Auch  hier  machen  sich  die  Reformer  ihre  Sache  zu  leicht.
Wieder  mag  Mr.  Bellerby  als  Beispiel  dienen:  er  nimmt  einfach
die  Ziffern  der  Nachkriegszeit,  die  natürlich  ein  viel  düstereres
Bild  zeigen  —  wirkungsvoll  lädt  uns  Mr.  Bellerby  ein,  diese
Ziffern  in  menschliches  Leiden,  Elend,  sozialen  Unfrieden  usw.
zu  übersetzen  —,  setzt  ohne  weiteres  voraus,  daß  diese  Situation
die  Folge  einer  gewöhnlichen  Krise  und  diese  die  Folge  der  gewöhnlichen ­
  Kreditexpansion  der  Aufschwungsperiode  sei,  die
gar  keinen  vernünftigen  Sinn  habe.  Dann  findet  er  es  natürlich
ganz  unbegreiflich,  wie  jemand  so  konservativ  sein  könne,  das
bereitliegende  Heilmittel  so  ungemischter  und  überflüssiger
Uebel  zu  verschmähen.  In  der  Diskussion  über  Währungsreform,
die  von  der  Royal  Economic  Society  in  ihrer  Jahresversammlung
vom  Juni  1924  veranstaltet  wurde,  haben,  wenngleich  etwas
vorsichtiger  als  Bellerby,  sowohl  Mr.  Keynes  wie  Mr.  Hawtrey
ganz  denselben  Standpunkt  eingenommen.  Nur  so  erklärt  es
sich,  daß  Mr.  Keynes  von  der  neuen  Kreditpolitik  in  dieser  Hinsicht ­
  so  viel  erwarten  23 )  und  Mr.  Hawtrey  aus  der  Tatsache,  daß
in  der  Schweiz  zwischen  Februar  1922  und  Juli  1923  gleichzeitig
die  Preise  stiegen  und  die  Arbeitslosigkeit  von  99  000  auf  22  000
sank,  irgend  etwas  für  unser  Thema  schließen  konnte  24 ).
Es  kommt  hinzu,  daß  mit  zunehmender  Vertrautheit  der
Geschäftswelt  mit  der  kapitalistischen  Maschine  die  Kanten  der
Krisen  und  die  Schäden  der  Depressionsperioden  immer  milder
zu  werden  tendieren.  Um  eine  Situation,  wie  die  in  den  letzten
Jahren  durchlebte,  überhaupt  möglich  zu  machen,  hat  es  eben
eines  Weltkrieges  bedurft.  Und  die  Arbeit  theoretischer  Analyse ­
  und  statistischer  Tatsachensammlung,  deren  Resultate  in
immer  weitere  Kreise  dringen,  schafft  von  selbst  ein  immer
wirksameres  Gegenmittel  gegen  ungesunde  Kreditanspannung,
Spekulationsexzesse,  verfehlte  Neugründungen  und  Irrtümer  in
der  Beurteilung  der  allgemeinen  Wirtschaftslage.  Wie  T.  S.
23 )  Er  sagte  mit  charakteristischer  Verve:  «If  we  have  really  the  power
to  control  in  some  measure  credit  cycles  which  caused  unemployment  and  other
social  disturbances  in  the  past,  surely  it  is  our  duty  to  follow  up  this  line  of
thought  to  the  utmost,  to  make  experiments  and  to  see  whether  by  control  of  the
monetary  machine  we  cannot  cure  one  of  the  greatest  end  most  dangerous  evils
of  the  economic  system «.  Und  Hawtrey:  .  .  .  the  recent  unemployment...  is
similar  in  kind  to  the  unemployment  that  we  suffered  from  during  the  trade
cycle  before  the  war.
“)  In  Oesterreich  sind  1924/25  die  Preise  ebenfalls  gestiegen  —  aber  die
Arbeitslosigkeit  auch.