32 Arbeitslohn und Kapital. Buch I. denn eine Lehre, auf welche sich so wichtige Betrachtungen gründen, welche von so gewichtigen Autoritäten gestützt, so plausibel und in so hohem Grade fähig ist, in den verschiedensten formen wiederzukehren, kann nicht mit einer Behauptung beseitigt werden. Der Satz, den ich zu beweisen suchen werde, lautet: „daß der Arbeitslohn nicht aus demKaxital, sondern in Wirklichkeit aus dem Produkt der durch ihn be zahlten Arbeit entnommen wird." wir sprechen von Arbeit, die zur Produktion verwendet wird, auf welche es sich der Einfachheit wegen empfiehlt, unsere Untersuchung zu beschränken. Alle Fragen, die beim Leser über den Lohn unpro duktiver Dienste entstehen könnten, lassen wir daher vorläufig beiseite. Nun kann dies, um so mehr als die herrschende Theorie, wonach die Löhne dem Kapital entnommen werden, gleichzeitig auch behauptet, daß das Kapital durch die Produktion wiedererstattet wird, aus den ersten Blick wie eine Unterscheidung ohne Unterschied aussehen, wie ein bloßer Tausch von Namen, worüber zu streiten nur jene unfruchtbaren Dispute vermehren hieße, welche so vieles von dem, was über Nationalökonomie geschrieben ist, so dürr und wertlos machen, wie die Kontroversen der verschiedenen gelehrten Gesellschaften über die §wahre Bedeutung der Anschrift auf dem von lUr. Pickwick gefundenen Steine. Daß wir es hier aber nicht bloß mit einer formellen Unterscheidung zu tun haben, wird sich ergeben, wenn berücksichtigt wird, daß sich auf dem Unter schiede zwischen den beiden Sätzen alle die landläufigen Theorien über die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit aufbauen; daß daraus Lehren abgeleitet werden, welche, wenn man sie selbst als erwiesen ansieht, die fähigsten Köpfe in der Erörterung der wichtigsten Fragen binden, leiten und beherrschen. Denn auf die Voraussetzung, daß die Löhne direkt aus dem Kapital und nicht aus dem Produkt der damit beschafften Arbeit entnommen werden, gründet sich nicht bloß die Lehre, daß der Arbeitslohn von dem Verhältnis zwischen Kapital und Arheit abhängt, sondern auch die Lehre, daß der Gewerbfleiß durch das Kapital begrenzt sei; daß sich Kapital angesammelt haben müsse, ehe Arbeit beschäftigt werde, und Arbeit nicht beschäftigt werden könne, ehe nicht Kapital angesammelt sei; daß jede Kapitalsvermehrung der Lrwerbs- tätigkeit weiteren Spielraum gebe oder geben könne; daß die Um wandlung umlaufenden Kapitals in fixes den für die Beschäftigung von Arbeitskräften verwendbaren Fonds vermindere; daß mehr Arbeiter Lei niedrigen als bei hohen Löhnen beschäftigt werden könnten; daß das auf den Ackerbau verwendete Kapital mehr Arbeiter unterhalten werde, als wenn es in Fabriken angelegt fei; daß der Kapitalgewinn hoch oder niedrig sei, je nachdem die Löhne niedrig oder hoch sind, oder daß er von den Kosten der Erhaltung der Arbeiter abhänge; es gründen sich endlich darauf Paradoxen wie die, daß eine Nachfrage nach waren nicht eine Nachfrage nach Arbeitskräften fei, oder daß gewisse waren