28 Arbeitslohn und Kapital. Buch I. selben doch mehr formell als fachlich.*) Buckle hat sie als die Grundlage feiner Generalifationen der Weltgeschichte angenommen. Sie wird auf allen oder fast allen großen englischen und amerikanischen Universi täten gelehrt und ist in Büchern niedergelegt, welche die Massen über praktische Gegenstände richtig denken lehren wollen; auch scheint sie mit der neuen Philosophie in Übereinstimmung zu stehen, welche, nachdem sie in wenigen Jahren die wissenschaftliche Welt erobert hat, jetzt auch die Masse der Geister mehr und mehr durchdringt. Sitzt sie auf diese Weise in den oberen Regionen der Gedanken welt fest, so wurzelt sie in roherer Form in den unteren noch fester, was den Trugschlüssen der Schutzzöllner trotz ihrer augenscheinlichen Inkonsequenzen und Absurditäten so festen chalt verleiht, ist der Glaube, daß die für Löhne zur Verteilung gelangende Summe in jedem Staat eine fest bestimmte sei, und von der Konkurrenz der „ausländischen Arbeit" noch weiter verkleinert werden müsse. Derselbe Glaube liegt auch den meisten der Theorien zugrunde, welche auf die Abschaffung des Zinses und Beschränkung der Konkurrenz als die Mittel hinweisen, um den Anteil des Arbeiters an der Produktion zu vergrößern; und er schießt in jeder Richtung empor bei allen denen, die nicht genug denken, um eigene Theorien zu haben, wie dies z. B. die Spalten der Zeitungen und die Debatten der gesetzgebenden Körper beweisen. So weit verbreitet und tief gewurzelt diese Theorie aber auch ist, es scheint mir, daß sie mit unleugbaren Tatsachen nicht übereinstimmt. Denn wenn der Arbeitslohn von dem Verhältnis zwischen den nach Beschäftigung verlangenden Arbeitern und der Summe des zu solcher Beschäftigung bestimmtenKapitals abhängt, so muß der relative Mangel oder Überfluß des einen Faktors den relativen Mangel oder Über fluß des anderen Faktors bedingen. Das Kapital müßte also verhält nismäßig reichlich vorhanden sein, wo die Löhne hoch, und verhältnis mäßig selten, wo die Löhne niedrig sind. Da nun das zur Lohnzahlung benutzte Kapital zum großen Teil aus dem beständig Anlage suchenden Kapital bestehen muß, so wäre der herrschende Zinsfuß der Maßstab des relativen Mangels oder Überflusses an Kapital. Wenn es daher x ) Dies scheint mir mit Thorntons Einwendungen der Lall zu sein; denn während er das Vorhandensein eines vorherbestimmten Lohnfonds, der aus einem zum Ankauf von Arbeit beiseite gelegten Teil der Kapitalien bestehe, leugnet, hält er doch dafür (worauf es füglich allein ankommt), daß die Löhne aus dem Kapital bestritten würden, und daß Kapitalvermehrüng oder -Verminderung gleichbedeutend sei mit Vermehrung oder Verminderung des zur Bestreitung der Löhne verfügbaren Kapitals. Der leb hafteste Angriff auf die Lohnfondstheorie, den ich kenne, ist der von Professor Francis A. Walker (Die Lohnfrage. New Pork *876), doch gibt auch er zu, daß die Löhne zum größten Teil vom Kapital vorgeschossen würden — was so ziemlich alles ist, was der eifrigste Anhänger der Lohnfondstheorie nur verlangen kann — während er gleich zeitig die Malthussche Theorie vollständig anerkennt. Somit weichen seine praktischen Schlußfolgerungen in keiner weise von denjenigen ab, zu denen die Anhänger der herr schenden Theorie gelangen.