Papiergarn

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Pappe

aus  der  Mischholländermühle  in  eine  der
zwei  Vorratsbütten  jeder  Papiermaschine  abgelassen ­
  und  fließt  von  da  mittels  Rohrs  und
stellbaren  Hahns  in  einen  Schöpfapparat
(Danaide),  welcher  dem  Stoffregulator  (frz.
Regulateur  de  päte,  engl.  Regulator  for  stuff)
soviel  zuführt,  als  das  dünnere  oder  dickere  P.
auf  dem  Metallsiebe  braucht.  Der  Stoff  gelangt
dann  auf  eine  breite,  mit  gerippten  Boden-  oder
Querleisten  versehene  Tafel,  den  Sandfang
(frz.  Sablier,  engl.  Sand-catcher),  der  zur  Zurückhaltung ­
  des  Sandes  und  aller  schweren  Unreinigkeiten ­
  dient,  und  danach  auf  einen  oder
zwei  mit  geschlitzten  Messingplatten  belegten
Kasten,  den  Knotenfänger  (frz.  Epurateur,
engl.  Knotter,  Strainer),  der  zur  Zurückhaltung
der  Zwirnknoten  (Nähte)  und  grob  gebliebenen
Fasern  bestimmt  ist.  Von  da  fließt  der  gereinigte ­
  Papierstoff  auf  ein  Metallgewebe  von
i 1 /,—2  m  Breite  und  io —15  m  Länge  ohne
Ende,  welches  von  kleinen  Walzen  getragen
und  von  großen  Walzen  darunter  gespannt
wird.  Durch  seitliches  Schüttelwerk,  eine  aufgelegte ­
  Entwässerungswalze  (frz.  Rouleau
Egoutteur,  engl.  Dandy  roll),  Kaufmannsche
Saugkasten  und  Säugpumpe  (frz.  Caisse  und
Pompe  aspirante,  engl.  Suction  box  und  Pump),
durch  die  Gautschpresse  (frz.  Presse  coucheuse,
  engl.  Couching  roll)  und  die  erste  und
zweite  Naßpresse  (frz.  Presse  humide,  engl
Wet  press)  wird  das  Wasser  auf  mechanischem
Wege  soweit  als  möglich  entfernt.  Das  Papierband ­
  passiert  dann,  durch  Filze  getragen,  vier
bis  zehn  mit  Dampf  geheizte  Trocknungszylinder ­
  (frz.  Cylindres  s6cheurs,  engl.  Drying
rollers),  aus  denen  es  getrocknet  auf  Haspeln
(frz.  Ddvidoirs,  engl.  Reels)  zu  Rollen  sich  aufwindet. ­
  Die  letzteren  werden  für  sich  verkauft
oder  auf  einer  Schneidemaschine  (frz.  Coupeuse,
engl.  Cutting  machine)  in  Bogen  geschnitten,
mit  einer  Satinier-  oder  Kalandermaschine  (frz.
Machine  ä  satiner,  Calandre,  engl.  Calender)
geglättet  und  in  Ries  verpackt.  Zum  Wiegen
des  P.  dienen  eigene  Papierwagen,  welche
das  Gewicht  des  Bogens  im  Ries  zu  480,  500
und  1000  Bogen  angeben.  Die  Dicke  bestimmt
man  mit  dem  Pyknometer,  die  Festigkeit  mit
dem  Apparat  von  Wendler.  —  Das  sog.
Reißpapier  (engl.  Rice  paper),  welches  sowohl ­
  in  China  als  auch  bei  uns  zur  Blumenmalerei ­
  und  zur  Herstellung  künstlicher  Blumen
viel  benutzt  wird,  ist  kein  eigentliches  Papier,
sondern  besteht  aus  dem  Marke  und  der  Wurzel
einer  von  den  Chinesen  „Reiß“  genannten
Pflanze  (Aeschynome  paludosa).  Zur  Darstellung ­
  dieser  schneeweißen  Blätter  wird  die
noch  feuchte  Wurzel  mit  eigentümlichen  Messern
spiralförmig  nach  innen  zu  geschnitten,  und  das
erhaltene  zusammenhängende  Blatt  noch  feucht
zwischen  Platten  gepreßt.  —  Pauspapier  ist
mit  Lösungen  von  fetten  Ölen  oder  Kopaivabalsam
  behandeltes  und  dadurch  durchscheinend
gemachtes  Seidenpapier  zum  Durchzeichnen.
Papiergarn  wird  seit  der  Abschneidung  ausländischer ­
  Faserstoffe  durch  die  völkerrechtswidrige ­
  englische  Blockade  in  der  Weise  aus
Natron-  oder  Sulfitzellstoff  hergestellt,  daß  man
in  Streifen  geschnittenes  Papier  auf  Scheiben
.(Spinnteller)  wickelt,  dann  feucht  dreht  und  mit

Textilfasern  zusammen  verspinnt.  Häufig  werden ­
  die  Streifen  auch  aus  Papierblättern  geschnitten, ­
  die  schon  vorher  mit  einem  Schleier
von  Baumwoll-  oder  Juteabfällen  beklebt  waren
(Textilose).  Das  Papiergarn  eignet  sich  gut
zur  Herstellung  von  Bindfaden,  Seilen,  Geweben ­
  für  Wandbekleidungen,  Läuferstoffe,
Matten,  Teppiche,  Säcke  (besonders  Sandsäcke),
unter  Umständen  auch  für  Bekleidungsgegenstände ­
  (Strümpfe,  Anzüge).  Für  den  letzteren
Zweck  wird  das  Gewebe  durch  Behandlung  mit
schwacher  Lauge  weich  gemacht,  während  der
Nässe  ausgesetzte  Gewebe  mit  Leim  und  Tannin
imprägniert  werden  müssen.  Bereits  im  Jahr-:
1917  erzeugten  die  Fabrik  vonClaviez  in  Adorf
und  die  Textilwerke  in  Oppeln  täglich  je  30  bis
40000  kg  P.
Papiermach6  (frz.  Carton  mould,  engl.  Paper
machee,  Japanned  paper)  nennt  man  eine  aus
Papierstoff  bestehende  Masse,  aus  welcher  die
japanischen  und  chinesischen  Lackwaren  (Teebretter, ­
  Rahmen,  Dosen)  hergestellt  sind  und
die  in  anderer  Form  auch  bei  uns  viel  benutzt
wird.  Zur  Herstellung  der  ersten  Art  wird  angefeuchtetes ­
  Papier  mit  einem  aus  Tischlerleim ­
  und  Weizenmehl  gekochten  Bindemittel
Blatt  für  Blatt  über  Formen  gelegt,  die  zur
Verhinderung  des  Anklebens  mit  Öl  bestrichen
sind.  Nach  dem  Auflegen  von  je  3—4  Blättern
findet  eine  Trocknung  statt.  Sobald  die  erforderliche ­
  Dicke  erreicht  ist,  wird  der  Gegenstand ­
  völlig  getrocknet,  mit  Bimsstein  oder
einem  ähnlichen  Material  wiederholt  sorgfältig
abgeschliffen  und  mit  dem  vorzüglichen  japanischen ­
  Lack  (s.  d.)  bestrichen.  Das  Lackieren
wird  vielfach  auf  dem  Wasser  in  Kähnen  vorgenommen, ­
  um  jeden  Zutritt  von  Staub  zu  verhindern. ­
  In  Europa  zerteilt  man  Papier  durch
sog.  Maschieren  (Kauen)  mit  Hilfe  von
heißem  Wasser  in  eine  faserige  Masse,  setzt
Ton  oder  Gips  hinzu  und  füllt  den  Brei  in
Formen.  Die  erhärteten  Gegenstände  (Puppenköpfe, ­
  Tiere)  werden  mit  Öl-  oder  Leimfarben
grundiert  und  bemalt.  Zur  Nachahmung  einer
Behaarung  trägt  man  bisweilen  feine  Scherwolle ­
  auf  den  Leimüberzug  auf.  Als  neueste
Erzeugnisse  aus  P.  sind  Eisenbahnräder,  Fässer,
Eimer,  Waschbecken,  Körbe  und  Teller  zu  erwähnen, ­
  die  meist  aus  Holzstoff  oder  Zellulose
hergestellt  und  durch  mineralische  Zusätze  unverbrennlich ­
  gemacht  werden.
Pappe  (frz.  Carton,  engl.  Board,  Card  board,
Paste-board)  sind  verschieden  dicke  Platten  aus
Papiermasse,  die  nach  den  üblichen  Verfahren
der  Papierfabrikation  hergestellt  werden.  Man
erhält  sie  entweder  durch  Schöpfen  der  Bogen
von  der  erforderlichen  Dicke  (geschöpfte  oder
geformte  Pappe,  Bütten-P.)  oder  durch
Zusammenpressen  zahlreicher,  frisch  geschöpfter
Papierblätter  (gegautschte  P.)  oder  endlich
durch  Zusammenleimen  fertiger  Papierblätter
(geleimte  P.).  Glanzpappen  sind  aus  einem
mit  Koalin  oder  Schwerspat  beschwerten  und
geleimten  Papierstoff  durch  Pressen  hergestellt.
Nach  der  Art  der  Verwendung  unterscheidet
man  Saugpappen  zum  Trocknen  feuchter
Stoffe  und  Buchbinderpappen  für  Büchereinbände ­
  und  Kästen.  Die  ersteren  bestehen
aus  Wollenhademstoff,  die  letzteren  meist  aus