50 Kulturelle Verhältnisse Hunderts nach Bukarest übersiedelte. 1883 endlich wurde ein Erz bistum in Bukarest errichtet und die katholische Kirche Rumäniens von jeder auswärtigen Jurisdiktion befreit. In der Moldau trat Fürst Latco zum Katholizismus über und gründete 1372 ein katholisches Bistum in Sereth. Nachdem 6 Bi schöfe diesen Sitz eingenommen hatten, übersiedelte der siebente I. Sartorin, nach Bacäu. Seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts blieb der Bacauer Bischofssitz bis 1677 vakant, dann folgten weitere 12 Titulare. Ende des 18. Jahrhunderts jedoch ließ der russophile Fürst Skarlat Kallimachi einen weiteren katholischen Bischof nicht zu. Der Seelsorgerdienst wurde trotzdem durch Franziskaner und später durch Jesuiten unter der Aufsicht päpstlicher Visitatoren weiter versehen, bis nach der Neuorganisation Rumäniens 1884 ein Bistum in Jassy erstand. Gegenwärtig umfaßt die katholische Kirche Rumäniens ein Erzbistum in Bukarest und ein Bistum in Jassy, welche beide un mittelbar dem päpstlichen Stuhle unterstellt sind. Dem Erzbischöfe von Bukarest steht ein aus 6 Kanonikern zusammengesetztes Kapitel zur Seite. Die walachische Diözese zählt 22, die moldauische 27 Pfarren mit zusammen 93 Geistlichen und annähernd 90000 Gläu bigen. Neben den Kirchen bestehen 6 katholische Schulen, die von rund 600 Kindern besucht werden. In Bukarest erhält die Marien kongregation, in Jassy die Kongregation Notre Dame de Sion je ein Mädchenpensionat. Die materielle Lage des katholischen Klerus ist wenig günstig. Der Staat leistet für ihn nichts; er lebt haupt sächlich von milden Gaben aus den übrigen katholischen Ländern. Die protestantische Kirche fand in Rumänien Eingang an fangs des 16. Jahrhunderts, als die Siebenbürger Sachsen zum evangelischen Glauben übertraten und ihre in der Walachei ansässigen Volksgenossen mitzogen. Evangelische Pastoren tauchten schon um 1670 in Rämnicul-Välcea und in Tärgoviyte, aber erst 1730 in Bukarest auf. Doch kam die protestantische Kirche bis zur Ver einigung der Donaufürstentümer zu keiner rechten Entwicklung. Gegenwärtig besteht sie aus 10 voneinander ganz unabhängi gen Kultusgemeinden, die annähernd 15000 Mitglieder zählen und von denen 3, und zwar eine deutsch-lutheranische, eine ungarisch- kalvinische und eine anglikanische in Bukarest ihren Sitz haben. Die lutheranischen Gemeinden sind dem Oberkirchenrate in Berlin unter geordnet. Verwaltet werden alle evangelischen Pfarrgemeinden von eigenen Vorständen, welche aus den Pastoren, den Schul leitern und gewählten Mitgliedern bestehen. Jede Gemeinde unterhält neben der Kirche auch eine Schule mit konfessionellem Charakter, welche bei den Lutheranern deutsch, bei den Kalvinern