29 Psychopathologie kündigte sich an. Bis weit in das 19. Jahrhundert haben alle diese Richtungen sich tat sächlich erhalten. Eine ununterbrochene Linie führt z. B. von Hartley über James Mill zu Bain. Man sieht auch, wie universell alles das ist, wie viele grund verschiedene Gesichtspunkte sich gleichzeitig aus wirken — und das soll das kahle, flache, banale Jahr- hundert gewesen sein?! Ereilich — wohl am schlimmsten fuhr gerade jener Teil der Psychologie, der für uns am wichtig sten ist, die Motivenlehre. Zunächst wurde fraglos die Bedeutung des bewußten Motivs und die Prompt heit und Folgerichtigkeit unseres Reagierens darauf gründlich überschätzt. Sodann aber tat man damals eben die ersten Schritte nach einem fernen Gebirge hin — was Wunders, daß seine Linien viel einfacher schienen als uns, die wir mitten in den Geröllhalden herumklettern? Daher kommt es, daß man die indi viduellen Motive als ein letztes Datum hinnahm und wenig nach ihrer sozialen Formung und Bedingtheit fragte, und daß man sich mit einigen wenigen und einfachen begnügte, wie Egoismus, Sympathie usw. Besonders der Egoismus kam ganz bedenklich zu Ehren. Und um das Malheur vollzumachen, wurde er auch noch ganz individuell gefaßt — seine Abstufun gen in den Kreisen von Familie, Klasse, Nation, Rasse wurden, wenn nicht übersehen, so doch wenig beach tet — und ganz hedonistisch orientiert, d. h. an den treibenden Faktor eines lediglich lustsuchenden und schmerzfliehenden Wollens gekettet: dieser hedoni- sche Egoismus war die Basis des Systems, für das