Kreditkontrolle.  3^3
Adams  allerdings  etwas  weitgehend  sagt:  To  anticipate  the  cycle
is  to  neutralize  it.
Trotzdem  wollen  wir  nicht  outrieren.  Noch  immer  sind  die
Uebel  der  Depressionsperiode  vielfach  unnötig  hart.  Gegen  ihre
oft  gerühmte  Auslesefunktion  ist  einzuwenden,  daß  für  das  Ueberleben
  einer  Krise  nicht  nur  und  vielleicht  nicht  einmal  in  erster
Linie  die  technischen  und  kommerziellen  Qualitäten  eines  Unternehmens ­
  in  Betracht  kommen,  sondern  die  vielfach  zufällige
Stärke  ihrer  finanziellen  Stütze.  Auch  hat  Mr.  Keynes  recht,
wenn  er  behauptet,  daß  die  Notbremse  unseres  Kreditsystems,
die  in  der  Einlösung  der  Bankzahlungsmittel  in  gesetzlichem
Gelde  (Noten,  eventuell  Münzen)  liegt,  ziemlich  spät  und  dann
mit  plötzlichem  Ruck  wirkt.  Sie  wirkt  zwar  lange  nicht  so  spät
und  lange  nicht  so  plötzlich,  wie  es  die  Unbedingtheit  der  Behauptung ­
  von  Mr.  Keynes  glauben  lassen  könnte,  weil  weder
für  die  Geschäfts-  noch  für  die  Bankwelt,  noch  endlich  für  die
Zentralinstitute  dieser  Mechanismus  ein  Geheimnis  und  die  Notwendigkeit ­
  dieser  Einlösung  eine  Ueberraschung  ist  und  folglich
normalerweise  die  Anspannungen  allmählich  fühlbar  und  weitere
Anspannungen  voraussehbar  werden.  Aber  etwas  ist  an  dem
Argument  und  insoweit  tendiert  diese  Eigentümlichkeit  unseres
Kreditsystems  tatsächlich  die  Depressionen  zu  verschärfen,  bzw.
aus  dem  Wendepunkt  zwischen  Prosperität  und  Depression  eine
Krise  zu  machen.  Aus  allen  diesen  Gründen  wurde  die  Notwendigkeit ­
  einer  Therapie  der  Krisen  seit  jeher  empfunden  —
wie  man  ja  überhaupt  sagen  kann,  daß  ernste  Leute  niemals  an
der  Notwendigkeit  eines  größeren  oder  geringeren  Maßes  von
Management,  nicht  bloß  der  Währung,  sondern  der  Volkswirtschaft ­
  gezweifelt  haben.  Freilich  handelt  es  sich  dabei  im  Wesen
nur  um  eine  Therapie  der  Krisen  folgen.  Ihre  Technik  ist
gewiß  entwicklungsfähig  und  hier  ist  Platz  für  die  Arbeit  vieler
Reformer.  Aber  bei  ihrer  Ausdehnung  auf  das  Problem  der
Verhütung  von  Depressionen  darf  man  nicht  vergessen,  daß
das  nicht  etwa  in  demselben  Sinn  ein  einfacher  Fortschritt  ist,
wie  wenn  die  medizinische  Therapie  einer  Krankheit  von  der
Behandlung  ihrer  Symptome  und  Folgen  zur  Eliminierung  ihrer
Ursachen  übergeht  und  damit  erst  zum  Kern  der  Aufgabe  kommt,
sondern  daß  das,  was  in  unserem  Fall  nach  Absicht  der  Reformer,
verhütet  werden  sollte,  seinem  Wesen  nach  überhaupt  keine
Krankheit  ist.