296  Joseph  Schumpeter,
-  Dort  hat  die  Nachkriegskrise  nur  deshalb  solche  Dimensionen
1  angenommen,  weil  die  Parität  mit  dem  englischen  Pfund  streng
festgehalten  wurde  und  daher  die  englische  Krise,  welche  Neuseeland ­
  zwar  sonst  auch,  aber  viel  milder  affiziert  hätte,  dort  ganz
ebenso  hereinbrach,  wie  wenn  Neuseeland  mitten  in  England
gelegen  wäre  8 ).  In  allen  diesen  Punkten  haben  also  die  Geldreformer ­
  recht,  hatten  sie  schon  vor  dem  Kriege  recht,  zumal
die  Steigerung  der  jährlichen  Goldproduktion  von  118  849  000
Dollars  im  Jahre  1890  auf  den  Höhepunkt  von  468  800  000  Dollars ­
  im  Jahre  1915  und  die  Steigerung  des  Weltvorrates  an
monetärem  Gold  von  nicht  ganz  4  000  000  000  Dollars  im  Jahre
1890  auf  rund  9%  Milliarden  Dollars  Ende  1924,  tatsächlich
geeignet  war,  die  Mängel  jeder  Goldwährung  scharf  zu  betonen.
Professor  Fishers  Plan  oder  ein  ähnlicher  wäre  daher  unter
normalen  Verhältnissen  sicherlich  empfehlenswert 9 ),  ja  es  wäre
vielleicht  auch  ein  Aufgeben  der  Goldbasis  zu  erwägen  gewesen.
Nun  aber  kam  der  Krieg  mit  seiner  Papiergeldinflation  und
seiner  Störung  des  Geistes  internationaler  Zusammenarbeit,  die
internationale  Konventionen  und  Organisationen  viel  schwieriger ­
  macht,  als  sie  vorher  waren.  Und  da  infolgedessen  der  Automatismus ­
  der  Goldwährung,  welcher,  wenn  er  schon  der  Willkür ­
  der  Goldproduktion  die  Türe  öffnet  —  übrigens  ja  auch  nicht
vollständig,  denn  da  bei  sinkendem  Preisniveau  die  Goldproduk-8
 )  Ueberhaupt  hindert  oder  erschwert  die  internationale  Abhängigkeit
der  Preisniveaus  aller  Länder,  welche  internationale  freie  Goldwährung
zur  Folge  hat,  jede  autonome  Kreditkontrolle,  insbesondere  aber  jede
freie  Gestaltung  des  nationalen  Preisniveaus  nach  irgendwelchen  Gesichtspunkten. ­
  Bisher  hat  man  diesen  Mechanismus  der  Goldwährung  als  einen  der  »Vor-,
teile«  des  Goldsystems  gebucht  und  darin  ein  geeignetes  Vehikel  der  weltwirtschaftlichen ­
  Zusammenhänge  gesehen.  Wir  werden  sogar  zum  Resultat
kommen,  daß  solche  »Vorteile«  auch  in  der  gegenwärtigen  abnormalen  Situation
dem  Goldsystem  nicht  abzusprechen  sind.  Aber  vom  Standpunkt  der  Geldreformer ­
  ist  das  ein  Nachteil,  ganz  ebenso  wie  die  Tatsache,  daß  bei  Goldwährung
die  rationelle  Beeinflussung  der  zirkulierenden  Geldmenge,  wenn  nicht  unmöglich, ­
  so  doch  viel  schwieriger  wird,  jene  rationelle  Beeinflussung,  die  ein  so  wichtiges ­
  Hilfsmittel  der  von  Mr.  Keynes  vorgeschlagenen  Währungspolitik  wäre
und  die  vom  Währungspolitiker  alten  Stils  vielleicht  allzusehr  perhorresziert
wird.  Hier  ist  nur  darauf  hinzuweisen,  daß  die  Geldreformer  vor  allem  aus
diesen  Gründen  gegen  die  Rückkehr  zum  Gold  sein  müssen,  daß  es  aber
menschlich  begreiflich  ist,  wenn  sie  sich  bemühen,  die  Schwierigkeiten  und  Gefahren ­
  der  Rückkehr  zum  Gold  auch  sonst  so  stark  wie  möglich  zu  betonen.
)  Es  sei  ausdrücklich  betont,  daß  für  unsern  Gedankengang  weder  die
prinzipiellen  noch  die  praktischen  Einwendungen  gegen  die  Möglichkeit  einer
»Indexwährung«  eine  Rolle  spielen.  Ich  teile  sie  nicht  und  würde  insoweit
durchaus  den  Standpunkt  der  Reformer  akzeptieren.