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Joseph  Schumpeter,

durch  Variation  ihrer  Rate.  Erhöht  sie  ihre  Rate  über  den  Zinsfuß ­
  des  Marktes,  so  wird  entweder  fremdes  Kapital  kurzfristig
einströmen,  oder  wenigstens  nationales  Kapital,  das  sonst  kurzfristig ­
  abgeströmt  wäre,  im  Lande  bleiben.  Sodann  aber  wird
dadurch  kurzfristiges  Geld  sofort  verteuert,  Geschäfte,  die  sonst
durchgeführt  worden  wären,  werden  folglich  unrentabel  und
unterbleiben,  das  Volumen  der  Kreditnachfrage  wird  geringer,
das  Halten  von  Warenvorräten  kostspieliger,  das  Halten  von
Guthaben  vorteilhafter,  und  deshalb  sinkt  das  Preisniveau.
Das  gesunkene  Preisniveau  hat  dann  endlich  die  Folge,  daß
das  Ausland  im  Inland  kauft  und  das  Inland  im  Ausland  zu
kaufen  aufhört,  was  die  momentane  Zahlungsbilanz  und  das
Angebot  an  und  die  Nachfrage  nach  Wechselmaterial  »günstig«
beeinflußt.  Umgekehrt,  wenn  die  Notenbank  ihre  Rate  unter
die  Marktrate  herabsetzt  6 ).
Selbstverständlich  funktioniert  dieser  Mechanismus 7 )  nur
in  verhältnismäßig  ruhigen  Zeiten.  Schon  bei  einer  politischen
•—  oft  bei  einer  auch  nur  wirtschaftlichen  —  Panik  muß  er  versagen, ­
  wovon  man  sich  leicht  überzeugt,  wenn  man  die  Natur
des  Kausalzusammenhanges  erwägt,  auf  dem  er  beruht.  ,  Für
Zeiten  sozialer  und  politischer  Not  vollends,  reicht  er  nicht  aus.
Da  werden  alle  diese  Dinge  so  gleichgültig  wie  Macaulays  "Kurs*
der  Schatzscheine  Attilas.  Nur  verhältnismäßig  kleine  Abweichungen ­
  ferner  können  durch  ihn  reguliert  werden.  Das
sieht  man  schon  daraus,  daß  z.  B.  die  Bank  von  England  gelegentlich ­
  eine  künstliche  Nachfrage  auf  dem  Geldmarkt  ent-6
 )  Die  obenstehende  Formulierung  setzt  streng  genommen  voraus  —  was
nur  dem  Prinzip  nach  zutrifft  —,  daß  die  Marktrate  wirklich  das  ist,  was  sie  zu
sein  tendiert,  nämlich  die  Gleichgewichtsrate.  Der  Zinsfuß  eines  Landes  ist
im  Gleichgewicht,  wenn  er  gleich  ist  der  Rentabilität  jener  Unternehmungen,
die  gerade  noch  betrieben  werden  müssen,  um  das  jährlich  freiwerdende  plus
dem  jährlich  neu  hinzutretenden  Kapital  aufzunehmen  und  die  stillgelegt  werden
würden,  wenn  er  höher  wäre.  Dann  geht  vom  Zinsfuß  kein  Einfluß  auf  die
Kaufkraft  des  Geldes  aus.  Ist  er  niedriger,  wirkt  er  inflationistisch,  ist  er  höher,
deflationistisch.
7 )  Dieses  System,  das  im  Wesen  die  Kräfte  des  Marktes  wirken  läßt  und
nur  eingreift,  wo  sie  die  normale  Bahn  zu  verlassen  drohen,  könnte  man  »regulierten ­
  Automatismus«  nennen.  Es  ist  auch  eine  Form  von  »management«
der  Währung,  aber  ein  management,  das  nur  die  Normalität  des  Wirkens  jener
Kräfte  garantieren,  nicht  sie  selbst  durch  andere  Faktoren  ersetzen  will.  Die
oft  kritisierte  Häufigkeit  der  Veränderungen  der  Bankrate  in  England  ist  kein
Mangel  des  Systems,  sondern  im  Gegenteil  nur  Beweis  der  Promptheit  und
Feinheit  seines  Funktionierens  und  des  Zusammenwirkens  seiner  Organe,  der
bill  brokers,  der  Diskonthäuser  und  der  Bank.