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Salpetersäure

Salpeter

Ermöglichung  des  Luftzutritts,  anhaltende  Feuchtigkeit
  und  genügende  Luftwärme  vorhanden
sind;  vor  allem  a.so  in  gutem,  an  Pflanzennahrung ­
  reichem  Ackerland.  Das  Ammoniak,  das
sich  aus  den  stickstoffhaltigen  faulenden  Stoffen
bildet,  wird  von  dem  Sauerstoff  der  Luft  oxydiert, ­
  und  die  entstehende  Salpetersäure  tritt  mit
den  vorhandenen  Basen  zu  Sahen  zusammen.
Ist  Kali  zugegen,  so  entsteht  direkt  Kalisalpeter,
im  anderen  Falle,  wenn  nur  Kalk  oder  Magnesia
vorhanden  ist,  das  betreffende  Salz,  welches
dann  bei  Bearbeitung  der  aus  der  Salpetererde
extrahierten  Laugen  durch  Zusatz  von  Kali  erst
in  das  Kalisah  übergeführt  werden  muß.  Auf
diese  Art  werden  alljährlich  in  der  Natur  gewaltige ­
  Mengen  S.  erzeugt,  eine  technische  Ausnutzung ­
  ist  aber  nur  in  heißen  Klimaten,  namentlich ­
  in  Bengalen  und  auf  Zeylon,  möglich,  wo
der  Erdboden  ganzer  Gegenden  form.ich  mit
Kalisalpeter  gesättigt  ist.  Hier  werden  Salz  und
Erde  zusammengekehrt,  mit  Wasser  ausgelaugt,
die  Laugen  zur  Kristallisation  eingedampft  und
die  kleinen  Mengen  von  Kalksalpeter,  welche
dabei  in  Lösung  gehen,  durch  Zusatz  von  Holzasche ­
  in  salpetersaures  Kalium  übergeführt.  In
Ägypten  wird  S.  aus  dem  fruchtbaren  Nilschlamme, ­
  den  man  zu  künstlichen  Hügeln  aufschichtet, ­
  gewonnen,  während  man  in  Ungarn,
besonders  in  der  Nähe  von  Debreczin  und  um
den  Neusiedler  See,  den  S.  in  ähnlicher  Weise
wie  in  Indien  gewinnt  und  deshalb  Kehrsalpeter ­
  nennt.  Der  früher  übliche  Betrieb  von
sog.  Salpeterplantagen,  in  denen  Erde  aus
Viehställen,  Schlächtereien  und  Misthaufen,  stickstoffreiche ­
  Pflanzenstoffe  und  tierische  Abgänge
aller  Art  zu  Haufen  aufgeschichtet  und  mit
Jauche  feucht  gehalten  wurden,  ist  jetzt  meist
eingestellt  und  durch  die  Herstellung  aus  Chilesalpeter ­
  und  Chlorkalium  verdrängt  worden.
'  Beim  Kochen  dieser  beiden  Salze  entsteht  Kalisalpeter ­
  neben  Kochsalz,  das  schwer  löslich  ist
und  durch  Kristallisieren  entfernt  wird.  (Konversionssalpeter.) ­
  —  Der  rohe  S.,  wie  er
nach  dem  älteren  Verfahren  durch  Auslaugen
von  Erdreich  und  Eindampfen  der  Lauge  gewonnen ­
  wird,  ist  zwar  kristallisiert,  aber  natürlich ­
  durch  fremde  Salze,  namentlich  Kochsalz
und  Chlorkalium,  verunreinigt  und  enthält  etwa
60—70  0/0  reinen  S.  Man  raffiniert  ihn  meist  in
der  Weise,  daß  man  in  möglichst  wenig  heißem
Wasser  bis  zur  Sättigung  löst  und  die  durch  Zusatz ­
  von  etwas  Pottasche  schwach  alkalisch  gemachte ­
  Lösung  eindampft,  wobei  sich  Kochsalz
und  Chlorkalium  kristallinisch  ausscheiden.  Die
abgezogene  Lösung  wird  mit  etwas  Leim  gekocht,
der  mit  den  färbenden  Stoffen  einen  reichlichen
Schaum  bildet  und  abgeschöpft  wird.  Man  läßt
dann  die  Lauge  bei  90 0  zur  Klärung  stehen  und
gibt  sie  schließlich  auf  die  Kristallisationsgefäße,
in  denen  der  S.  als  kristallinisches  Mehl  ausfällt. ­
  Zur  völligen  Entfernung  der  Chloride  deckt
man  noch  mit  gesättigter,  reiner  Salpeterlösung,
trocknet  die  gewaschene  Masse  in  der  Wärme
und  packt  sie  in  Form  sandigen  Pulvers  als
einfach  gereinigten  S.  in  Fässer,  oder  man  löst
sie  nochmals  auf,  läßt  ungestört  kristallisieren,
wäscht  die  Kristalle  und  erhält  so  doppelt  gereinigtes ­
  Salz.  Es  gibt  demnach  im  Handel
groß  kristallisierten  S.  und  kleinkristallisierten, ­

  das  sog.  Salpetermehl.  Die  Kristalle
sind  lange  säulenförmige,  meist  gestreifte  Prismen ­
  des  rhombischen  Systems.  Seltener  wird
das  pulverige  Salz  in  gelinder  Flitze  geschmolzen
und  zu  Broten  ausgegossen  oder  auf  ein  kaltes
Blech  getropft  (Salpeterzeltchen,  lat.  Nitrum
tabulatum).  Der  Kalisalpeter,  KN0 3 ,  besteht
aus  46,60/0  Kali  und  53,4  0 A&gt;  Salpetersäure,  ohne
Kristallwasser.  Er  dient  hauptsächlich  zur  Herstellung ­
  von  Schießpulver  und  Feuerwerk,  für
welche  der  Natronsalpeter  (s.  Chilesalpeter)
wegen  seiner  Wasseranziehung  ganz  ungeeignet
ist.  Zu  anderen  Zwecken  hingegen,  wie  zu  Flußmitteln. ­
  zum  Eisenfrischen  und  Stahlhärten  werden ­
  sich  beide  Arten  des  S.  wohl  immer  vertreten ­
  können.  Beide  finden  auch  medizinische
Anwendung  in  kleinen  inneren  Gaben,  während
sie  in  größeren  Mengen  entschieden  giftig  wirken. ­
  Schon  gepökeltes  Fleisch  ist  imstande,  üble
Wirkungen  hervorzubringen,  wenn  man  den  Salpeterzusatz, ­
  um  es  recht  rot  zu  machen,  übertrieben ­
  hat.
Salpeterätherweingeist  nennt  man  im  Chemikalienhandel ­
  eine  verdünnte  alkoholische  Lösung
des  Salpetrigsäureäthylesters  (salpetrigsauren ­
  Äthyloxyds),  die  als  Salpeteräthergeist, ­
  versüßter  Salpetergeist  (lat.  Spiritus
aethereus  nitrosi,  Spiritus  nitricoaethereus,  Spiritus ­
  nitri  dulcis,  frz.  Alcool  nitrique  ötherö,  engl.
Spirit  of  nitrous  ether)  offizineil  ist.  S.  bildet
eine  farblose,  klare  Flüssigkeit  von  kräftigem,
angenehmem,  obstartigem  Geruch,  die  mit  Wasser
in  jedem  Verhältnisse  mischbar  ist  und  das
spez.  Gew.  0,840—0,850  zeigt.  Er  muß  in  vollgefüllten ­
  Gefäßen  im  Dunkeln  aufbewahrt  werden, ­
  da  er  sonst  sehr  bald  stark  sauer  wird,  und
enthält  stets  noch  kleine  Mengen  von  Ameisenäther ­
  und  Aldehyd.  Reiner  und  spiritusfreier
Salpetrigsäureäthylester  kommt  für  gewöhnlich
im  Handel  gar  nicht  vor.  Verwandt  wird  S.
medizinisch  zur  Geschmacksverbesserung,  technisch ­
  als  Zusatz  zu  gewissen  Branntweinsorten.
Salpetersäure,  HN0 3 ,  (Scheidewasser,
Stickstoffpentoxyd,  lat.  Acidum  nitricum,
Aqua  sortis,  frz.  Acide  nitrique  ou  azotique,  engl.
Nitric  acid),  findet  sich  in  freiem  Zustande  nicht
in  der  Natur,  entsteht  aber  bei  der  Verwesung
stickstoffhaltiger  organischer  Stoffe  und  bildet
daher  die  Säure  des  Chilesalpeters,  aus  dem  sie
fabrikmäßig  durch  Erhitzen  mit  Schwefelsäure
hergestellt  wird.  Für  die  Destillation  kleinerer
Mengen  besonders  reiner  Säure  bedient  man
sich  in  Apotheken  und  Laboratorien  gläserner
Retorten,  im  Großbetrieb  aber  gußeiserner  Zylinder ­
  von  mehreren  Zentnern  Fassungsraum,  da
das  unter  gewöhnlichen  Umständen  von  Schwefelsäure ­
  und  S.  angreifbare  Eisen  bei  starker  Erhitzung ­
  in  einen  passiven  Zustand  übergeht,  in
dem  es  außerordentlich  widerstandsfähig  ist.  Je
nach  der  Stärke  der  angewandten  Schwefelsäure
destilliert  eine  S.  von  verschiedener  Konzentration ­
  über,  die  in  hintereinander  geschalteten
Töpfen  aufgefangen  wird.  In  den  ersten  Gefäßen ­
  sammelt  sich  die  stärkste,  in  den  folgenden ­
  immer  schwächere  Säure  an.  Die  Menge
der  Schwefelsäure  ist  so  zu  bemessen,  daß  auf
jedes  Molekül  Salpeter  ein  Molekül  Schwefelsäure ­
  entfällt,  da  nur  dann  unter  Hinterbleiben
von  Natriumbisulfat  alle  Salpetersäure  ausgetrie-