Joseph  Schumpeter,

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und  viel  schwerer  zu  ändern  als  es  jedes  bloß  erdachte,  logisch
noch  so  vollkommene  System  wäre.
Betrachten  wir  als  ein  für  das  Wesen  der  Sache,  wenngleich ­
  nicht  für  jede  Einzelheit,  typisches  Beispiel  die  Politik
der  Bank  von  England.  Dem  Glanz  ihres  Rekords  entspricht
keineswegs  etwa  ein  ebensolcher  Glanz  ihrer  Leitung  und  ihrer
Enunziationen.  Ruhige,  ehrenwerte  Kaufleute  von  Erfahrung
und  genauer  Firmenkenntnis,  aber  ohne  viel  Initiative  —  welche
schon  durch  die  Organisation  und  durch  die  Art  der  Auswahl  der
führenden  Männer  beinahe  unmöglich  gemacht  wird  —  und  insbesondere ­
  ohne  viel  Einsicht  nicht  nur  in  die  tieferen  Fragen  der
Banktheorie,  sondern  auch  in  die  komplizierteren  Aufgaben  der
Bankpolitik,  haben  dort  stets  das  Steuer  geführt.  Zwischen
ihren  Motiven,  Erkenntnissen  und  Aeußerungen  einerseits  und
der  Bedeutung  dessen,  was  sie  praktisch  vollbringen,  andererseits ­
  besteht  genau  derselbe  Unterschied  wie  zwischen  dem  instinktiven ­
  Verhalten  eines  zoologischen  Individuums  und  der
Bedeutung,  die  dieses  instinktive  Verhalten  im  Leben  und  in  der
Entwicklung  der  betreffenden  Spezies  hat  —  und  das  macht
ihre  Praxis  nur  um  so  wertvoller,  außer  in  ungewöhnlichen
und  schwierigen  Situationen,  in  denen  sie  sich  denn  auch  niemals ­
  bewährt  hat 1 ).  Erwachsen  an  einem  Privilegium,  das  der
Preis  für  ein  der  Regierung  gegebenes  Darlehen  war,  kannte  die
Bank  von  England  zunächst  gar  keine  andere  Aufgabe  als  dieses
Privilegium  zu  ihrem  Vorteil  auszunützen.  Zunächst  handelte
es  sich  um  das  Monopol  des  Aktienbankbetriebes  in  London  und
Umgebung,  dann,  als  dieses  Monopol  nicht  mehr  aufrecht  zu
erhalten  war,  eben  um  die  Emission  einer  bestimmten  Summe
ungedeckter  Banknoten.  Die  Stellung,  welche  die  Größe  ihres
Kapitals  und  die  Beziehung  zur  Regierung  mit  sich  brachten,
tat  das  Uebrige,  um  ihr  eine  überragende  Stellung  zu  sichern.
Aber  ihre  Grundsätze  waren  keine  andern  als  die  einer  jeden
Bank,  nämlich  solvent  und  liquid  zu  sein,  um  insbesondere  ihre
Noten  jederzeit  in  Gold  einlösen  zu  können.  An  dieser  Praxis
entwickelte  sich  die  Theorie  des  regulären  Bankgeschäftes  überhaupt. ­
  Bis  zum  Jahre  1799  tauchte  kaum  eine  Frage  auf,  die
1 )  Das  klingt  paradox  nach  dem  großen  Erfolg  der  jüngsten  Zeit.  Doch
ist  gerade  dieser  Erfolg  ein  gutes  Beispiel  für  das  Gesagte  —  fiel  er  doch  einfach ­
  ruhig  abwartender,  jede  kühne  Maßregel  und  jede  Problemlösung  vermeidender ­
  Besonnenheit  in  den  Schoß.