74 — auch für den, der weder die Bausteine, noch das Gebäude, noch dessen philosophische Deutung mit ungemischter Freude hinzunehmen vermag, auch für den, der meint, daß Comte seinen eigenen Grund gedanken in wesentlichen Punkten verdorben, sich über seine wahre Bedeutung in wesentlichen Punkten getäuscht hat, auch für den, dem der Tribut, den der große Mann der Sterblichkeit gezollt hat, allzu groß erscheint. Hier kommt für uns nur der Weg in Be tracht, auf dem Comte in die soziale Problemgruppe einzudringen suchte — der Weg von Seite der exak ten Naturwissenschaft: Von Mathematik zu Mecha nik und Astronomie, von Mechanik und Astronomie zu Physik im engern Sinn, von Physik zu Chemie, von Chemie zu Biologie, von Biologie zu Soziologie — Stufen einer Leiter, von denen jede die Voraus setzungen der folgenden geben sollte. In gleichem Geist, womöglich mit den gleichen Methoden, wie die Naturwissenschaften, als eine derselben, sollte eine Wissenschaft vom sozialen Geschehen entstehen: Also so ziemlich im schärfsten Gegensatz zu der Ideenwelt der Bomantik, den man wohl ausdenken mag. Aber nicht weniger scharf war der Gegensatz, in den sich Comte zu den überkommenen Sozialwissen schaften stellte. Wie kam das nur? Nun, die Antwort ist leider sehr einfach: Er kannte sie kaum. Auch er kannte fast nur die populären Schlagworte über sie, und auch er drang nie tiefer in sie ein. So konnte er sie für aprioristische unwissenschaftliche Spe kulationen halten — wenig besser als die Scholastik. So meinte denn auch er, daß da so gut wie nichts