Gelees

135

Geraniumöl

Ammoniak  ein  Farblack  (Gelbholzlack,  Kubalack) ­
  hergestellt,  der  als  olivgrüner  Teig  in  den
Handel  kommt.  Dichtes  hochfarbiges  Gelbholz
dient  auch  als  Material  in  der  Kunsttischlerei.
Gelees  (Fruchtgelees)  bestehen  wie  die  Fruchtsirupe ­
  aus  dem  mit  Rohrzucker  versetzten  Preßsaft
  frischer  Früchte,  doch  wird  bei  ihnen  das
Einkochen  so  weit  fortgesetzt,  bis  sie  nach  dem
Abkühlen  gallertartig  erstarren.  In  neuerer  Zeit
werden  auch  solche  Früchte,  die  keine  gelatinierenden ­
  Stoffe  enthalten,  unter  Zuhilfenahme
von  Agar,  Gelatine  u.  dgl.  auf  Gelees  verarbeitet,
jedoch  sind  dann  die  abnormen  Zusätze  zu  deklarieren. ­
  Bezüglich  der  übrigen  Verfälschungen
gilt  das  unter  Fruchtsäften  bzw.  Himbeersaft
Angeführte.
Gelsemiumwurzel  (lat.  Radix  gelsemii,  frz.
Racine  de  Gelsemium,  engl.  Gelsemium  root),
die  getrocknete  Wurzel  der  im  südlichen  Teile
der  Vereinigten  Staaten  heimischen  Loganiazee
  Gelsemium  sempervirens,  kommt  in
Form  zylindrischer  bis  Z  cm  dicker  Stücke  in
den  Handel,  deren  faserige  Rinde  mit  einer
gelbbräunlichen  Korkschicht  bedeckt  ist,  während ­
  der  feste  weiße  Holzzylinder  auf  dem  Querschnitte ­
  grob  porös  und  strahlig  erscheint.  Die
Rinde  enthält  eine  eigentümliche  Säure,  die
Gelseminsäure,  und  zwei  giftige  Alkaloide,
das  Geisern! n  und  Geisern inin.  G.  findet
als  Abkochung,  Tinktur  oder  Fluidextrakt  medizinische ­
  Verwendung  z.  B.  gegen  Keuchhusten.
Auf  den  chinesischen  Markt  kommt  unter  dem
Namen  Humeng-tsao  eine  ähnliche  giftige
Wurzel,  die  von  Gelsemium  elegans  abstammen ­
  soll.
Gemüsedauerwaren  (Gemüsekonserven).
Als  Gemüse  schlechthin  bezeichnet  man  im  allgemeinen, ­
  abgesehen  von  dem  sächsischen  Gebrauche, ­
  auch  Teigwaren,  Grütze,  Reis  u.  dgl.  als
Trockengemüse  zu  benennen,  frische  Pflanzenteile, ­
  in  erster  Linie  Blätter  (Kohl,  Spinat),  Blüten
(Blumenkohl),  junge  Schößlinge  (Spargel),  unreife ­
  Früchte  von  Leguminosen  (Erbsen,  Bohnen,
Schotengemüse)  und  Wurzeln  (Rüben,  Möhren, ­
  Schwarzwurzeln)  und  unterscheidet  meist
die  letzteren,  das  Wurzelgemüse,  von  dem
sog.  grünen  Gemüse.  Meist  rechnet  man  auch
Gurken  und  Pilze  zu  ihnen.  Die  frischen  Gemüse,
deren  einzelne  Vertreter  in  besonderen  Abschnitten ­
  besprochen  sind,  bilden  wegen  ihres  Wohlgeschmackes ­
  und  ihres  Mineralstoffgehaltes  wertvolle ­
  Bestandteile  der  menschlichen  Nahrung,
sind  aber  wegen  ihres  hohen,  86—96  %  betragenden ­
  Wassergehaltes  arm  an  Nährstoffen  und  wenig
haltbar.  Zur  Erhöhung  der  Haltbarkeit  führt
man  sjss  durch  Trocknen,  Sterilis.eren  oder  einen
Gärungsvorgang  in  Dauerwaren  über,  von  denen
das  Dörrgemüse  an  anderer  Stelle  abgehandelt ­
  ist.  Zur  Herstellung  der  zweiten  wichtigsten
Gruppe,  der  Büchsenkonserven,  werden  die
gereinigten  Pflanzenteile  in  der  Regel  zunächst
mit  Wasser  oder  Salzwasser  vorgekocht,  oder
besser  gedämpft  (blanchiert),  womit  vielfach
eine  Bleichung  durch  schweflige  Säure  oder
Sulfite  oder  eine  Grünfärbung  durch  Teerfarbstoffe ­
  oder  Kupfersalze  (Reverdissage)  verbunden ­
  ist,  und  darauf  in  Gläsern  oder  Metallbüchsen ­
  bis  zur  Abtötung  aller  Keime  erhitzt.
Die  schließlich  zugelöteten  Büchsen  werden  in

der  Regel  aus  verzinntem  Eisenblech  (Weißblech) ­
  hergestellt  und  sind  im  Innern  zum
Schutze  mit  einem  Lacküberzuge  (Vernietung)
versehen.  Bezüglich  der  gesetzlichen  Vorschriften
für  die  Dosen  sei  auf  „Konserven“  verwiesen.
Die  Büchsenkonserven  werden  von  zahlreichen
deutschen  Fabriken  in  ausgezeichneter  Beschaffenheit ­
  von  jahrelanger,  ja  praktisch  unbegrenzter
Haltbarkeit  hergestellt.  Infolge  mangelhafter
Sterilisation  eingetretenes  Verderben  offenbart
sich  meist  durch  Auftreibung  (Bombage)  der
Büchsen  und  das  Auftreten  übler  Gerüche.  Als
unzulässig  gilt  der  Zusatz  chemischer  Konservierungsmittel ­
  (Salizylsäure),  hingegen  wird  ein  geringer ­
  Gehalt  an  schwefliger  Säure  (bis  0,125  °/o)
und,  aus  Rücksicht  auf  die  ausländische  Konkurrenz, ­
  an  Kupfer  (bis  0,01  °/o)  geduldet.  Es  sind
aber  Bestrebungen  der  Fabrikanten  bemerkbar,
die  Kupferung,  die  nach  dem  Farbengesetz  verboten ­
  ist,  aufzugeben.  Von  den  durch  Milchsäuregärung ­
  haltbar  gemachten  Gemüsen  (Salzbohnen, ­
  Sauerkraut)  ist  Sauerkraut  besonders
besprochen  worden.
Genever,  ein  feiner,  aus  Getreide  bereiteter,
ursprünglich  holländischer  Branntwein,  besitzt
einen  schwachen  Geschmack  nach  Wacholderbeeren, ­
  die  man  bei  der  Destillation  in  geringer
Menge  zusetzt.
Genteies  Grün  wird  durch  Fällen  von  Kupfervitriol ­
  mit  einer  neutralisierten  Lösung  von  Zinn
in  Königswasser  dargestellt.  Es  ist  in  chemischer ­
  Hinsicht  zinnsaures  Kupfer  und  findet
als  schöne  grüne  Farbe  Anwendung,  unterliegt
aber  trotz  der  angeblichen  Ungiftigkeit  den  für
kupferhaltige  Farben  (s.  d.)  erlassenen  Vorschriften. ­

Geraniumöl  (lat.  Oleum  geranii,  frz.  Essence
de  gäranium,  engl.  Geranium-oil).  Unter  diesem
Namen  finden  ßich  verschiedene  ätherische  Öle
im  Handel,  die  rosenähnlichen  Geruch  besitzen
und  durch  Destillation  von  verschiedenen  Geranium- ­
  oder  Pelargonium  arten  in  einer  Ausbeute ­
  von  i—2  °/o  hergestellt  werden.  Als  Her
stellungsgebiete  sind  zu  nennen:  Reunion.  Algier,
Frankreich  und  Spanien.  Die  G.  verschiedener
Herkunft  sind  hellgelbe  bis  bräunliche  und  grünliche ­
  Flüssigkeiten,  deren  spez.  Gew.  bei  0,888  bis
0.907  liegt.  Sie  lösen  sich  in  dem  dreifachen  Volum
7o°/oigem  Alkohol  und  drehen  die  Ebene  des
polarisierten  Lichtes  nach  links  (o D  —  —  6,5  bis
—  16).  Ihr  wichtigster  Bestandteil  ist  das  Geraniol ­
  (C 10 H, 8 O),  neben  welchem  noch  ein  zweiter ­
  Terpenalkohol,  Zitronellol,  C 10 H 1 g.OH,  auftritt. ­
  G.  dient  zum  Parfümieren,  ferner  zur  Verfälschung ­
  des  Rosenöls  und  wird  selbst  vielfach ­
  durch  fette  öle,  Kokosfett,  Terpentinöl  und
dergleichen  verfälscht.  Das  indische  Gera
niumöl  oder  Palmarosaöl,  manchmal  auch
türkisches  G.  genannt,  wird  in  Indien  aus
einer  Grasart,  Palmarosagras,  Cymbopogon
Martini,  gewonnen  und  kommt  in  niedrigen,
kupfernen  Ramieren  von  75  kg  Inhalt  in  den
Handel.  Es  ist  noch  reicher  an  Geraniol,  75  bis
95  0/0,  als  Geraniumöl,  enthält  aber  kein  Zitronellol. ­
  Seine  Verwendung  in  der  Parfümerie
ist  gleichfalls  sehr  ausgedehnt,  auch  wird  es
viel  zum  Verfälschen  des  Rosenöls  und  des
eigentlichen  Geraniumöls  benutzt.