Kap. II. Der Sinn der Ausdrücke. 37 scheu Untersuchungen notwendig, Worten wie „Güter", „Kapital", „Rente", „Lohn" und dergleichen einen bestimmteren Sinn zu geben, als sie in der gewöhnlichen Redeweise haben, sondern unglücklicherweise besteht selbst in der Nationalökonomie keine Übereinstimmung über den Sinn einiger dieser Wörter, indem verschiedene Schriftsteller mit demselben Ausdruck verschiedene Begriffe verbinden, und dieselben Schriftsteller oft einen Ausdruck in verschiedenen Bedeutungen anwenden. Nichts kann das, was von so vielen hervorragenden Schriftstellern über die Wichtigkeit klarer und bestimmter Definitionen gesagt worden ist, mehr bekräftigen, als das nicht seltene Beispiel, daß dieselben Autoren eben aus dem Grunde, vor dem sie warnten, in schwere Irrtümer verfallen. Und nichts zeigt so sehr die Wichtigkeit der anzuwendenden Ausdrücke als das Schauspiel, daß selbst scharfe Denker wichtige Schlüsse auf den Gebrauch desselben Wortes in verschiedenen Bedeutungen gründen. Ich werde mich bemühen, diese Gefahren zu vermeiden. Ls wird durchweg mein Bestreben sein, bei wichtigen Ausdrücken klar zu sagen, was ich damit meine und dieselben dann in diesem Sinne und in keinem anderen zu gebrauchen. Den Leser aber bitte ich, die ge gebenen Definitionen zu merken und im Sinne zu behalten, weil ich sonst nicht hoffen kann, mich ihm verständlich zu machen. Ich werde nicht versuchen, den Wörtern willkürliche Bedeutungen zu geben oder Ausdrücke zu schaffen, auch wenn es bequem wäre dies zu tun, sondern ich werde mich dem bestehenden Gebrauch so weit als möglich anpassen, und mich nur bemühen, die Bedeutung der Wörter so festzustellen, daß sie klare Gedanken ausdrücken. Was uns obliegt, ist, zu erforschen, ob wirklich die Löhne aus dem Kapital entnommen werden. Zu allernächst wollen wir zu diesem Zwecke feststellen, was wir unter Lohn, und was wir unter Kapital verstehen. Dem ersteren Worte ist von den ökonomischen Schriftstellern ein hinreichend bestimmter Sinn gegeben worden, aber die Zweideutig keiten, die sich in der Nationalökonomie mit dem Gebrauch des letzteren verknüpft haben, erfordern eine eingehende Prüfung. Im gewöhnlichen Leben versteht man unter „Lohn" die Ver gütung, die eine gemietete Person für ihre Dienste erhält, und wir sprechen von einem Manne, der „für Lohn arbeitet", im Gegensatz zu einem anderen, der „für sich selbst arbeitet". Der Gebrauch des Aus drucks ist noch weiter beschränkt durch die Gewohnheit, ihn nur als eine Vergütung für körperliche Arbeit anzuwenden. Bei Beamten, Direk toren oder Kommis sprechen wir nicht von ihren Löhnen, sondern von ihrem Honorar, ihrem Gehalt, ihrem Salär. Somit ist also der ge wöhnliche Sinn des Wortes „Lohn" die einer gemieteten Person für körperliche Arbeit gezahlte Vergütung. In der Nationalökonomie da gegen hat das wort „Lohn" einen viel weiteren Sinn und schließt alle Erstattungen für Arbeit in sich. Denn wie die Nationalökonomen lehren, sind die drei Faktoren der Produktion Land, Arbeit und Kapital, und