45 das Prinzip etwa so aus: Das soziale Ganze formt das einzelne Individuum, so daß dasselbe ohne alle bewußte Entschlußfassung sich einer Stelle in diesem Ganzen eingepaßt fühlt und seipe Handlungs- und Denkgewohnheiten von dieser Umwelt eingeprägt er hält, woraus sich eine Tendenz nach einem den so zialen Notwendigkeiten konformen Verhalten ergibt — so würde Grotes Prinzip gleich anders aussehen. In dieser Formulierung habe ich zugleich seine Be- * deutung ausgesprochen: Es verkörperte sich in ihm die Tatsache der sozialen Wechselbeziehung, die Ent deckung des Phänomens „Gesellschaft“, das von den späteren Naturrechtslehrern dann deutlicher heraus gearbeitet wurde 1 . Man brauchte es nur unter die analytische Lupe zu nehmen, um auf alles das zu stoßen, was die soziale Welt im Innersten zusammen hält. Eine der Methoden der Naturrechtstheoretiker — sie hatten schon fast alle Methoden, die wir heute haben — war auch die Vergleichung verschiedener so zialer Entwicklungsstufen — nebenbei gesagt, finden wir schon bei Leibniz auch die Idee der vergleichen den Jurisprudenz — und dabei wurden primitive Zu stände für sie ebenso wichtig, wie sie es für uns heute sind. Und weil sie darüber weniger wußten als wir, so wurde das seither zu einer Quelle billiger Ein wendungen. Doch ist nichts falscher, als zu glauben, daß ihre Ideen darüber — sie wichen voneinander 1 In der Festschrift zum siebzigsten Geburtstag G. v. Schmollers hat v. Philippovich gezeigt, dafs der Begriff der Gesellschaft eigent lich von der Literatur des Naturrechts aus in die Nationalökonomie eingedrungen ist.