95 noch erst hätte kommen müssen? Die Antwort er gibt sich leicht aus unserer Übersicht, und es ist auch kaum zu gewagt, den betreffenden Momenten eine ziemlich allgemeine Bedeutung zuzuschreiben. Der erste Grund dafür, daß man nicht ruhig fort setzte, sondern seine positive Arbeit mit einem Zer störungswerk einzuleiten versuchte, lag darin, daß die Sozialwissenschaften zunächst sehr eng und scheinbar unzertrennlich mit politischen Programmen und metaphysischen Anschauungen alliiert schienen. Wir sahen, daß aus dieser Quelle die mächtigste Gegnerschaft gegen das Werk des 18. Jahrhunderts entstand und können wohl allgemein sagen, daß wenn immer eine Wissenschaft wirklich oder scheinbar, inhaltlich oder auch nur durch Personalunion, mit politischer oder philosophischer Parteistellung asso ziiert wird, sie Angriffen außerwissenschaftlichen Charakters ausgesetzt sein und in das Schicksal der betreffenden Politik oder Philosophie mehr oder weniger hineingezogen werden muß. Und wir sahen auch, daß das nicht etwa bloß für die Stellung des Publikums zur Wissenschaft gilt, sondern auch die gefühlsmäßige — und unter deren Einfluß die wissen schaftliche — Stellung neuer Eorschergenerationen bestimmt, die dann zum Neubau machen, was sach lich ebensogut Ausbau hätte werden können. Ich habe schon angedeutet, daß das Fehlen dieses Mo ments in den Naturwissenschaften die größere Stetig keit ihres Wachsens zum Teil erklärt. Zweitens: Wie im politischen, so erklären sich auch im wissenschaftlichen Leben die Veränderungen