18 Wirtschaftliche Verhältnisse Trotz dieses Reichtums darben 80 % der Bevölkerung. Durch 20 Wochen im Jahre ununterbrochen und überdies an jedem Mitt woch und Freitag fasten sie streng nach den Vorschriften der griechisch- orientalischen Religion und meiden hierbei sogar den Genus; von Eiern, Milch und Käse. Aber auch in der übrigen Zeit des Jahres nähren sie sich fast ausschließlich nur von Mais. Die Folge dieser einförmigen Kost ist, abgesehen von der Disposition zu Pellagra und verschie denen Magenerkrankungen, eine weitgehende Unterernährung, weil der Gehalt des Maismehles an Eiweiß und Fett verhältnismäßig gering ist. Aus diesem Grunde müßte es wenigstens in größeren Mengen konsumiert werden; diese Mengen aber fehlen und gehen konstant zurück. Während noch 1876 der Konsum pro Kopf der Be völkerung 230 kg betrug, ist er im Jahre 1903, ohne daß das Mais mehl durch ein anderes Nahrungsmittel ersetzt worden wäre, auf 146 kg zurückgegangen. Die mangelnde Nahrung hat raschen Ver fall der Kräfte, fortschreitende Schwächung des Organismus und vorzeitige Alterserscheinungen zur Folge. Die Frauen auf dem Lande altern schon mit 30, die Männer mit 30 Jahren. Diejenigen, die dem Boden die reiche Ernte abgewinnen, hungern und degene rieren; die von ihnen erarbeitete Milliarde aber fließt in die Taschen von 2000 Großgrundbesitzern, von denen 1200 keinen anderen Beruf haben, als den, die ihnen reichlich zufließenden Pachtzinse in der Hauptstadt oder im Auslande zu verprassen. Außer dem eben erwähnten Ackerland besitzt Rumänien auch 2757789 ha Waldland, von welchen 1264948 ha dem Staate und 1492841 ha Privaten gehören. Von den letzteren wurden 1905 nur 17,7 % planmäßig bewirtschaftet, während die übrigen einer forstwirtschaftlichen Einrichtung noch entbehrten. Die dem Staate gehörigen Waldungen umfaßten 148381 ha Nadelholz, 239763 ha Buche, 191581 ha gemischtes Laubholz (Buche, Eiche usw.), 281182 h Eiche, 56053 ha weißes Holz (Pappel, Weide), 6749 ha Akazien. Der Rest von 342239 ha war kahl. Genutzt wurden 1889—1899 57 769 ha und 1899—1905 78576 ha mit einem Ertrage von 39685912 Lei, beziehungsweise von 34279120 Lei. Der Brutto ertrag pro ha und Jahr stellte sich auf 45,10, beziehungsweise 72,50 Lei.*) d) Viehzucht, Jagd und Fischerei Die Pferde und Rinder der ehemaligen Donaufürstentümer waren berühmt. Noch vor 40 Jahren wurden sie in großer Anzahl *) Dgl. Anuarul statistic al Romäniei 1912.