Kardol

201

Karragheen

i  m  erreicht  und  am  besten  in  magerem,  sandigem ­
  Boden  auf  sonnigem  Standorte  gedeiht,
hat  bis  Vi  m  l an g e &gt;  8  cm  breite  Blätter,  die  auf
beiden  Seiten  zottig  behaart  und  am  Rande
dornig  gezähnt  sind.  Das  Kraut  wird  geschnitten, ­
  bevor  die  gelben,  mit  großen  stacheligen
Kelchen  umgebenen  Blüten  sich  öffnen,  und  im
Schatten  getrocknet.  Es  enthält  neben  einem
Bitterstoff,  Knizin  oder  Zentaurin,  und  ätherischem ­
  Öl  viel  Salpeter  und  andere  Salze.  —  K.
wird  hauptsächlich  zur  Darstellung  bitterer  Liköre, ­
  als  magenstärkendes  Mittel  und  in  Form
seines  Extraktes  medizinisch  benutzt.
Kardol  (lat.  Cardolum,  frz.  Cardol  v^sicair,
engl.  Cardol  vesicant),  der  in  den  Anakardien
(s.  d.)  enthaltene  äußerst  scharfe  Stoff  ist  eine
schwach  und  angenehm  riechende,  rötlichgelbe,
ölige  Flüssigkeit,  die  wegen  ihrer  unberechenbaren ­
  Wirkung  nur  selten,  und  stets  nur  äußerlich ­
  angewandt  wird.  Man  unterscheidet  Cardolum ­
  vesicans,  aus  westindischen  Anakardien,
welches  blasenziehend  wirkt,  und  Cardolum
pruriens,  aus  den  ostindischen  Anakardien,  welches ­
  auf  der  Haut  Pusteln  erzeugt.
Karlsbader  Salz  (lat.  Sal  thermarum  Carolinarum), ­
  das  durch  Abdampfen  des  Karlsbader
Mineralwassers  erhaltene  Salz,  wird  für  medizinische ­
  Zwecke  zu  einem  ziemlich  hohen  Preise
(ungefähr  13  M.  das  Kilo)  in  den  Handel  gebracht. ­
  Dieses  hohen  Preises  wegen  hat  man
als  Ersatz  ein  künstliches  K.  hergestellt,  das
aus  den  nicht  flüchtigen  Bestandteilen  des  Karlsbader ­
  Mineralwassers,  aus  schwefelsaurem  Natrium, ­
  Natriumbikarbonat  und  Kochsalz,  in  demselben ­
  Mischungsverhältnisse  besteht,  dieselbe
medizinische  Wirkung  wie  das  echte  Salz  ausübt ­
  und  nur  30—50  Pf.  das  Kilo  kostet.
Karmelitcrgeist,  Spiritus  melissae  comp,
des  D.A.B.,  wird  durch  Destillation  von  Weingeist ­
  über  Melisse  und  mehrere  andere  gewürzhafte ­
  Kräuter,  Samen  und  Rinden  als  eine
klare  und  farblose  Flüssigkeit  vom  spez.  Gew.
0,90—0,91  hergestellt  und  hat  seinen  Namen
vom  Karmeliterkloster  in  Nürnberg.
Karmin,  der  prachtvolle  rote  Farbstoff,  der
aus  der  Koschenille  (s.  d.)  durch  Ausziehen
mit  Wasser  und  nachherige  Fällung  mit  verdünnten ­
  Säuren,  meist  unter  Zusatz  von  Eiweiß,
Gelatine  und  Alaun  hergestellt  wird,  kommt
entweder  als  ein  feurigrotes  Pulver  oder  in  unregelmäßigen ­
  Bruchstücken  in  den  Handel.
Die  beliebteste  Marke  (Nakarat-K.)  wird  in
viereckigen  Pappkästen  von  i/z—1  kg  Inhalt
und  verschiedenen  Qualitätsnummern  verkauft.
K.  ist  unlöslich  in  Wasser,  löst  sich  aber  in  Ammoniak ­
  und  soll  nicht  mehr  als  9  o/o  Asche  hinterlassen. ­
  Durch  Fällung  alkalischer  Karminlösungen ­
  mit  Alaun  und  Zinnsalz  erhält  man  die
sog.  Karminlacke,  die  ebenso  wie  Gemische
mit  Ton,  Kreide  usw.  unter  besonderen  Namen,
wie  Pariserrot,  Florentiner,  Wiener,
Münchener  Lack  in  den  Handel  kommen.  K.
wird  als  feine  Malerfarbe  sowie  zum  Färben
von  Tapeten,  Konditorwaren  und  anderen  Nahrungsmitteln ­
  benutzt.
Karminsurrogat.  Unter  diesem  Namen  kommt
eine  Mischung  von  Anilinrot  (Fuchsin)  mit  Safransurrogat ­
  (Binitrokresolkalium)  in  den  Handel, ­
  die  früher  zum  Färben  von  Likören  und

Konditorei  waren  verwendet  wurde,  nach  dem
neuen  Farbengesetz  aber  für  Nahrungsmittel
verboten  ist.
Karnallit,  das  nach  dem  Mineralogen  Garnall
benannte,  in  den  Abraumsalzen  (s.  d.)  vorkommende ­
  Kalium- Magnesiumchlorid  (KCl-j-MgCl2
  +  6H 2 0)  mit  27  °/o  Kaliumchlorid,  34%
Magnesiumchlorid  und  39%  Wasser,  bildet  das
Hauptrohmaterial  der  Staßfurter  Kaliindustrie.
Karnaubawachs  (lat.  Gera  carnaubae,  frz.  Cire
de  carnauba,  engl.  Carnauba  wax),  ein  dem
Bienenwachs  ähnliches  Produkt  pflanzlichen  Ursprungs, ­
  scheidet  sich  an  der  Oberfläche  der
Blätter  von  Copernicia  (oder  Corypha)  cerifera,
  der  in  Nordbrasilien  wachsenden  Wachspalme, ­
  aus  und  bildet  schmutzig  grünliche  oder
gelbliche  Stücke,  die  im  Aussehen  gekochtem
Terpentin  ähneln.  K.  ist  hart  und  spröde,  von
schwachem  meerschaumähnlichen  Glanz,  schmilzt
bei  83—91 0  und  löst  sich  in  Äther  sowie  heißem
Alkohol  und  Terpentinöl.  Das  spez.  Gew.  beträgt
0,990—1,000.  K.  besteht  im  wesentlichen  aus
z’erotinsäure-Myrizylester,  neben  geringen  Mengen
freier  Zerotinsäure  und  Myrizylalkohol.  Seine
Säurezahl  ist  4,5,  die  Ätherzahl  75,  die  Verseifungszahl ­
  85—95°.  Es  erhöht  in  Gemischen  mit  Fetten
wesentlich  den  Schmelzpunkt  und  wird  daher  in
großen  Mengen  zur  Herstellung  von  Kerzen,
Wachsfirnissen  und  Bohnerwachs  benutzt.  Einen
Zusatz  von  K.  zu  Bienenwachs  erkennt  man
an  der  Erniedrigung  der  Säurezahl,  der  Erhöhung ­
  des  spez.  Gew.  und  des  Schmelzpunktes ­
  und  an  dem  Fehlen  der  Palmitinsäure.
Karneol  (frz.  Cornaline,  engl.  Cornelian),  ein
als  Ringstein  zur  Verwendung  kommender  lebhaft ­
  roter,  durchscheinender  Chalzedon.  Schleifereien ­
  befinden  sich  in  Idar.
Karobablätter  (lat.  Folia  carobae,  frz.  Feuilles
Carobe,  engl.  Carobe  leaves),  die  getrockneten
Blätter  einiger  Bignoniazeen,  u.  a.  Jacaranda
procera,  welche  neben  Harzen  und  aromatischen
Stoffen  ein  Alkaloid:  Karobin,  enthalten.  Die
länglich  eiförmigen  Blätter  mit  stark  hervortretenden, ­
  schräg  laufenden  Seitennerven  und
sternförmigen  Drüsenhaaren  werden  von  den  Eingeborenen ­
  gegen  Syphilis  und  Hautausschläge
angewandt  und  neuerdings  auch  nach  Europa
eingeführt.
Karotten  (Stangentabak)  nennt  man  fest
zusammengearbeitete,  etwa  1 / 3  m  lange,  nach
beiden  Enden  hin  verjüngte  Rollen  von  gebeizten ­
  Tabakblättern,  die  mit  starkem  Bindfaden
umwickelt  sind  und  zur  Bereitung  von  Schnupftabak ­
  verwendet  werden.  Die  mittels  einfacher
Maschinen  zusammengewickelten  sog.  Puppen
erhalten  eine  Hülle  von  Leinwand,  die  vor  dem
Verkaufe  wieder  entfernt  wird.  Vor  der  Verarbeitung ­
  läßt  man  die  K.  3—4  Jahre  liegen,  bis
sie  infolge  des  festen  Zusammenschnürens  und
der  vorhandenen  Beize  nach  und  nach  fast
speckartig  erscheinen.
Karragheen  (Irländisch  Moos,  Perlmoos,
Knorpeltang,  lat.  Carrageen,  Lichen  irlandicus,
frz.  Mousse  d’Irlande,  engl.  Irish  Moss),  in  den
Drogenhandlungen  auch  als  Fucus  crispus
bezeichnet,  stammt  von  verschiedenen  Meeresalgen, ­
  Sphaerococcus  crispus,  Chondrus
crispus  und  Gigartina  mammillosa,  die  an
den  Küsten  der  Nordsee  und  des  Atlantischen