38 Arbeitslohn und Kapital. Buch I. derjenige Teil des Gesamtertrags, welcher auf den zweiten dieser Faktoren entfällt, wird von ihnen Lohn genannt. Somit schließt der Ausdruck Arbeit alle menschliche Anstrengung bei der Lservorbringung von Gütern ein, und der Lohn schließt als der Teil des Produkts, der auf die Arbeit entfällt, alle Belohnung für diese Anstrengung ein. Im nationalökonomischen Sinne des Mortes macht daher die Art der Arbeit, oder ob ihre Belohnung vermittels eines Arbeitgebers erfolgt oder nicht, keinen Unterschied, sondern „Lohn" bedeutet die für geleistete Arbeit empfangene Vergütung, im Unter schied von der Vergütung, die man für den Gebrauch von Kapital er hält, oder die der Grundbesitzer für den Gebrauch seines Grund und Bodens empfängt. Der Mann, welcher den Boden für sich bebaut, empfängt feinen Lohn in seinen Erzeugnissen, so wie er auch Zinsen und Renten erhält, wenn er sein eigenes Kapital benutzt, und das Land ihm zu eigen gehört; des Jägers Lohn ist das Mild, das er tötet; des Fischers Lohn die Fische, die er fängt. Das Gold, welches der für eigene Rechnung arbeitende Goldgräber auswäscht, ist gerade so gut sein Lohn wie das Geld, das dem gemieteten Kohlengräber von dem Käufer seiner Arbeit gezahlt wird*), und die hohen Gewinne der Ladenbesitzer sind, wie Adam Smith zeigt, zum größten Teil Lohn, indem sie die Vergütung für ihre Arbeit, nicht für ihr Kapital sind. Kurz, alles was als Resultat oder Belohnung der Arbeit gewonnen wird, ist „Lohn". Dies ist alles, was für jetzt über den „Lohn" zu bemerken wäre, doch ist es wichtig, es im Sinne zu behalten. Denn in den meisten ökonomischen Werken wird dieser Sinn des Ausdrucks Lohn mit größerer oder geringerer Klarheit nur anerkannt, um weiterhin ignoriert zu werden. Schwerer jedoch ist es, den Begriff des „Kapitals" der Zwei deutigkeiten, die ihm anhaften, zu entkleiden und den wissenschaft lichen Sinn des Wortes festzustellen. In der gewöhnlichen Redeweise nennt man alle Arten von Dingen, die einen wert haben oder einen Ertrag liefern, Kapital; die ökonomischen Schriftsteller dagegen weichen so weit voneinander ab, daß man kaum sagen kann, das Wort habe einen bestimmten Sinn. wir wollen hier die Definitionen einiger der hervorragendsten Schriftsteller miteinander vergleichen. Adam Smith sagt (Buch II. Kap. I.): „Derjenige Teil eines Vermögens, von dem jemand ein Einkommen erwartet, wird sein Kapital genannt" und definiert, daß das Kapital eines Landes oder einer Gesellschaft bestehe aus: ;) Maschinen und Werkzeugen, die die Arbeit er leichtern und abkürzen; 2) Gebäuden, und zwar nicht bloß Wohnungen, sondern auch solchen, die als Werkzeuge oder geschäftliche Hilfsmittel angesehen werden können, wie z.B. Läden, Scheunen, Speicher usw.; 3)Verbesserungen des Grund und Bodens, *) Dies wurde auch in Kalifornien in der gewöhnlichen Redeweise anerkannt; dort nannte der Goldwäscher seinen Verdienst „Lohn" und je nach dem Betrage des ge wonnenen Goldes sagte er, er mache hohen oder niedrigen Lohn.