320  Joseph  Schumpeter,
nismus  des  Individualinteresses  nicht  entbehrt  werden  kann.
So  wenig  die  Stabilität  der  Wechselkurse  unter  allen  Umständen
das  absolute  Ideal  ist,  so  wenig  ist  das  die  Stabilität  des  Preisniveaus. ­
  Im  eben  erörterten  Fall  sind  seine  Veränderungen  das
Vehikel  wesentlicher  Funktionen  im  Organismus  der  kapitalistischen ­
  Volkswirtschaft,  in  andern  Fällen  geeignete  Formen  der
Anpassung  an  veränderte  Situationen.  Entschlösse  sich  eine
nähere  oder  fernere  Zukunft  selbst  dazu,  im  Sinne  von  Keynes
die  zirkulierende  Geldmenge  nach  wirtschaftspolitischen  Gesichtspunkten ­
  zu  beeinflussen,  so  würde  daraus  noch  nicht  notwendig ­
  folgen,  daß  dieser  Einfluß  immer  nur  in  der  Richtung
der  Stabilität  des  Preisniveaus  ausgeübt  werden  müßte.  Im
Gegenteil,  es  könnte  sich  viel  eher  darum  handeln,  die  Funktionen ­
  und  Heilwirkungen  der  Veränderungen  sowohl  des  Preisniveaus ­
  wie  der  Wechselkurse  zu  rationalisieren,  indem  man  sie
planmäßig  regelt  oder  auch  herbeiführt.  Natürlich  steigerte  das
die  theoretischen  und  praktischen  Schwierigkeiten  der  Sache
ins  Ungemessene.  Aber  es  wäre  nur  die  logische  Konsequenz  des
Reformprogramms.  Die  moderne  Finanztechnik  der  Aufschwungsperioden ­
  erscheint  unter  diesem  Gesichtspunkt  in
anderem  Licht.  Sie  kommt  auf  eine  Veränderung  der  zirkulierenden ­
  Zahlungsmittelmenge  hinaus,  die  zwar  nicht  bewußt
und  systematisch,  wohl  aber  ihrem  objektiven  Sinne  nach  eine
Einwirkung  auf  das  Preisniveau  zu  einem  ganz  bestimmten
Zweck  ist  —  und  so  gar  kein  schlechtes  Beispiel  für  das,  was
etwa  ein  Geldreformer  der  Zukunft  mit  seinen  währungspolitischen ­
  Mitteln  anfangen  kann.
Zum  Thema  der  Konjunkturenbekämpfung  ist  aber  noch
zu  bemerken,'  daß  auch  die  gegenwärtige  Praxis  keineswegs  der
Kontrollorgane  und  Sicherheitsventile  entbehrt,  vor  allem  aber,
daß  die  in  der  Depressionsperiode  normalerweise  zu  erduldenden ­
  Uebel  allgemein  und  besonders  von  reformatorischer  Rhetorik ­
  sehr  überschätzt  werden.  Tatsächlich  sieht  es  in  der
Depression  normalerweise  gar  nicht  so  schlimm  aus.  Ein  sehr
großer  Teil  der  Volkswirtschaft  wird  in  der  Regel  kaum  durch
sie  in  Mitleidenschaft  gezogen.  Das  physische  Volumen  der
Transaktionen  sinkt  meist  nur  unbedeutend 22 ).  Die  Paniken

22 )  Selbst  für  die  doch  ganz  sicher  ungewöhnlich  großen  Erschütterungen
des  Jahres  1921  gilt  das,  was  hervorgehoben  und  wahrscheinlich  gemacht  zu
haben  das  Verdienst  von  C.  Snyder  ist  (in  «Administration»  May  23).  Wie  über-