43 allen Seiten dringt die wissenschaftliche Armee — heftig unter sich streitend — über das Gelände. Von einer dogmatischen Enge ist auch nicht eine Spur. Man suchte den Schlüssel des Verständnisses im menschlichen Handeln und wollte es auf Erklärungs prinzipien zurückführen, die Introspektion, Beob achtung des Alltags und die Geschichte, so wie man sie damals kannte, boten. Da haben wir vor allem das Prinzip des Utilitarismus, des hedonischen Egois mus. Im 17. Jahrhundert mit glänzender, übertrei bender Energie von Hobbes vertreten, wurde es so gleich von Grotius bekämpft und niemals hat es aus schließlich geherrscht. Bei Pufendorf finden wir eine Mittelstellung, welche diesem Moment seinen Platz anzuweisen sucht, ohne doch andere Momente zu er schlagen, den Versuch also, den hedonischen Egois mus als Tatsache anzuerkennen und zur Erklärung zu verwerten, aber nur in einer Keihe mit anderen Momenten — in der Tat ein Versuch in sehr gesunder Richtung, wenngleich darin von der Kritik nur ein Widerspruch gesehen wurde. Und innerhalb des Systems der Moralwissenschaft behauptete sich diese Stellung bis bei Bentham wieder der Utilitarismus, wenn auch zum Teil vertieft und sorgfältiger defi niert, zu ausschließlicher Geltung kam. Innerhalb dieser Grundlinien sind zahllose Nuancen zu unter scheiden ; wir wollen nur auf den Gegensatz zwischen der Theorie hinweisen, die von einem vernunftbe herrschten, hedonischen Egoismus ausging und dar aus direkt die gesellschaftlichen Zusammenhänge ver stehen wollte, und der Theorie — in voller Schärfe