Kreditkontrolle.

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geschrittensten  und  interessantesten  der  Oekonomie  entwickelt
hat.  Die  besten  Autoren  leiden  unter  diesem  Mangel:  das  Standardwerk ­
  von  Mitchell,  an  sich  ein  so  schönes  Produkt  von  Talent
und  Fleiß,  läßt  den  Leser  gerade  in  der  Grundfrage  unbefriedigt
—  ein  boshafter  Kritiker  könnte  die  Krisentheorie  dieses  Werkes
dahin  präzisieren,  daß  es  Prosperitätsperioden  deshalb  gibt,
weil  es  Depressionsperioden  gibt  und  Depressionsperioden  deshalb, ­
  weil  es  Prosperitätsperioden  gibt.  Und  man  braucht  nur
die  Ausführungen  von  A.  A.  Young  in  der  American  Economic
Review  XIII  1  zu  lesen,  um  sofort  den  schwarzen  Verdacht  zu
schöpfen,  daß  auch  bei  ihm  bezüglich  der  wirklichen  Ursachen
des  Konjunkturenwechsels  ein  ziemlich  weitgehendes  Non  liquet
besteht.  Der  Zusammenhang  zwischen  dieser  Lücke  und  dem
Zurückführen  des  Konjunkturenwechsels  auf  Eigentümlichkeiten ­
  unseres  Kreditsystems,  die  dann  ipso  facto  als  zugleich
vermeidbare  und  funktionslose  Mängel  erscheinen,  ist  klar.  Am
schärfsten  kommt  diese  Auffassung  in  den  Arbeiten  Mr.  Bellerbys
  zum  Ausdruck,  der  einfach  den  Standpunkt  einnimmt,  daß
die  Stabilisierung  der  Preise  jenen  Teil  der  Entwicklung  erleichtere, ­
  der  als  gesund  betrachtet  werden  kann  und  bloß  jene
Unternehmungen  unmöglich  mache,  die  nur  gedeihen  können,
wenn  steigende  Preise  abnormale  Profite  geben,  also  eine  Art
von  Gewächs,  das  nicht  bloß  unökonomisch  ist,  sondern  den
Keim  von  Zusammenbrüchen  in  sich  trägt.  Kreditexpansion
gäbe  danach  ganz  systemlos  den  gleichen  Stimulus  guten  und
schlechten  Unternehmungen,  Kreditkontraktion  bedeute  eine
ebenso  sinnlose  Einschränkung  von  Konsumtion  und  geschäftlicher ­
  Tätigkeit.  Vollständiger  kann  man  über  den  Kern  der
Sache  nicht  hinwegsehen  21 ).
Vermeidbar  sind  die  durch  den  Konjunkturenwechsel  verursachten ­
  Bewegungen  des  Preisniveaus  zweifellos.  Die  technische ­
  Möglichkeit,  sie  durch  entsprechende  kreditpolitische
Maßregeln  zu  verhindern,  wird  nicht  geleugnet.  Geleugnet  wird,
daß  diese  Verhinderung  ein  reiner  Gewinn  wäre,  daß  die  Stabilität ­
  des  Preisniveaus  dieser  —  der  praktisch  wichtigsten  Art
von  Preisschwankungen  ohne  weiteres  vorzuziehen  ist,  solange
nicht  noch  vieles  andere  in  der  modernen  Volkswirtschaft  reformiert ­
  und  solange  besonders  die  private  Initiative  und  der  Mecha-21)
  Vgl.  z.  B.:  Controlling  factor  in  Trade  Cycles,  Econ.  J.  1923  und  besonders: ­
  The  monetary  policy  of  the  future  ebenda  1924.