Weizen

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Wermutwein

europäischen  Länder  und  wird  in  allen  fünf
Erdteilen  angebaut.  Die  zahlreichen  Arten  lassen
sich  in  die  beiden  Hauptabteilungen,  nackter
W.  mit  zäher  Ährenspindel  und  bespelzter  VV.
mit  brüchiger  Ährenspindel  einteilen.  Zu  der
ersteren  gehört  der  gewöhnliche  oder  gemeine ­
  W.  (Kolben-  und  Grannen-W.),  Triticum
  vulgare  muticum,  und  der  englische
W.  (Triticum  turgidum),  die  verbreitetsten
und  am  meisten  angebauten  Sorten,  ferner  der
Bart-,  Glas-,  Hart-  oder  Gerstenweizen,
Triticum  durum,  mit  harten,  glasigen  Körnern,
und  der  polnische  VV.  (Gommer,  astrachanisches,
  sibirisches,  wallachisches  Korn,  ägyptischer, ­
  langkörniger,  Lothringer  W.),  Triticum
polonicum,  der  in  Deutschland  seltener,  fast
nur  zu  Suppen,  hingegen  häufiger  in  Osteuropa
verbraucht  wird  und  Körner  von  der  Länge  des
Roggens  besitzt.  Bespelzte  Sorten  sind  der
Spelz  oder  Dinkel  (Dünkel,  Dinkelkorn,  Korallen- ­
  oder  Krullweizen,  Quäl-  oder  Zweikorn),
Triticum  Spelta,  ferner  der  Emmer  (Ammer.
Amelkorn,  Gerstendinkel  oder  Sommerspelz),  T.
amylaceum,  und  das  Einkorn  (deutscher
Reis,  Peterskorn,  Schwalmweizen),  T.  monococcum.
  Die  bespelzten  VV.  besitzen  nur  örtliche ­
  Bedeutung,  besonders  in  Süddeutschland,
der  unreife  Spelz  liefert  Grünkern  (s.  d  ).  Der
VV.  verlangt  ton-  und  humusreiche,  nicht  zu
kalkarme  Böden  und  wird  fast  nur  noch  nach
gut  gedüngten  Vorfrüchten  als  Sommer-  und,
hauptsächlich,  als  Winterfrucht  angebaut.  Die
Wachstumszeit  des  ersteren  umfaßt  140,  diejenige ­
  des  letzteren  300  Tage,  die  Temperatur
soll  —22°  nicht  unterschreiten,  die  mittlere
Wintertemperatur  3,75°,  die  mittlere  Sommertemperatur ­
  14°  betragen.  Er  gedeiht  bis  zum
60.,  vereinzelt  sogar  bis  zum  64. 0  n.  Br.  In
Nordafrika  dringt  er  bis  zur  Wüste  vor  und
findet  sich  außerdem  im  Kapland,  Australien,
Chile  und  Paraguay.  Ausgeschlossen  ist  der
hohe  Norden  und  die  Tropenzone  der  Ebene.
In  den  Alpen  steigt  er  bis  zu  1400,  im  Himalaja
und  in  Mexiko  bis  2000  m  Meereshöhe.  Die
Saatzeit  liegt  zwischen  September  und  Weihnachten, ­
  je  nach  Klima  und  Witterung,  für
Sommer-W.  von  Anfang  April  an.  Man  sät  breitwürfig
  und  in  Reihen,  100—260  kg  für  den
Hektar.  1  hl  wiegt  je  nach  der  Sorte  72—82  kg.
Die  Ernte  erfolgt  nach  dem  Roggenschnitt,  und
zwar  zur  Verhinderung  des  Ausfallens  im  Zustand ­
  der  Gelbreife,  in  dem  die  Körner  sich
noch  über  dem  Fingernagel  biegen  lassen,  im
Innern  aber  nicht  mehr  milchig  sind.  Man
erntet  vom  Hektar  10—16,  auch  24—32  hl  Körner, ­
  je  nach  der  Bodenart,  und  13—47  dz  Stroh.
—  Der  VV.  enthält  nach  König  im  Durchschnitt
13,37%  Wasser,  12,030/0  Stickstoffsubstanz,
1,8;  °/o  Fett,  68,670/0  stickstofffreie  Extraktstoffe,
2,31  0/0  Rohfaser  und  1,77%  Asche,  doch  ist  die
Zusammensetzung  nach  Art,  Boden  und  Klima
mannigfachen  Schwankungen  unterworfen.  Insbesondere ­
  scheint  der  VV.  südlicher  Gegenden
reicher  an  Stickstoffsubstanzen  zu  sein,  und  der
kleberreichste,  südrussische  (Taganrok-)
W.  enthält  sogar  bis  zu  16,75  %  Protein.  Im
allgemeinen  übertrifft  der  Proteingehalt  des
Sommer-W.  denjenigen  des  Winter-W.  um  2  0/0.
Außerdem  begünstigen  regenreiche  Sommer  und

reichliche  Stickstoffdüngung  den  Eiweißgehalt.
In  physikalischer  Hinsicht  erscheinen  die  proteinreichen
  Körner  härter  und  glasiger,  die
stärkereicheren  weicher  und  mehliger.  Die
Stickstoffsubstanzen  setzen  sich  aus  Pflanzenalbumin, ­
  Glutenkasein  und  Kleberprotein  zusammen. ­
  Die  stickstofffreien  Stoffe  bestehen
neben  geringen  Mengen  Zucker,  Gummi  und
Dextrin  nahezu  völlig  aus  Stärke,  das  Fett  enthält ­
  Phytosterin  und  Spuren  Lezithin.  —  Der
W.  bildet  das  wichtigste  Brotgetreide  und  dient
außerdem  zur  Herstellung  von  Stärke  sowie, ­
  besonders  in  seinen  glasigen  Sorten,  von
Teigwaren.
Wermut  (bitterer  Beifuß,  Magenkraut,
lat.  Herba  absinthii,  frz.  Absinthe,  engl.  Wormwood), ­
  das  mit  den  blühenden  Spitzen  getrocknete ­
  Kraut  von  Artemisia  Absinthium  L.,
einer  in  Mittel-  und  Südeuropa,  Nordafrika  und
Mittelasien  auf  steinigen  Anhöhen  wachsenden,
wie  auch  in  Gärten  gezogenen  Komposite  mit
holzigem  Stengel  und  ausdauernder  Wurzel.
Die  Pflanze  wird  6—12  dm  hoch  und  besitzt
sehr  zerschlitzte,  graufilzige  B.älter  und  gelbe,
überhängende  Blütenköpte.  Das  Kraut  hat,
frisch  wie  getrocknet,  einen  eigentümlichen,
stark  würzigen  Geruch  und  überaus  bitteren
Geschmack.  Es  enthält  einen  nicht  glykosidischen
  Bitterstoff,  das  Absinthiin,  verschiedene
Salze  und  ätherisches  öl,  das  den  Geruch  der
Pflanze  hat  und  scharf  aromatisch,  aber  weniger
bitter  schmeckt.  Das  Kraut  wird  in  Thüringen,
am  Harz  und  in  Südfrankreich  angebaut  und
zum  medizinischen  Gebrauche  dem  Deutschen
Arzneibuche  gemäß  in  der  Blüte  gesammelt  und
getrocknet.  Es  wird  als  magenstärkendes  Mittel
in  Form  von  Aufgüssen,  zur  Herstellung  von
Extrakten,  Tinkturen  und  Bitterschnäpsen  angewandt. ­
  Auch  das  Öl,  das  durch  Destillation
des  frisch  getrockneten  Krautes  mit  Wasser
oder  direktem  Dampf  gewonnen  wird,  findet  zu
dem  gleichen  Zwecke,  hauptsächlich  aber  zur
Herstellung  des  Absinthlikörs,  Verwendung.
—  Wermutöl  (lat.  O.eum  absinthii,  frz. Essence
d’absinthe,  engl.  Oil  of  wormwood)  ist  ein
manchmal  etwas  dickflüssiges  Öl  von  dunkelgrüner, ­
  blauer  oder  brauner  Farbe.  Es  gibt
deutsches,  französisches,  algerisches,  italienisches ­
  und  amerikanisches  VVermuiöl,  doch  ist
der  Handel  damit  neuerdings  in  verschiedenen
Ländern,  wie  beispielsweise  in  Frankreich  und
der  Schweiz,  starken  Einschränkungen  unterworfen, ­
  veranlaßt  durch  das  Verbot  der  Absinthlikörherstellung. ­
  Der  wesentlichste  Bestandteil ­
  des  Öls  ist  Thujen,  C 10 H 16 O.  Nach
Husemann  schreibt  man  in  Frankreich  die
schädlichen  Folgen  des  Absinthgenusses  (s.  d.)
der  Anwesenheit  des  Öles  zu,  das  in  großen
Mengen  giftig  wirkt.
Wermutwein  (Bitterwein,  Vino  Vermouth,
Vermouth  diTorino)  nennt  man  ein  besonders
in  Italien,  Frankreich,  Ungarn  und  Slawonien
hergestelltes  alkoholisches  Getränk,  das  im  Grunde
einen  mit  Wermut  aromatisierten  Naturwein  darstellt ­
  und  nach  verschiedenen,  seit  alten  Zeiten
überlieferten  Verfahren  bereitet  wird.  In  der
slawonischen  Landschaft  Syrmien  übergießt  man
ein  Gemisch  von  frischen  Trauben,  Wermutkraut,
Senfmehl  und  anderen  Gewürzen  so  lange  mit