28 mus Condillacs gipfelt 1 . Um nun bei Deutschland zu bleiben: Da haben wir zunächst die „rationale“ Psychologie, die zunächst freilich nur metaphysische Seelenlehre war. Dazu kommt aber die empirische Psychologie, der Chr. Wolff die Tore des Systems öff nete und die, unterstützt durch die Arbeit zahlloser Sammler von Einzeltatsachen, sich in ganz modernem Geist entwickelte — auch ethnologisches Material verwertete, so daß sich schon die moderne Sozial psychologie einer- und die moderne Völkerpsycho logie andererseits bemerkbar macht. Wie stark dieses Interesse war, zeigt Moritz’ „Magazin für Erfah rungsseelenkunde“. Und Wolffs Eortsetzer, Feder und andere, unter denen Tetens hervorragt, bebauten mit schönstem Erfolg den Neubruch. Auch die Empfin dungsanalyse, die uns jedoch weniger berührt, die später Goethe, Schopenhauer, Johannes Müller u. a. entwickelten, kündigte sich an. Daneben aber ent stand, zum Teil getragen durch das populäre Ver langen nach „Menschenkenntnis“, eine Charaktero logie, eine Psychologie der individuellen Differenzen würden wir heute sagen, die in unseren Tagen neu auf blüht. Das Verdienst Lavaters und mancher an derer wurde freilich — zum Teil wegen mancher Sonderbarkeiten, die den Kern der Sache verhüllten — nicht ganz nach Gebühr gewürdigt. Auch die 1 Ein gutes Beispiel wieder für die Verquickung von einzel- wissenschaftlichera Resultat und philosophischer Spekulation, dafür, wie schwer es uns fällt, den alten Glauben aufzugehen, daß die Wissenschaft auch schon Weltanschauung sei oder doch ohne wei teres zu einer Weltanschauung führe.