20 Einleitung. wurden; sie sind so tief in den Geist des Volkes eingedrungen, daß sie den Ideengang vollständig verändert, den Glauben verwandelt und die fundainentalsten Anschauungen verrückt haben. Die umgehenden Träume von höheren Daseinsformen haben nicht bloß Glanz und Leb haftigkeit gewonnen, sondern ihre Richtung verändert — anstatt hinter sich die schwachen Farben eines verschwindenden Sonnenunterganges zu sehen, hat die ganze Glorie des Tagesanbruchs den Fimmel vor ihnen erhellt. Ls ist wahr, daß Enttäuschung auf Enttäuschung gefolgt ist, und daß Entdeckung auf Entdeckung, Erfindung auf Erfindung weder die Mühsal derer, welche am meisten der Erholung bedürfen, vermindert, noch den Armen Fülle gebracht hat. Aber so vielen Ursachen schien dieser Mißerfolg beigemessen werden zu können, daß bis auf unsere Zeit der neue Glaube kaum geschwächt worden ist. wir haben die zu überwindenden Schwierigkeiten besser zu würdigen gelernt, hoffen aber gleichwohl, daß das Streben der Zeiten dahin geht, sie zu über winden. Jetzt jedoch geraten wir mit Tatsachen in Kollision, über die kein Zweifel möglich ist. Von allen Seiten der zivilisierten Welt kommen Klagen über industriellen Druck, über unfreiwillige Einstellung der Arbeit, über Anhäufung müßigen Kapitals, über Geldmangel unter den Geschäftsleuten, über Entbehrung, Sorgen und Leiden unter den arbeitenden Klassen. Alle die dumpfe, tötende Pein, die herbe, zum Wahnsinn treibende Sorge, welche für die große Menge in den Worten „schwere Zeiten" inbegriffen sind, beängstigen jetzt die Welt. Dieser Zustand der Dinge ist Staaten gemeinsam, die nach ihrer Lage, ihren politischen Einrichtungen, ihrer Besteuerung, nach der Dichtigkeit der Bevölkerung und nach sozialer Gliederung grundverschieden sind, und kann daher schwerlich durch lokale Ursachen erklärt werden. Es herrscht Not, wo große stehende peere unterhalten werden, aber auch da, wo dies nicht der Fall ist; es herrscht Not, wo Schutzzölle den Pandel törichterweise hemmen, aber auch da, wo der Pandel beinahe frei ist; es herrscht Not, wo noch autokratische Regierungen bestehen, aber auch da, wo die politische Macht gänzlich in den pänden des Volkes ist; in Ländern, wo Papier Geld ist, und in Ländern, wo Gold und Silber die alleinigen Umlaufsmittel sind. Augenscheinlich müssen wir hinter all diesem auf die gemeinsame Ursache schließen. Daß es eine gemeinsame Ursache gibt, und daß dieselbe entweder gerade der sogenannte materielle Fortschritt oder doch etwas damit sehr eng verknüpftes ist, wird mehr als eine bloße Schlußfolgerung, wenn man beachtet, daß die Erscheinungen, welche wir unter dem Namen industriellen Druckes zusammenfassen, nur höhere Potenzen von Erscheinungen sind, welche stets den materiellen Fortschritt be gleiten, und welche sich um so klarer und stärker zeigen, je mehr der selbe zunimmt, wo die Bedingungen, auf welche der materielle Fort-