302

Joseph  Schumpeter,

kann  nur  temporär  durch  Kredite  gedeckt  werden,  die  es  für
die  Zukunft  vergrößern  usw.,  so  daß  diese  Politik  einen  sich
konstant  verschärfenden  Aderlaß  am  Volksvermögen  bedeutet,
wozu  noch  die  Verluste  des  krisenhaften  Zustandes  treten,  die
die  Exporthemmung  und  der  Anreiz  zum  Kapitalexport,  der
im  hohen  Auslandswert  der  nationalen  Währung  liegt,  zur  Folge
haben.  Deflation,  das  gegebene  Gegenmittel,  ist  aber  in  diesem
Fall  schwer  anzuwenden.  Denn  selbst  wenn  der  Staat  noch  so
rigoros  spart  —  was  bei  dieser  Sachlage  auch  nicht  leicht  ist  —,
so  sind  doch  die  industriellen  und  kommerziellen  Kredite  festgefroren, ­
  die  die  vorhergehende  Entwicklungswelle  in  Existenz
gebracht  hat  und  die  das  äußere  Symptom  eines  gewaltig  über
die  momentan  vorhandenen  Möglichkeiten  ausladenden  nationalen ­
  Expansionswillens  sind.
Japan  ist  in  diese  essentiell  unhaltbare  Situation  geraten.
England  aber  hat  sich  nunmehr  ganz  freiwillig  hineinbegeben.
Soweit  das  Steigen  des  Pfundes  von  seinem  Tiefpunkt  im
Februar  1920  durch  die  damals  einsetzende  Deflationspolitik  zu
erklären  ist,  wurde  dadurch  zwar  die  Depression  verschärft  —
lediglich  dadurch  herbeigeführt  wurde  sie  natürlich  nicht  —,
aber  dafür  Wechselkurs  und  Kaufkraft  pari  passu  gebessert.
Diese  Deflationspolitik  blieb  bekanntlich  eben  wegen  der  Folgen
der  Depression  in  ihren  Anfängen  so  gründlich  stecken,  daß  sie
sogar  offiziell  abgeschworen  werden  mußte.  Die  Rückkehr  zum
Gold  wurde  aber  nicht  abgeschworen,  im  Gegenteil,  es  scheint,
daß  die  englische  Währungspolitik  nicht  einen  Augenblick  das
Ziel  der  Rückkehr  zum  Gold  und  zwar  auf  Basis  der  Friedensrelation ­
  aus  dem  Auge  verlor.  Da  nun  die  ganze  Welt  das  Gewicht ­
  der  Gründe  kannte,  die  für  dieses  Ziel  sprachen,  und  an  der
Möglichkeit  es  zu  erreichen  nie  zu  zweifeln  war,  so  begann  man
allgemein  ä  la  hausse  des  Pfundes  zu  liegen  und  so  kam  es  zu
einer  mit  diesem  Moment  rechnenden  Kapitaleinwanderung,
was  schon  den  Erfolg  der  Deflationspolitik  größer  machte,  als  er
sonst  gewesen  wäre  und  der  Regierung  denselben  Dienst  leistete,
den  sonst  Interventionen,  Stützungsanleihen  und  sonstige  Maßregeln ­
  der  Kursmanipulation  —  an  denen  man  es  außerdem
nicht  völlig  fehlen  ließ  —  hätten  leisten  müssen.  So  sah  dieser
Prozeß  über  Verdienst  ungekünstelt  aus,  und  vires  acquirens
eundo  machte  sich  Spekulation  und  spekulativ  orientierte  Kapitaleinwanderung ­
  im  Sommer  1924  daran,  die  letzten  10%  Disagio