76 man sollte meinen, daß der Einzelne so wenig beiden Ratgebern folgen kann, wie der Wild- und Rheingraf im Gedichte. Allein — wann wäre je ein wissen schaftliches Programm eine logische Einheit? Wann wären je die Glieder einer Gruppe wirklich eins in dem Sinn, den sie den gemeinsamen Worten beilegen? So schwamm denn diese Richtung gleichzeitig im Strom der Reaktion des philosophischen Wollens gegen die Analyse und im Strom der Reaktion des Positivismus gegen die Philosophie. Sehr verschie dene Winde also füllten ihre Segel und gerade das erklärt ihren Erfolg. Ihr Hauptquartier ist immer Deutschland 1 ge wesen, aber sie hat machtvoll über die deutschen Grenzen hinausgewirkt. Am stärksten ist sie äußer lich auf den Gebieten der Rechts- und Wirtschafts wissenschaft hervorgetreten und darauf wollen wir uns hier beschränken, obgleich ihr Zjel die „Histori- sierung“ aller Sozial Wissenschaften war und alle Sozialwissenschaften unter ihren Einfluß kamen: Nicht als eine der Hilfswissenschaften, als eins der Tatsachenreservoirs sollte die Geschichte mehr gel ten ; sie sollte als Selbstzweck in den Vordergrund treten, die Sozialwissenschaft %criel-oxtfv werden und alles, was es außer den Resultaten historischer Detailforschung etwa noch zu sagen gäbe, das sollte der Historiker eines jeden Feldes selbst hinzufügen im Anschluß an diese Resultate, die erst wirklich 1 Uber die Gründe Mieser Tatsache vergleiche meine Dogmen- und Methodengeschichte der Sozialökonomik in ,,Grundrifs der Sozial ökonomik“, herausgegeben von Weber u. a. Tübingen 1914.