68 zu werden. Aber eine Wissenschaft ist doch nicht in dem Sinn ein Organismus, daß sie erlahmen kann: Sie lebt doch nur in sich stets erneuernden Gene rationen! Wie also ist so etwas möglich? Auch dar an kann es nicht gelegen haben, daß das Gebiet der Sozialwissenschaften, auch nur der Methoden, des 18. Jahrhunderts erschöpft war — denn wir sehen ja wie alles von Problemen und Anregungen wim melte. Nun, eine Richtung, „Schule“, oder Wissen schaft hat eben einen Altersbazillus ganz besonderer Art zu fürchten. Altern, siechen oder sterben kann sie nur auf eine Weise — nämlich dadurch, daß die neuen Generationen oder deren Talente sich von ihr abwenden. Vorhanden sind sie immer, die Talente sowohl wie die Aufgaben für sie. Aber die neuen Generationen wenden sich diesen Aufgaben und der vorhandenen Wissenschaft oder überhaupt der Wissenschaft nicht immer zu. Niemals deshalb, weil sie einzelne Lehrsätze dieser Wissenschaft nicht an nehmen könnten oder ein begründetes Urteil über ihre Methoden hätten — dergleichen ergibt sich erst nach langer Arbeit und nach langer Arbeit ist man dann schon verwachsen mit dem Bestehenden und versteht man es viel zu gut, um es jemals völlig aus- rotten zu wollen — sondern einfach deshalb, weil ihnen die ganze Sache nicht gefällt. Niemals liegt eine Erkenntnis einem solchen jähen Ausbrechen aus der bisherigen Richtung zugrunde — deshalb gibt es solches Ausbrechen nicht auf dem Gebiete der Natur wissenschaften, weil deren strenge Methoden nur solche mitsprechen lassen, die das Vorhandene mehr