52 ter erhält, wenn Physiologie, Biologie, Chemie usw. ihre an sich wissenschaftlich ziemlich gleichgültigen Tatsachenmengen verarbeiten, — und wenn der histo rische Rohstoff andererseits zur Basis von Abstrak tionen wird, wenn sich direkt aus ihm und an ihm Regelmäßigkeiten ergeben, die sich mehr oder weni ger allgemein formulieren lassen. Das nun geschah damals: Man begann die Ge schichte immer mehr mit dem Auge des Theoretikers zu betrachten und in der Geschichte immer mehr nach Notwendigkeiten zu suchen. Schon auf fachhistori scher Seite sehen wir eine Wendung nach dieser Richtung — daher das Präponderieren der Kulturge schichte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, da her die Neigung zu großen Ausblicken auf die „Ge schichte der Menschheit“ in ihrer Gänze, ein Aus druck, der fast zu einer Modephrase wurde. Der Sinn für die Notwendigkeiten, für das Wesen, für die Gründe der Dinge zeigte sich auch hier. Aber hoch interessant ist es, zu beobachten, wie weit sich dieses Interesse außerhalb des engsten Fachkreises vor wagte und wie gesund sein Instinkt war. Möchte man es glauben — Iselin begann seine „Geschichte der Menschheit“ (1791) mit einer Psychologie und wendete das dann in der Weise auf die Geschichte an, daß er Entwicklungsstufen unterschied, die er psychologisch charakterisierte, was also jene Methode der Geschichtstheorie ist, die in unseren Tagen durch Karl Lamprecht zu neuem Leben erweckt wurde. Natürlich, psychologisch wie historisch gibt uns Iselin genug zu entschuldigen, wie denn, sei es gleich ge