66 tikern vertretenen Satz bestätigt, daß Zollfragen nicht grundsätzliche, sondern zeitliche, zu den verschiedenen Zeiten die verschiedenste Beantwortung erheischende Fragen sind. Was damals Dogma war, ist Irrlehre in einem mächtigen, geschlossenen Handelsgebiete wie dem des Deutschen Reiches, dessen zolltechnische Erfahrungen ge reift sind und dessen industrielle Leistungsfähigkeit andere Schwierigkeiten als überwindliche nicht mehr kennt. Welche Rolle bei dem Festhalten des Zollvereins an der Gewichts- und Stückverzollung, unter deren Anwen dung er von Fortschritt zu Fortschritt gelangte, die Tra dition, die Scheu vor einer arbeitsreichen Verfeinerung der Verzollungstechnik und der mit der Freude am Be währten naturgemäß stets verbundene Beharrungssinn erfahrener Beamter gespielt haben, mag ununtersucht bleiben. Dafür, daß auch im neuen deutschen Reiche 40 Jahre fast bis zu dem klaren und ent schiedenen Bruche mit einer lieb gewordener: Tra dition vergehen mußten, dafür war meines Erachtens entscheidend der für die ersten Jahrzehnte nach der Reichsgründung mit vielem Recht aufgestellte Grundsatz, daß wir für Lurussteuern nicht reich genug seien oder, wohl zutreffender ausgedrückt, daß noch ein zu geringer Teil der deutschen Bevölkerung Lurus treibe. „Trüffeln und Equipagen, was können sie bringen?", so brachte Bismarck das damalige Dogma zu sinn fälligem Ausdruck. Nur zeitliche Berechtigung konnte auch dieses Dogma