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        <title>Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften</title>
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            <forname>Joseph A.</forname>
            <surname>Schumpeter</surname>
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      <div>stellte, fortwährend an den Fundamenten von Staat 
und Gesellschaft herumzuknabbern und der nichts 
heilig zu sein schien. Obgleich das sachlich der 
Wissenschaft gegenüber ein Irrtum war 1 , so war das 
kein Irrtum gegenüber dem, was weitere Kreise von 
der Wissenschaft erfuhren und was ihnen aus der 
Hand der Literaten zukam. Man darf auch die Be 
deutung der Tatsache nicht unterschätzen, daß wirk 
lich nur das feststeht, was undiskutiert ist, also nur 
das, was unbewußt ist — denn mit dem Bewußtsein 
beginnt sofort das Fragen und Analysieren. 
In diesem Sinn ist selbst der Apologet nur ein 
Vorläufer des Revolutionärs. Stellen wir uns vor, 
wir stünden in einer Bilderausstellung, versunken im 
Anblick eines Bildes. Und es träte da jemand an uns 
heran und sagte zu uns: „Warum bewundert ihr das, 
ihr Dummköpfe? Das ist ja nur Leinwand und Öl 
farbe!“ Was würde unser Eindruck sein? Nun der 
selbe, den manche angeblichen Resultate der Sozial - 
wissenschaften auf manchen wackeren Mann ge 
macht haben, der kraftvoll handelte, kraftvoll glaubte 
und wenig grübelte. Und wir können dem Mann nicht 
ganz Unrecht geben: Das Bild ist nicht bloß Lein 
wand und Ölfarbe und selbst wenn es nichts anderes 
wäre — im künstlerischen Genuß oder im frohen 
Tun wollen wir nicht daran erinhert sein. Diese 
Reaktion gewann nun seit der Jahrhundertwende 
1 Denn die wissenschaftlichen Kreise waren nichts weniger als 
staats- und gesellschaftsfeindlich, von sehr wenigen Ausnahmen ab 
gesehen.</div>
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