12 noch nicht gelungen ist, dieser Schwierigkeiten Herr zu werden, braucht die Praxis darum doch nicht auf die Verwendung des repräsentativen Verfahrens zu verzichten. Solange es noch nicht möglich ist, den Zuverlässigkeitsgrad der Verallgemeinerung quantitativ zu bestimmen, muß eben der „statistische Instinkt“ wie auf so vielen anderen Gebieten der praktischen Statistik auch, an die Stelle der exakten Messung treten. Es bleibt daher dem mit dieser Methode arbeitenden »Statistiker einstweilen nichts anderes übrig, als sich auf sein Sicherheitsgefühl in bezug auf die repräsentative Tragfähigkeit der Teilergebnisse zu verlassen. Denn wenn dies Gefühl auch unsicher sein und von Person zu Person wie von Fall zu Fall schwanken mag, ist doch nicht zu vergessen, daß dem gewissenhaften Statistiker die Zahlenergebnisse seiner Teilerhebung sich in einen mehr oder weniger reichhaltigen Bestand auf anderem Weg erworbener Kenntnisse der untersuchten Sozialerscheinung einfügen. Wie sollte er ohne solche Kenntnisse seine Untersuchung überhaupt auch nur in Angriff nehmen! Jedenfalls kann die praktische Statistik nicht so lange warten, bis die Eule der Minerva ihren Flug beendet hat; sie muß auf die Gefahr hin, da und dort in die Irre zu gehen, ihre Aufklärungsarbeit leisten und kann gerade in der heutigen Zeit der repräsentativen Methode unter keinen Umständen entbehren. Wie anders wollte man wohl das massenhafte sozialstatistisch bedeutsame Material, das der Krieg allenthalben erzeugt, in der kommenden Friedenszeit nutzbar machen, die doch wiederum neue statistische Aufgaben in Hülle und Fülle bringen wird! Die starke Dosis Subjektivismus, die vorderhand noch in der Repräsentativerhebung ­ steckt, müssen wir notgedrungen in Kauf nehmen; soweit aber Vorsichtsmaßnahmen bekannt und verwendbar ­ sind, die deren Gefährlichkeit zu mildern geeignet erscheinen, werden wir uns derselben soviel als möglich zu bedienen ­ haben. Die erste dieser Maßnahmen betrifft die Auswahl der als repräsentativ anzusehenden Teilmasse und will die Gefahr des Subjektivismus bei deren Abgrenzung ausschließen. Als das beste Verfahren — so meint Kaufmann*) — sei jedenfalls jenes zu betrachten, „wo die Auslese ganz und gar dem Zufall in dem Sinne überlassen wird, wie er in der Wahrscheinlichkeitslehre begriffen wird, wo sie also nach einem mechanischen Prinzip ­ geschieht, das mit den Aufgaben und Zwecken der Erhebung in gar keinem Zusammenhang steht.“ Nicht bedachte Auswahl ­ auf Grund vermuteter Einsicht in die repräsentative ­ Vereigenschaftung des Einzelfalls, sondern ­ b lindes Zugreifen nach einer den untersuchten Zusammenhängen wesensfremden Spielregel soll *) a. a. 0. S. 372.