90 Und die historischen Entwicklungsgesetze und die Theorien der Geschichte — in neuem Gewand tauchen sie alle wieder auf. Das alles lehrt uns eine große Wahrheit: Einmal begründete Eichtungen werden nicht so leicht über wunden. Ein vollständiger Sieg über sie, eine Neu schaffung der Wissenschaft von Grund auf — das mag wohl oft angestrebt werden, aber das gelingt nicht. Der oberflächlichen Betrachtung stellt sich die Sache ja anders dar. Ihr kann es scheinen, wie wenn Eichtungen einander ablösen würden, wie wenn das Vergangene jeweils tot und überwunden wäre. Auch dem Parteimann, der in seiner Sichtung lebt und webt und nur sie begreift, kann das scheinen. Dieser Schein wird erzeugt dadurch, daß eine jede Sichtung, die sich als „neu“ fühlt, so viel Staub auf wirbelt, und daß der Blick des Beobachters vor allem auf diese Staubwolken der Kontroversen, programmatischen Äußerungen usw. fällt. Das Marktgeschrei hat wirk lich immer andere Schlagworte und Schlachtrufe. Aber das alles kann die wissenschaftliche Arbeit wohl einerseits stören und andrerseits — durch das dadurch erweckte Interesse — fördern, aber in ihrer Tiefe wird sie dadurch nicht berührt. Wie bei einer Segel regatta die Wellen die Boote oft zu begraben scheinen und dennoch die Segler ihren Weg durchmessen, so verdeckt der Schaum und -Lärm der Wellen der Kontroversen und Schulenprogramme wohl den Fort gang der Forscherar beit, aber er vernichtet sie nicht. Und unter der Oberfläche, da gibt es keine prinzi piellen Gegensätze, da gibt es nur Zusammenarbeiten