Pikrotoxin

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Piniolen

ihrer  Explosibiiität  werden  die  Pikrate  im  deutschen ­
  Eisenbahnwesen  überhaupt  nicht,  und  Pi
krinsäure  nur  dann  befördert,  wenn  auf  dem
Frachtbrief  von  einem  vereideten  Chemiker  bestätigt ­
  ist,  daß  sie  frei  von  Pikrinsäuren  Salzen  ist.
Pikrotoxin  (lat.  Picrotoxinum,  frz.  Picrotoxine,
engl.  Pikrotoxin),  der  nur  selten  medizinisch  benutzte ­
  Giftstoff  der  Kockeiskörner  (s.  d.),  bildet
ein  feinkristallinisches,  weißes,  äußerst  bitter
schmeckendes  Pulver  oder  sternförmig  gruppierte
Kristallnadeln.  In  kaltem  Wasser  ist  es  schwer,
in  kochendem  Wasser  sowie  in  Alkohol  und  in
Äther  leichter  löslich.
Pilokarpin  (lat.  Pilocarpinum,  frz.  und  engl.
Pilocarpine),  ein  in  den  Jaborandiblättern
(s  d.)  enthaltenes  Alkaloid,  wird  durch  Extraktion ­
  des  mit  Soda  befeuchteten  Blattpulvers  mit
Benzol  und  nachfolgende  Reinigung  mit  Salzsäure ­
  und  Salpetersäure  als  ein  farbloser  Sirup
erhalten.  Es  löst  sich  leicht  in  Wasser,  Alkohol
und  Chloroform,  schwerer  in  Benzol,  aber  nicht
in  Äther.  Die  Lösung  ist  rechtsdrehend.  An
Stelle  der  freien  Base,  die  nicht  kristallisierbar
ist,  wird  das  salzsaure  P.,  richtiger  Chlorwasserstoffpilokarpin ­
  (lat.  Pilocarpinum  muriaticum
  seu  hydrochloricum),  als  stark  schweißtreibendes ­
  Mittel  medizinisch  verwandt.
^  Pilze  (Schwämme,  lat.  Fungi,  Mycetes,  frz.
Champignons,  engl.  Mushrooms).  Von  den  zahlreichen ­
  Arten  der  Lagerpflanzen  oder  Thallophyten
  werden  verschiedene  als  Nahrungsmittel ­
  benutzt,  jedoch  ist  ihr  Nährwert  bisweilen
stark  überschätzt  worden.  Wegen  ihres  großen
Wasserreichtums  von  87—940/0  enthalten  sie  an
eigentlichen  Nährstoffen  nur  1—5  0/0  Stickstoffsubstanz, ­
  0,2—0,7  0/0  Fett,  '3—5  0/0  Kohlenhydrate
und  10/0  Asche,  und  überdies  besteht  die  Stickstoffsubstanz ­
  nicht  aus  reinem  Eiweiß,  sondern
zum  großen  Teil  aus  Säureamiden  und  Amidosäuren,
  welche  für  die  Ernährung  nur  beschränkten ­
  Wert  haben.  Ist  somit  auch  ohne  weiteres
klar,  daß  die  Pilze  die  überschwengliche  Bezeichnung ­
  „das  Fleisch  im  Walde“  nicht  verdienen,
so  bilden  sie  doch  als  Gemüse  und  Genuß  mittel
eine  nicht  unwichtige  Handelsware.  Bei  ihrem
Einkauf  ist  zu  berücksichtigen,  daß  mehrere
stark  giftige  P.  den  gebräuchlichsten  eßbaren
sehr  ähneln,  so  der  Knollenblätterschwamm
dem  Champignon,  der  Satanspilz  dem
Steinpilz,  die  Lorchel  der  Morchel.  Nähere
Angaben  hierüber  finden  sich  in  den  besonderen
Besprechungen.  Außer  den  genannten  finden
noch  Pfifferlinge  und  Trüffeln  vielfache  Verwendung. ­
  Die  P.  kommen  sowohl  in  Dosen  eingekocht, ­
  wie  in  getrocknetem  Zustande  in  den
Handel  und  sind  dann  meist  mit  genügender
Sorgfalt  ausgesucht  und  einwandfrei.  Unter  den
getrockneten  sollen  allerdings  bisweilen  Verfälschungen ­
  durch  geringwertigere  Sorten  und
Wasserrosenstengel  beobachtet  worden  sein.
Piment  (Neugewürz,  Nelkenpfeffer,  Jamaikapfeffer, ­
  Neue  Würze,  Englischgewürz, ­
  lat.  Fructus  amomi,  frz.  Piment,  engl.
Allspice,  Clove  pepper,  Pimento)  nennt  man  die
unreif  geernteten  Früchte  des  Pimentbaumes
oder  der  Nelkenpfeffermyrte,  Pimenta  officinalis, ­
  Myrtus  pimenta  L.,  einer  in  Südamerika ­
  und  Westindien  heimischen  Myrtazee,
die  in  ein-  bis  dreifächerigen  Beeren  kugelförmige ­

  Samen  enthält.  Die  noch  grün  gepflückten,
erbsengroßen  Beeren  werden  an  der  Sonne  getrocknet ­
  und  zeigen  dann  eine  braune,  feinwarzige
Oberfläche.  Sie  enthalten  außer  ätherischem
Öle  Harz,  Gerbstoff,  Fett,  Gummi,  Zucker,  Äpfel
und  Gallussäure.  Das  Pulver  unterliegt  denselben
Verfälschungen  wie  der  Pfeffer.  An  Stelle  der
ganzen  Körner  werden  bisweilen  minderwertige
Früchte  verwandter  Arten,  mexikanischer  oder
spanischer  Piment  von  Eugenia  Tabasco,
und  Kron-P.  von  Pimenta  acris  unterschoben.
Eine  künstliche  Färbung  durch  Eisenoxyd  muß
gekennzeichnet  werden.  P.  ist  ein  beliebtes  Küchengewürz. ­

Pimentöl  (Nelkenpfefferöl,  lat.  Oleum
amomi,  frz.  Essence  de  piment,  engl.  Oil  of  pimento), ­
  das  aus  dem  Piment  durch  Destillation
mit  Wasserdampf  gewonnene  ätherische  Öl,  bildet
eine  gelbe  bis  bräunliche,  dickliche  Flüssigkeit
vom  spez.  Gew.  1,024—1,055  und  stark  ge
würzigem  Geruch.  Es  besteht  hauptsächlich  aus
Eugenol  (s.  d.)  und  wird  bei  der  Herstellung
aromatischer  und  bitterer  Liköre  verwandt.  Die
Ausbeute  beträgt  3—4.5  0/0.
Pimpinellwurzel  (Biberneilwurzel,  lat.  Radix ­
  pimpinellae,  frz.  Racine  de  saxifrage,  engl.
Pimpernel!  root)  stammt  von  den  beiden  bei
uns  häufig  wild  wachsenden  Umbelliferen
Pimpinella  magna,  der  großen,  und  Pimpinella
  saxifraga,  der  gemeinen  Bibernell.
Die  erstere  wächst  häufig  auf  Wiesen,  unter  Gebüsch, ­
  an  Rändern  und  lichten  Stellen  der  Wälder, ­
  die  andere  auf  trockenem,  sandigem  Boden,
Triften,  Hügeln  und  Wegrändern.  Die  Wurzeln
sind  im  Frühjahr  von  älteren  Pflanzen  zu  graben
und  enthalten  Pimpinellin  und  ätherisches
Öl.  Der  Geruch  ist  stark,  widerlich  gewürzhaft,
der  Geschmack  scharf  und  brennend.  P.  wird
in  Form  von  Tinktur  und  Extrakt  gegen  Heiserkeit, ­
  Husten  und  Magenkatarrh  angewandt,  zum
Hausgebrauch  auch  wohl  mit  Branntwein  angesetzt. ­

Pinchbeck,  eine  der  zahlreichen  goldähnlichen
Kupfer-Zink-Legierungen,  ist  dem  Tombak  ähnlich ­
  zusammengesetzt.
Pingo-Pingowurzel  (Pinco-Pinco),  die  Wurzel ­
  von  Ephedra  andina,  bildet  ziemlich  lange,
etwas  hin  und  her  gebogene  Stücke  von  etwa
5  mm  Durchmesser.  Die  Rinde  ist  hellbraun
und  blättrig,  das  Innere  zeigt  auf  dem  Querschnitte ­
  eine  zierliche,  aus  braunen  und  gelben
Strahlen  bestehende  Zeichnung,  der  Geschmack
ist  schwach  bitter.  Die  aus  Peru  und  Chile  eingeführte ­
  Wurzel  soll  als  Heilmittel  gegen  Stein
und  Harnbeschwerden  Anwendung  finden.
Piniolen  (Pineolen,  Pignolen)  sind  die  Piniennüsse, ­
  richtiger  -kerne  aus  den  Zapfen
der  Pinie  (Pinus  Pinea),  eines  schönen,  nur
im  Süden  Europas,  Italien,  Spanien,  Südfrank
reich,  gedeihenden  Nadelbaums  mit  schirmförmiger ­
  Krone.  Die  doppelt  faustgroßen,  eiförmigen, ­
  aufrechtstehenden  und  nicht  unter  zwei
Jahren  reifenden  Zapfen  bergen  am  Grunde
ihrer  Schuppen  je  zwei  Samen,  die  im  Verhältnis
zur  Frucht  auch  größer  und  inhaltreicher  sind,
als  die  in  unseren  Nadelholzzapfen.  Sie  sind
etwa  i  cm  lang,  schmal  und  etwas  gekrümmt,  an
beiden  Enden  zugerundet  und  enthalten  unter
der  rotbraunen  Oberhaut  einen  milchweißen,