
zwischen  den  Forderungen  der  ländlichen  Arbeiter  und  Arbeitgeber  in  Lohnkommissionen ­
  und  stellt  dann  an  Herrn  Schmidt  die  Frage,  ob  die  Landarbeiter  im
Interesse  der  Volksernährung  nicht  grundsätzlich  auf  den  Streik  verzichten  könnten.
Ein  Streik  der  Landarbeiter  sei  für  diese  ebenso  katastrophal  wie  der  Streik  der
Landwirte.
Herr  Schmidt  (Landarbeiter-Verband)  erklärt  demgegenüber  schlechte  Erfahrungen ­
  bei  der  Zusammenarbeit  mit  landwirtschaftlichen  Organisationen  gemacht ­
  zu  haben.  Er  wirkt  stets  darauf  hin,  daß  nicht  nur  die  Interessen  der
Konsumenten,  sondern  auch  der  Produzenten  berücksichtigt  würden.  Anderseits
müßten  bei  der  Regelung  der  Lohnfragen  sich  die  Landwirte  auch  in  ihrem  Betrieb ­
  hineinreden  lassen.  Grundsätzlicher  Verzicht  auf  das  Streikrecht  seitens  der
Landarbeiter  sei  von  seiner  Organisation  nicht  möglich.  Er  stimm!  dem  aber
bei,  daß  Streiks  möglichst  zu  vermeiden  seien,  jedenfalls  jedem  Streik  Verhandlungen ­
  im  Schlichtungsausschuß  vorangehen  müssen.  Wenn  die  unteren  Organe
des  Landarbeiter-Verbandes  versagten,  so  liegt  dies  eben  an  der  mangelnden
Schulung  und  Aufklärung,  weil  seine  Organisation  früher  von  den  Landwirten
bekämpft  worden  sei.  Wären  die  Landarbeiter  früher  organisiert  worden,  so
würden  sie  jetzt  für  die  Abmachungen  diziplinierter  dastehen.
Herr  von  Dewitz  (Pommerscher  Landbünd)  hebt  die  einigenden  Punkte
mit  den  Landarbeitergewerkschaften  hervor.  Einmal  habe  Herr  Schmidt  das
gemeinsame  Zntercsie  der  Produzenten  und  Konsumenten  anerkannt,  zum  andern
habe  er  der  Auftlärung  der  Arbeiterschaft  in  volkswirtschaftlicher  Beziehung  das
Wort  geredet,  und  zum  dritten  habe  er  hinsichtlich  der  Preise  erklärt,  es  sei  beachtenswert, ­
  daß  Angebot  und  Nachfrage  sich  wieder  regulieren.  Er  akzeptiere
diese  Zugeständnisse  und  bitte  nochmals,  darauf  hinzuwirken,  daß  die  unteren
Organisationen  des  Landarbeiter-Verbandes  in  der  Provinz  auch  nach  den
Direktiven  der  Leitung  arbeiten.
Abschrift  rinc§  Schreibens  des  Pommerschen  Landbundes
an  den  Ministerpräsidenten  Scheidemann  vom  21.  Mai  1919:
Pommerscher  Landbünd.  Stettin,  den  21.  Mäi  1919.
Tgb.-Nr.  898/19-  Einschreiben!
Ew.  Exzellenz!
Namens  des  Pommerschen  Landbundes  erlaube  ich  mir,  Eio.  Exzellenz  nachfolgendes ­
  zu  unterbreiten:
Der  Wille  der  pommerschen  Landwirtschaft,  in  dieser  schweren  Zeit  durch  Aufrechterhaltung ­
  der  Arbeit  die  Lieferung  von  Nahrungsmitteln  und  di«  Feldbe-
        <pb n="39" />
        39

stellung  für  die  neue  Ernte  sicherzustellen,  wird  in  ernstestem  Maße  durchkreuzt
durch  die  Agitatoren  des  Landarbeiter-Verbandes,  der  in  unverhällter  Form  in
allen  Teilen  der  Provinz  zum  Streik  aufreizt  unter  der  Firma,  den  Landarbeitern
bessere  Löhne  zu  verschaffen.  Er  geht  dabei  ohne  Rücksicht  darauf  vor,  ob  unter
der  Landarbeiterschaft  ein  tatsächliches  Bedürfnis  nach  einer  solchen  Lohnerhöhung
besteht.  Er  läßt  es  auch  nicht  zu  Verhandlungen  zwischen  Arbeitgebern  und  Arbeitnehmern ­
  kommen,  sondern  setzt  Lohnsätze  fest  und  stellt  die  Arbeitgeber  vor  die
Frage,  ob  sie  dieselben  annehmen  oder  ablehnen  wollen.  In  letzterem  Fall  erfolgt
dann  unmittelbar  die  Niederlegung  der  Arbeit.  Nach  hier  vorliegenden  Nachrichten
wird  dabei  keineswegs  nur  das  wirtschaftliche  Interesse  des  Arbeiters  betont,  sondern ­
  es  wird  geradezu  zum  Bolschewismus  aufgereizt.  Es  hat  sich  auch  an
mehreren  Stellen  gezeigt,  daß  die  Arbeiter  beim  Streik  den  Besitzer  hinderten,  selbst
das  Vieh  zu  füttern,  indem  sie  die  Ställe  durch  bewaffnet«  Leute  sperren  ließen.
An  andern  Stellen  haben  die  Agitatoren  den  Leuten  gesagt'  „Ihr  müßt  streiken,
streiken  und  wieder  streiken.  Die  Löhne  müssen  so  lange  erhöht  werden,  bis  sie
nicht  mehr  weiter  können.  Dann  bekommt  Ihr  das  Land'"  Der  noch  loyale
Teil  der  Arbeiter  wird  mit  wüsten  Drohungeü  zum  Eintritt  in  die  Organisation
gezwungen,  dabei  wird  ihnen  eine  Frist  von  24  Stunden  gesetzt,  innerhalb  welcher
sie  ihren  Eintritt  in  die  Organisationen  erklärt  haben  müssen,  andernfalls  soll
vom  Besitzer  ihre  sofortige  Entlassung  erzwungen  werden.  Die  Agitatoren  des
Landarbeiter-Verbandes  sind  zum  großen  Teil  Leute,  die  mit  den  Verhältnissen
des  Landes  absolut  nicht  vertraut  sind.  Es  liegt  ihnen  auch  nicht  daran,  das
wirtschaftliche  Interesse  des  Landarbeiters  zu  wahren,  sondern  es  ist  der  Trieb,
durch  Erregung  von  Unfrieden  sich  selbst  eine  Stellung  zu  verschaffen  und  in  den
Augen  ihres  Verbandes  ähre  Gehaltszahlung  zu  rechtfertigen.  Diese  Leute  sitzen
zum  Teil  noch  in  den  Arbeiterräten  und  benutzen  ihre  angemaßte  amtliche
Stellung  dazu,  im  Namen  der  Regierung  die  Arbeiter  zum  Eintritt  in  ihre  Organe ­
  aufzufordern.  Die  Verhältnisse  in  der  Provinz  sind  dadurch  in  ein  außerordentlich ­
  bedenkliches  Stadium  getreten.  An  vielen  Stellen  haben  Streiks  stattgefunden, ­
  an  andern  Stellen  haben  die  Besitzer  den  Forderungen  nachgegeben,  die
so  ungeheuerlich  sind,  daß  z.  B.  auf  einzelnen  Betrieben  jährlich  zwischen  60  und
90  000  Mark  Löhne  mehr  gezahlt  werden  müssen.  Es  ist  offensichtlich,  daß  bei  der
Einbuße,  die  der  Boden  und  das  Inventar  durch  die  Kriegswirtschaft  erlitten
haben,  die  Güter  eine  derartige  Mehrbelastung  nicht  mehr  ertragen  können.  Die
Folge  wird  sein,  daß  ein  großer  Teil  der  Besitzer  vor  den  Bankerott  gestellt  wird,
und  daß  dementsprechend  die  Volksernährung  darunter  empfindlich  leidet.  Soll
das  aber  nicht  geschehen,  so  ist  eine  wesentliche  Erhöhung  der  Preis«  ländlicher
Produkte  erforderlich,  die  dann  wieder  zu  neuen  Lohnbewegungen  in  den  Städten
führen  muß.  Seitens  der  Behörden  Pommerns  ist  bisher  so  gut  wie  nichts  geschehen, ­
  um  dem  Treiben  dieser  Agitatoren  wirksam  entgegenzutreten.  Der  hiesige
Zentralrat  hat  in  verkappter  Form  eine  Diktatur  ausgeübt,  ohne  daß  ihm  mit
der  nötigen  Energie  entgegengetreten  wurde.
Die  unterzeichnete  Organisation  steht  auf  dem  Standpunkt,  daß  jetzt  nicht  die
Zeit  ist,  durch  übertriebene  Lohnforderungen  Unruhe  in  die  Arbeit  des  Landes  zu
tragen,  umsomehr,  als  gerade  der  Pommersche  Landbund  sich  die  Pflege  des  Arbeiterinteresses ­
  zur  besonderen  Aufgabe  gemacht  hat.  Sein  Wille  ist  es,  durch
rechtzeitige  Verhandlungen  zwischen  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  in  paritätisch
zusammengesetzten  Kommissionen  den  Wünschen  der  Arbeiterschaft,  soweit  sie
herechtigt  sind,  Geltung  zu  verschaffen  und  dadurch  Lohnbewegungen  zu  verhüten. ­
  Er  wird  aber  bald  durch  dieses  Treiben  unverständlicher  Hetzer  gehindert,
und  der  Tag  ist  abzusehen,  wo  die  Landwirtschaft  Pommers  sich  in  einen  bolschewistischen ­
  Zustand  versetzt  sieht.  Die  Verhandlungen  des  Direktors  mit  dem
Leiter  des  Landarbeiter-Verbandes,  Herrn  Schmidt,  gelegentlich  einer  Sitzung  in
        <pb n="40" />
        40

Berlin,  haben  allerdings  dazu  geführt,  daß  Herr  Schmidt  den  Streik,  auf  dem
■  •  Lande  auf  alle  Fälle  beschränkt  wissen  wollte,  wo  die.Verhandlungen.scheiterten.
,  Aber,  gegen  das  Treiben  der  Agitatoren  scheint...»  machtlos  ,zu  sein,  denn  er
lehnte  die  Verantwortung  dafür  ab.  Der  Pommersche  Landbund  sieht  die  Möglichkeit ­
  der  Abhilfe  nur  darin,  daß  von  Ew.  Exzellenz  mit  allen  Mitteln  dem
Treiben  des  Landarbeiter-Verbandes  ein  Ende  gemacht  und  der  Streik  auf  dem
Lande  gesetzlich  verboten  wird.  Di«  Arbeitgeberschaft  ist  durchaus  und  an  allen
Stellen  bereit,  über  das  Interesse  des  Arbeiters,  zu  verhandeln,,  dagegen  wiixde
der  Klassenkampf  auf  dem  Lande  unmittelbar  zum  Ruin  führen.
Ew.  Exzellenz  darf  ich  diese  Verhältnisse  unterbreiten  und  die  Bitte  um  Maßnahmen ­
  dahin  knüpfen,  die  dahin  zielen,  der  im  Interesse  des  Wiederaufbaues  des
Vaterlandes  dringend  erforderlichen  Fortsetzung  landwirtschaftlicher  Arbeit  den
nötigen  Schutz  gegen  die  zur  Zeit  bestehenden  und  weiter  drohenden  ernsten  Gefahren ­
  zu  gewähren.  gez.  v.  Dewitz,  Direktor.
-  Der  Bericht  im
Nachrichtenblatt  des  Deutschen  Landbundes  '
vom  15.  Juni  1919  über  die  gemeinsame  Besprechung  am  16.  Mai  1919
(Siehe  vorstehenden  Auszug  aus  dem  Protokoll  des  Deutschen  Landbundes).
  .
Die.  Landarbeiter/Gewerkschaften  waren  in  wichtigen  Besprechungen  vertreten,
die  die  Arbeitsgemeinschaft  -der  deutschen  Landwirtschaft  am  16.  und  16.  Mai
.d.  I.  hatte.  Sowohl  der  christliche,  wie  der  sozialdemokratische  Landarbeit-erven
band  erklärten  im  Laufe  dieser  Besprechungen,  daß  es  das  Bestreben  ihrer  Gewerkschaften ­
  sei,  den  Landarbeitern'  ein  größeres  Verständnis  für  alle  volkswirtschaftlichen ­
  Fragen  beizubringen  und  diese  dementsprechend  von  der  Stellung  unbe--rechtigter
  Forderungen  und  der  Vornahme  unberechtigter  Streiks  abzuhalten.  Insbesondere ­
  der  Leiter  des  sozialdemokratischen  Verbandes  erklärte,  daß  er  stets
daraus  hinwirke,  daß  nicht  nur  die  Interessen  der  Konsumenten,  sondern  auch  die
der  Produzenten  berücksichtigt  werden  müßten.  Andererseits  müßten  bei  der  Regelung ­
  der  Lohnfragen  sich  die  Landwirte  auch  in  ihren  Betrieb  hineinreden
lassen.  Die  frühere  Stellungnahme  vieler  Landwirte,  die  sin  Verhandeln  mit
ihren  Arbeitern  und  deren.Gewerkschaften  abgelehnt  hätten,  sei  nicht  mehr  möglich. ­
  Gegenüber  der  Frage,  ob  die  Landarbeiter  im  Interesse  der  Volksernährung
nicht  grundsätzlich,  auf  den  Strssik  verzichten  könnten,  da  der  Streik  der  Landarbeiter ­
  für  die  Volksernährung  genau  so  katastrophal  wirke,  wie  der  Streik  der
Landwirte,  erklärte  der  Vorstand  des  Landarbeiter-Verbandes,,  daß  ein  grundsätzlicher ­
  Verzicht  auf  das  Streikrecht  seitens  der  Landarbeiter  von  feiner  Organisation ­
  nicht  möglich  sei.  ,  Er  stimmt  dem  aber  bei,  daß  Streiks  möglichst  vermieden ­
  werden  sollten  und  daß  jedenfalls  jedem  Streik  Verhandlungen  in
SchlichtungsausschUssen  vorangehen  müßten.  Menü  die  Unterorgane  des  Landarbeiterverbandes ­
  mitunter  versagten  und  selbständig  in  einer  Weise  vorging:n,
die  die  Zentrale  nicht  billigen  könne,  so  liege  dies  an  der  mangelnden  Schulung
und  Aufklärung.  Wären  die  Organisationen  nicht  früher  von  den  Landwirten
bekämpft  worden  und  wären  die  Landarbeiter  früher  organisiert  worden,  so  würden ­
  sie,  nach  seiner  Ansicht,  heute  für  die  Abmachungen  disziplinierter  dastehen.
Auf  eine  weitere  Frage,  ob  der  Landarbeiter-Verband  darauf  hinwirken  wolle,
daß  bei  Streiks  unter  allen  Umständen  für  die  Viehpflege  weiter  gesorgt  werde
und  Erntestreils  nicht  vorkommen  sollten,  erklärte  er,  daß  auch  im  Streitfälle  unbedingt ­
  die  notwendigen  Arbeiten  gemacht  werden  müßten.
Ein  Geschäftsführer  der  christlichen  Gewerkschaften  hatte  am  Tage  vorher  fast
dieselbe  Stellung  eingenommen.
        <pb n="41" />
        Der  Leiter  des  sozialdemokratischen  Verbandes  sprach  sich  ferner  dafür  auch
daß  die  auf  privater  Vereinbarung  zwischen  Arbeitgebern  und  -neymern  beruhenden
Schlichtungsausschüsse  den  amtlichen  ^Schlichtungsausschüssen  gleichgestellt  werden
sollten.
Die  Landwirte  werden  sich  die  in  diesen  'Aeußerungen  liegenden  wesentlichen
Zugeständnisse  der  Landarbeiter-Verbände  merken  müssen.  Einmal  wurde  er-,
klärt,  ■  daß  der  Landarbeiter  bei  seinen  Forderungen  aus  das  Interesse  der  Produktion ­
  Rücksicht  zu  nehmen  habe  und  daß  die  Verbände  in  diesem  Sinne  aufklärend ­
  wirken  wollten,  zum  anderen,  daß  sie  zwar  grundsätzlich  auf  das  Streikrecht ­
  nicht  verzichten  könnten,  wohl  aber  zugeben  müßten,  daß  im’  Streikfalle  die
naturnotwendigen  Arbeiten  gemacht  werden  mühten,  und  zum  dritten,  ,  daß  jedem
Streitfälle  Verhandlungen  in  Lohnkommissionen  oder  Schlichtungsausschllssen
vorangehen  müßten.  Das  wird  man  dahin  ergänzen  müssen,  daß  man  hinzusetzt
„mit  angemessener  Frist".
Wir  empfehlen  von  diesen  Erklärungen  dm  Gauleitern  und  sonstigen  Ver-,
  Handlungsführern  der  Arbeitnehmer  gegenüber  Gebrauch  zu  machen.  Im  Falle
von.Handlungen  der  Arbeitnehmer  und  ihrer  Vertreter,  die  gegen  diese  Gesichtspunkte ­
  verstoßen,  bitten  wir  um  sofortige  genaue  Mitteilung  von  Ibit  und  Zeit  de§
Vorfalles  und  Namen  der  Hanptbeteiligten  an  unsere  Geschäftsstelle,  Berlin
SM.  11.  Dessauer  Straße  30.
Richtigstellung  des  vorstehend  iviedergegebenen  Berichtes  in  den
Mitteilungen
des  Verbandsvorstandes  des  Deutschen  Landarbetter-Verbandes
vom  t.  Juli  1919:
Im  Deutschen  Landbund,  der  sich  früher  „Arbeitsgemeinschaft  der  deutschen
Landwirtschaft"  nannte,  obwohl  Arbeiter  an  dieser  „Arbeitsgemeinschaft"  nicht
beteiligt  waren,  haben  sich  all  die  diversen  Landbiinde  zusammengefunden,  oie
gegenwärtig  in  Deutschland  ihr  Wesen  treiben.  Nachdem  wir  den  Charakter  dieses
Landbundes  kennen  gelernt  haben,  lehnen  wir  eine  Beteiligung  an  diesem  Gebilde
ab.  Diese  Landbiinde  sind  gegen  den  Deutschen  Landarbeiter-Verband..  Es  werden ­
  darin  auch  Landarbeiter  als  Mitglieder  aufgenommen.  Den  Landarbeitern
wird  vorgeredet,  sie  sollten  nicht  in  Gewerkschaften  eintreten,  sondern  ihr  Heil  liege
in  der  Mitgliedschaft  im  Landbund.  Wir  warnen  unsere  Mitglieder  vor  diesen
Landbünden.
Von  diesem  Deutschen  Landbund  war  der  Verbandsborstand  unter  der  Firma
„Arbeitsgemeinschaft  der  deutschen  Landwirtschaft"  '  zum  16.  .Mai  dieses  Jahres
zu.  einer  Besprechung  in  Berlin  eingeladen.  Die  K  »liegen  Schmidt  und  Woldt  vom
Verbandsvor^tand  nahmen  auch  an  diesen  Beratungen  teil  und  wurde  ihnen  erklärt,
oaß  es  sich  dabei  um  eine  zwanglose  Besprechung  darüber  handele,  wie  es  möglich
sei,  durch  Zusammenfassung  aller  landwirtschaftlichen  Organisationen  der  deutschen
Landwirtschaft  zu  dienen.
Auf  eine  Anfrage  eines  der  führenden  Männer  dieser  Arbeitsgemeinschaft,  ob
oie  Landarbeiter  im  Interesse  der  Volksemährung  nicht  grundsätzlich  auf  den
Streik  verzichten  könnten,  erklärte  Kollege  Schmidt  Grundsätzlicher  Verzicht  auf  das
Streikrecht  sei  von  seiner  Organisation  nicht  möglich;  er  stimme  dem  aber  bei,
daß  Streiks  möglichst  zu  vermeiden  seien,  jedenfalls  jedem  Streik  Verhandlungen
in  Schlichtnngsausschüssen  vorangehen  müßten.  Wenn  die  unteren  Organe  des
Deutschen  Landarbeiter-Verbandes  zum  Teil  versagten,  so  liegt  dies  eben  an  der
mangelnden  Schulung  und  Aufklärung,  weil  die  Organisation  der  Landarbeiter
früher  von  den  Landwirten  mit  allen  Mitteln  bekämpft  wurde.  Wäre  es  mög-.
  lief)  gewesen,  die  Landarbeiter  früher  stärker  zu  organisieren,  so  würden  sie  jetzt
,  die  Tarifabmachungen  auch  besser  beachten.
        <pb n="42" />
        42

Diese  Ausführungen  werden  nun  von  diesem  Deutschen  Landbund  in  dem
Nachrichtenblatt  vom  15.  6.  19.  veröffentlicht.  Es  wird  weiter  in  dieser  Veröffentlichung ­
  gesagt,  ich  hätte  erklärt,  daß  bei  Streiks  die  Viehpslege,  worunter
Fütterung  und  Melken  zu  verstehen  ist,  erfüllt  werden  müsse.  Bis  hierher  ist  das
richtig.
Dann  wird  aber  meinen  Aeußerungen  eine  Auslegung  gegeben,  aus  der  man
schließen  kann,  ich  hätte  mich  auch  gegen  Erniestreiks  in  jedem  Fall  erklärt.  Ich
soll  gesagt  haben,  es  müßten  unbedingt  die  notwendigen  Arbeiten  gemacht  werden. ­
  Dieser  Landbund  empfiehlt  in  seinem  Organ,  von  diesen  Erklärungen  des
Kollegen  Schmidt  den  Gauleitern  und  sonstigen  Führern  ver  Arbeitnehmer
gegenüber  Gebrauch  zu  machen.
Diese  Aeußerungen  in  der  sogenannten  unverbindlichen  Aussprache  werden  nun
der  Oeffentlichkeit  übergeben.  Von  der  Veröffentlichung  hat  man  uns  wohl  geflissentlich ­
  keine  Mitteilung  gemacht,  daher  sehen  wir  uns  veranlaßt,  unseren  Vertrauensleuten ­
  gegenüber  folgendes  zu  erklären:
Wir  wir  schon  wiederholt  gegen  wilde  Streiks  Stellung  genommen  yaben  und
diese  mißbilligen,  so  soll  dies  auch  hier  wiederholt  werden.  Ferner  darf  bei  allen
Streiks  das  Vieh  nicht  notleiden,  sondern  es  muß  gefüttert  unv  gemelkt  werden.
Wo  derartige  Verstöße  vorkommen,  werden  sie  von  uns  verurteilt.  Vernünftige
Landarbeiter  tun  Derartiges  auch  nicht,  weil  es  eine  Roheit  gegenüber  einem
lebenden  Wesen  ist.  In  der  Presse  war  auch  schon  zu  lesen,  bei  Landarbeiterstreiks
würde  das  Vieh  nicht  gefüttert  werden.  Soweit  wir  Feststellungen  treffen  konnt  n,
handelt  es  sich,  hierbei  um  bewußte  Uebertreibungen.einer  bestimmten  Richtung
unter  den  Agrariern,  die  aus  durchsichtigen  Gründen  verbreitet  werden.
Anders  liegt  es  aber  bei  Erntestreiks.  So  sehr  wir  bestrebt  sind,  Erntestreiks
zu  vermeiden,  was  ganz  besonders  bei  der  jetzigen  Notlage  des  deutschen  Volkes
erforderlich  ist,  werden  wir  grundsätzlich  auf  das  Recht,  auch  während  der  Ernte
zu  streiken,  nicht'  verzichten.  Vorausgesetzt  natürlich,  daß  erst  vorher  alle  Mittel
angewendet  wurden,  um  derartige  Streiks,  die  vor  Ausbruch  auch  erst  von  der
Verbandsleitung  genehmigt  sein  müssen,  zu  vermeiden.  Rücksichtslosen  Arbeitgebern
gegenüber  wird  man  aber  gegebenenfalls  auch  dieses  Mittel  anwenden  müssen,  weil
wir  an  dem  äußersten  Mittel,  was  dem  Arbeiter  zur  Erzielung  einer  besseren
Lebenshaltung  zur  Verfügung  steht,  nicht  rütteln  lassen.
Da  jene  reaktionäre  Gruppe,  die  sich  in  diesen  Landbünden  zusammengefunden ­
  hat,  uns  jetzt  zu  dieser  grundsätzlichen  Stellungnahme  nötigt,  ersuchen  wir
trotzdem  unsere  Mitglieder,  keine  übereilten  Schritte  zu  tun,  sondern  bei  der  bevorstehenden ­
  Ernte  ihre  Pflichten  zu  erfüllen.  Es  muß  versucht  werden,
Sireitigkeiten  auf  dem  Verhandlungswege  zu  erledigen.
An  die  Regierung  richten  wir  das  Ersuchen,  gegenüber  rücksichtslosen  Arbeitgebern ­
  auch  mit  allen  Mitteln  einzuschreiten,  um  sie  zur  Erfüllung  der  tariflichen
Abmachungen,  zu  veranlassen.  Gegebenenfalls  muß  gegenüber  solchen  rücksichtslosen ­
  Wahrnehmern  des  Unternehmerstandpunktes  zur  Enteignung  geschritten
werden.  Den  Betreffenden  muß  zu  Gemüte  geführt  werden,  daß  wir  in  einer
anderen  Zeit  leben.
Den  Vertretern  unseres  Verbandes  im  Lande  sind  wir  es  aber  schuldig,  diese
Erklärungen  bekanntzugeben,  da  zu  erwarten  ist,  daß  mit  den  Aeußerungen  des
Kollegen  Schmidt  in  jener  Sitzung  vom  16.  Mai  bewußter  Mißbrauch  getrieben ­
  wird.
Die  Werbearbeit  des  Pommerschen  Landbundes.
Wir  haben  seinerzeit  darüber  berichtet,  daß  der  Pommersche  Landbund
für  seine  ihm  angehörenden  Landarbeiter  mit  den  Landwirten  einen
„Tarifvertrag"  abgeschlossen  hatte,  der  eine  Teuerungszulage  von  inonatltch
126  Mk.  vorsieht.  Der  Landarbeiterverband  hat  diesen  Vertrag  nicht  akzep ­
        <pb n="43" />
        tiert,  weil  die  in  ihm  enthaltenen  Sätze  in  keinem  Verhältnis  zu  den
heutigen  Teuerungsverhältnissen  stehen.  In  den  meisten  Kreisen  hat  der
-  Landarbeiter-Verbnnd  wesentlich  bessere  Tarife  abgeschlossen,  nur  in  dem
Kreise  Greifenberg  sträuben  sich  die  Besitzer  heftig,  einigermaßen  zureichende
Löhne  zu  zahlen.  Um  nun  die  Landarbeiter  aus  dem  Verbände  wieder
dem  Landbunde  zuzuführen,  versendet  der  Pommersche  Landbund  im  Oktober ­
  1919  folgendes  Rundschreiben:
„An  die  Herren  Gutsbesitzer  und  Vorsitzenden  der  Bezirksgrnppe.  Der  Landarbeiterverband ­
  verliert  im  Kreise  zusehends  an  Anhängern.  (?)  Da  der  Landarbeiterverband ­
  den  Leuten  keinen  Tarifvertrag  und  keine  Teuerungszulage  heimgebracht ­
  hat,  fühlen  sich  die  Mitglieder  des  Landarbeiterverbandes  in  ihren  Erwartungen ­
  getäuscht.  Wie  die  jetzigen  Erfolge  bei  unsern  Versammlungen  lehren,
kommt  alles  darauf  an,  das;  die  Arbeitgeber,  die  den  Arbeitnehmern  zugebilligte
Teuerungszulage  von  12ß  Mark  nur  an  Mitglieder  des  Pommerschen ­
  L  a  n  d  b  u  n  d  e  s  a  u  s  z  a  h  l  e  n.  Wenn  die  Arbeitgeber  so  vorgehen,
werden  wir  eine  große  Zahl  von  Mitgliedern  des  Landarbeiterverbandes  für
unsere  Arbeitnehmergruppe  gewinnen.  Stört-  bitten  darum,  v  om  diesem
Grundsatz  nicht  ab  zu  gehen.  Die  Herren  Bezirksgruppenvorsitzenden
bitten  wir,  dafür  zu  sorgen,  daß  der  Inhalt  des  Schreibens  allen  Mitgliedern  der
Bezirksgruppe  bekannt  wird.
Mit  Bundesgruß  gez.  D.  W  o  l  fg  r  a  m  m  .  Geschäftsführer."
Durch  dieses  Schriftstück  wird  wieder  mit  aller  Deutlichkeit  dargelegt,
daß  die  Agrarier  mit  allen  Mitteln  -des  Terrors  bestrebt  sind,  die  Landarbeiter ­
  zum  Pommerschen  Landbund  zu  zwingen.  Aber  auch  etwas  anderes ­
  lehrt  dieses  Rundschreiben.  Behaupten  nicht  auch  die  Landwirte
immer  aufs  neue,  daß  sie  für  die  Lage  ihrer  Arbeiter  volles  Verständnis
haben?  Wenn  dem  so  wäre,  dann  müßten  sie  doch  mindestens  allen  ihren
Arbeitnehmern  diese  Teuerungszulage  zahlen,  denn  auch  die  Nichtbündler
leiden  bei  der  schlechten  Entlohnung  bittere  Not.  Doch  das  schiert  die
wahren  „Patrioten"  nicht.  Wenn  dann  schließlich  einmal  ein  Streik  ansbrechen ­
  sollte,  schreit  die  ganze  Iunkersippe  über  Gefährdung  der  Volksernährung ­
  u.  a.  Es  ist  gut,  daß  durch  obiges  Schreiben  die  Landarbeiter
sehen,  wie  .  der  Landbund  Mitglieder  „wirbt"  und  wir  zweifeln  nicht,  daß
sie  den  Agrariern  die  richtige  Antwort  geben  werden,  indem  sie  sich  dem
Landarbeiternerband  anschließen,  der  ihre,  wirklichen  Interessen  vertritt.
Rundschreiben  des  Pommerschen  Landbundes  an  seine  Ortsvorstände:
Greifenberg  i.  Pom.,  btn  17.  10-  19.
Eilt  sehr,  sofort!
Sehr  geehrter  Herr!
Am  Mittwoch,  den  15.  Oktober  b.  I.,  fand  in  Setttin  eine  Bauerntagung  für
die  Provinz  Pommern  statt.  An  dieser  Tagung  haben  als  Vertreter  des  Kreises
teilgenommen:
1.  Herr  Gutsbesitzer  Witt,  Gründemannshof,  als  Vorsitzender  des  Pommerschen ­
  Landbundes  der  Kreisgrnppe  Greifenberg  i.  Pom.;
2.  Herr  Banernhofsbesitzet  Fuhrmann,  Klälkow;
3.  Herr  Bauernhofsbcsitzer  Bernhard  B  r  n  ß,  Dadow.
Am  Tage  darauf  sprach  Herr  v.  Wangen  heim,  Klein-Spiegel,  über  die
augenblickliche  wirtschaftliche  Lage.  Herr  v.  Wangenheim,  Kl.-Sptegel,  wies  an
der  Hand  eines  umfangreichen  Zahlenmaterials  nach,  daß  wir  vor  dem  Zusammenbruch ­
  der  Zwangswirtschaft  stehen.
        <pb n="44" />
        44

Die  wirtschaftliche  Lage  ist  so,  daß  wir  auf  alles  gefaßt  fein
müssen.  Herr  v.  Wangenheim  macht  darauf  aufmerksam,  daß  es  Aufgabe  der
.  Landwirtschaft  Pommerns  sei,  in  erster  Linie  die  Ernährung  deBKrejsstädte,  insbesondere ­
  die  Ernährung  von  Stettin,  restlos  und  in  allem  Umfange  sicherzustellen,
und  zwar  unter  Heranziehung  der  Genossenschaften..
Bei  der  augenblicklichen  wirtschaftlichen  Lage  ist-zu  erwarten,  daß  die  Landwirtschaft ­
  völlig  auf  Selbsthilfe  angewiesen  bleibt.  Infolgedessen  ist  es  notwendig,
zuverlässige  und  st  a  a  t  s  e  r  h  alten  de  Elemente  in  größerer
Zahl  in  der  Landwirtschaft  des  Kreises  aufzunehmen.  Es
wird  nicht  verkannt,  daß  die  Aufnahme  solcher  Herren  auf  dem  Lande  manchmal
mit  Schwierigkeiten  verbunden  sein  mag.  Die  Schwierigkeiten  müssen  aber  rücksichtslos ­
  überwunden  werden.  In  Berlin  besteht  „dar  nationale  Heimatbund  zur
Versorgung  Heeresentlassener",  'Berlin  W.  9,  Schillingstraße  Nr.  14-18.  Dieser
Heimatbund  macht  es  sich  zur  Ausgabe,  die  zuverlässigen  Elemente  des  aufgelösten
Heeres  insbesondere  Offiziere  dem  Lande  z  u  überweisen.  Bei  dem
Ernst  der  Lage  bitten^wir  uns  umgehend  Nachricht  zukommen  zu  lassen,  o  b  und
w  i  e  v  i  e  l  O  f  f  i  z  i  e  r  e  und  sonstige  zuverlässige  Leute  Sie  in
Ihrer  Häuslichkeit  oder  in  der  Häuslichkeit  der  Mitglieder ­
  Ihrer  Bezirksgruppe,  aufzunehmen  verm  ö  ch  t  e  n.
Wir  bitten,  wegen  dieser  Frage  eiligst  vertrauliche  U  m  f  r  a  g  e  bei
den  Besitzern  Ihrer  'Bezirksgruppe  zu  halten,  um  die  Zahl  der  aufzunehmenden
Personen  hierher  bis  spätestens  25.  Oktober  d.  I.  mitzuteilen,  da  wir  für  den
Kreis  die  Zahl  der  gewünschten  Herren  dem  „Nationalen  Heimatbund"  Berlin
eiligst  mitteilen  wollen.
Mit  Bundesgruß  gez.  Dr.  Wolfgram  in.
Auk  die  tut  Interesse  der  Sicherstellung  der  lnndivirtschastlichen  Arbeiten ­
  erlassene  Verordnung  des  Pr.  Land  w  irtschafts-Mini  st  e  r  i  -
ums  vom  2,  September  1919  veröffentlicht^  hinterpommersche  Junker
am  10.  September  1010  folgenden  „Erlaß":
Die  von  dem  Minister  für  Landwirtschaft,  Domänen  und
Forsten  erlassene  „Verordnung  betr.  die  Sicherstellung  landwirtschaftlicher  Arbeiten" ­
  vom  2.  9.19  ist  r  e  ch  t  s  u  n  g  L  l  t  i  g.  Der.  Versuch  des-  Ministers,  sie  auf
§  1  der  Verordnung  über  die  wirtschaftliche  Demobilmachung  vom  7.  11.  1918  zu
stützen,  ist  rechtsirrig;  denn  die  Störungen  des  Wirtschaftslebens  durch  Streits
in  der  Landwirtschaft  sind  keine  Folgen  der  Demobilmachung.
Da  die  ganze  M  i  n  i  ste  r  i  a  l  v  e  r  o  r  d  n  u  n  g  u  n  g  ü  l  t  i  g  ist,  so  ist  auch
die  Anordnung  über  Arbeitsbedingungen  für  landwirtschaftliche ­
  Arbeiter,  die  der  Regierungspräsident  —  als  Demobilmachungskommissar
  in  den  nächsten  Tagen  für  den  Kreis  Neustettin—  wie  schon  am  3.  9-  für
Belgard  geschehen  —  erlassen  wird  rechtswidrig  und  ungültig.
Die  Unterzeichneten  halten  es  für  ihre  P  a  t  r  i  o  t  i  s  ch  e  P  f  l  i  ch  t,  sich  nicht
an  dieser  Rechtsbeugung  zu  beteiligen;  sie  lehnen  daher
die  Annahme  der  Bedingungen  ab  und  bitten  ihre  Berufsgenossen,
zur  Abwehr  der  rechtswidrigen  U  e  b  e  r  g  r  i  f  f  e  de?  Landwirtschaftsministers ­
  ebenso  zu  verfahren.
von  B  o  n  i  n&amp;gt;  -  B  a  h  r  e  n  b  u  s  ch,  Vors,  des  landw.  Vereins  Neustettin,
von  Gand  eck  er-Zuch,  Vors,  des  landw.  Vereins  Bärwalde,
von  Hertzberg-Lottin,  Vors,  der  Kreiskommission.
B  e  i  g  e  I  -  H  o  h  e  n  f  e  ld  e,  Vors,  des  landw.  Vereins  Tempelburg.
        <pb n="45" />
        45

Maßregelungen  im  Pommern.
Kreis  Anklam.
Auf  dem  Gut  Spantcksw,  Besitzer  Graf  ».Schwerin  (Vorsitzender
des  Pommerfchen  Landbundes),  wurden  fünf  Arbeiterfamilien  gekündigt.
I.  F.  S.  (Vorsitzender  der  Ortsgruppe  Spantekow  des
Deutschen  Landarbeite  r-Verbände  s).  Der  Grund  zur  Kündigung ­
  soll  sein,  daß  er  sich  geweigert  hat,  zum  1.  April  einen  Hofgänger  zu
stellen;  der  wahre  Grund  aber  ist  der,  daß  er  sich  tatkräftig  am  Erstarken ­
  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes  beteiligt. ­
  2.  R.  W.  Der  Grund  zur  Kündigung  ist  hier,  daß  er  sich  geweigert
hat,  den  vom  Pommerfchen  Landbund  ausgearbeiteten  Vertrag  zu  unterschreiben. ­
  Die  Gründe  bei  den  drei  anderen  Arbeiterfamilien  sind  den  erstangeführten ­
  ähnlich.
Auf  dem  Gut  Zinzow,  Besitzer  Graf  v.  Schwerin,  wurden  vier
Arbeiterfamilien  gekündigt,  i.  M.  B.  Als  Grund  hierfür  wird  angeführt,
daher  des  Morgens  das  Wecken  nicht  hören  kann.  2.  F.  D.
st.  H.  L.  Der  Grund  zur  Kündigung  ist,  daß  die  Schweine  abgeschafft  werden
sollen.  (L.  ist  Schweinefütterer.)  4.  W.  G.
Auf  dem  Gut  S  a  r  n  o  w  ,  Besitzer  Graf  v.  Schwerin,  sind  vier  Arbeiterfamilien ­
  gekündigt  worden.  1.  R.  B.  2.  A.  K.  Der  Grund  zur  Kündigung ­
  soll  sein,  daß  K.  im  Oktober  v.  I.  zum  Gutsverwalter  gesagt  hat,  er
hätte  noch  keinen  Herrn  angetroffen,  der  ihni  seinen  verdienten  Lohn  nicht
rechtzeitig  auszahlt.  3.  Der  Vertrauensmann  der  Ortsgruppe
S  a  nt  o  w,  F.  P.  Dieser  mußte  einen  seiner  Hofgänger  wegen  Ernährungsschwierigkeiten ­
  bei  einem  Bauern  in  Arbeit  geben,  hatte  aber  vorher  beim
Gutsverwalter  beantragt,  den  einen  Hofgänger  auf  dem  Gut  in  Verpflegung
zu  nehmen,  was  jedoch  mit  deut  Bemerken  abgelehnt  wurde,  der  Junge  würde
die  Gutskost  doch  nicht  essen.  4.  K.  D.  Der  wahre  Grund  aller  Kündigungen
ist,  daß  die  Arbeiter  sämtlich  treu  zu  ihrer  Organisation  stehen.
Auf  deut  Gut  Sophien  Hof,  Besitzer  Graf  v.  Schwerin,  wurden
13  Arbeiterfamilien  gekündigt  wegen  Nichtanerkennung  des  vom
P  o  man  e  r  s  ch  e  n  Landbund  vorgelegten  £  a  r  t  f  e  s.
Auf  dem  Gut  K  r  u  s  e  n  f  e  l  d  e  ,  Administrator  B  e  ck  l  e  r,  wurden  zwei
Arbeiterfamilien  gekündigt.  1.  H.  P.  2.  W.  F.,  letzterer,  weil  er  auf  eine
Frage  antwortetet  „Das  weiß  ich  nicht."  Er  ist  13  Jahre  dort  beschäftigt
und  hat  dort  auch  ein  Auge  verloren.
Auf  dem  Gut  Deutn  itz,  Inspektor  Howe,  wurden  drei  Arbeiterfamilien ­
  gekündigt,  sämtlich  wegen  Kleinigkeiten,  die  gesucht  sind,  um  den
wahren  Grund,  nämlich  den  der  Zugehörigkeit  zur  Organisation,  zu  bemänteln.

Auf  dem  Gut  R  a  t  h  e  b  u  r  ,  Besitzer  Dr.  L  e  f  e  w  r  e  ,  wurden  zwölf
Arbeiterfamilien  gekündigt  wegen  Ablehnung  des  vom  Pomuterfcheir  Landbund ­
  ausgearbeiteten  Tarifes.  Die  Arbeiter  waren  früher  Mitglieder ­
  des  Pommerfchen  Landbundes  und  find  zum
Deutschen  Landarbeiter-Verband  übergetreten.
        <pb n="46" />
        40

Auf  dem  Gut  Liepen,  Besitzer  Amtsvorsteher  Denkmann,  wurde
die  Milchwagenfahrerin  ohne  ersichtlichen  Grund  gekündigt.
Auf  dem  Gut  Padderow,  Besitzer  Herr  Pantel,  wurde  der  Deputatarbeiter ­
  P.  W.  gekündigt,  weil  er  Pantel  mit  einer  kleinen  Lohnforderung ­
  gekommen  war,  die  auf  anderen  Gütern  auch  gezahlt  wird.  Als
W.  dem  P.  vorhielt,  daß  er  nicht  ziehen  könne,  bevor  er  eine  andere
Wohnung  habe,  da  feine  Frau  lungenkrank  fei,  welche  Krankheit  sie  sich
während  ihrer  neunjährigen  Dienstzeit  als  Melkefrau  bei  Herrn
Pantel  zugezogen  hätte,  gab  ihm  P.  zur  Antwort,  er  brauche  eine  kranke
Frau  nicht  zu  ernähren,  und  das  andere  würde  das  Amtsgericht  machen.
W.  ist  eifriger  Anhänger  der  Organisation.
Kreis  Greifenberg.
Auf  den  Gütern  R  e  n  f  i  n  und  L  o  p  p  n  o  w  haben  sechs  Arbeiterfamilien ­
  die  Kündigung  erhalten,  darunter  eine  Witwe.  —  Beim  Bauernhofsbesitzer ­
  Filter  in  S  ch  l  e  f  f  i  n  ist  Vorstand  K.  V.  gekündigt  worden.  —
Der  Kassierer  W.  beim  Bauernhossbesitzer  R  a  ck  o  w  ist  gekündigt  worden.
V.  war  vier  Jahr,  W.  zehn  Jahre  im  Dienst.
Auf  dem  Gut  S  ch  r  u  p  t  o  w  ,  Besitzer  Landrat  a.  D.  v.  B  r  o  ck  h  u  s  e  n  ,
sind  fünf  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.  Me  Arbeiter  sind  drei  bis
sechs  Jahre  auf  dem  Gut  beschäftigt  gewesen.  Der  Grund  der  Kündigung
ist  aus  folgendem  Schreiben  ersichtlich:
Treptow,  den  12.  Dezember  1919.
Im  Auftrag  des  Herrn  Landrats  a.  D.  von  Brockhufen-Iustin  dort
fordere  ich  Sie  hierdurch  auf,  die  von  Ihnen  bewohnten  Räume  einfckl.
Nebengelaß  bis  spätestens  zum  1.  Januar  1920  zu  räumen.
Da  Sie  der  Aufforderung  meines  Auftraggebers  vom  4.  Dezember  zur
Wiederaufnahme  der  Arbeit  nicht  nachgekommen  find,  ist  die  Ihnen  angedrohte ­
  sofortige  Entlassung  in  Kraft  getreten  und  steht  Ihnen  die  Nutzung
der  Wohnung  nur  noch  bis  zum  19.  d.  M.  zu.  Mit  Rücksicht  auf  das
bevorstehende  Weihnachtsfest  will  Ihnen  mein  Auftraggeber  die  Weiterbenutzung ­
  der  Wohnung  das  Fest  über  gestatten  und  verlangt  Räumung
zum  1.  Januar  1920.
Kommen  Sie  dieser  Aufforderung  nicht  rechtzeitig  nach,  so  haben  Sie
Klage  auf  Räumung  zu  gewärtigen.  Hochachtungsvoll
Der  Iustizrat.  (Unterschrift.)
Treptow,  den  20.  Dezember  1919.
Im  Auftrage  des  Herrn  Landrat  von  Brockhufen  teile  ich  Ihnen  auf
Grund  neuerlicher  von  ihm  mir  erteilter  Anweisung  folgendes  mit:
Sie  haben  die  Arbeit  wiederaufgenommen.  Herr  Landrat  von  Brockhufen
  ist  unter  diesen  Umständen  geneigt,  unter  A  u  f  r  e  ch  t  e  r  h  a  l  -
t  u  n  g  der  geschehenen  Aufkündigung  d  e  s  A  r  b  e  i  t  s  Verhältnisses ­
  Ihnen  das  Verbleiben  in  Ihrer  Wohnung  bis  zum  1.  April
1920  zu  gestatten,  jedoch  unter  der  ausdrücklichen  Bedingung,  daß  Sie
bis  dahin  ununterbrochen  die  Ihnen  obliegenden  Arbeiten  den:
Dienst-  und  Arbeitsvertrag  gemäß  verrichten,  auch  sonst  gegen  den  Vertrag ­
  in  keiner  Weise  verstoßen  und  am  1.  April  1920  die  Wohnung  widerspruchslos ­
  räumen.  Unterbrechen  Sie  inzwischen  vor  dem  1.  April
1  9  2  0  wieder  die  Arbeit  oder  lassen  Sie  sich  sonstige  Verstöße  gegen  den
Vertrag  zuschulden  kommen,  so  hat  mit  dem  Zeitpunkt,  in  dem  dies  geschieht. ­
  das  Vertragsverhältnis  sofort  ein  Ende  und  haben  Sie  dann
sofort  die  Ihnen  eingeräumte  Wohnung  zu  räumen.  Andernfalls
        <pb n="47" />
        47

dürfen  Sie,  wie  gesagt,  bis  zum  1.  April  in  Arbeit  und  Wohnung  verbleiben. ­
  Mit  diesem  Zeitpunkt  hat  aber  unwiderruflich  das  Arbcitsverhältnis
  ein  Ende,  und  ist  die  Wohnung  dann  sofort  zu  räumen.  Eine
weitere  Befristung  hinsichtlich  sowohl  des  Arbeitsverhältnisses  als  auch
der  Räumung  ist  ausgeschlossen.  Hochachtungsvoll
Der  Iustizrat.  (Unterschrift.)
Kreis  Randow.
Durch  Gutsbesitzer  Böttcher,  Rittergut  W  a  r  t  i  n  ,  5000  Morgen
groß,  wurden  Arbeiter  gekündigt  und  schikaniert  durch  Überweisung  in
schlechtere  Wohnungen  und  Entziehung  von  Milch  und  anderem  Deputat.
Darunter  sind  Arbeiter,  die  schon  acht  und  zehn  Jahre  auf  dem  Gut  tätig  sind.
Trotz  mehrmaliger  Verhandlungen  mit  dem  Schlichtungsausschuß  ist  keine
Besserung  eingetreten.
Aus  Gartz  a.  d.  Oder  laufen  Berichte  ein,  daß  gefangene  Russen  zur
Arbeit  herangezogen  werden,  obwohl  genügend  Arbeitslose^vorhanden  sind.
In  A  r  m  e  n  h  c  i  d  e  befindet  sich  ein  Gut  der  Stad:  Stettin.  Der
dortige  Verwalter  Herguth  versuchte  die  Arbeiter  in  den  Landbund  zu
bringen  und  hat  geäußert,  bis  zum  Frühjahr  werde  er  alle  Arbeiter,  die  noch
dem  Deutschen  Landarbeiter-Verband  angehören,  nacheinander  rausschmeißen.
Bezeichnend  ist,  daß  auf  dem  Nachbargut  Luisenhof,  wo  Herguth  vorher  war,
seit  dem  Abschied  dieses  Herrn  die  größte  Zufriedenheit  zwischen  Arbeitern
und  Gutsleitung  vorhanden  ist.
Kreis  Greifenhagen.
Der  Kollege  E.  N.  schreibt  uns  aus  L  i  e  b  e  n  o  m  :  Auf  dein  Gut  Liebenow
  ist  am  l.  Januar  1020  der  Lohntarif,  welcher  zwischen  Arbeitern  und
Gutsverwaltung  am  1.  Januar  1010  geschlossen  wurde,  abgelaufen.  Die
Arbeiter  sind  vorstellig  geworden,  und  da  ist  ihnen  einfach  erklärt  worden,
sie,  die  Arbeiter,  brauchen,  nicht  mehr  Lohn,  sie  haben  noch  soviel  übrig,  daß
sie  50  Pf.  an  den  Landarbeiter-Perband  zahlen  können.  Also  es  gibt  eben
nicht  mehr.
Schlimmer  noch  sieht  es  im  Ort  Liebeno  w  aus.  Der  von  Vertretern
der  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  im  August  1010  abgeschlossene  Lohntarif
wird  von  keinem  Arbeitgeber  eingehalten.  --  Meine  Tochter  hat  bei  dem
Bauernhofsbesitzer  I.  Tühns  gedient.  Da  es  ihr  nicht  mehr  gefallen  hat,
ist  sie  am  l.  Januar  &amp;gt;020  andyrweiiio  in  Dienst  gegangen.  Die  Folge  davon ­
  ist.  daß  ich  die  Hälfte  meiner  Wohnung,  also  die  Küche,  die  zu  gleicher
Zeit  Wohnrau!»  für  meinen  kranken  IKsährtgen  srohn  ist,  welcher  linksseitig
gelähmt  ist,  räumen  soll.  Es  soll  angeblich  eine  Flüchtliin  sfamilie  dort
untergebracht  werden,  trotzdem  andere  Wohnungen  im  Ort  vorhanden  sind.
Ferner  sind  auf  den  Gütern  Lieben  o  w  und  H  e  i  n  r  i  cf)  s  ö  o  r  f  die
Arbeiter  von  der  Gutsverwaltung  im  Landbund  angemeldet.  Die  Arbeiter
dringen  darauf,  dort  auszutreten.  Die  Arbeiterausschüsse  auf  beiden  Gütern
sind  von  der  Gutsverwaltung  selbst  vorgeschlagen  und  gewählt  worden,
natürlich  ist  kein  organisierter  Arbeiter  dabei.
Auf  dem  Gut  K  a  r  n  i  tz  ,  Besitzer  Frau  v.  Elbe,  sind  auf  gerichtlichem
Wege  zwei  &amp;gt;Arbeitersmnilien  gekündigt  worden,  ohne  Anführung  von  Gründen. ­
  Die,Arbeiter  gehören  dem  Deutschen  Landarbeiter-Verband  an  und
haben  sich  wegen  ihrer  Organisationszugehörigkeit  mißliebig  gemacht.
Kreis  Pqritz.
Rittergutsbesitzer  Langlet  in  Gr.-Larzkow  hat  sieben  Familien
gekündigt.  Diese  Kündigungen  wurden  vom  Schlichtungsausschuß  bestätigt.
        <pb n="48" />
        48

Der  Schmiedemeister  P.  kann  keine  Wohnung  bekommen  und  sollte  seine
Wohnung  schon  am  2.  Januar  räumen.
In  Eremzow  hat  v.  Wedel  einen  Arbeiter  entlassen,  angeblich  weil
er  bei  hohem  Schnee  im  Dezember  keine  Kartoffeln  herausnehmen  wollte.
Rittergutsbesitzer  Braune  in  Blumberg  bei  Dölitz  hat  einen  Arbeiter ­
  entlassen,  weil  er  mit  den  Pferden  zu  forsch  gefahren  ist.
Gutsbesitzer  L  ö  s  ch  o  w  hat  seinen  Schweizer  entlassen,  weil  er  angeblich
einen  Hammel  gestohlen  hat,  obwohl  durch  Gendarmen  nichts  festgestellt  ist.
Der  Kollege  erhält  in  der  ganzen  Umgegend  keine  Arbeit.
Ähnliche  Entlassungen  haben  stattgefunden  beim  Besitzer  Hummel  in
Freiburg.  Hier  werden  wieder  Russen  beschäftigt.  Dieser  Hummel  hat
auch  einem  Kollegen,  der  fünf  Jahre  in  englischer  Gefangenschaft  war  und
mit  seinem  Vater  zusammen  auf  dem  Gut  arbeiten  wollte,  keine  Arbeit  gegeben. ­
  Dagegen  werden  aber  die  Russen  weiterbeschüftigt.
Im  Kreise  Pyritz  sind  noch  15  3  0  russische  Kriegsgefangene ­
  beschäftig.
Ein  Arbeiter  P.  kann  schon  seit  acht  Wochen  im  Kreise  Pyritz  keine  Arbeit
finden,  war  auf  dem  Gut  Schönwerder  beschäftigt.  Wegen  der  Maßregelung
  dieses  Kollegen  ist  im  Kreis  Pyritz  eine  große  Beunruhigung  unter
der  Arbeiterschaft  entstanden.  Uns  ist  ein  Brief  in  die  Hände  gefallen,  den
der  Oberinspektor  des  Gutes  S  ch  ö  n  w  e  r  d  e  r  an  einen  Administrator  am
8.  Januar  1920  geschrieben  hak.  Daraus  geht  unzweideutig  hervor,  das;
P.  ein  guter  Arbeiter  ist  und  nur  wegen  seiner  Verbandsmitgliedschaft  entlassen ­
  wurde.
Gutsbesitzer  Braune  in  Blumberg  bei  Dölitz  hat  fünf  Arbeitern
die  Entlassung  gegeben  und  dabei  ausdrücklich  erklärt,  er  werde  nicht  eher
ruhen,  bis  er  Sieger  wäre.  Alle,  die  noch  am  Verband  kleben,  müßte  er  noch
wegbekommen.
Wir  erhalten  folgenden  Bericht:  „Auf  Gut  Sallentin  bei  C  o  l  l  i  n,
sollen  16  Kollegen  zum  1.  April  ziehen,  welchen  zum  1.  Januar  1920  gekündigt
wurde.  Es  werden  wohl  noch  mehr  Kündigungen  kommen.  Wie  verhalten
wir  uns  nun?  Wird  die  Regierung  hier  etwas  tun?  Es  sind  unter  den  Gekündigten ­
  meist  Kollegen  aus  den  Vorständen  und  Arbeiterausschüssen.
Der  Streik  soll  doch  vermieden  werden.  Durch  diese  vielen  Kündigungen
hofft  der  Pommersche  Landbund,  Arbeitgebergruppe,  Unstimmigkeiten  in  unseren ­
  Verband  hineinzutragen  unb  will  uns  dadurch  schwächen,  indem  er  sagt:
Seht,  hier  kann  der  rote  Landarbeiter-Verband  auch  nichts  tun.  Auch  darf
die  Regierung  es  nicht  zugeben,  daß  sie  uns  das  Streikrecht  beschneiden
wollen,  wie  es  die  Agrarier  haben  wollen.  gez.  August  Falk,
Kreisvertrauensmann,  Pyritz."
Kreis  Saatzig,  Bezirk  Stettin.
Auf  dem  Gute  des  Freiherrn  v.  Wangenheim,  Klein-Spiegel,
sind  vier  Arbeiter  gekiindigt:  O.  W.,  feit  1911  im  Dienst,  beim  Militär  von
1913  bis  1918,  dann  wieder  in  Arbeit  getreten  und  gekündigt  am  14.  November ­
  1919,  ist  Kassierer  der'Ortsgruppe;  H.  W.,  Vater  von  O.  W.,  neun
Jahre  auf  dem  Gut  beschäftigt,  mit  Pferden  verunglückt,  jetzt  ebenfalls  gekündigt; ­
  W.  K.,  feit  1917  als  Kriegsinvalide  im  Dienst,  jetzt  gekündigt,  ist
Vorsitzender  der  Ortsgruppe.  Als  Grund  wurde  vom  Besitzer  angegeben,
wenn  die  Arbeiter  sich  bessern  würden,  dann  würde  die  Sache  anders  ausfallen. ­
  E.  P.,  seit  neun  Jahren  im  Dienst,  inzwischen  im  Felde  gewesen,  ist
ebenfalls  gekündigt.  Als  P.  den  Inspektor  zur  Rede  stellte,  warum  er  gekündigt ­
  sei,  lachte  dieser  ihn  aus  und  drehte  ihm  den  Riicken.
        <pb n="49" />
        49

Die  Arbeiter  ersuchen  um  dringende  Benachrichtigung,  ob  sie  tatsächlich
ziehen  müssen,  oder  ob  die  Regierung  für  Abhilfe  sorgt.
Aus  Sassenburg  berichtet  der  Arbeiter  P.,  daß  er  schon  seit  2.  Dezember ­
  1919  als  Vater  von  sieben  Kindern  arbeitslos  sei.  P.  ist  Vorsitzender
der  Ortsgruppe  und  berichtet  ebenfalls,  daß  viele  Kündigungen  erfolgen.
Auf  dem  Gute  B  ewerin  gen,  Post  Tramske,  Kreis  Saatzig,  haben
sechs  Arbeiter,  die  Mitglieder  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes  sind,
ihre  Entlassung  erhalten,  darunter  auch  der  Kassierer  der  dortigen  Ortsgruppe, ­
  B.  v.  d.  S.
Kreis  Schivelbein.
Auf  dem  Gute  N  e  l  e  p  ,  Besitzer  S  e  y  e  r,  sind  fünf  Arbeiterfamilien  zum
1.  April  1920  ohne  Angabe  von  Gründen  durch  den  Rechtsanwalt  gekündigt.
Auf  dem  Gute  Dolgenow,  Besitzer  S  ch  m  e  l  i  n  g,  sind  zum  1.  April
1920  zwölf  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.
Auf  dem  Gute  G  r  ö  s  s  i  n,  Besitzer  Schmeling,  sind  zum  1.  April  1920,
fünf  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.
Die  Gutsverwaltung  des  Rittergutes  Völzkow,  Besitzer
Schmeling,  hat  acht  Arbeiterfamilien  durch  den  Rechtsanwalt  kündigen
lasten.  Alle  ohne  Angabe  von  Gründen.
Auf  dem  Gute  Charlotten  Hof,  Besitzer  Schlotte,  wurden  vier
Arbeiterfamilien  gekündigt.
Auf  dem  Gute  K  o  p  e  s  n  o  w  ,  Besitzer  C  o  p  u  i,  sind  zum  l.  April  1920
vier  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.
Auf  dem  Gute  K  r  e  i  tz  i  g,  Besitzer  v.  d,  Golz,  sind  zum  1.  April  1920
z  ehn  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.
Auf  dem  Gute  Falkenberg,  Besitzer  v.  Bothner,  wurden  elf
Arbeiterfamilien  zum  1.'April  1920  gekündigt.
Auf  dem  Gute  B  e  n  st  r  i  n,  Besitzer  Herr  Braun,  sind  zum  1.  April
1920  drei  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.
Auf  den:  Gute  B  e  r  k  n  o  w  ,  Besitzer  ».Schmidt,  sind  zum  1.  April  1920
drei  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.
Auf  dem  Gute  Schlönwitz,  Besitzer  Herr  P  e  r  i  n,  sind  zum  1.  April
1920  vier  Arbeiterfannlien  gekündigt  worden.
Am  17.  November  1919  fand  inSchlenzig  eine  Versammlung  des  Deutschen ­
  Landarbeiter-Verbandes.statt.  Arbeiter  traten  in  den  Landarbeiter-Verband ­
  über,  waren  vorher  im  Landbund.  Am  nächsten  Morgen  drohte  Besitzer
G  o  t  t  f  ch  a  l  k  sämtlichen  Arbeitern  mit  Entlassungen.  Der  Inspektor  fertigte
ein  Schriftstück  an,  nachdem  sämtliche  Leute  wieder  ihren  Austritt  mit  eigener
Unterschrift  erklären  mußten.  Die  standhaften  Arbeiter  wurden  zum  1.  April
1920  gekündigt,  bekommen  keine  Feuerung  mehr;  erst  auf  Einwirkung  des
Deutschen  Landarbeiter-  Verbandes  bekamen  sie  die  ihnen  zustehende
Feuerung.
Besitzer  S  ch  m  e  h  l  i  ch  g  in  D  o  I  g  e  n  o  w  hat  zehn  Arbeiter  (angeblich  alle
bei  ihm  beschäftigten)  durch  den  Rechtsanwalt  kündigen  lassen.  Darunter  befinden ­
  sich  Arbeiterfamilien,  die  7  bis  18  Jahre  dort  gewohnt  haben,  größtenteils ­
  Kriegsteilnehmer,  einer  sogar  Kriegsinvalide.
Do  pke,  Kreisvertrauensmann,  teilt  mit,  daß  er  im  Zeitraum  von  zwei
Wochen  68  Kündigungen  dem  Schlichtungsausschuß  unterbreitet  habe.  Die
meisten  Fälle  wurden  aber  zurückgewiesen,  weil  die  Kündigungen  unter  Bezugnahme ­
  aus  8  620  BGB.  richtig  erfolgt  seien.  Ein  Beisitzer  habe  ihm  erklärt, ­
  den  Hut  habe  es  gekostet,  nun  kann  es  auch  noch  den  Kragen  kosten,
aber  nachgeben  tun  wir  nicht.
        <pb n="50" />
        50

In  KlUtzow  erhalten  freie  Arbeiter  3  Mk.  pro  Tag  und  freie  Verpflegung. ­
  Die  russischen  Gefangenen  aber  erhalten  pro  Tag  noch  1  Mark
inehr  in  bar.  Der  Besitzer  B  i  e  n  d  e  r  hat  erklärt:  Wenn  euch  das  nicht  genug ­
  ist,  dan  sucht  euch  andere  Arbeit.  Uber  derartige  Behandlung  herrscht  ungeheure ­
  Erbitterung.
JnVölzkow  sind  drei  Kollegen  gekündigt.  Alle  Vorstandsmitglieder  der
Ortsgruppen.
Aus  dem  Kreise  Schivelbein  liegt  ein  Antrag  vor,  die  Arbeiter  gegen
diese  Entlassungen  zu  schützen;  andernfalls  seien  sie  gezwungen,  in  Streik  zu
treten.  Ferner  wird  beantragt,  daß  keine  polnischen  Schnitter  eingestellt  werden ­
  dürfen  ohne  Zustimmung  des  Landarbeiter-Verbandes,  weil  Arbeitskräfte
genügend  vorhanden  find.
Auf  dem  Gute  K  l  e  m  z  o  w  bei  Schivelbein  haben  am  1.  Januar  1920
sieben  Familien  ihre  Entlassung  erhalten,  und  zwar  wurde  als  Grund  angegeben, ­
  daß  der  Besitzer  keine  einzelnen  Leute  mehr  beschäftigen  will.  Dieser
Grund  ist  aber  schon  dadurch  hinfällig,  daß  eine  Familie,  die  auch  die  Kündigung ­
  erhielt,  drei  Männer  auf  Arbeit  schickt,  die  alle  Männerarbeit  verrichten. ­
  Aüch  der  Vertrauensmann  der  dortigen  Ortsgruppe,  R.  P.,  hat  den
Entlassungsschein  erhalten.  Die  Entlassung  wurde  ausgesprochen  von  dem
neuen  Administrator,  der  erst  am  28.  Dezember  1919  seine  Stelle  dort  angetreten ­
  hatte  und  daher  über  die  Arbeit  der  einzelnen  noch  gar  nicht  orientiert
war.  Der  frühere  Administrator  war  mit  der  Arbeit  immer  zufrieden  und
hat  dies  auch  dem  Vertrauensmann,  P.,  gegenüber  ausgesprochen.
An  den  Deutschen  Landarbeiter-Verband,
Perbandsvorstand.
Stettin,  den  15.  Januar  1920.
Ich  mache  auf  einige  Maßnahmen  einzelner  Landwirte  aufmerksam,  die
eine  Nachprüfung  und  unter  Umständen  eine  Bestrafung  der  Schuldigen  erfordert. ­
  Der  Gutsbesitzer  Dr.  Leonhard  vom  Gut  K  lempzo  w  ,  Kreis
Schivelbein,  hat  im  vollen  Bewußtsein  Sommerroggen  und  Wiesenheu  nicht
einbringen  lassen.  Mitte  September  ist  dem  Herrn  Inspektor  Timm  vom
Gut  Klempzow,  durch  den  Vertrauensmann  des  Landarbeiter-Verbandes
W.  Dopte,  Schivelbein,  mitgeteilt  worden,  daß  die  Arbeiter,  um  die
Ernte  re  st  los  einzubringen,  auch  Sonntags  arbeiten
wollten.  Sie  wollten  sich  verpflichten,  von  morgens
5  Uhr,  ui  i  t  zwei  Stunden  Unterbrechung,  die  für  die
einzelnen  Eß  stund  en  in  Frage  kommen  sollten,  bis
Sonnenuntergang  zu  arbeiten.  Für  diese  Zeit  wurde  eine
Lohnentschädigung  für  das  Mähen.von  Mengfutter  10  Mk.,  und
für  das  Mähen  von  Wiesen  und  Serradella  8  Mk.  gefordert.  Der
Inspektor  Timm  lehnte  dieses  Anerbieten  ab  und  erklärte  darauf,  wenn
die  Arbeiter  nicht  für  4  Mk.  diese  Ar  beiten  ausführen
wollten,  so  könne  das  Getreide  verfaulen.  So  ist  es  dann  auch  gekommen. ­
  Am  4.  Januar  d.  I.  ist  festgestellt  worden,  daß  noch  Sommerroggen ­
  in  Mandeln  auf  dem  Acker  steht  und  Wiesen  nicht  gemäht  worden
sind.  Hier  dürfte  es  sich  um  einen  Fall  handeln,  wo  eine  zwangsweise  Bewirtschaftung ­
  am  Platz  ist.  Ein  weiteres  Beispiel  dafür,  wie  die  Grundbesitzer ­
  eine  gereizte  Stimmung  der  Landarbeiter  geradezu  herausfordern,
gibt  folgender  Vorfall.
Der  Rittergutsbesitzer  Hoppenrath  in  Lankow,  Kreis  Schivelbein,
traf  mit  einer  Anzahl  Arbeiter  nachstehende  schriftliche  Vereinbarung.
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        51

Lankow,  den  22.  Juni  1919.
Der  Arbeitgeber  zahlt  außer  dem  tarifmäßigen  für  den  hiesigen  Kreis
bindenden  Vertrag,  laut  welchem  der  erste  Mann  jährlich  2490  Mk.,  der
erste  Hofgänger  850  Mk.  usw.  erhalten  sollen,  nach  beendeter  Getreideernte ­
  100  Mk.,  und  nach  beendeter  Hackfruchternte  abermals  100  Mk.  an
jede  Familie.
Außerdem  soll  jede  Familie  noch  eine  Cxtrazulage  von  10  Zentner
Kartoffeln  erhalten.  Dafür  verpflichten  sich  die  unterzeichneten  Arbeitnehmer, ­
  die  ihnen  übertragenen  Arbeiten  willig  zu  verrichten  und  namentlich ­
  die  im  Tarif  vorgesehene  Arbeitszeit,  wonach  beispielsweise  in  der
Sonnenwende,  täglich  elf  Stunden  gearbeitet  werden  müssen,  unverzüglich
einzuhalten.
Auch  will  der  Arbeitgeber,  bei  zufriedenstellender  Leistung,  von  einem
Abzug  des  Deputates  für  die  Streiktage,  ganz  entschieden  Abstand  nehmen.
Bei  ungünstiger  Witterung  will  sich  der  Arbeitgeber  mit  lOt^stündiger
Arbeitszeit  einverstanden  erklären.
gez.  Hoppenrath.
gez.:  Brandt,  Hein,  Teich,  Urban,  O.  Wiese,  Barkow,
Wardin,  Stengert,  Kornett,  Wiese  und  Haß.
Nachdem  die  Ernte  re  st  los  eingebracht  worden  war
und  die  Arbeiter  den  Gutsherrn  an  das  Versprochene
erinnerten,  erklärte  der  Gutsherr:  „er  pfeife  auf  hie
Vereinbarung".
Welche  ungeheure  Erregung  solche  Maßnahmen  in  den  Kreisen  der  Landarbeiter ­
  auslösen,  braucht  nicht  näher  erörtert  zu  werden.  Verschlimmert
wird  dieser  Zustand  noch  dadurch,  daß  der  Vertrauensmann  D.  aus  Schivelbein,
  der  mit  den  einzelnen  Gutsbesitzern  über  diese  Frage  verhandeln
wollte,  wozu  er  durch  die  Arbeiter  autorisiert  war,  wegen  Hausfriedensbruchs
angeklagt  und  in  einem  Fall  mit  150  Mk.  Geldstrafe  bestraft  worden  ist,
während  der  Amtsanwalt  20  Mk.  Geldstrafe  beantragt  hatte.
Kreis  Lauenburg.  Adolf  Decker.
Der  Arbeiter  A.  M.  in  Vietzig  b.  Freest,  Kreis  Lauenburg,  Pommern,
Kassierer  unserer  dortigen  Zahlstelle,  hat  zuür  1.  April  1920  seine  Kündigung
erhalten.  Besitzer  ist  v.  Weiher  in  Vietzig.  Gegen  M.  ist  seitens  des  Besitzers ­
  v.  Weiher  die  Räumungsklage  erhoben  worden.  Außerdem  sind  noch
weitere  acht  Arbeiter  gekiindigt  worden,  ohne  Grund  und  Ursache.  Alle  sind
Mitglieder  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes.
Kreis  Kolberg-Körlin.
Gutsbesitzer  Mengel  hat  am  22.  September  drei  Arbeiter  entlassen  mit
der  Bemerkung,  das  Essen  für  diese  Arbeiter  werde  ihm  zu  teuer.  Es  handelt
sich  um  Unverheiratete,  die  auf  dem  Gute  verpflegt  wurden.  Dieser  Gutsbesitzer ­
  hat  inzwischen  50  Polen  eingestellt.  Mengel  hat  im  Sommer  dieses
Jahres  versucht,  einen  Kreisvertrauensmann  bei  Tarifverhandlungen  mit
einem  Geschenk  von  50  Mk.  zu  bestechen.
Resolution  der  Kollegen  des  Kreises  Kolberg-Körlin.
Die  am  4.  Januar  1920  in  G  r.  I  e  st  i  n  und  F  r  i  tz  o  w  ,  Kreis  Kolberg-Körlin,
  von  Uber  500  Kollegen  besuchte  Kreisgeneralvcrsammlung  des
D.  L.-P.  beschließt  einstimmig:
Den  Verbandsvorstand  zu  ersuchen,  mit  allen  Mitteln  gegen  die  überhandnehmenden ­
  Entlassungen  der  organisierten  Kollegen  mit  aller  Schärfe
vorzugehen.
        <pb n="52" />
        32

Mit  Erbitterung  sieht  die  Arbeiterschaft,  wie  in  allen  Orten  die  Vertrauensmänner ­
  der  Ortsgruppesi  des  D.  L.-V.  ohne  jedweden  Grund  die
Entlassung  erhalten.
Indem  wir  uns  solidarisch  mit  den'Gemaßregelten  erklären,  fordern
wir,  daß  sämtliche  Kündigungen  rückgängig  gemacht  werden  und  nur  dort
zu  Recht  bestehen  bleiben,  wo  ein  besonderer  Grund  vorliegt  oder  die
Mehrzahl  der  Arbeiter  für  die  Entlassung  stimmen.
Obwohl  wir  uns  unserer  Pflicht  der  Volksernährung  gegenüber  voll
und  ganz  bewußt  sind,  sind  wir  entschlossen,  vorstehende  Forderung,  mit
allen  uns  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  durchzukämpfen.
Im  Einvernehmen  der  versammelten  Kollegen,  gez.:  Klabunde.
Kreis  Köslin.
Kreisvertrauensmann  H.  Haß  schreibt  uns:
„Ersuche  hiermit  den  Vorstand,  bei  der  Regierung  vorstellig  zu  werden,
um  dem  brutalen  Vorgehen  der  Großgrundbesitzer  energisch  entgegenzutreten
betreffs  der  Massenkündigungen,  die  jetzt  bei  uns  im  Kreise  vorgenommen
werden.  Die  Landarbeiter  werden  gezwungen,  den  Vertrag  vom  Pommerschen
Landbund,  d.  h.  von  den  Gutsbesitzern,  zu  unterschreiben.  Wenn  sie  das  nicht
machen,  wird  ihnen  einfach  die  Entlassung  ins  Haus  geschickt.  Die  Kollegen,
nun  in  größter  Empörung  über  diese  Maßnahmen,  fragen  mit  Recht,  haben
wir  denn  keine  Regierung,  die  uns  hier  in  der  größten  Rot  schützt,  oder
sollen  wir  wieder  der  Knute  der  Junker  den  Buckel  hinhalten.  Streiken  sollen
wir  nicht,  die  Notstandsarbeiten  sollen  verrichtet  werden,  damit  das  Vieh
nicht  verkommt.  Und  wir  sehen  das  auch  ein,  daß  keine  Werte  des  Staates
vernichtet  werden  dürfen,  aber  dieses  machen  sich  die  Herren  zunutze  und
sagen:  das  Vieh  muß  gefüttert  und  gemolken  werden,  und  wenn  ihr  dieses
nicht  macht,  dann  kommt  einfach  Militär,  und  das  wird  euch  schon  zur  Verrichtung ­
  der  Notstandsarbeiten  zwingen,  mehr  wollen  wir  ja  auch  gar  nicht,
dann  streikt  so  lange  wie  ihr  wollt.  Will  sich  der  Vorstand  und  die  Regierung
noch  länger  die  Augen  und  Ohren  zuhalten,  indem  sie  von  dem  Treiben  der
Junker  hier  in  Hinterpommern  nichts  sieht  und  hört?  Wo  bleibt  da  öte'
Koalitionsfreiheit  der  Landarbeiter?  Die  wird  ihnen  einfach  von  den  Junkern
genommen.  Ich  führe  hier  nun  alle  Fälle  einzeln  an,  wo  dieses  brutale
Vorgehen  der  Herren  durchgesetzt  wird.  In  Monom  sind  neun  Kündigungen ­
  vorgekommen,  Leute,  die  schon  zehn  Jahre  und  noch  länger  da  arbeiten, ­
  in  Seidel  und  View  e  r  r  o  w  dasselbe.  Alles  unter  einer  Gutsverwaltung ­
  (Fürst  von  Hohenzollernsche  Güter).  In  M  e  r  s  i  n  ,  N  e  d  l  i  n  ,
B  a  r  z  l  i  n,  auch  alles  eine  Verwaltung,  sind  sämtliche  Leute  gekündigt
worden.  (Besitzer:  v.  Heidebreck,  Barzlin.)  In  Neuenhagen  (Besitzer ­
  Schnittke)  sind  z  e  h  n  bis  e  l  s  Kündigungen  vorgekommen;  in  G  i  e  s  -
k  o  w  s  i  e  b  e  n  bis  acht,  in  S  ch  ü  b  b  e  n  ist  sogar  der  Vertrauensmann  der
Ortsgruppe  sofort  entlassen  worden,  weil  er  den  Wünschen  des  Herrn  Besitzers ­
  V  o  g  e  s  in  Schübben  nicht  nachkam.  Es  sind  weit  über  50  Güter,
wo  Entlassungen  vorgekommen  sind.  Es  führt  aber  zu  weit,  um  alles  einzeln
anzuführen."  _  ,  „  Y  .
Krers  Belgrad.
Auf  dem  Gute  Hopfenbcrg,  Besitzer  Gräfin  v.  Kleist,  sind  zum
l.  April  l920  19  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.
Allen  Arbeitern  wurde  folgender  Losschein  zugestellt:  „Da  Arbeiter  nicht
in  Verhandlungen  über  den  für  hier  festgesetzten  Vertrag  eintreten  will,
kann  er  sich  auf  seinen  Wunsch  zum  1.  April  1920  anderweitig  Wohnung
nehmen."
        <pb n="53" />
        Bezeichnend  ist  die  Zahl  der  Jahre,  die  die  einzelnen  Arbeiterfamilien ­
  auf  diesem  Gute  wohnhaft  und  beschäftigt  waren,  nämlich  6,  19,  6,
22,  9,12,14,18,  24,  7,  24,  33,1,1,  1,1,  41  und  9  Jahre.
Wie  es  mit  der  Kündigung  bestellt  ist,  die  auf  Wunsch  der  Arbeiter  erfolgt
fein  soll,  beweist  nachstehender,  bei  uns  am  20.  Januar  1920  eingegangener
Bericht:
„Zu  dem  eingesandten  Tarif  wurden  wir  heute,  am  31.  Dezember  1919,
aufgefordert,  ihn  zu  unterschreiben.  Als  erster  wurde  unser  Genosse  B.  reingerufen. ­
  Ohne  Verhandlungen  iiber  den  Tarif  wurde  ihm  der  L  o  s  s  ch  e  i  n
ausgehändigt,  worauf  sämtliche  Mitglieder  das  Gutshaus  verließen.  Da
der  Losschein  ohne  Gründe  war,  wurde  er  vom  Genossen  B.  nicht  angenommen, ­
  B.  wurde  aber  beim  Verlassen  des  Hofes  von  dem  Hofmeister  Zemke
zurückgerufen,  worauf  ihm  derselbe  mit  aufgeführten  Gründen  übergeben
wurde.  Gleichzeitig  haben  noch  mehrere  Mitglieder  denselben  erhalten,  wurde
aber  nicht  angenommen.
Es  wurde  am  30.  d.  M.,  abends,  eine  Versammlung  abgehalten,  wo  wir
uns  mit  sämtlichen  Mitgliedern  eine  Frist  erbaten.  Hieraus  wurde  Genosse
B.  beauftragt,  die  Liste  dem  Gutsverwalter,  Herrn  Mantzel,  vorzulegen.  Genosse ­
  B.  ging  am  31.  d.  M.,  morgens  früh-  mit  der  Liste  hin,  der  Gutsverwalter ­
  befand  sich  im  Pferdestall,  überreichte  ihm  denselben  dort,  M.  lehnte
ihm  mit  den  Worten  ab,  die  Sache  wird  heute  yachmittag  geregelt.  Den
Vorgang  der  Sache  bestätigt  obiges  Schreiben.  Hieraus  beschlossen  sämtliche
Mitglieder,  die  Frist  nochmals  zu  erbitten.  Dies  geschah  folgendermaßen: ­
  Die  Mitglieder  begaben  sich  alle  in  das  Gutshaus,  worauf  unser  Vertrauensmann ­
  B.  beauftragt  wurde,  nochmals  die  Bitte  vorzulegen.
Genosse  B.  erbat  durch  Anmeldung  des  Stubenmädchens  den  Eintritt,
welcher  ihm  auch  gewährt  wurde.  Die  erbetene  Frist  wurde  auch  diesmal
nicht  anerkannt.  Der  Gutsverwalter,  Herr  Mantzel,  erklärte  den
Genossen  B.  als  nicht  maßgebende  Person.  Der  Gutsverwalter
suchte  sich  selbst  ein  Mitglied  von  uns  aus,  Namens  F.  K.,  und  versuchte  durch
gute  Worte  denselben  vonuns  zutrennen,  worauf  derselbe  aber  nicht
einging.  Solange  warteten  sämtliche  Mitglieder  auf  dem  Hausflur.  Nach
einer  kurzen  Unterhaltung  begaben  sich  beide  in  den  Hausflur,  worauf  Herr
Mantzel  die  Mitglieder  aufforderte,  den  vorgelegten  Vertrag  zu  unterschreiben, ­
  worauf  ein  kurzes  Nein  erwidert  wurde.  Sämtliche  Mitglieder  erklärten ­
  Genossen  B.  als  nicht  entlassen,  weil  keine  Gründe  vorhanden  waren.
Beiliegenden  Losschein,  namens  P.,  genau  dasselbe.  Schloß  hiermit  die
Tür  und  sämtliche  Mitglieder  verließen  das  Gutshaus.  Die  Unterschriften  beglaubigen ­
  den  Sachverhalt.  Vertrauensmann  B.  und  drei  Mitglieder,  Kassierer ­
  L.,  Revisor  D."
Auf  dem  Gute  K  a  r  l  s  r  u  h,  Besitzer  UdoDammer,  sind  am  24.  Dezember ­
  1919  fünf  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden;  sämtlich  organisiert.
Auf  dem  Gute  Karlsruh  sind  nur  sieben  Familien  beschäftigt,  davon  ist
Familie  St.  schon  längere  Zeit  entlassen;  obwohl  Amtsgericht  und  Schlichtungsausschuß
  den  Besitzer  verurteilt  haben,  mußte  St.  den  Dienst  verlassen.
Auf  dem  Gute  Alt-Schlage,  Besitzer  L  a  n  d  b  a  n  k,  Stettin,  Verwalter ­
  Administrator  D  ä  m  z  o  g,  sind  am  11.  November  1919  vier  Arbeiterfamilien ­
  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  Sämtliche  Arbeiter  sind
1  bis  3,  eine  Familie  schon  27  Jahre  auf  dem  Gute  beschäftigt.  Entlassungsgrund: ­
  Organisiert  im  Deutschen  Landarbeiter-Verband.
Auf  dem  Gute  W  a  l  d  h  o  f,  Besitzer  v.  Manteufsel,  sind  am  10.  November ­
  1919  fünf  Arbeiterfamilien  zum  l.  April  1920  gekündigt  worden.
        <pb n="54" />
        54

Sämtliche  Arbeiter  sind  1  bis  4  Jahre,  und  eine  Familie  18  Jahre  auf  dem
Gute  beschäftigt,  und  sind  zum  Teil  Vertrauensleute  das  Landarbeiter-Verbandes. ­

Auf  dem  Gute  Standemin,  Besitzer  v.  Braunfchweig,  sind  am
31.  Dezember  1919  v  i  er  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt
worden,  wovon  zwei  29  Jahre  und  zwei  zehn  Jahre  im  Dienst  waren.  Sämtliche ­
  Arbeiter  sind  Vertrauensleute  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes.
Auf  dem  Gute  D  o  r  n  o  w  ,  Besitzer  v.  K  l  e  i  st,  sind  am  1.  Dezember  1919
zwei  Familien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  Die  Gekündigten  sind
je  14  Jahre  im  Dienst  und  Vertrauensleute  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes.

Auf  dem  Gute  Säger,  Besitzer  B  a  l  k,  sind  am  28.  Dezember  1919
drei  Familien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden;  sämtlich  organisiert.
Auf  dem  Gute  Z  w  i  r  n  i  tz,  Besitzer  R  a  d  o  l  l,  wurde  der  Arbeiter  H.  W.
ohne  Anhören  de  sArbeiterausschusses  gekündigt.  Grund:  Vater  wäre  zu
alt;  derselbe  ist  64  Jahre  alt  und  arbeitet  seit  sieben  Jahren  auf  dem  Gut.
Auf  dem  Gute  N  a  tz  k  o  w  ,  Besitzer  v.  Kleist,  sind  am  1.  Januar  1920  vier
Arbeiterfamilien,  sämtlich  Vertrauensleute  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes, ­
  gestündigt  worden.
Auf  dem  Gute  Lankow,  Besitzer  M  a  l  u  e,  sind  am  30.  Dezember  1919
zwei  Arbeiterfamilien,  eine  11  Jahre  und  eine  6  Jahre  int  Dienst,  zum
1.  April  1920  gekündigt  worden,  weil  sie  im  Interesse  ihrer  Kollegen  gehandelt ­
  haben.
Auf  dem  Gute  L  a  tz  i  g,  Besitzer  Major  a.  D.  R  u  f  f  e  l,  sind  am  25.  Dezember ­
  1919  fünf  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.
Sämtliche  Arbeiter  waren  schon  3  bis  6  Jahre  auf  dem  Gute  beschäftigt  und
haben  sich  am  17.  Dezember  1919  organisiert.  Dieses  soll  Entlassungsgrund
fein.  Ruffel  äußerte  sich,  er  wolle  Polen  als  Arbeiter  einstellen.
Auf  dem  Gute  Kieckow,  Besitzer  v.  K  l  e  i  st,  sind  am  31.  Dezember  1919
elf  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden,  weil  sie  den  Tarifvertrag ­
  vom  Pommerfchen  Landbund  nicht  unterschrieben  haben.
Auf  dem  Gute  Damen,  Besitzer  v.  Kleist,  sind  am  17.  Dezember  1919
zwei  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden,  weil  sie  sich
organisiert  haben.
'  Auf  dem  Gute  A  u  g  u  st  e  n  h  o  f,  Besitzerin  Frau  K  o  p  p  ,  sind  an,  27.  Dezember ­
  1919  zwei  Arbeiterfamilien,  fünf  und  acht  Jahre  im  Dienst,  gekündigt ­
  worden.  Beide  sind  Vertrauensleute  der  Ortsgruppe  Augustenhof.
Von  dem  Rentengutsbesitzer  Borchardt  zu  Bulgrin  ist  der  Arbeiter ­
  B.  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden,  weil  er  sich  organisiert  hat.
Auf  dem  Gute  Bulgrin,  Besitzer  Schröder,  sind  im  Dezember  1919
drei  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.
Auf  dem  Gute  Rettzin,  Besitzer  Toop,  sind  am  31.  Dezember  1919
drei  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.
Auf  dem  Gute  G  a  n  s  k  o  w,  Besitzer  Fr-  v.  Schau  m  a  n  n,  sind  am
27.  Dezember  1919  fünf  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt
worden;  hiervon  sind  vier  Mann  Vertrauensleute  der  Ortsgruppe
G  a  n  s  k  o  w.
Auf  dem  Gute  Gr.  Rambin,  Besitzer  Ti  ed  e,  sind  am  24.  Dezember ­
  1919  e  l  f  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden,  weil  sie
den  Tarif  vom  Pommerfchen  Landbund  nicht  unterschrieben  haben.  Dem
Ortsgruppenvorstand  sind  mehrere  Male  Gelder  angeboten  worden,  die  derselbe ­
  immer  ablehnte.
        <pb n="55" />
        Auf  dem  Gute  P  o  d  e  w  i  l  s  ,  Besitzer  v.  Holzendorf,  sind  im  Dezember ­
  1919  sämtliche  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden,  weil  sie  den
Tarif  vom  Pommerschen  Landbund  nicht  unterschrieben  haben.
Auf  dem  Gute  Rettzin,  Besitzer  Fitzke,  sind  am  28.  Dezember  1919
zwei  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  Beide  sind
Hilfsvertrauensleute  der  Ortsgruppe  Rettzin.
Auf  dem  Gute  Rettzin,  Besitzer  M  a  l  u  e,  sind  am  29.  Dezember  1919
drei  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  Sämtliche  sind
feit  1  bis  8  Jahren  auf  dem  Gute  beschäftigt  und  sind  Vertrauensleute  der
Ortsgruppe  Rettzin.
Auf  dem  Gute  G  r  ü  f  f  o  w,  Besitzer  Fr.  v.  S  ch  a  u  m  a  n  n,  sind  am
20.  Dezember  1919  vier  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt
worden.  Zum  Teil  Vertrauensleute.
Auf  den  Gütern  Vietzow,  Neuhof  und  Luisenhof,  Besitzer
v.  R  o  e  d  e  n,  sind  am  10.  Dezember  1919  2  9  bis  3  0  Arbeiterfamilien  zum
1.  April  1920  gekündigt  worden,  weil  sie  den  Tarifvertrag  vom  Pommerschen
Landbund  nicht  unterschrieben  haben.
Auf  dem  Gute  Z  w  i  r  n  i  tz,  Besitzer  R  a  d  o  l  l,  sind  am  17.  Dezember ­
  1919  die  Familien  S.  und  W.  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden;  beide
Kollegen  sind  Vertrauensleute  der  Ortsgruppe  Zwirnitz.
Auf  dem  Gute  H  e  f  e  r  i  tz,  Besitzer  v.  K  l  e  i  ft,  sind  am  31.  Dezember  1919
20  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden,  weil  sie  den  Tarifvertrag  nicht  unterschrieben ­
  haben.
Auf  dem  Gute  Wold-Tychow,  Besitzer  W  e  s  k  e,  sind  am  14.  Dezember ­
  1919  vier  Arbeiterfamilien,  schon  2  bis  17  Jahre  dort  im  Dienst,  zum
1.  April  1920  gekündigt  worden.  Sämtliche  sind  Vertrauensleute  vom
Verband.
Auf  dem  Gute  Ballenberg,  Besitzer  Schmieden,  sind  am  13.  Dezember ­
  1919  sechs  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.
Die  Gekündigten  sind  zum  Teil  Vertrauensleute  vom  Verband.
Auf  dem  Gute  H  e  y  d  e,  Besitzer  F.  P  r  e  tz  e  l,  sind  zum  1.  April  1920
elf  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden,  weil  sie  den  Tarifvertrag  vom
Pommerschen  Landbund  nicht  unterschrieben  haben.
Kreis  Neustettin.
Auf  dem  Gute  Pinnow,  Gräflich  Bassewitzsche  Gutsverwaltung,
wurde  vom  Administrator  Konrad  der  Arbeiter  B.,  15  Jahre  im  Dienst,  ohne
Grund  zum  1.  April  1920  gekündigt.  Ferner  der  Arbeiter  L.  wegen  Nichtstellung ­
  eines  Hofgängers.  L.  ist  vorher  nichts  gesagt  worden,  daß  er  einen
Hofgänger  stellen  soll.  L.  ist  feit  Dezember  1918  auf  Dom.  Pinnow  tätig.
Ferner  wurde  dem  Arbeiter  K.  R.  wegen  Nichtstellung  eines  Hofgängers,  von
dem  ihm  vorher  auch  nichts  gesagt  worden  war,  gekündigt.  R.  ist  seit  sechs
Jahre  tätig  auf  Domäne  Pinnow.  Der  Arbeiter  F.  Sp.  wurde  gekündigt
wegen  Nichtanerkennung  des  Tarifs  als  Altgedienter.  Sp.  ist  52  Jahre  alt
und  ist  von  Jugend  an  auf  dem  Gute  Pinnow  im  Dien  st.
Ferner  wurde  gekündigt  der  Schmiedemeister  O.  B.  Grund:  die  Arbeit  genüge ­
  nicht  mehr.  B.  übernahm  im  November  1918,  nachdem  fein  Pflegevater ­
  bis  zu  seinem  Tode  (13  Jahre  lang)  als  Schmiedemeister  in  Pinnow
beschäftigt  war,  im  Einverständnis  mit  dem  Administrator  den  Posten.
Obige  Kollegen  schreiben  an  den  Deutschen  Landarbeiter-Verband:  „Wir
nehmen  an,  daß  diese  Kündigungen  aus  politischen  und  gewerkschaftlichen
Gründen  erfolgt  sind.  Falls  der  Verband  diese  Kündigungen  nicht  rückgängig ­
  machen  kann,  sind  wir  gezwungen,  diese  Tätigkeit  aufzugeben.  Denn
        <pb n="56" />
        56

bei  der  Wohnungsnst  ist  es  heute  für  einen  Familienvater  nicht  leicht,  brotlos ­
  zu  werden."
Der  Besitzer  Otto  in  Woltersdorf  hat  sieben  Arbeiterfamilien
und  2  0  freien  Arbeitern  gekündigt,  weil  sie  Verbandsmitglieder  sind.  Die
Arbeiter  verlangen  nun,  daß  dem  Besitzer  Otto  die  Verwaltung  des  Gutes
entzogen  wird  und  ersuchen  um  Bescheid,  was  die  Regierung  zu  tun  gedenkt.
Kreis  Vublitz.
Auf  dem  Gut  Gr.  Karzenburg  sind  sechs  Arbeiter  gekündigt
worden.  Sie  fragen  an,  was  hie  Verbandsleitung  dagegen  zu  tun  gedenkt.
Folgende  Erscheinung  zeigt  sich  noch  in  den  letzten  Tagen.  Im  hiesigen
Kreise  ist  bisher  die  Kündigung  der  Arbeiter  zum  1.  November  erfolgt.
Jetzt  plötzlich  haben  die  Besitzer  willkürlich  die  neuen  Kündigungenalle
  zum  1.  Januar  ausgeschrieben,  In  allen  Fallen
kommen  nur  Mitglieder  des  Verbandes  und  jedes  malOrtsgruppenführer
  und  Vertrauensleute  in  Frage.  Meiner  Ansicht  nach
sind  alle  Kündigungen,  die  jetzt  zum  1.  Januar  ausgesprochen  sind,  ungültig,
da  der  Kündigungstermin,  der  1.  November,  verpaßt  worden  ist.
Der  Tarifvertrag  besagt  nichts  über  eine  Änderung  des  Kündigungstermins. ­
  Es  handelt  sich  um  folgende  Güter:  W  o  j  e  n  t  i  n,  Besitzer  Hauptmann'H
  o  l  z,  v  i  e  r  Leute;  Dom.  Karzin  ,  Pächter  B  erndt,  vierzig
Leute;  Dubbtech,  Verwalter  D  a  l  l  m  e  &amp;gt;)  e  r,  zwei  Leute;  M  ü  h  l  ankam ­
  p  ,  Besitzer  Hauptmann  M  o  e  k,  zwei  Leute;  N  e  u  h  o  f  bei  Gr.
Karzenburg,  Besitzer  Westphal,  ein  Mann;  Gr.  Satfpe,  Besitzer
K  a  d  i  n  g  ,  vier  Leute.
M  anlegt  denLe  ute  ninallenFälleneinenTarif  des
Ponr  ui  er  sch  en  Landbundes  vor,  und  wer  diesen  nicht
unterschreibt,  der  b  e  k  o  m  m  t  d  i  e  Entlassung.  Ich  bitte  um
umgehende  Benachrichtigung  des  Reichsarbeitsministers.  Sollte  es  uns  nicht
gelingen,  diesen  Vorstoß  abzufangen  und  zunichte  zu  machen,  dann  befürchte
ich  für  den  Bestand  der  Organisation.  Die  Angst  der  Landarbeiter  vor
schwerer  wirtschaftlicher  Schädigung,  wie  sie  jetzt  mit  Hilfe  des  Pommerschen
Landbundes  wiederum  in  die  Wege  geleitet  wird,  ist  groß.  Sie  haben  sich
noch  nicht  zu  kampsgewohnten  Organisierten  entwickelt.  Oder  aber  es
tritt  ein  anderer  U  m  st  and  ein,  dieLan  darbeiter  schreiten ­
  zur  Selbsthilfe,  und  dann  sind  die  Folgen  n  i.ch  t  a  b  -
zusehe  n.  Bitte  um  umgehende  Erledigung.
Kreis  Dramburg.
Auf  dem  Gut  I  a  n  i  k  o  w  ist  unser  Vertrauensmann  der  dortigen  Ortsgruppe ­
  I.  K.  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden,  weil  er  nach  Angabe  des
Gutsbesitzers  Zwistigkeiten  unter  die  dortigen  Arbeiter  säe.
Kreis  Naugard.
Auf  dein  Gut  P  e  r  I  i  n  ,  Besitzer  Frau  S  ch  u  m  mm,  ist  der  Arbeiter
A.  D.,  feit  sieben  Jahren  im  Dienst,  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden,
weil  er  Vorsitzender  ^er  D.  L.-V.,  Ortsgruppe  Perlin,  ist.
Frau  Schumann  hat  sich  in  der  öffentlichen  Versammlung  vom  Landbund
zu  dem  Vorsitzenden  dahin  geäußert,  daß  jetzt  noch  nichts  zu  machen  wäre,
der  D.  hätte  sie  alle  um  sich,  aber  zum  1.  April  wird  das  sicher  anders.  Das
können  Zeugen  unter  Eid  aussagen.
Auf  dein  Gut  M  i  n  t  e  n,  Besitzer  F  r  e  d  r  i  ch,  sind  sechs  Arbeiterfamilien ­
  (ein  Jahr,  drei  Jahre,  sieben  Jahre,  acht  Jahre,  neun  Jahre  im
Dienst),  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  Entlassungsgrund  ist  die
        <pb n="57" />
        gewerkschaftliche  Betätigung.  Der  Schlichtungsausschuß  hat  entschieden,  daß
die  Kündigungen  zu  unrecht  bestehen,  trotzdem  werden  dieselben  aufrechterhalten, ­
  auch  wenn  das  Urteil  für  allgemein  verbindlich  erklärt  wird.
Der  Kollege  G.  R.  schreibt  uns  aus  Wangeritz:  „Am  30.  Dezember
1919  frug  mich  der  Inspektor  des  Gutes  Wangeritz,  ob  ich  dem  Pommerfchen
Landbund  beitreten  will.  Ich  habe  es  mit  der  Begründung  abgelehnt,  daß
ich  schon  einem  Verband  angehöre.  Darauf  bekam  ich  die  Antwort,  dann
müssen  wir  uns  trennen.  —  Ich  befinde  mich  feit  dein  14.  März  1919  hier
auf  dem  Gilt,  habe  Familie  und  bitte,  mir  mitzuteilen,  ob  der  Inspektor
das  Recht  hat,  mich  auf  obigen  Grund  hin  zu  kündigen."
Rach  Mitteilung  unseres  Vertrauensmanns  R.  in  Crammonsdorf  haben
unsere  dortigen  Mitglieder  ihre  Entlassung  erhalten.  Die  Arbeiter  sind  dort
schon  viele  Jahre  auf  dem  Gute  beschäftigt.  Seitens  des  Pommerfchen  Landbundes ­
  ist  ein  Formular  herausgegeben.  Dieses  Formular  soll  jeder  unterschreiben, ­
  wenn  er  an  seiner  jetzigen  Arbeitsstelle  verbleiben  will.
Kreis  Regenwalde.
Im  Kreise  Regenwalde  sind  nachstehend  aufgeführte  82  Familien  bzw.
Personen  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  Unter  den  Gekündigten
befinden  sich  viele,  die  schon  20  Jahre  und  n  o  d)&amp;gt;  länger  in
ihrer  Stellung  gewesen  sind.  Es  sind  alles  Leute,  die  dem
Deutschen  Landarbeiter-Verband  angehören  und  nur  deshalb  gekündigt
worden  sind.  1.  Bei  dem  Landrat  v.  Bismarck  in  Lasbe-ck:  acht  dem
Verband  angehörige  Persoen.  2,  Bei  v.  Katzler  in  Karlshof:  ein
Arbeiter.  3.  Bei  Frau  v.  Borte  in  R  i  e  n  o  w  :  ein  Arbeiter.  4.  Bei
v.  Borke  in  Gr.  Borckenhagen:  ein  Arbeiter.  5.  Bei  Graf
v.  Königsmvrk  in  Radew:  acht  Arbeiter,  davon  drei  mit  Hofgänger.
6.  Bei  Gutsbesitzer  T  e  s  ch  in  Horst:  zwei  Arbeiter.  7.  Bei  Frau
v.  K  ö  l  l  e  r  in  Schönwalde:  drei  Arbeiter;  in  K  l  ü  m  k  e  n  :  zehn  Arbeiter. ­
  8.  Bei  v.  B  o  r  ck  e  in  L  e  s  s  e  n  t  h  i  n  :  ein  Arbeiter.  9.  Bei
v.  Katzler  in  Rosenfelde:  vier  Arbeiter.  10.  Bei  v.  Blücher  in
W  o  l  k  o  w  und  Kl.  Borckenhagen:  vier  Arbeiter.  11.  Bei  P  o  r  a  t  h
in  B  o  n  i  n  :  fünf  Arbeiter.  12.  Bei  H  e  l  l  in  Schönau:  drei  Arbeiter.
13.  Bei  M  a  ch  in  S  a  l  l  m  o  w  :  zwei  Arbeiter.  14.  Bei  v.  D  i  e  st  in  C  a  r  -
n  i  tz  :  der  Stellnmcher.  15-.  Bei  Frau  v.  D  ö  t  t  i  n  ch  e  n  in  P  o  l  ch  o  w  A.:
ein  Arbeiter.  16.  Bei  Saatz  in  Klaushaaen:  acht  Arbeiter.  17.  Bei
Graf  v.  B  o  r  ck  e  in  M  o  st  o  w  :  drei  Arbeiter.  18.  Bei  Frau  v.  C  a  r  tz  e  n
in  D  o  r  o  w  :  ein  Schweizer.  19.  Bei  Holz  in  Natzmersdorf:  fünf
Arbeiter.  20.  Bei  Frau  Gerstenberg  in  Rosenow:  zwei  Arbeiter.
21.  In  G  e  i  g  l  i  tz  :  ein  Arbeiter.  22.  Bei  Frau  v.  Döttinchem  in
Winningen:  der  Hofmeister.  23.  Bei  Stein  in  T  e-s  ch  e  n  d  o  r  f  :
ein  Arbeiter.  24.  Bei  Frau  v.  Podewils  in  Woitzel:  drei  bis  vier
Arbeiter.  25.  Bei  Klug  in  'G  r.  R  a  d  d  o  w  :  ein  Arbeiter.  26.  Bei
v.  Dewitz  in  M  a  l  d  e  w  i  n  :  zwei  Arbeiter  und  ein  Hofmeister.  27.  Bei
Graf  v.  Pernponcher  in  Labuhn:  zwei  Arbeiter.  Auch  in
Kummrow  haben  Entlassungen  stattgefunden.  28.  Bei  v.  Dewitz
in  M  e  s  s  o  w  :  ein  Arbeiter.  29.  Bei  v.  Borck  in  LabesA.  und  D.:  der
Schäfer.  30.  Bei  v.  K  a  tz  l  e  r  in  R  o  g  g  o  w  :  der  Stellmacher.  31.  Bei
Henke  in  A  a  I  k  i  st  sind  sämtliche  Arbeiter  entlassen.  32.  Bei  Q  u  a  n  d  t
in  Labes,  sind  auch  Arbeiter  entlassen.  33.  Bei  v.  D  i  e  st  in  Z  e  i  d  l  i  tz  :
drei  Arbeiter.
Die  heute  im  „Deutschen  Haus"  zu  Labes  tagende  Kreisversammlung  des
Deutschen  Landarbeiter-Verbandes,  welche  von  über  400  Mitgliedern  besucht
        <pb n="58" />
        58

war,  und  hinter  denen  weitere  4000  organisierte  Landarbeiter  des  Kreises
Regenwalde  stehen,  spricht  einmütig  ihre  Mißbilligung  über  die  stattgesundenen
  Kündigungen  ihrer  Kollegen  aus.
Sie  bringt  hiermit  zum  Ausdruck,  daß  sämtliche  Kündigungen  bis  zum
15.  Februar  1920  von  den  Arbeitgebern  zurückzuziehen  sind,  und  bittet  den
Herrn  Regierungspräsidenten,  sich  dieser  Sache  wohlwollend  annehmen  zu
wollen.  Sollte  dieser  berechtigten  Forderung  wider  Erwarten  nicht  Rechnung ­
  getragen  werden,  so  wird  sich  die  ganze  Landarbeiterschaft  im  Kreis
Regenwalde  mit  ihren  gemaßregelten  Kollegen  solidarisch  erklären  und  ihre
Rechte  selbst  zu  wahren  gezwungen  sein.
gez.:  Kreisversammlung  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes,
Regenwalder  Kreis.
Kreis  Stolp.
Aus  dem  Gut  Je  se  ritz,  Besitzer  Baron  v.  Puttkam  er,  sind
zum  1.  April  1920  dreizehn  Arbeiterfamilien  gekündigt  worden.  Grund
hierfür  ist  Verbandszugehörigkeit.  Einzelnen  wurde  anheimgestellt,  aus
dem  Verband  auszutreten,  dann  könnten  sie  wieder  bleiben.  Die  Familien
sind  zwei,  vier,  sechs  und  zehn  Jahre  auf  dem  Gut  beschäftigt.
Auf  dem  Gut  Schöjow,  Besitzer  Graf  v.  Schwerin,  sind  zum
1.  April  1920  zwei  Familien  gekündigt  worden.  Die  Familien  sind  sechs
und  vier  Jahre  auf  dem  Gut.  Der  angebliche  Grund  hierfiir  ist  zu
hoher  Lohn.  Die  Kollegen  erhalten  jeder  500  Mk.  im  Jahr  außer  Deputat.
Die  Wohnungen  sind  in  einem  erbärmlichen  Zustand.  Einer  ist  Ortsgruppenvorsitzender. ­

Auf  den:  Gut  Dämmen,  Besitzer  v.  L  i  v  o  n  i  u  s  ,  sind  zum  1.  April
1920  drei  Familien  gekündigt;  sie  sind  sechs,  acht  und  FwölfJahre
auf  dem  Gut  und  alle  drei  Vertrauensmänner  der  Organisation.
Auf  dem  Gut  Sorchow,  Besitzer  v.  Braun  schweig,  sind  zum
1.  April  1920  zwei  Familien  gekündigt.  Einer  ist  zehn  Jahre  und
einer  28  Jahre  auf  dem  Gut.  Letzterer  ist  Vertrauensmann,  und  der
Grund  zur  Kündigung  ist  der,  daß  der  Besitzer  „die  Wohnung  für  einen
anderen  braucht".
Auf  dem  Gut  Kosemühl,  Administrator  Hagen,  wurden  drei
Familien  zum  1.  April  1920  gekündigt;  Kollege  K.,  weil  er  zur  Einhaltung
des  Tarifs^  vorstellig  wurde,  Witwe  G.,  weil  sie  nicht  mehr  soviel  Hofgänger
stellen  kann,  als  der  Administrator  verlangt,  und  Kollege  D.  wurde  sofort
entlassen,  weil  er  sich  weigerte,  das  Klosett  auszuräumen.  Die  Familien
sind  zehn,  acht  und  fünf  Jahre  auf  dem  Gut.
Auf  dem  Gut  G  i  r  w  i  n  z,  Besitzer  P  o  m  m  e  r  s  ch  e  Landbank
Stettin,  sind  fünf  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekündigt
worden.  Sämtliche  Arbeiter  sind  Kriegsteilnehmer.
Auf  dem  Gut  Warzmin,  Pächter  Dennert,  sind  zum  1.  April
1920  drei  Familien  gekündigt.  Kollege  W.  ist  erst  am  Anfang  dieses  Jahres
gekündigt,  weil  er  zu  alt  ist,  doch  ist  er  noch  rüstig  und  ohne  Bezug  von
Rente;  Kollege  B.  wegen  Einhaltung  des  Tarifs,  Kollege  G.,  weil  er  Vertrauensmann ­
  ist.
Auf  dem  Gut  D  a  r  s  o  w  ,  Pächter  Horch,  sind  zum  1.  April  1920
drei  Familien  gekündigt.  Alle  drei  sind  Vertrauensleute  und  bereits  fünf
und  sechs  Jahre  am  Ort.  Der  Arbeitgeber  hat  schon  Räumungsklage
eingereicht  und  durch  Gerichtsvollzieher  zustellen  lassen.
Aus  dem  Gut  Lübzow,  Besitzer  v.  Braunschweig,  sind  zum
1.  April  1920  sechs  Arbeiterfamilien  gekündigt,  f  ü  n  f  davon  waren
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        59

Kriegsteilnehmer  und  bereits  vier  und  fünf  Jahre  auf  dem  Gut  tätig.
Der  Besitzer  hat  sich  geäußert,  und  wenn  es  50  000  Mk.  kostet,  ich  will  diese
Leute  raus  haben.
Bezeichnend  ist,  daß  Arbeiter  des  Kreises  Stolp  mehrmals  folgendes
Schreiben  erhielten,  daß  durch  Rechtsanwälte  zugesandt  wurde:
Sie  haben  das  von  Herrn  Horch  Ihnen  zugegangene  Kündigungsschreiben ­
  zurückgesandt.
Ich  mache  Sie  darauf  aufmerksam,  daß  die  Rücksendung  des  Kündigungsschreibens ­
  selbstverständlich  keinen  Einfluß  auf  die  Rechtmäßigkeit
der  Kündigung  hat.  Um  aber  allem  Zweifel  vorzubeugen,  kündige  ich
Ihnen  hiermit  im  Auftrag  des  Herrn  Horch  nochmals  das  Arbeitsverhältnis ­
  und  die  Wohnung  zum  1.  April  7920.  Sie  haben  also  am  1.  April
1920  zu  räumen.
In  Kosemühl  hat  Administrator  Hagen  alle  drei  Vertrauensleute
des  Verbandes  gekündigt.
Ende  Dezember  fand  in  Gr.  Düb  z  o  w  eine  Versammlung  des  Landbundes ­
  statt.  Oberinspektor  Voßberg  traktierte  die  Arbeiter  mit  Schnaps.
Als  diese  betrunken  waren,  sprach  er  zu  ihnen:  „Kommt  her  zu  mir  alle,
die  Ihr  mühselig  und  beladen  seid,  ich  will  Euch  erquicken."  Als  die  Leute
die  Aufnahmen  unterschrieben  hatten,  sagte  der  Redner  des  Landbundes:
„Nehmt  auf  Euch  mein  Joch."  Am  andern  Tag  sandten  die  Arbeiter  die
Aufnahmescheine  wieder  zurück.  Ein  Beweis  dafür,  in  welcher  Weife  auch
heute  noch  agitiert  wird.
Kreis  Schlawe.
Auf  dem  Gut  A  l  t  -  R  e  p  p  i  n  ,  Besitzer  v.  Z  i  tz  e  w  i  tz  ,  sind  zwei
Familien  am  1.  Oktober  1919  gekündigt  worden,  ohne  Angabe  irgendwelcher
Gründe:  Der  Hofmeister  R.  ist  f  ü  n  f  z  e  h  n  Jahre,  der  Schmied  H.
sechzehnIahream  Ort.
Auf  dem  Gut  Petershagen,  Pächter  Gaede,  sind  drei  Familien
gekündigt  worden.  Wir  lassen  dazu  den  Brief  unseres  Bevollmächtigten  der
Ortsgruppe  Petershagen  folgen:
Der  Domänenpüchter  Gaede  hat  drei  Familien  gekündigt,  in  erster  Linie
.  dem  Bevollmächtigten,  weil  er  für  den  Verband  arbeitet.  Die  Herren
Arbeitgeber  haben  sich  verschworen,  solche  Leute  im  Landbund  nicht  zu
beschäftigen.  Wenn  wir  nicht  ausziehen,  wird  die  Räumungsklage  eingereicht. ­
  Run  bitte  ich  umgehend,  daß  Maßnahmen  getroffen  werden,  um
diesem  Treiben  der  Agrarier  ein  Ende  zu  bereiten,  sonst  sind  hunderte
von  Familien  obdachlos  zum  Frühjahr  und  der  Bolschewismus
ist  in  voller  Blüte.
Auf  dem  Gut  Segenthin,  Kreis  Schlawe,  Besitzer  v.  Blument
  h  a  l,  ist  Kollege  F.  K.  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  Kollege  K.
wurde  von  der  Versammlung  als  Vertrauensmann  der  Zahlstelle  Segenthin
gewählt.
Auf  dem  Gut  A  l  t  -  R  i  s  l  o  w  ,  Kreis  Schlawe,  Besitzerin  Frau
G  l  o  x  i  n,  ist  Kollege  K.  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  K.  war  zum
Kontraktmachen  gewählt  nach  den  Sätzen  der  Vereinbarung  zwischen  dem
Arbeitgeber-  und  Arbeitnehmerverband  am  7.  Juli  1919  in  Stolp.
Auf  dem  Gut  B  o  v&amp;gt;k  o  w  ,  Kreis  Schlawe,  Besitzer  v.  R  a  tz  m  e  r,  wurde
der  Arbeiter  K.  W.  zum  1.  April  1920  gekündigt.  Am  9.  Juni  1919  wurde
W.  in  der  Versammlung  als  Vorsitzender  der  Ortsgruppe  gewählt,  wurde
beauftragt,  mit  dem  Besitzer  über  Tarifsätze  zu  verhandeln.  Der  Besitzer
weigerte  sich,  die  Sätze  anzuerkennen.
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        Auf  dem  Gut  P  e  t  e  r  s  h  a  g  e  n  ,  Kreis  Schlawe,  Besitzer  Domänenpächter
  Gau  de,  ist  der  Arbeiter  R.  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.
Kollege  R.  ist  21  Jahre  auf  dem  Gut  beschäftigt.  Am  29.  Juni  1919  wurde
R.  auf  der  Verfannnlung  als  Vorsitzender  der  Ortsgruppe  gewählt.
Auf  dem  Gut  Kummerow,  Kreis  Schlawe,  Besitzer  Grahle,  sind
zwei  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920  gekiindigt.  Kollege  N.  wurde
auf  der  Versammlung  am  26.  Oktober  1919  als  Vorsitzender  der'Ortsgruppe
Kummerow  gewählt,  ist  Kriegsbeschädigter.  Kollege  D.  ist  auch  als  Vertrauensmann ­
  gewählt.
Auf  dem  Gut  Stangen,  Kreis  Schlawe,  Besitzer  v.  Ripp  Anhäufen, ­
  sind  zwei  Forstarbeiterfamilien  am  13.  Januar  1920  zum
1.  April  1920  gekündigt  worden.  Kollege  St.  und  G.  waren  als  Vertreter
der  Ortsgruppe  Crangen  zur  Kreisversammlung  am  11.  Januar  1920  erschienen, ­
  traten  in  sachlicher  Weise  für  Erhöhung  der  Löhne  des  neuen
Tarifs  ein.
Die  Kollegen  sollten  einen  Einzeltarif  unterschreiben.  Da  der  Kontrakt
nicht  mit  den  Sätzen  eines  Tarifs,  wenn  er  regierungsbezirks-  oder  kreisweise ­
  abgeschlossen  wird,  übereinstimmte,  sondern  bedeutend  niedriger  war,
verweigerten  acht  Forstarbeiter  die  Unterschrift.  Dies  sind  sämtliche  Forstarbeiter, ­
  die  dort  beschäftigt  sind.
Der  Rittergutspächter  F  e  r  m  a  n  n  in  W  a  tz  o  w  schikaniert  die  Arbeiter,
weil  sie  Mitglieder  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes  sind.  Zu  W.  P.
sagte  er,  wenn  er  nicht  in  den  Verband  gegangen  wäre,  bekäme  er  alles.  Er
hat  eine  Familie  von  zusammen  acht  Personen  und  hat  keinen  Raum  für
seine  Möbel.  Der  Kutscher  Z.  hat  vier  Stuben  auf  eine  Familie  erhalten,
aber  mit  der  Begründung,  daß  er  aus  deni  Verband  gehen  müsse,  was  er
dann  auch  getan  hat.  Der  Hofmeister  K.  hat  100  Zentner  Kartoffeln  im
Kontrakt  und  76  Zentner  hat  er  nur  erhalten.  Die  anderen  soll  er  haben,
wenn  er  aus  dem  Verband  geht.
Kreis  Rummelsburg.
Auf  dem  Gut  R  e  d  d  i  e  s  ,  Kreis  Rummelsburg,  Besitzer  Post,  ist  unser
Mitglied  O.  F.  bereits  im  Oktober  1919  zum  1.  April  gekündigt  worden,  ist
aber  bereits  im  November  ganz  aus  der  Arbeit  entlassen  worden.  Die  Angelegenheit ­
  wurde  dem  Schlichtungsausschuß  übergeben  und  fand  Verhandlung ­
  am  16.  Dezember  1919  statt.  Zu  dieser  Verhandlung  erschien  Gutsbesitzer ­
  Post  nicht,  es  lag  ein  Schreiben  von  ihm  vor,  indem  er  sich  bereit
erklärte,  F.  den  Lohn  und  auch  das  Deputat  bis  zum  1.  April  1920  zu  zahlen,
im  iibrigen  die  Entlassung  aber  nicht  zurücknahm.
F.  ist  seit  drei  Jahren  aus  dem  Gut  beschäftigt.  Er  ist  Bevollmächtigter
der  dortigen  Ortsgruppe.  Bei  Unterhandlung  mit  unserem  Kreisvertrauensmann
  Grigat  erklärte  der  Gutsbesitzer  Post  diesem,  daß  F.  ihm  immer  anständig ­
  gekommen  sei,  und  auch  sonst  ein  fleißiger  Arbeiter  sei.
Am  1.  Januar  3  920  sind  auf  dem  Gut  R  e  i  n  f  e  l  d  R.,  Kreis  Rummelsburg, ­
  Besitzer  Henry,  die  Arbeiterfamilien  W.  F.  und  I.  W.  gekündigt
worden.  W.  F.  ist  bereits  30  Jahre  auf  dem  Gut  beschäftigt.  I.  W.  ist  seit
18  Jahren  auf  dem  Gut  beschäftigt.
Auf  dein  Gut  R  e  d  d  i  s  sind  neun  Arbeiterfamilien  zum  1.  April  1920
gekündigt,  die  längere  Jahre  auf  dem  Gut  beschäftigt  waren.  Es  handelt
■  sich  natürlich  um  Mitglieder  des  D.  L.-V.  Der  Kollege  schreibt:  Ich  bitte
doch  mal  endlich,  die  Sache  in  die  Hand  zu  nehmen  und  mir  genau  Bescheid
zu  geben,  denn  die  Großagrarier  machen  mit  uns,  was  sie  wollen.
        <pb n="61" />
        61

Kreis  Deutsch-Krone.
Der  Gutsbesitzer  Schütz  auf  Gut  Trabehn,  Kreis  Deutsch-Krone,  hat
jedein  Arbeiter,  der  im  Verband,  war,  den  Ziehschein  gegeben,  die  jedoch  von
den  Arbeitern  nicht  angenommen  wurden.  Nun  werden  die  Leute  tagein,
tagaus  belästigt,  indem  der  Inspektor  mit  Leuten  kommt,  die  die  Wohnung
ansehen.  Es  befinden  sich  unter  den  Arbeiterin  solche,  die  22  Jahre  auf  dem
Gut  beschäftigt  waren.  .  Viele  hatten  sich  im  vorigen  Jahr  ein  Grundstück
gekauft,  wo  sie  ihre  ferneren  Tage  verleben  wollten.  Doch  der  Besitzer  Schütz
hat  ihnen  abgeredet,  bis  sie  es.  wieder  verkauft  hatten,  und  heute  gibt  er
ihnen  den  Ziehschein.
Kreis  Schlochau.
Auf  dem  G  a  u  f  e  sehen  Fideikommißgut  Loosen,  Kreis  Schlochau,
haben  am  1.  Januar  1920  drei  Arbeiterfamilien  den  Entlassungsschein  erhalten ­
  wegen  Zugehörigkeit  zum  Deutschen  Landarbeiter-Verband.  Der
eine  gekündigte  Arbeiter  ist  6er.  bisherige  Bevollmächtigte  unserer  Ortsgruppe ­
  und  gehört  dem  Kreisarbeiter-  und  Bauernrat  an.  Die  anderen  Arbeiter ­
  sind  F.  G.  und  W.  G.
Auf  dem  Gut  Schönau,  Kreis  Schlochau,  hat  der  Vertrauensmann
Unserer  dortigen  Ortsgruppe,  F.  B.,  am  30.  Dezember  1919  feine  Entlassung
zum  l.  April  1920  erhalten.  B.  ist  schon  17  Jahre  am  Ort  beschäftigt.  Am
Sonntag,  dem  4.  Januar  1920,  ließ  der  Besitzer  sämtliche  Mitglieder  des
Deutschen  Landarbeiter-Verbandes  zusammenrufen,  um  nach  seiner  Angabe
mit  iheen  einen  guten  Tarifvertrag  abzuschließen,  aber  mit  der  Bedingung,
daß  sie  dann  alle  aus  dem  Deutschen  Landarbeiter-Verband  austreten.  Da
sie  nicht  Folge  leisteten,  gab  er  sämtlichen  Mitgliedern  zum  1.  April  1920
die  Entlassung.
Nach  Schilderungen  unseres  Gauleiters  sind  int  deutschen  West  -
Preußen,  ,also  in  nur  einigen  Kreisen,  etwa  300  Kündigungen
erfolgt.
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        62

Aus  der  Preußischen  Landesvccfammlung.
Das  gemeingefährliche  Vorgehen  des  Pommers  che  n
Land  b  und  es  hat  auch  zu  einer  Anfrage  der  Abgeordneten  Schmidt
(Cöpenick)  und  Hartwig  (Stettin)  in  der  Preußischen  Land  es  -
Versammlung  geführt.  Kollege  Schmidt  begründete  in  der  Sitzung
am  4.  Februar  diese  Anfrage,  und  geben  wir  nachstehend  seine  Ausführungen
auszugsweise  bekannt:
Schmidt  (Eöpenick,  Sozdem.):  Meine  Damen  und  Herren!  Es  ist
in  diesen  Tagen  in  der  Presse  gesagt  worden,  die  Maßregelungen  von  Landarbeitern, ­
  die  ganz  besonders  in  Pommern  stattfinden,  feien  keine  Ausnahmezustände. ­
  Wir  wollen  hier  den  Nachweis  führen,  daß  es  sich  hierbei
um  Ausnahmezustände  handelt.  Meine  Fraktion  und  ich  persönlich  bedauern,
daß  wir  diese  Versammlung  immer  damit  beschäftigen  müssen,  uns  in  Abwehr ­
  zu  stellen  gegenüber  den  Angriffen,  die  auf  die  Koalitionsfreiheit  der
Landarbeiter  ausgeübt  werden.  Es  wäre  besser,  wenn  wir  uns  mit  dem
Aufbau  in  der  Landwirtschaft  beschäftigen  könnten,  statt  daß  diese  Angelegenheiten ­
  hier  immer  wieder  vorgebracht  werden  müssen.
Ehe  ich  auf  die  förmliche  Anfrage  im  ganzen  eingehe,  muß  ich  etwas
zurückgreifen,  wie  es  kommt,  daß  diese  Zustände  gerade  in  der  Provinz
Pommern  so  entstanden  sind.  Der  Standpunkt  der  Gewerkschaften  ist  nicht
der,  daß  sie  bei  seder  Gelegenheit  Staatshilfe  in  Anspruch  nehmen  wollen,
um  Forderungen  der  Arbeiter  durchzudrücken,  im  Gegenteil,  die  Gewerkschaften ­
  stehen  auf  dem  Standpunkt,  diese  Fragen  durch  Verhandlungen  mit
den  Arbeitgebern  zu  erledigen.  Wenn  das  in  der  Landwirtschaft  heute  noch
nicht  so  der  Fall  ist,  ist  es  darauf  zurückzuführen,  daß  die  Landwirte  sich  von
jeher  an  die  Gesetzgebung  gewandt  haben,  um  ihre  Wünsche  zur  Durchführung
zu  bringen.  Man  wirft  den  organisierten  Landarbeitern  immer  vor,  daß
ihre  Organisationen  politisch  seien.  Ich  behaupte,  daß  in  keiner
Unternehmergruppe  derartig  das  politische  Moment
eine  Rolle  spielt,  als  esbei  den  landwirtschaftlichen
Unternehmerorganisationen  seit  jeher  der  Fall  ist.
(Sehr  richtig!  bei  den  Dozdem.)  Für  sie  war  die  Regierung  das  ausführende
Organ,  und  mein  Kollege  Paetzel  hat  vor  kurzem  hier  in  diesem  Hause  sehr
zutreffend  gesagt,  daß  dieses  Parlament  seitens  der  Landwirte  immer  als
die  Verwaltung  des  großen  preußischen  Gutshofes  betrachtet  wurde.  '  Die
Herren  kamen  ab  und  zu  her  und  haben  nachgesehen,  ob  die  Administratoren,
das  heißt  die  Regierungsmänner,  ihre  Schuldigkeit  erfüllt  haben,  und  dann
sind  sie  wieder  nach  Haufe  gefahren.  Jetzt  ist  es  aber  etwas  anders  geworden.
Dann  möchte  ich  noch  eine  persönliche  Sache  anschneiden.  Es  ist  dies
auch  nicht  persönlich,  denn  ich  werde  ja  immer  angegriffen  als  Vertreter  des
Deutschen  Landarbeiter-Verbandes,  Da  hat  besonders  von  Wangenheim ­
  -  Kleinspiegel  sich  mit  mir  beschäftigt.  Dieser  Herr  hat  auf  der  17.  Vollversammlung ­
  des  Deutschen  Landwirtschaftsrates  am  29.  November  1918  in
Berlin,  laut  „Deutscher  Tageszeitung",  erklärt,  daß  Schmidt  vom  sozialdemokratischen ­
  Landarbeiter-Verband  es  abgelehnt  habe,  mit  den  Arbeitgebern ­
  zusammenzuarbeiten.  Der  Bericht  vermerkt  hier:  Hort,  hört!  Ich
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        03

muß  annehmen,  daß  dieser  Bericht  richtig  ist,  denn  eine  Berichtigung  seiner
Ausführungen  habe  ich  in  der  „Deutschen  Tageszeitung"  nicht  gefunden.
Diese  Ausführungen  sind  das  Gegenteil  von  Wahrheit.  Gerade  v.  Wangenheim ­
  müßte  wissen,  daß  ich  seit  jeher  mit  den  landwirtschaftlichen  Körperschaften ­
  verhandelt  habe,  und  heute  bedauern  wir,  daß  wir  noch  zu  keinem
Resultat  gekommen  sind,  weil  die  maßgebenden  Herren,  besonders  im  Bund
der  Landwirte,  sich  nicht  auf  denselben  Boden  stellen  können  wie  die  industriellen ­
  Unternehmer.
Nicht  um  meine  Person  in  den  Vordergrund  zu  stellen,  sondern  der  Sache
wegen,  will  ich  bekanntgeben,  daß  v.  Wangenheim  am  20.  Februar  1919  auf
einer  Tagung  des  Vereins  für  ländliche  Wohlfahrts-  und  Heimatspflege
folgendes  über  micht  erklärt  hat:
Ich  will  bemerken,  daß  es  mir  eine  große  Freude  ist,  seit  längerer  Zeit  mit
Herrn  Schmidt  in  einer  Arbeitsgemeinschaft  zusammen  zu  arbeiten,  die  wir  beim
Reichsausschuß  der  deutschen  Landwirtschaft  gegründet  haben.  Auch  Herr  Behrens
ist  Mitglied  dieser  Arbeitsgemeinschaft.  Ich  habe  dort  zu  meiner  Freude  gefunden,
daß  wir  uns  in  vielen  Punkten  mit  Herrn  Schmidt  vollkommen  verständigen
konnten,  obwohl  er  Sozialdemokrat  und  wir  Monarchisten  sind..
An  anderer  Stelle  sagt  v.  Wangenheim:
Schmidt  hat  mich  bei  Beratungen  mit  der  Regierung  verschiedentlich  mit
seinen  sehr  ruhigen  Ausführungen  unterstützt.
Das  war  danmls,  da  war  die  Revolution  noch  nicht  solange  vorbei,  heute
haben  die  Herren  sich  eines  anderen  besonnen.  Bei  dem,  was  ich  in  diesem
Hause  gesagt  habe,  bleibe  ich  stehen,  das  gibt  keinen  Anlaß,  derartig  unerhörte
Vorwürfe  gegen  meine  Person  zu  richten.  Wenn  der  Herr  Freiherr  noch
ein  Tänzchen  wagen  will,  wir  spielen  ihm  jederzeit  auf.
Den  Herren  in  Pommern  sind  ruhig  arbeitende  Vertrauensleute  der
Arbeiter  nicht  erwünscht.  Am  29.  Dezember  1919  fand  in  Stargard  in
Pommern  eine  Sitzung  des  Schlichtungsausschusses  statt.  Arbeitgebervertreter ­
  war  Hauptmann  L  i  c  t  k  e  vom  Landbund.  Dieser  erklärte  unserem
Vertreter  F  a  l  k  in  der  Unterhaltung,  er  möchte  Falk  im  Kreise  Saazig  nicht
als  Vertrauensmann  haben,  denn  Falk  versuche,  alle  Sachen  durch  Vermittlung ­
  zu  erledigen.  Lieber  sei  ihm  ein  anderer  Kreisvertrauensmann,
der  schärfer  vorgehe  und  den  Arbeitern  große  Versprechungen  mache.  Dadurch
würden  die  Arbeiter  bald  einsehen,  daß  sie  im  Landbund  besser  aufgehoben
seien.  Den  S  p  a  r  t  a  k  i  st  e  n  von  rechts  sind  also  die  Radikalsten ­
  am  l  i  e  b  st  e  n.
Wie  manche  Herren  den  Verkehr  mit  den  Arbeitervertretern  auffassen,
dafür  ein  Beispiel.  Ein  Kreisvertrauensmänn  unseres  Verbandes  hat  für
eine  Arbeiterin  an  den  jungen  Herrn  v.  Wangenheim-Kleinspiegel,  Otto
v.  Hangenheim,  einen  Brief  wegen  Erfüllung  einiger  Wünsche  geschrieben.
Darauf  ist  folgende  Antwort  eingegangen:
...  Ich  möchte  Sie  aber  nicht  im  Zweifel  darüber  lassen,  daß  ich  einen
weiteren  Schriftwechsel  in  dieser  Sache  für  ziemlich  zwecklos  halte,  da  es  Ihnen
ja  nicht  darauf  ankommt,  den  Leuten  zu  helfen,  sondern  lediglich  darauf,  agitatorisch ­
  zu  wirken.  Ich  bin  auch  davon  überzeugt,  daß  Sie  nicht  die  Absicht  haben,
beruhigend  zu  wirken,  sondern  im  Gegenteil,  die  Erregung  dauernd  zu  schüren.
Dann  kommt  die  bezeichnende  Unterschrift:  M  i  t  der  Ihnen  gebührenden ­
  Hochachtung!  Wenn  der  alte  Herr  v.  Wangenheim  öffentlich
den  Führern  des  Landarbeiter-Verbandes  Vorlesungen  Uber  gesellschaftliche
        <pb n="64" />
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Formen  hält,  bcmjt  soll  er  erst  vor  seiner  eigenen  Tür  kehren,  und  seinen«
Sohn  erst  mal  abgewöhnen,  im  Ton  der  Flegelsahre  mit  Arbeitervertretern
zu  verkehren.  (Sehr  gut!  bei  den  Sozdem.)
Das  möchte  ich  auch  gegenüber  der  „Deutschen  Tageszeitung"  sagen,  die
sich  berufen  glaubte,  mir  am  14.  November  1916  Vorwürfe  zu  machen,  daß
ich  mit  niederträchtigen  Verdächtigungen  gearbeitet  hätte.  Die  „Deutsche
Tageszeitung"  hat  dein  „Vorwärts"  gegenüber  einmal  geschrieben,  in  der
Redaktion  des  „Vorwärts"  sei  die  Scham  schon  zu  dev  Hunden  geflohen.  Ich
will  sagen,  daß  sich  die  Redaktion  der  „Deutschen  Tageszeitung"  zu  dieser
Fähigkeit  überhaupt  nicht  aufschwingen  kann,  weil  Anstandsgefühl  auch  dem
politischen  Gegner  gegenüber  in  den  Redaktionsräumen  der  „Deutschen
Tageszeitung"  niemals  vorhanden  war.  (Sehr  richtig!  bei  den  Sozdem.)
Man  sagt,  der  Landbund  sei  eine  rein  wirtschaftliche  Organisation.  Ich  mache
darauf  aufmerksam,  daß  am  17.  Oktober  die  Kreisgruppe  Greifenberg  des
Landbundes  auf  einen  Vortrag  hingewiesen  hat,  den  der  Freiherr  v.  Wangenheim ­
  gehalten  hat,  in  welchem  dazu  aufgefordert  wurde,  auf  d  e  in  Lande
zuverlässige  und  staatserhaltende  Elemente  unterz
  »bringen.  Ganz  besonders  wurde  darauf  hingewiesen,  sich  dazu  an
den  „Heimatbund  zur  Versorgung  entlassener  Offiziere",  Berlin,  Schellingstraße
  14/15,  zu  wenden.  Das  ist  die  unpolitische  Tätigkeit  des  Pommerfchen
Landbundes,  der  doch  weiter  nichts  ist,  als  ein  Ableger  des  Bundes  der
Landwirte.  Der  Bund  der  Landwirte  ist  bei  seinen  Mitgliedern  etwas  in
Mißkredit  geraten,  weil  er,  wie  ich  schon  anderwärts  gesagt  habe,  wegen  der
alldeutschen  Politik  erblich  belastet  ist.  Viele  seiner  Mitglieder  sind  deshalb
stutzig  geworden,  und  deshalb  ist  man  dazu  übergegangen,  die  sogenannten
Landbünde  zu  begründen,  um  die  Schäflein  bei  dem  Bund  der  Landwirte  zu
halten.
Dann  wissen  wir  auch,  daß  neuerdings  seitens  des  Landbundes  Rundschreiben ­
  erlassen  wurden,  in  denen  dazu  aufgefordert  wurde,  daß  jeder
Gutsbesitzer  drei  Soldaten  der  Baltikumtruppen  bei
s  i  ch  a  u  f  n  e  h  m  e  n  solle,  und  zwar  in  gehobener  Lebensstellung  mit
besserer  Bezahlung  und  besserem  Deputat.  Wir  wissen,  daß  es  Gutsbesitzer
gibt,  die  sich  dagegen  gewehrt  haben  und  daß  auch  das  Militär  in  Pommern
gar  nicht  der  Bauern-  und  Landarbeiterschreck  sein  will,  und  daß  ganz  besonders ­
  die  Truppen  sich  hüten  werden,  überall  auf  den  Gutshöfen  in  Stellung
zu  treten.
Ferner  möchte  ich  darauf  hinweisen,  wie  man  im  Landbund  selbst  arbeitet. ­
  Da  ist  von  Herrn  Johannes  Wolff  in  Stettin  —  das  ist  der  Führer
der  sogenannten  Arbeitnehmergruppe  —  im  Landbund  ein  Schreiben  versandt ­
  worden,  das  vom  28.  November  1919  datiert  ist.  Es  heißt  darin:
Ich  habe  mir  gestattet,  den  für  den  Kreis  Greifenhagen  geltenden  Lohntarif
zu  kündigen.  Ich  halte  dafür,  daß  bei  einem  Steigen  der  Produktenpreise  not-  ,
wendig  unsere  Löhne  steigen  müffen,  denn  die  heutigen  Löhne  reichen  nicht  aus
zur  Bezahlung  für  Arbeitskleidung.  Ich  befürchte,  daß  der  Landarbeiter-Verband
nicht  kündigt  und  sich  mit  den  bisherigen  Lohnsätzen  zufriedengibt,  und  habe
deshalb  aus  mir  heraus  den  Tarif  gekündigt.
Also  hier  kündigt  der  Landbund  den  Tarif,  und  wenn  der  Deutsche  Landarbeiter-Verband ­
  einen  Tarif  kündigt,  schreit  man  Zetermordio  in  der  Presse
und  macht  seitenlange  Inserate  über  die  Tätigkeit  und  „Verhetzung"  des
Landarbeiter-Verbandes.  In  der  Weife  wird  in  der  Arbeitnehmergruppe
des  Landbundes  gearbeitet.  Dieses  Schreiben  ist  verschickt  worden,  ohne
daß  man  bei  d  i  e  s  e  m  S  ch  r  e  i  b  e  n  s  e  h  e  n  kann,  ob  es  vom
        <pb n="65" />
        Landbund  so  in  m  t,  an  Vertrauensleute  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes.
  So  handelt  man  dort  mit  zweierlei  Moral.
Dann  möchte  ich  mich  mit  Herrn  von  der  Osten  beschäftigen.  In
der  69.  Sitzung  der  Landesversammlung  am  22.  Oktober  hat  sich  Herr  von  der
Osten  mit  einem  Fall  auf  dem  Gut  Kiekow  im  Kreise  Belgard  beschäftigt.
Herr  von  der  Osten  scheint  über  den  Fall  nicht  richtig  unterrichtet  zu  sein.
Nich^am  3.  August,  sondern  am  8.  August  1919  fanden  auf  Antrag  der
Arbeiter  Tarifverhandlungen  Im  Kreishause  statt.  Zu  dieser  Zeit  bestand
noch  kein  Streik.  Das  ist  zu  betonen,  weil  Herr  von  der  Osten  sagt,  wegen
des  Streiks  hätten  die  Verhandlungen  stattgefunden.  Das  Zustandekommen
eines  neuen  Tarifvertrages  ist  tatsächlich  an  dem  Starrsinn  der  Arbeitgeber
gescheitert.  Als  die  Verhandlungen  eröffnet  wurden,  erklärte  der  Führer
der  Arbeitgeber,  Herr  v.  K  l  e  i  st  -  Kiekow,  er  müsse  nach  Berlin  fahren.  Trotz
Bitte,  dazubleiben,  verließ  er  mit  anderen  Arbeitgebern  den  Sitzungssaal.
Die  Verhandlungen  wurden  dann  auf  den  12.  August  vertagt.  In  dieser
Verhandlung  erklärte  Herr  v.  Kleist,  er  hätte  nur  gewisse,  aber  keine  unum='
schränkten  Vollmachten.  Er  erklärte  bei  jedem  Punkt,  er  müsse  dies  erst  der
Generalversammlung  der  Arbeitgeber  unterbreiten.  Die  Verhandlungen
an  diesem  Tage  vor  dem  Schlichtungsausschuß  dauerten  15  Stunden.  Trotzdem ­
  die  Landarbeiter  bewußt  nachgaben,  wurde  wieder  vertagt  auf  den
18.  August.  Auch  an  diesem  Tage  erklärten  sich  die  Arbeitgeber  noch  nicht
zur  Unterzeichnung  des  Tarifs  bereit,  sondern  wollten  am  21.  August  Mitteilung ­
  machen.  Dann  kam  die  Forderung,  Stellung  einer  Kaution  in
tatsächlicher  Höhe  von  300  000  Mark.  (Hört,hört!  bei  den
Sozdem.)  Erst  deni  Landrat  ist  es  gelungen,  diese  Forderung  zu  ermäßigen
auf  30  000  Mark.  Am  24.  August  tagte  die  Kreiskonferenz,  und  es  entstand
Empörung  wegen  der  Forderung  der  Kaution.  Jedoch  wurde  von  einem
Streik  Abstand  genommen.  Die  Arbeitgeber  sollten  sich  bis  Mittwoch,  den
27.  August  erklären,  ob  sie  den  Tarif  annehmen  und  von  der  Kaution  Abstand
nehmen.  Diese  Anerkennung  ging  nicht  ein,  und  deshalb  traten  am  28.  August
44  Güter  in  den  Streik,  ohne  von  der  Leitung  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes
  dazu  ermuntert  zu  sein,  sondern  die  Arbeiter  hatten  eben  diese
offensichtliche  Verzögerung  satt.  Der  Landrat  hob  dann  noch  besonders  hervor, ­
  daß  alle  Parteien  den  Tarif  anerkennen,  nur  die  Arbeitgeber  hätten
die  Stellung  der  Kaution  verlangt.  Also  an  der  Kautionsfrage  scheiterten
alle  Vereinbarungen,  weil  die  Arbeitgeber  glaubten,  der  Deutsche  Landarbeiter-Verband ­
  ließe  es  sich  gefallen,  feine  Kaffe  auszupumpen,  was  ja  der
Fall  wäre,  wenn  in  jedem  Kreis  soundso  viele  Zehntausende  an  Kaution  verlangt ­
  würden.  Die  Behauptung  des  Herrn  von  der  Osten,  der  Landarbeiter-Verband
  habe  keine  Antwort  gegeben  wegen  der  Stellung  einer  Kaution,
trifft  nicht  zu,  weil  der  Landrat  sofort  unterrichtet  war,  daß  eine  Kaution
abgelehnt  würde.  Ich  selbst  habe  damals  auf  Anfrage  unseres  Gauleiters
sofort  telegraphiert,  daß  wir  nicht  darauf  eingehen.
Dann  macht  im  Anschluß  daran  Herr  von  der  Osten  Ausführungen,  die
besagen,  daß  auf  dem  Gut  des  Herrn  v.  Kleist-Kickow  bei  diesem  Streik  Arbeitswillige ­
  verprügelt  worden  seien.  In  einem  Brief,  den  uns  die  Arbeiter
dieses  Gutes  geschrieben  haben,  wird  entschieden  bestritten,  daß  Arbeitswillige ­
  verprügelt  wurden.  Ich  will  Ihnen  sagen,  daß  wir  uns  das  Recht
vorbehalten,  wenn  ein  Streik  ausbricht,  auch  Streikposten  auszustellen,  damit
die  Arbeitswilligen  keine  Arbeit  verrichten.  (Abg.  Stendel,  Deutsche  Volkspartei: ­
  Darüber  wollen  wir  nachher  den  Landwirtschaftsminister  hören.  Das
ist  ein  schönes  Recht!)  Wenn  man  Wochen  und  Wochen  lang  verhandelt  und
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        die  Arbeiter  derartig  gezwiebelt  hat,  daß  ihnen  schließlich  die  Lust  vergeht,
dann  komme  man  doch  nicht  hinterher  und  suche  alle  Schuld  dem  Deutschen
Landarbeiter-Verband  anzuhängen.
So  könnte  ich  zur  Vorgeschichte  der  gegenwärtigen  Lage  in  Pommern
noch  manches  anfuhren.  Ich  will  nur  sagen:  Fragen  Sie  sich  doch  einmal,
warum  wir  uns  immer  mit  Pommern  beschäftigen  müssen,  warum  aus  der
Provinz  Sachsen,  aus  Schlesien  und  anderen  Provinzen  diese  Klagen  nicht
kommen.  Warum  hören  wir  aus  dem  Agrarland  Mecklenburg  nicht  solche
Alarmnachrichten?  Weil  dort  die  Arbeitgeber  vernünstger  sind  und  mit  der
Arbeiterschaft  über  den  Tarif  verhandeln.  Aber  in  Pommern  versucht  man
mit  allen  Mitteln  die  Organisation  zu  verhindern.
Ich  will  den  Nachweis  führen,  wo  überall  Maßregelungen  stattgefunden
haben.  Ich  bin  dazu  gezwungen,  weil  man  mit  allen  Mitteln  versucht,  es
in  der  Öffentlichkeit  so  hinzustellen,  als  ob  es  sich  gar  nicht  uni  Maßregelungen ­
  handle.  Ich  habe  gestern  im  Vorwärts  geschrieben,  daß  Herr  von
Dewitz  selbst  habe  zugegeben,  daß  7000  Maßregelungen  unter  der  Arbeiterschaft ­
  in  Pommern  beabsichtigt  waren.  Wenn  diese  unerhörte  Zahl  nicht
errreicht  wurde,  dann  nur  deswegen,  weil  ein  Teil  der  Arbeitgeber  zu  vernünftig ­
  ist,  um  alle  Maßnahmen  durchzuführen,  die  einige  Hitzköpfe  ausführen
wollen.  Ich  weiß  wohl,  daß  vielen  Mitgliedern  dieses  Hauses  das  Vorgehen
der  Herren  in  Pommern  nicht  angenehm  ist.  Aber  versuchen  Sie  doch,  auf
diese  Herren  einzuwirken.  Die  Forderungen,  die  die  Landarbeiter  in  Pommern ­
  stellen,  sind  nicht  höher  als  anderswo.  Da,  wo  man  sich  mit  den  Arbeitern ­
  pn  den  Verhandlungstisch  setzt,  ist  es  möglich,  in  sozialen  und  auch
in  berufswirtschaftlichen  Fragen  eine  Verständigung  herbeizuführen.  Das
wollen  wir,  die  wir  selbst  mit  dem  Widerstand  der  Arbeiter  in  den  Städten
zu  kämpfen  haben,  auch.  Das  lasten  sich  aber  die  Arbeiter  nicht  nehmen,  daß
ihnen  das  Recht  genommen  wird,  sich  zu  organisieren.  (Es  folgen  dann
Einzelschilderungen  der  Maßregelungen.)
Meine  Damen  und  Herren!  Ich  kann  die  Aufmerksamkeit  des  Hohen
Hauses  nicht  gar  zu  lange  in  Anspruch  nehmen,  sonst  könnte  ich  noch  lange
reden;  den  ganzen  Tag  könnte  ich  reden,  und  ich  würde  immer  noch  nicht
fertig  sein,  wenn  ich  alle  die  Fälle  schildern  wollte,  in  denen  Arbeiter  entlassen ­
  werden,  die  10,  20,  ja  40  Jahre  in  der  Landwirtschaft  beschäftigt  sind,
weil  sie  den  Mut  haben,  sich  zu  organisieren.  Dann  kommt  man  und  redet
von  der  Sicherung  der  landwirtschaftlichen  Produktion,  wo  man  die  eingearbeiteten ­
  Arbeiter  aus  dem  Dienst  entläßt  und  dadurch  schon  eine  Beunruhigung ­
  in  der  landwirtschaftlichen  Produktion  eintritt,  weil  die  Arbeiter
ihre  Kündigung  voraussehen  und  wissen,  daß  sie  zu  einem  gewissen  Zeitpunkt
das  Land  verlassen  müssen.  Wo  sollen  denn  die  Leute  hin.  Ganz  mit  Recht
schreiben  die  Arbeiter  aus  Pommern:  Es  müßten  ja  wahre  Völkerwanderungen ­
  entstehen,  wenn  alle  diese  Kündigungen  zur  Tatsache  werden  würden.
In  den  Städten  ist  kein  Platz,  die  städtischen  Arbeiter  sind  froh,  wenn  sie  '
selbst  unterkommen,  und  da  entläßt  man  die  Arbeiter  und  will  sie  rücksichtslos
aus  der  Arbeit  herausziehen.
Man  spricht  davon,  daß  spartakistische  Unruhen  vorkommen.  Ja,  wenn
man  diesen  Sachen  nachgeht,  dann  wird  man  finden,  daß  die  Arbeiter  dazu
getrieben  wurden.  Und  heute  heißt  es  ja  immer:  es  sind  Spartakisten,  wenn
ein  Arbeiter  seine  Rechte  wahrzunehmen  sucht.  Uebrigens  wenn  man  von
der  Wohnungsnot  spricht,  so  ist  es  ja  ganz  eigenartig,  daß  es  dem  Pommerschen
  Landbund  gelungen  ist,  in  Stettin  Müllers  Hotel  für  sich  mit  Beschlag
zu  belegen.  Die  Reisenden  müssen  nachts  in  Stettin  herumlaufen  und  finden
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kein  Unterkommen.  Aber  die  Landbündler  nehmen  Hotels  in  Beschlag,  die
vorzüglich  für  Woynungszwecke  geeignet  sind.  Aber  diese  Herren  scheinen
ja  in  Pommern  tatsächlich  die  Macht  derart  in  Händen  zu  haben,  daß  sie  alles
durchführen  können.
Die  Kündigungen  werden  den  Arbeitern  durch  den  Rechtsanwalt  oder
den  Gerichtsvollzieher  zugestellt.  Wenn  die  Arbeiter  in  einer  Perkennung
des  Rechtsverhältnisses  diese  Kündigungen  zurückschicken,  dann  läßt  man
ihnen  durch  den  Rechtsanwalt  die  Kündigung  nochmals  zugehen,  damit  sie
anerkennen,  daß  sie  die  Kündigung  empfangen  haben.  Der  Pommersche
Landbund  glaubt  vielleicht,  der  Deutsche  Landarbeiter-Verband  gehe  auf  den
Leim  und  strenge  zahllose  Prozesse  gegen  die  Kündigung  im  Einzelfall  an.
Run,  wenn  die  Herren  so  naiv  sind  und  glauben,  wir  wüßten  nicht,  was  zu
tun  ist  und  daß  hier  auf  dem  reinen  Rechtsweg  nichts  zu  machen  ist,  so  irren
sie  sich.  Und  das  möchte  ich  gerade  sagen,  meine  Damen  und  Herren:  wenn
man  ijmmer  auf  den  Rechtsweg  verweist,  so  liegen  die  Dinge  doch  so,  dast
der  Landarbeiter  mit  dem  Empfinden,  wie  er  es  aufsaßt,  einfach  das  Unrecht
sieht  und  nicht  danach  fragt,  wie  die  einzelnen  Paragraphen  beschaffen  sind.
Gerade  die  Verordnung  vom  3.  Dezember  1919  über  Kündigungen,  obwohl
sie  gut  gemeint  war,  nutzt  gar  nichts,  weil  darin  nur  steht:  Arbeitgeber  müssen
sich  mit  den  Arbeitern  ins  Benehmen  setzen,  wo  es  doch  in  der  Landwirtschaft
in  den  wenigsten  Fällen  Arbeiterausschüsse  gibt.  Das  sage  ich  gerade  jenen
Kreisen  im  Hause  gegenüber,  die  glauben,  daß  alles  durch  Paragraphen
erledigt  sei.  Ebenso  steht  es  mit  den  Schlichtungsausschüssen.  Die  Schlichtungsausschüsse ­
  können  in  vielen  Fällen  gar  nicht  eingreifen,  weil  die  Richter
sich  auch  zu  sehr  an  die  Paragraphen  halten;  sie  erklären,  im  Einzelfall  könnten
sie  nicht  eingreifen.  Deshalb  haben  wir  auch  darauf  hingewirkt,  daß  Arbeitsgerichte ­
  eingeführt  werden.
Da  schreiben  uns  die  Kollegen:  wir  nehmen  an,  daß  diese  Kündigungen
aus  politischen  und  gewerkschaftlichen  Gründen  erfolgt  sind;  falls  der  Verband ­
  diese  Kündigungen  nicht  rückgängig  machen  kann,  sind  wir  gezwungen,
die  Arbeit  aufzugeben.  Da  höhnt  mann  dann  in  der  „Pommerschen  Tagespost" ­
  darüber  und  sagt,  der  Deutsche  Landarbeiter-Verband  sei  wohl  am  Ende
seiner  Macht  angelangt,  die  Mitglieder  würden  nun  seine  Reihen  verlassen.
Ach,  meine  Herren,  wir  wissen  schon,  was  wir  zu  tun  haben.  Aber  wir  bleiben
auf  dem  Boden  der  Gesetze  stehen.  Deshalb  müssen  wir  die  Regierung  auffordern, ­
  in  dieser  Sache  etwas  zu  tun  und  hier  einzugreifen,  damit  nicht  die
Landarbeiter  massenhaft  das  Land  verlassen  müssen.  Wenn  die  Landwirte
immer  für  sich  das  Recht  in  Anspruch  nehmen,  mit  den  wertvollsten  Produktionsmitteln ­
  des  Grund  und  Bodens  frei  zu  wirtschaften,  dann  haben
sie  aber  auch  nicht  das  Recht,  wahllos  Arbeiterfamilien  brotlos  zu  machen
und  in  Massen  zu  entlassen.  (Sehr  richtig!  bei  den  Sozdem.)  Das  müssen
Sie  sich  gefallen  lassen,  daß  hier  ein  Eingriff  der  Regierung  erfolgt.
Es  ist  ein  beliebtes  Mittel  geworden,  im  Kampf  gegen  die  Vertreter  der
Landarbeiter  von  der  rechten  Seite  immer  zu  sagen,  sie  verständen  nichts
von  der  Landwirtschaft,  weil  sie  nicht  in  dem  Beruf  tätig  waren.  Was  waren
denn  die  Führer  des  Bundes  der  Landwirte?  Was  war  Dietrich  Hahn?  Ein
Bankbeamter.  Was  sind  andere?  Ehemalige  Juristen,  die  dann  Landwirte
geworden  sind.  Wenn  Sie  immer  sagen,  es  gehört  dazu  die  praktische  Kenntnis, ­
  dann  gestatten  Sie  mir  die  Frage:  wie  steht  es  mit  den  Offizieren,  die
mit  jungen  Jahren  auf  die  Kadettenanstalt  kommen,  und  wenn  sie  aus  dem
Dienst  scheiden,  ihren  landwirtschaftlichen  Betrieb  übernehmen.  Ich  nehme
an,  die  Herren  wollen  auch  das  Beste,  aber  wenn  sie  nicht  ihren  Inspektor
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gehabt  hätten,  hätte  es  manchmal  schlecht  um  die  Bewirtschaftung  der  Güter
gestanden.  Gerade  gegen  meine  Fraktion  wird  immer  behauptet,  dort  seien
keine  landwirtschaftliche  Sachverständige.  Nun  wollen  wir  mal  den  Spieß
umkehren  und  fragen,  ob  in  der  Fraktion,  die  sich  als  Vertreterin  der  Landwirtschaft ­
  bezeichnet,  wirklich  soviel  praktisch  tätige  Landwirte  sitzen.
Die  landwirtschaftlichen  Unternehmer  haben  aus  dem  Kampf  zwischen
Kapital  und  Arbeit  noch  nichts  gelernt.  In  Industrie  und  Gewerbe  sind  wir
schon  so  weit,  daß  sich  Unternehmer  und  Arbeiter  an  einen  Verhandlungstisch
setzen,  und  wenn  ich  eine  Hoffnung  hatte,  so  war  es  die,  daß  es  im  Laufe
dieses  Jahres  gelingen  würde,  in  der  Landwirtschaft  alle  Etappen,  die  im
Kampf  zwischen  Kapital  und  Arbeit  in  der  Industrie  durchgemacht  worden
sind,  zu  überspringen.  Aber  in  Pommern  und  auch  anderwärts,  nicht  überall,
glaubt  man  heute  noch,  mit  den  alten  Mitteln  gegen
die  Gewerkschaft  kämpfen  zu  können,  mit  Maßregelung  und
Unterdrückung  der  Organisationen,  mit  Bevorzugung  der  Arbeiter,  die  sich
nicht  mit  ihren  Arbeitsbrüdern  in  eine  Linie  stellen.  Das  kommt  aber  daher,
daß  die  Organisationen  der  landwirtschaftlichen  Unternehmer  zu  sehr  politisch
orientiert  sind  und  zu  sehr  daran  gewöhnt  sind,  an  die  Gesetzgebung  zu
appellieren.
Ich  darf  wohl  für  mich  in  Anspruch  nehmen,  daß  Sie  mir  glauben,  wenn
ich  sage:  uns  ist  es  nicht  darum  zu  tun,  den  Belagerungszustand  anzuwenden;
wir  wären  froh,  wenn  er  lieber  heute  als  morgen  aufgehoben  werden  könnte.
Aber  wenn  der  Belagerungszustand  nach  links  angewandt  werden  muß,  dann
können  wir  es  uns  nicht  bieten  lasten,  daß  arbeitswillige  Landarbeiter  deshalb ­
  an  der  landwirtschaftlichen  Produktion  gehindert  werden,  weil  sie  den
Mut  haben,  sich  freigewerkschaftlich  zu  organisieren.  Deshalb  hoffen  wir,  daß
die  Regierung  mit  allen  Mitteln  eingreift,  und  wenn  das  noch  nicht  genügt,
was  jetzt  durch  Noske  erfolgt  ist,  daß  dann  noch  andere  Mittel  angewandt
werden.  Wollen  die  Gutsbesitzer  absolut  die  landwirtschaftliche  Produktion
sabotieren,  dann  muß  es  unter  dem  Belagerungszustand  auch  möglich  sein,
ihnen  die  Bewirtschaftung  ihrer  Güter  abzunehmen  und  sie  in  solche  Hände
zu  legen,  die  sie  im  Interesse  der  ganzen  Volkswirtschaft  durchführen,  weil
heute,  wo  die  Not  so  groß  ist,  arbeitswillige  Landarbeiterfamilien  nicht  auf
die  Straße  gesetzt  werden  dürfen.
Auf  die  Presteäußerungen  einzugehen,  in  denen  von  der  Firma  Braun,
Schmidt  u.  Co.,  Landarbeiter-Verband  zur  Störung  der  Produktion,  gesprochen ­
  ist,  hat  keinen  Wert.  Ich  weiß  genau,  daß  es  zum  agrarischen
System  gehört,  so  die  Oeffentlichkeit  zu  bearbeiten.  Ich  glaube  aber,  daß
man  in  der  Oeffentlichkeit  eingesehen  hat,  daß  in  Pommern  ein  Ausnahmezustand ­
  besteht;  ich  erwarte,  daß  die  Regierung  unfere  Maßnahinen  würdigt
und  erkläre  nochmals,  daß  die  Vertreter  der  Landarbeiterschaft  jederzeit  bereit
sind,  zur  Sicherung  der  landwirtschaftlichen  Produktion  beizutragen.  Ich
glaube,  heute  schon  sagen  zu  dürfen,  daß  unser  Verbandstag  auch  dafür  den
Beweis  liefern  wird.
Darum  sage  ich,  unsere  förmliche  Anfrage,  die  hier  gestellt  ist:  was  gedenkt ­
  die  Regierung  in  dieser  Beziehung  zu  tun,  ist  nicht  darum  gestellt,  um
draußen  'im  Lande  wieder  Agitationsmaterial  für  uns  zu  haben,  wie  z.  B.
die  „Pommersche  Tagespost"  schrieb:  „Schmidt  (Cöpeulck)  läutet  Sturm."
Wir  bedauern,  daß  wir  uns  dannt  so  oft  beschäftigen  müssen.  Wie  es  in  der
Provinz  Sachsen  der  Fall  ist,  wo  inan  sich  an  den  Verhandlungstisch  gesetzt
hat,  könnte  es  in  Pommern  auch  sein.  Ich  weiß,  daß  man  es  in  Pommern
von  Anfang  an  anders  gewollt  hat,  und  ich  habe  schon  gesagt,  welche  Personen
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verantwortlich  zu  machen  sind.  Es  geht  nicht  an,  daß  die  Oeffentlichkeit  immer
wieder  über  Landarbeiterstreiks  aufgeregt  wird.  Ich  weiß,  was  die  Herren
wollen.  Sie  glauben  eben,  die  Regierung  könne  nichts  zum  Schutz  der  Landarbeiter ­
  tun,  weil  sie  auf  die  Hilfe  der  Landwirte  angewiesen  sei,  weil  die
Landwirte  sonst  nichts  mehr  abliefern  würden.
Ich  erkläre  nochmals,  daß  wir  bereit  sind,  in  dieser  Beziehung  zu  ver-i
handeln;  aber  das  Recht  der  Arbeiter  lassen  wir  auch
von  den  pommerschen  Landjunkern  uns  nicht  streitig
m  a  ch  e  n.  Wir  hoffen  und  wünschen,  daß  es  uns  auch  hier  wie  anderwärts
gelingt,  zu  Verhandlungen  zu  kommen,  und  daß  uns  auch  das  künftige  Erntejahr ­
  vor  größeren  Erschütterungen  der  Landwirtschaft  verschonen  wird.
Run  muß  ich  noch  eine  Frage  betonen.  Es  wird  immer  gesagt,  die  Tarifverträge ­
  müßten  eingehalten  werden.  Ganz  richtg,  das  gilt  für  normale
Zeiten.  (Lebhafter  Widerspruch  bei  den  Deutschnationalen.)  Gestatten  Sie,
lassen  Sie  mich  doch  mal  ausreden.  Ich  sage,  das  gilt  für  normale  Zeiten;,
heute  aber  haben  wir  anormale  Zeiten.  Gestern  fand  eine  Verhandlung  statt,
wo  Sie  Forderungen  stellten,  was  Sie  für  die  Tonne  Roggen  und  für  die
Tonne  Weizen  bezahlt  haben  wollen,  und  dann  erklärten  dort
Vertreter  der  Landwirtschaft,  die  Arbeiter  müßten
gezwungen  werden,  zu  einem  bestimmten  Satz  zu  ar  -
b  eiten.  Wenn  ich  das  ausgesprochen  habe,  so  habe  ich  es  gesagt  mit  Rücksicht ­
  auf  die  herrschenden  Zustände,  wo  wir  es  künftig  mit  laufenden  Preiserhöhungen ­
  zu  tun  haben  werden.  Glauben  Sie,  daß  die  Arbeiter ­
  mit  Löhnen  zufrieden  sein  können,  die  im  Januar ­
  abgeschlossen  sind  und  die  noch  im  Dezember
desselben  Jahres  gelten  sollen?  (Zurufe  bei  den  Deutschnationalen: ­
  Rein!)  Ich  sage,  auf  diesen  Boden  muß  man  sich  stellen.  Gestatten ­
  Sie  nochmals,  daß  ich  einen  Namen  erwähne,  den  des  Herrn  von  der
Osten,  der  in  einer  Rede  ausführte,  es  wäre  nach  dem  Bürgerlichen  Gesetzbuch
und  nach  der  Landarbeiterordnung  gültig,  was  in  den  Tarifverträgen  stehe,
und  das  würde  von  den  Arbeitern  nicht  eingehalten.  Wenn  die  Tarifverträge
abgeschlossen  worden  sind  im  Sommer  des  Jahres,  und  im  Laufe  des  Jahres
ist  die  enorme  Steigerung  für  alle  Produkte  eingetreten,  besonders  für  Schuhwerk ­
  und  Kleidung,  dann  können  Sie  es  den  Landarbeitern
nicht  verargen,  daß  sie  Nachforderungen  stellen.  Ich
habe  gestern  mit  einem  schätzenswerten  Mitglied  dieses  Hauses  gesprochen,
welches  meinte,  wir  würden  dazu  kommen  müssen,  die  Tarifverträge  vierteljährlich ­
  zu  begrenzen  und  dann  wieder  zu  Verhandlungen  zusammenzutreten.
Wenn  Sie  verlangen,  daß  man  die  Kohlen  preise  als
Index  fürdie  Getreidepreise  behandelt,  dann  müssen
Sie  auch  den  Arbeitern  gestatten,  daß  sie  auch  so  ihre
Löhne  bewertet  haben  wollen.  (Sehr  richtig!  bei  den  Sozdem.)
Das  verlangen  wir,  und  damit  sind  gewiß  nicht  nur  meine  Freunde  von  der
Sozialdemokratie  einverstanden,  sondern  wohl  alle,:  welche  das  Wirtschaftsleben ­
  kennen.  Aber  man  kann  nicht  zu  einem  Resultat  kommen,  wenn  in
der  Presse  über  jeden  Fall,  der  auf  einem  Gut  passiert,  daß  die  Leute  mal  aus
diesem  oder  jenem  Grunde  die  Arbeit  niederlegen,  gewaltiger  Lärm  geschlagen
wird.  Man  muß  versuchen,  die  Sache  im  Verhandlungswege  zu  schlichten,
und  ich  glaube,  daß  alle,  die  schon  bei  Verhandlungen  zwischen  Arbeitgebern
und  Arbeitnehmern  zusammengesessen  haben,  wissen  werden,  daß  wenn  es
manchmal  auch  heiß  hergegangen  ist,  doch  zum  Schluß  immer  ein  Resultat
herausgekommen  ist.  Auf  diesen  Boden  muß  sich  auch  die  pommersche  Landwirtschaft ­
  stellen,  wie  es  anderwärts  der  Fall  ist,  dann  wird  man  auch  in
        <pb n="70" />
        Pommern  zu  einem  Resultat  kommen.  Deshalb  bitte  ich  nochmals
die  Regierung,  den  Landarbeitern  Schutz  angedeihen
zu  lassen,  damit  sie  vor  den  Willkürakten  einiger
tollgewordenen  pommerschen  Junker  geschützt  werden.
(Beifall  bei  den  Sozdem.)

Gegenmaßnahmen  der  Regierung.
Die  Massenkündigungen  von  Landarbeitern  in  Pommern  haben  die
Reichsregierung  zu  sofortgen  Maßnahmen  veranlaßt:  Als  Inhaber  der  vollziehenden ­
  Gewalt  hat  der  Reichswehrminister  N  o  s  k  e  dem  Militärbevollmächtigten ­
  für  Pommern  anfangs  Februar  1920  folgende  Anweisung  erteilt:
Die  Massenkündigung  von  Landarbeitern  in  der  Provinz  Pommern
wächst  sich  zu  einer  sehr  ernsten  wirtschaftlichen  und  politischen ­
  Gefahr  aus.  Die  Entlassung  Tausender  von  Arbeitern,  die
bestenfalls  durch  unerfahrene  Kräfte  ersetzt  werden  könnten,  stellt  eine  Gefährdung ­
  lebenswichtiger  Betriebe  dar  und  muß  dazu  führen,  die  unzulängliche ­
  Ernährung  der  Bevölkerung  im  nächsten  Jahre  weiter  zu  verschlechtern.
Aber  auch  die  Ruhe  und  Ordnung  im  Lande  wird  ernstlich  gefährdet.
Abziehende  Arbeiterfamilien  würden  in  die  Stadt  strömen  müssen,  wo  die
Wohnungsnot  schon  erschreckenden  Umfang  angenommen  hat.  Familien,  die
keine  andere  Arbeitsstelle  finden,  werden  sich  weigern,  abzuziehen.  Daraus
müssen  gefährliche  Konflikte  entstehen,  die  sich  bis  zu  blutigen  Ausschreitungen ­
  steigern  können.  Die  erfolgten  Massenkündigungen
sind  daher  von  Ihnen  als  unwirksam  zu  erklären,  Entlassungen ­
  von  Landarbeitern  sind  nur  zulässig  bei  Nachweis  zwingender ­
  Gründe  vor  einem  Schlichtungsausschuß.  Wegen  der
Beilegung  der  Differezen  zwischen  dem  Landbund  und  der  Arbeiterorganisation ­
  sind  mit  größter  Beschleugnigung  von  Ihnen  Verhandlungen  einzuleiten. ­
  Mer  den  Verlauf  der  Dinge  ist  mir  fortlaufend  Bericht  zu  erstatten.  .
gez.:  Noske,  Reichswehrminister.
In  weiterer  Folge  erschien  dazu  die  nachstehende  Verordnung:
Wehrkreiskommando  IL
Abtlg.  Ia/Id  Nr.  3911.
Verordnung
für  die  Provinz  Pommern  und  den  Bereich  der  Regierung  Schneidemühl.
Die  Landwirtschaft  hat  die  schwere,  aber  auch  stolze  Ausgabe,  die  Ernährung ­
  des  deutschen  Volkes  sicherzustellen.
Alle  Gutgesinnten  haben  deshalb  das  dringende  Verlangen,  die  Grundlagen ­
  des  landwirtschaftlichen  Betriebes  gesund,  stark  und  widerstandsfähig
zu  machen.
^  Zur  Erreichung  dieses  Zieles  sind  Verhandlungen  zur  Beseitigung  einiger
Unstimmigkeiten  und  zur  Festlegung  neuer  Vereinbarungen  im  Gange.  Diese
besten  Willens  und  mit  gutem  Entgegenkommen  zu  Ende  zu  führen,  ist  vaterländische ­
  Pflicht.
Als  Inhaber  der  vollziehenden  Gewalt  für  den  Bereich  des  Gruppenkommandos ­
  3  bestimme  ich  im  Einvernehmen  mit  dem  Zivilkommissar:
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        71

1.  Sic  Landwirtschaft  ist  als  lebenswichtiger  Betrieb  im  Sinne  des  8  6
der  Verordnungen  des  Reichspräsidenten  über  den  Ausnahmezustand
anzusehen.
2.  Eine  Kündigung  von  Landarbeitern  ist  nur  zulässig  auf  Grund  des
§  16  der  vorläufigen  Landarbeitsordnung.
3.  Die  bereits  ausgesprochenen  Kündigungen,  die  nach  Angabe  einer  der
beiden  Parteien  politische  Ursachen  haben  könnten,  z.  B.  Zugehörigkeit
zu  Arbeiterorganisationen  und  Betätigung  als  Kreisvertrauensmann,
sind  von  den  Schlichtungsausschüssen  bzw.  Schlichtungsstellen  nachzuprüfen ­
  und  haben  erst  Gültigkeit,  wenn  sie  von  diesen  als  berechtigt
anerkannt  sind;  Kündigungen,  die  im  beiderseitigem  Einvernehmen  erfolgen ­
  oder  erfolgten,  dürfen  nicht  zum  Gegenstand  eines  Schiedsspruches ­
  geniacht  werden.  Schlichtungsstellen  sind  in  allen  Kreisen,  in
denen  sie  noch  nicht  bestehen,  einzurichten.  Die  näheren  Bestimmungen
bleiben  vorbehalten.
4.  Es  ist  mit  allen  Mitteln  darauf  hinzuarbeiten,  daß  die  landwirtschaftliche ­
  Produktion  gehoben  wird.  Bon  den  Arbeitern  erwarte  ich,  daß  sie
init  Unterlassung  jeder  Kampfmaßnahme  wirtschaftliche  Forderungen
nur  durch  die  dazu  berufenen  Organisationen  geltend  machen,  und  daß
sie  mit  ganzer  Kraft  und  gutem  Willen  die  Ernährung  des  Volkes  sicherstellen ­
  helfen.
Stettin,  den  4.  Februar  1920.
Der  Mlitärbefehlshaber  für  den  Bereich  des  Reichswehrgruppenkommandos  3.
gez.  v.  Bernuth,  Generalleutnant.
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        72

Schlußbemerkungen.
Wir  schließen  hiermit  vorläufig  unsere  Materialsammlung.  Sie  ist  nicht
vollständig.  Während  der  Drucklegung  ist  weiteres  Material  eingelaufen,  das
geeignet  wäre,  unsere  Ansichten,  die  wir  in  der  Einleitung  ausgedrückt  haben,
stärker  noch  zu  unterstreichen.
In  den  Tagen  vom  16.  bis  20.  Februar  1920  tagte  in  Berlin  die
Generalversammlung  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes.  Sie  hat  durch
'  Annahme  einer  Entschließung  den  Standpunkt  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes
  zu  der  Frage,  die  Anlaß  zu  diesem  Heft  gab,  zum  Ausdruck  gebracht. ­
  Die  Entschließung  lautete:
„Die  Vertreter  von  etwa  650  000  organisierten  Land-  und  Forstarbeitern,
oie  heute  zur  Generalversammlung  des  Deutschen  Landarbeiter-Verbandes
zusammengetreten  sind,  protestieren  einmütig  gegen  die  in  den  vergangenen
Wochen,  vor  allem  in  Pommern,  gegenüber  Tausenden  von  Berufsgenossen
und  Verbandsmitgliedern  ausgesprochenen  Arbeitskündigungen,  die  von
ihnen  als  ungesetzliche  Maßregelungen  betrachtet  werden.
Die  Landarbeiterschast  ist  sich  stets  der  Bedeutung  der  Landarbeiterfrage
für  die  Ernährungswirtschaft  des  deutschen  Volkes  bewußt  gewesen.  Sie
weiß,  daß  die  Wiederaufrichtung  unseres  zusammengebrochenen  Wirtschaftslebens ­
  die  strengste  Selbstdisziplin  aller  deutschen  Arbeiter  erfordert,  und  hat
dies  im  verflossenen  Jahr  dadurch  bewiesen,  daß  sie  ihre  eigenen  Interessen
stets  hinter  diejenigen  der  Gesamtheit  des  deutschen  Volkes  stellt.  Sie  gab  in
allen  Verhandlungen  mit  den  Unternehmern  zu  erkennen,  daß  sie  bereit  ist,
für  die  gerechten  Bedürfnisse  der  Landwirtschaft  einzutreten  und  innerhalb
der  industriellen  Arbeiterschaft  wie  der  Gesamtbevölkerung  Verständnis  für
die  gegenwärtige  schwere  Lage  der  landwirtschaftlichen  Betriebe  zu  wecken.
Sie  hat  diese  Haltung  bis  heute  gewahrt,  obwohl  von  Unternehmerseite
alles  getan  wurde,  um  auf  dem  Lande  das  vorrevolutionäre  Abhängigkeitsverhältnis ­
  wiederherzustellen.
Die  Vertreter  der  organisierten  Land-  und  Forstarbeiter  sind  heute  genötigt, ­
  eine  letzte  eindringliche  Warnung  an  das  land-  und  forstwirtschaftliche
Unternehmertum  zu  richten,  das  in  seinem  alten  Herrenstolz  fortfährt,  die
einfachsten  Meilschenrechte  der  Arbeiterschaft  auf  dem  Lande  zu  mißachten.
Sie  erklären,  niemals  die  Hand  dazu  bieten  zu  wollen,  die  Ernährung  des
deutschen  Volkes  zu  gefährden,  und  unter  voller  Wahrung  des  ihnen  wie
der  übrigen  Arbeiterschaft  verfassungsmäßig  zugestandenen  Rechtes  der  Mitbestimmung ­
  im  Arbeits-  und  Produktionsprozeß  am  Wiederaufbau  unserer
Volkswirtschaft  mitzuarbeiten.  Sie  müssen  aber  jede  Verantwortung  dafür
ablehnen,  wenn  durch  die  von  einem  Teil  der  heutigen  Besitzer  des  landwirtschaftlichen ­
  Bodens  betriebene  Katastrophenpolitik  das  deutsche  Volk  in  seiner
Ernährung  noch  mehr  als  bisher  gefährdet  werden  sollte.
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bereits  vier  und  fünf  Jahre  auf  dem  Gut  tätig.
Ij  eäußert,  und  wenn  es  50  000  Mk.  kostet,  ich  will  diese
ß  Arbeiter  des  Kreises  S  t  o  l  p  mehrmals  folgendes
durch  Rechtsanwälte  zugesandt  wurde:
von  Herrn  Horch  Ihnen  zugegangene  Kündigungsldt.

arauf  aufmerksam,  daß  die  Rücksendung  des  Kündisttverständlich
  keinen  Einfluß  auf  die  Rechtmäßigkeit
■  Um  aber  allem  Zweifel  vorzubeugen,  kündige  ich
uftrag  des  Herrn  Horch  nochmals  das  Arbeitsverhältng
  zum  1.  April  1920.  Sie  haben  also  am  1.  April
")at  Administrator  Hagen  alle  drei  Vertrauensleute
igt.
ud  in  Gr.  Dübzow  eine  Versammlung  des  Landlektor
  Voßberg  traktierte  die  Arbeiter  mit  Schnaps.
&amp;gt;aren,  sprach  er  zu  ihnen:  „Kommt  her  zu  mir  alle,
beladen  seid,  ich  will  Euch  erquicken."  Als  die  Leute
schrieben  hatten,  sagte  der  Redner  des  Landbundes:
-n  Joch."  Am  andern  Tag  sandten  die  Arbeiter  die
rr  zurück.  Ein  Beweis  dafür,  in  welcher  Weise  auch
:b -
Kreis  Schlawe.
lt  -  Reppin,  Besitzer  v.  Zitzewitz,  sind  zwei
w  1919  gekündigt  worden,  ohne  Angabe  irgendwelcher
ster  R.  ist  f  ü  n  f  z  e  h  n  I  a  h  r  e,  der  Schmied  H.
'-ln  Ort.
e  r  s  h  a  g  e  n  ,  Pächter  G  a  e  d  e,  sind  drei  Familien
ir  lasten  dazu  den  Brief  unseres  Bevollmächtigten  der
rn  folgen:
hier  Gaede  hat  drei  Familien  gekündigt,  in  erster  Linie
n,  weil  er  für  den  Verband  arbeitet.  Die  Herren
ich  verschworen,  solche  Leute  im  Landbund  nicht  zu
wir  nicht  ausziehen,  wird  die  Räumungsklage  einich
  umgehend,  daß  Maßnahmen  getroffen  werden,  um
Agrarier  ein  Ende  zu  bereiten,  sonst  sind  hunderte
Istos  zum  Frühjahr  und  der  Bolschewismus
ü  t  e.
g  e  n  t  h  i  n,  Kreis  Schlawe,  Besitzer  v.  Blumenzum
  1.  April  1920  gekündigt  worden.  Kollege  K.
imlung  als  Vertrauensmann  der  Zahlstelle  Segenthin
'  :  !  j  |'i
ült  -  Rislow,  Kreis  Schlawe,  Besitzerin  Frau
st.  zum  1.  April  1920  gekündigt  worden.  K.  war  zum
lt  nach  den  Sätzen  der  Vereinbarung  zwischen  dem
ätnehmerverband  am  7.  Juli  1919  in  Stolp.
^kow.  Kreis  Schlawe,  Besitzer  v.  Ratzmer,  wurde
m  1.  April  1920  gekündigt.  Am  9.  Juni  1919  wurde
"stng  als  Vorsitzender  der  Ortsgruppe  gewählt,  wurde
Besitzer  Uber  Tarifsätze  zu  verhandeln.  Der  Besitzer
anzuerkennen.
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        ﻿
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