Joseph  Schumpeter,  Kreditkontrolle.

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des  sich  selbst  überlassenen  Wirtschaftslebens  allseits  Vorteile
bieten  und  eine  in  diesem  Sinn  regulierte  Wirtschaft  der  freien
überlegen  sein  kann.  Das  Interessante  daran  ist,  daß  diese
Argumentation  von  den  laisser-faire  Voraussetzungen  selbst  ausging, ­
  die  darin  liegenden  Wahrheiten  voll  verstand  und  nicht
etwa  so  widerlegt  werden  kann,  wie  die  große  Masse  der  naiven
wirtschaftspolitischen  Vorschläge,  welche  die  verborgenen  Wirkungen ­
  und  Rückwirkungen  ihrer  Durchführung  zu  übersehen
pflegt.  Die  Resultate  waren  bescheiden  und  trugen  den  Charakter ­
  von  Ausnahmen,  aber  sie  hielten.  Marshalls  Nachfolger,
besonders  Pigou,  gingen  weiter  auf  diesem  Weg  und  es  entstand ­
  so  etwas  wie  ein  System  einer  wirklich  aus  wissenschaftlicher ­
  Theorie  herauswachsenden  Wirtschaftspolitik  —  himmelweit ­
  verschieden  von  der  natürlich  stets  sehr  viel  weitergehenden
Wirtschaftspolitik  des  Laien.  Aus  dieser  Schule  stammt  Keynes.
Von  diesem  Geist  ist  auch  sein  Reformplan.  Um  ihn  entsprechend
zu  verstehen,  muß  man  sich  ferner  gegenwärtig  halten,  daß
Keynes  mit  Recht  oder  Unrecht  annimmt,  daß  sich  das  Tempo
des  technischen  Fortschrittes  nunmehr  verlangsamen  und  das
Gesetz  vom  abnehmenden  Ertrag  eine  fatale  praktische  Bedeutung ­
  gewinnen  werde.  Daher  und  wohl  auch  deshalb,  weil
—  und  wenn  er  d  a  r  a  n  denkt,  so  hat  er  sicher  recht  —  der  Produktionsfortschritt ­
  immer  weniger  Sache  der  starken  Persönlichkeit ­
  und  immer  mehr  mechanische  und  reibungslose  Umsetzung ­
  wissenschaftlicher  Erkenntnis  in  praktische  Methoden
zu  werden  tendiert,  legt  er  auf  die  Freiheit  privater  Initiative
nicht  mehr  soviel  Gewicht.  Die  Rolle  des  Unternehmers  scheint
ihm  nicht  ausgespielt,  wohl  aber  in  immer  weitergehender  Einschränkung ­
  begriffen.  Fügt  man  noch  die  Wandlung  der  Lebensgewohnheiten ­
  und  Lebensanschauungen  hinzu  und  die  sinkende
Bedeutung  von  Familie  und  Privateigentum  für  die  Lebenshaltung, ­
  so  kommt  man  auf  einen  Standpunkt,  von  dem  aus
Verbesserungen  des  sozialökonomischen  Apparates  wirklich  viel
dringender  erscheinen  als  die  Art  von  Entwicklung,  die  in  der
Konkurrenzwirtschaft  gedeiht,  und  Haushalten  mit  allen  nationalen ­
  Kräften  wichtiger  wird  als  verschwendungsfrohes  Fortstürmen. ­
  Und  von  diesem  Standpunkt  versteht  man  dann  diese
ganze  Gedankenrichtung  und  besonders  den  Keynesplan  als
sehr  ernstzunehmende  Vorarbeit  für  einen  ernstzunehmenden
Sozialismus.